Mannheim
Compact Memory

Der Schild · 1937-11-12 · 46 (12.11.1937) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
46 (12.11.1937)
Date
1937-11-12
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4911661-5448596-5449723--276-4916392
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

eingesetzt. Schwer waren seine Verluste, darunter der Regimentskommandeur Oberstl. Sander. Ep war' am 1. August, die 2. Kompagnie wtirde mit schwerstem Artilleriefeuer eingedecki Jegfche rückwärtige Verbindung . war zerstört. So mußte jede Meldung durch freiwillige Patrouillengänger iibefbrachtj werden. Es war zwischen 12 und 1 lUhr mittags. Dem Gefreiten Erich Lange einem der wenigen, die den Feldzug bereits vcjn Anfang an mitmachten, war die ^Führung der Patrouille übertragen. Zwar machte ihn sein Leutnant darauf aufmerksam, daß nur gute täufer dazu geeignet wären. Aber obwplil noch andere Gefreite da waren, bestand1 or darauf, die Meldung zu übernehmen; prannte er doch in soldatischem Ehrgeiz dhrauf, :sich die Unteroffizierstressen zu verdienen... Auf diesem Patrouiljengang, bei dem der vollständig; eingeschossene Graben nur sehr wenig Detikung bot, ereilte ihn der Soldatentod. Der jZiinde^ eines krepierenden Schrapnells traf ihn arj den Kopf und riß ihm die SchädelJeike ab. Die hinzueilenden Kameraden kon iten nur noch den Tod feststellen und seine l Nachlaß bergen- Zuisclu-: den Dörfern Flers und Löngueval wurden spine sterblichen Ueberreste von Kamcradeii zur letzten Ruhe,gebettet. Eine Mutter, eine Witwe hatte ihr Kind zuin Opfer gebracht. In dem Brief, in dem Feldwebel [Muscliner ihr den Heldentod ihres Lohnes imjldete Und schilderte, hieß es: „Sie können stjolz auf Erich sein!“ Er habe ein leuehicnde^ Beispiel „aufopfernder Pflichterfüllung bis zttin letzten Atemzuge“ gegeben. Und dann; noch diese schlichten Worte aus dem Schützengraben, dieuns heute noch zutiefst anspfechen: „Sehr geehrte Frau Lange, seien Sie stark! Gott hat ein großes Opfer von Ihnen und von uns verlangt. Wir wollen nicht zagen und bangen; furchtlos, treu und fest atif Gottes Führung hoffen. Er wird noch alles zu unserem Besten fügen.“ Der Mann, der diese Worte mannhaften Trostes a.i eine jüdische Soldatenmutter ru.:.e’.e; w urde schon wenige Tage späier vom gleichen Schicksal ereilt. Hauptniaiin lllgner, vordem Langes Kompagniv-Chef, hatte auch als Kommandeur des 11. Bataillons Lange stets im Auge behalten. Wie sehr ihn der Tod Erich Langes ergriffen, zeigt der Brief, den auch er an dessen Mutter gerichtet -und worin er von eeiii „ganz, 'außergewoiinlich schweren Opfer“ spricht, „das Sie als Witwe dem Vaterland gebracht“. Frau Lange hatte ihn darauf wegen der Bergung der Ueberreste ihres Jungen angefragt. Die Kompagnie war inzwischen in einem anderen Abschnitt eingesetzt. Am Vormittag des 25. August suchte Hauptman» lllgner den -Feldwebel Muschner in seinem Unterstand auf und sprach längere Zeit mit ihm, wie es wohl zu ermöglichen wäre, die Ueberreste Langes zu bergen. „Wir trennten uns (so schreibt er der Mutter) mit der traurigen Uftber/eugung, daß es ein ganz aussichtsloses ' Unternehmen wäre.“ Am Nachmittag des gleichen Tages wurde Feldwebel .Muschner vor seinem Unterstand durch einen Granatsplitter in den Kopf getroffen und aut der Stelle getötet. (Frau Lange ist Mitglied der Kriegsopfer-, abteilurig in Breslau.) Todesahnung Lakonisch meldet unser Gefallenen-Gedenkbuch auf Seite 1‘j5: ,,Katzenstein, Gustav. Geburtsdatum 23. 6. 96. Geburtsort: Wattenscheid. Todestag: 28. 11. 16. Truppenteil: 1. MGK. Füs. R. 90. Dienstgrad: Gftr. Verlustmeldung: 711.