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Der Schild · 1937-10-01 · 40 (1.10.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
40 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ni. 40 / 16. Jahrg. Berlin, 1. Okt. 1937 Preis 1# Pfennig ■f H E RAU SG EBER*. REICHSBUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. WÖCHENTLICH * MIT DEN OFFIZIELLEN MITTEILUNGEN Beiblatt) ..DIE Kt? AFT", Offizielles Organ des Schild, Sportbnrd des Refchsbundes jüdischer Frontsoldaten DER KRIEGSOPFER-ABTEILUNG Sdirlftlritoog and VcrU|t Relchsbttnd Frontsoldaten E. V; Berlin W15, Knrfflrstendanitn 300. Fenmtf 91 RedektlonS' n, Ans*l4ca*chltt£ Jeden Dicneta^ tot ErsAetoen. Für tmrerUntft etofebeod« Manuskripte wird keine Gewähr BecuHprelei RM 0,40 monatllA xazOglljii Postbestelltfeld. Anzeigenpreis! Die 9 gespaltene Millimeter «Zelle Anzeigentarif derch die AnzelgsnTerwaltjmg t Bepa* Verlag, Benskl e PmkosAer, Berlin W 50, Regensbarge * 85 71. Postscheck i Berlin 76142. Tslsflramr"*»*'*"*« Srixlldksmersd. C beraonunen. Bel Nichtlleferang ohne Versdmlden UnVergfttangsensprudL MM 0,16. Stellenangebote and 'Geeache, Psmlllenanzeigen RM 0,10. Strebe 21. Feraspreditr i 24 66 97. Postscheck i Berlin 325 29. Die Kompanie Ein schwerer Tag laig hinter uns. Vom ersten Morgengrauen aiT hatte ] die Schlacht getobt und über das Feld brandete der Feuerlärm des Krieges. Nun kam die iNacht. Ueber die Felder wehte sie herauf und über die Wipfel der Wälder ging sie nieder, frische Kompagnieen lösten unsere ermatteten und gelichteten Reihen ab. Wir marschierten zurück, ausgepumpt, stumpfen Blickes, die Waffe1 umgehängt begannen wir zu marschieren. Einer hinter dem Anderen trotteten wir einen schmalen Pfad, Gestrüpp und niederes Gezweig rissen an uns, aber wir merkten es nicht. Keiner sprach ein Wort, denn in uns wählte das Erlebnis der letzten Stunden, wo der iTod uns umtanzt und die Erde Blut getrunken hätte. Nur Durst verspürten wir, brennenden Durst, wie ihn wohl ein Fieberkranker fühlt, wie Brand glühte er in uns und unsere Lippen waren zum Zerspringen trocken. Schließlich war unser Marsch nur noch ein schlurfendes Geschiebe, ein willenloses Vorwärtsdrängen der Körper, die wie unter einer unsagbar schweren Last erzitterten. aller Art. Ein gespenstiges Dorf war es. Men öde hier sehen hausten in ihm, und doch war es wie ausgestorben. Denn Niemand durfte laut sprechen, kein Licht angezündet werben, nicht einmal eine Zigarette durfte brennen. Und so lag es da mit seinen verwüsteten Gärten, den halbzerfallenen öden zerstörten Häusern wie in einem Bann, und in seinen Gassen bewegten sich lautlos und stumm die Gestalten der Männer und gingen ernst und schweigend ihrer harten Arbeit nach. Em paar Ställe wurden uns als Quartier zugewiesen. Die schweren Ackerpferde, bie einer Munitionskojonne zugehörten und dort stanben, wurden gefüttert und schnoben leise, nur mit Mühe konnten sie ruhig gehalten werden. Ein MGK.-Zug rüstete zum Weitermarsch und lautlos trat die Mannschaft an. Wir schnallten das Gepäck ab und warfen uns auf den Boden. Schlafen. Jetzt schlafen? Wer hätte jetzt schlafen können? Jetzt waren die Nerven wach und sprangen in uns auf wie Flammen, jetzt surrte wieder in den Ohren das Hellen der Granaten, hallten die Schleie der Getroffenen und sickerte aus den Zerfetzten Leibern das Blut. War es da nicht besser draußen auf der Straße? Der t kühle Wind tat gut und über uns wölbte sich die Nacht, über uns war das Licht des Himmels mit seinen stillen Wundern, jene Welt über unserer Erde, über unserer Unrast und unserem- Ringen — — — nahe und doch unejndlich ferne die Welt der Ewigkeiten umj des Friedens. Ja, draußen auf der Straße \yar es besser, als im engen und stickigen Still; so hockten wir uns nieder und ^preßten ijns an die Mauern der Häuser und langsam kam über uns der Schlaf. Mit dem frühesten Morgen versammelten Einmal staute sich der Zug. An den Resten eines kleinen Zwischenwerkes, das am Weg lag, hatten wir ein paar Regentonnen mit Wasser angefüllt entdeckt. Wie die Tiere drängten wir uns um sie, rissen die Kochgeschirre heraus, bespülten uns die Gesichter und tranken gierig das kühlende Naß. Dann ging es weiter. Am Fuße eines Abhangs lag ein Dorf, das war unser Ziel für den Rest der Nacht. Es lag in der Kampfzone und jwar vollgestopft mit Truppen und Formationen s. Me rgen wir uns dann auf einem Stückchen Cjarten. Nun war es hell und Tag. Wir sahen auf unsere verkrusteten und beschmutzten K&eider, blickten uns immer wieder um und schauten uns