“ Was sich hinter diesen trockenen Angaben verbirgt, erfahren wir aus dem Briefe eines Kameraden, des Gefreiten Otto Pasedag, an Katzensteins Angehörige in Dortmund. Beide waren bei einer Kompagnie, hatten auf einer Stube gelegen, waren zusammen ins Feld gekommen; und in der Nacht vom 25. auf den 26. November 1916 gingen sie zusammen aut Patrouille. Sie hatten den Auftrag, aus denj englischen Graben Maschinengewehre herüberzuholen. Die Ausführung konnte nicht glücken, Ida alle englischen Gräben besetzt waren, sodaß sie .von einem furchtbaren Feuer empfangen wurden. Es war morgens 3.30 Uhr, als die Kugel den Gefreiten Katzenstein erwischte und er an Pasedägs Seite verwundet zusammenbrach. Dieser treue Kamerad brachte ihn noch nach der deutschen Stellung zurück, wo ihn die Sanitätskompagnie in Empfang nahm. Wie er fiel; schildert der Brief eines anderen Kameraden, W. Ahlefeld, in ergreifenden Worten. Wir entnehmen ihm folgendes: „Wir Waren noch ganz munter zusammen, lachten uad scherzten zusammen, bis das unersättliche; Feuer einsetzte. Da' wurde er so ruhig unijl schaute mich mit seinen lieben Augen sd groß an. Nach einer Weile umklammert^ er meinen Arm und sagte: „Walter, mein liebier Freund, Du schreibst doch an meine Eltern, nicht wahr?“ Anfangs wußte ich nicht recht, was ihm geschah, hernach vers ichte ich, ihm seine Einbildung auszurede i, was mir jedoch schlecht gelang. L: ngsani schleppte sich der Tag hin und es wurde Abend und Nacht. Unheimliche Dunkelheit umgab uns, gestört von dem Aufblitzen von Geschossen und Leu« htkugeln. 3.15 Uhr heute früh ging’svor, auf den englischen Graben zu, es herrschte Tbt<nstille. Plitzlich setzten Maschinengewehre ein, und unai fhaltsam sprachen sie ihre unheilvollen, monotonen Urteile ohne Wahl. D i fiel Gustav. Vor dem englischen Graben sackte er allmählich um, er fiel zu Tode getrof■ en. Er zuckte noch eine Weile tfiit den Füß;n, legte dann die Hand aufs Herz und vers :hied. E hat es scheinbar vorher gewüßt... . E war eine freiwillige Patrouille. Gus:av hatte mich gebeten noch kurz vor dem Unglück, ich möchte es Ihnen verbergen. Er ist gefallen als echter ... Held, . dessen eise ne Ruhe ich, der ich auch schon zum drit en Male im Feld bin, bewundern mußte.“ Der leiler der KriegsopferiDteiiong ln Sdileslen Breslau. Nach längerer Pause hatten wir die Freude, unseren lieben Ehrenkam. Dr. Emst Rosenthal, Berlin, wieder in unserer Mitte /u begrüßen. — Etwa 400 Kriegsopfer, Kameraden und deren Angehörige füllten den Saal der „Gesellschaft der Freunde“, als der Ortsgruppen-Vorsitzende: Kam. Elk-eles der Toten der letzten 'Kriege und Grenzschutzkämpfe gedachte. Kurze geschäftliche Mitteilungen leiteten zu dem Vortrag des Kam. Dr. Rosenthal über, der in seiner bekannt sachlichen Art sofort festen Kontakt mit den Zuhörern bekam. An der Hand von Tatsachen-Material zeigte er das weite Arbeitsfeld des Bunde* auf. In ihm nimmt die Betreuung unserer Kriegsopfer einen ganz besonderen Raum ein, von dessen Größe sich ein Außenstehender nur sehr schwer einen Begriff machen kann. Damit unsere jüdischen Kriegsopfer ebenso wie alle anderen Opfer des Weltkrieges beraten, vertreten und betreut werden können, ist engster Zusammenschluß aller Kameraden und größte Opferwilligkeit dringendes Erfordernis. — Die Anwesenden erfuhren von den vielen sozialen Einrichtungen der einzelnen Landesverbände und Ortsgruppen. Die Breslauer Kameraden haben mit großer Freude, aber auch mit berechtigter» Stolz das besondere Lob des Bundesvorsitzenden über die beispielhafte Tätigkeit | unserer Kameradenspeisung vernommen, diel jetzt im 5. Winter 250 tägliche Mittagspoirtionen ausgibt. — Der lebhafte Beifall zeigte dem Kam. Dr. Rosenthal, daß wir ihm für keine und des Bundes unermüdliche f Arbeit Efank wissen. •* Nach einer kurzen Pause, in der für die Jüdische Winterhilfe gesammelt wurde, plauderte Kam. Dr. Fried über Reiseeindrücke in USA. Was er sagte, war mehr als eine liebenswürdige Plauderei; der Zuhörer erlebte förmlich die plastisch geschilderten Eindrücke eines Einreisenden in die Vereinigten Staaten, die für viele Juden aus Deutschland die neue Heimat geworden sind und wohl auch in Zukunft ein begehrtes Auswanderungsziel bleiben werden. Auch diesem Redner zollten die Zuhörer lebhaften Beifall. * Beuthen O. S. Der Landesverband Oberschlesien hatte die Freude, den Leiter der Kriegsopfer-Abteilung der Bundesleitung Kam. Oberlandesgerichtsrat a. D. Dr. Ernst Rosent h a 1, bei sich zu Gaste zu sehen. Am 6: November 1937 fand in Beuthen ein Abend der Ortsgruppe und ihrer Kriegsopfer-Abteilung< statt, an der Kam. Dr. Rosenthal einen Vortrag: „Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und seine Kriegsopferarbeit“ hielt. An Hand reichen Materials entwarf er ein fesselndes Bild der Bundesarbeit von der Gründung des Bundes bis zum heutigen Tage. In besonders eindrucksvoller Weise legte er seinen Ausführungen die Verpflichtung des Bundes zur Betreuung der Kriegsopfer zu Grunde und zeigte im einzelnen die Wege auf, die dies :n wichtigsten Zweck des Bundes erfolgreicl i gestalten können. Die zahlreich^ Versam ulung war von den Darlegungen sichtlich beei idruckt, die in erschöpfender Wefse die segi nsreiche Arbeit des Bundes und seiner Kri« gsopferabteilungen ebenso erkennen ließen, wie sie in formvollendeter Weise vorgetragen wurlen; der Vortrag wurde mit starkem Beifall entgegengenommen. j Ir seinem Schlußwort wies der Vorsitzende der Ortsgruppe auf die hingebungsvolle und von kameradschaftlichem Geist getragene Arb :it der Bundesleitung und des ersten Sachbe| beiters der Kriegsopfer-Abteilung hin un4l verl and mit dem Ausdruck des Dankes für' die, zum Nutzen der Juden in Deutschland aus so warmem Herzen und mit so viel Verständnis für die Forderungen der Zeit in Stilb m Ernst geleistete Arbeit das Gelöbnis, die Arbeit des Bundes mit allen Kräften zu förd ern und zu unterstützen. D ehrt e Veranstaltung begann mit einer Totenng, in die alle im Weltkrieg und in den Nac lkriegskämpfen sowie die Nin Palästina zur Ehre des Judentums gefabenen Kamerad« n einbezogen wurden, und schloß mit einem aufrichtigen und herzlichen Dank an den Vortragenden für die frische Kraft, die er < lurch seinen Besuch der Ortsgruppe und den führenden Kameraden zugeführt hat. Zur großen Armee Kiefeld. Am 3. November wurde unser Ehr mmitglied, Mitkämpfer von 1870/71, der Vet :ran Philipp Daniel, Friemersheim, zu Grase getragen. Er war einer der wenigen noc i lebenden Kämpfer aus dieser Zeit und erinierte sich stets mit Stolz an diesen Feldzug an dem er in treuer Pflichterfüllung teilf enommen hatte. — Eine große Zahl unsere r Mitglieder geleitete den Veteranen zu sein;r letzten Ruhestätte, wo der Vorsitzende rer Ortsgruppe, Kam. Heymann, die letzten Wohe des Abschieds sprach. E isen. Am 8. Oktober ist Kam. Max St« i n b e r g und am 18. Oktober Kam. Sally H a nauer verstorben. Beide waren langjährige Mitglieder der Essener Ortsgruppe. H eideiberg: Die Ortsgruppe hat Kam. Ludwig Weil, Walldorf, am 2. 11. 1937 verl sren. F ankfurt a. M. Die Ortsgruppe erfüllt die trairige Pflicht, von dem Ableben unserer Kar i'eraden Salomon Aber, Albert Königsb e g e r und Karl Rheinstein Kenntnis zu geben. Bsrlln. llam. Leopold .Jontofsohn, Mitgliel d. Ortsgr. Stegfried, wurde zur Großen Am lee abberufen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.