fragend an, — nein, es kam Keiner mehr. Und dann begann ein traurige^ Geschäft. Der ffeldwebel kam und die Schreiber und wir traten an. Der Feldwebel nahm sein Buch und las; die Namen der Mannschaft vor; und wer zuf Stelle war, mußte mit-leinem „Hier“ antworten- Und der Feldwebiel 4as und immer schwerer und eisiger formteh sich die Namen der Männer auf seinen Uppen. Und immer {seltener kam die Antworj und hallte zurück mit einem „Hier“. Tot ,— — verwund ejt öder verschollen |— — ein winziger1 Rest — — eine Hanbivoll Männer, ^las war die Kompaglnie! Das war alles, was dem Brand der Schlacht - war. Eine kleine Schaar, lüberentkommen ‘r, in nächtigt und zerwühlt auf dem Stücjkchen Garten — wartend und harrend — ijiedergedrückt unter der Wucht der Erlebnisse! Eine winzige Schaar und dennoch'-eine Schaar von M ä n n :rn . Männer, die sich näßten, nicht haderten und jammerten ob der!Härte ihres Schicki ials, Männer, die still und entschlossen wieder nach der Waffe griffeh und den Gurt fester schnallten — — — efci Beein Kern, ein Halt, in Kameradmengeschweißt — —, ein JI dann aus dem unerschöpflichen Quell des Nachwuchses das neue Lebeh und die neuen Kräfte schaaren konnten. | T stand war es schaff zusammengeschweißt — —. ein [Kern, um den sich Wenn wir solchen' Erinh Krieges uns«: schichte sich uns gleic wie wir sie Ein Gang, e eine Flucht das sind die Lauf unserer War es nicht bis in seine zerstört woi Stadt Jerusäl Schwert des als jüdische Menschen heufte aus Gr erungen an die Zeit des Großen re eigene jüdische1 Ge ■ betrachten, so vergegenwj h ähnliche erschütternde eben zu schildern jn Weg, ein Marsch, ein Kampf, über die Stätten dieser Erde; Zeichen, unter denen siifh der Geschichte meistens abspiette. oft, daß das Volk Israel nahezu letzten Tiefen aufgerieben und >4den wäre? ln der volkreichen igt em entkamen nur wenige dem Römers- Der ununterbrpehene Ansturm £egen die sich zerstreuende Nation hat immer wieder die Gemeinden zerstört und die Grundlagen ihrer Existenz vernichtet. Familien sind ausgerottet oder ihre Mitglieder auseinander getrieben und über den Erdball gejagt worden, Haß und Vernichtung ward gesät — und dennoch, dennoch bfieb e i n Kern, ein Bestand, dennoch, waren immer Männer da, die sich emporrfesen aus dem Elend und Jammer und das Banner vor sich hertrugen und der Welt das gewaltige - Schauspiel unvernichtbarer Selbstbe lauptung gaben. Fast jede jüdische Generation stand vor der Aufgabe, nicht nur die Zahl sondern auch die seelische Kraft der Gero einschaft in eine bessere Zukunft hinüberzuretten. Und wie diese Aufgaben unseren'Vorfairen auferlegt waren, so sind sie in viellei :ht noch nie dagewesenem Ausmaß auch uitsei en Schultern aufgebürdet worden. Schicksalhafte Entscheidungen stehen bevor und wir alle sind beschworen und verpflichtet, unser«: Kräfte diesen Forderungen restlos zur Verfügung zn stellen. Wenn es trotz allem immer n ich unter uns Menschen gibt, die sich diesen Pflichten entziehen und den gewaltigen Geschehnissen nichts als ihre „Bedenken“ entgegen zusetzen haben, so ist das tief bedauerlich. Aber wie gewiß es ist, daß sie den gewaltigen Rhythmus, in <iem unser jüdisches Leben treibt, nicht hemmen und stören werden, so gewiß spll es auch sein, daß von uns afc üdischen Frontsoldaten alles getan ,wird, uni gerade sie auf- und wachzurütteln. Denn niemand ist zu gering, als daß er nicht zu der Kompagnie, zu dem eisernen Bestände gehörte, der jüdische Wesenheit und jüdische Lebenskraft ausmacht Es ist deshalb wahr ich kein müßiges Tun, wenn wir immer wied«r unsere Stimme erheben, und auch nicht unser: Schuld, wenn wir des Oefteren in unserer Arbeit mißverstanden werden. Denn wir glauben unerschütterlich, daß unsere Ideale di: Realitäten sind, deren eine Gemeinschaft i:i krisenhafter Zeit und im Ringen um ihren Bestand in höchstem Maße bedarf. Wir glau >en, daß die Erhaltung und Bildung eines Bes von Männern, die über all und Parteiziele hinweg die Forderung kameradschaftliche Geschlossenheit bundenheit, auf Opferbereitschaft und auf und Ge» äußerste Selbstbeherrschung anerkennen und zu erfüllen sich bestreben, der jüdischen A 11 g heit nach jeder Richtung hin nur und forderlich sein können. omeindlenllch Kam. Paul Ollendorf. IHHHMIHMHIHHMHHIHHHMHHHIlHIHHIHMIIHIItmiMHIItHMmMIMHHIMHM Spendet unseren Kriegsopfern - Überweisung« Postscheckkonto Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (Kriegsopferab IMMMIIMIIMIIMHS 1 euf-- 140206 e. V. tellung)

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