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Der Schild · 1937-08-13 · 33 (13.8.1937) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
33 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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I ten in den imeisten Ländern ergibt — charakterlich für einen jungen Menschen, der sich künftig allein und meist überhaupt ohi\e oder ohne ausneichende finanzielle Hilfe in einer fremden Welt durchschlagen soll, noch nichts getan.. Die Verhältnisse haben uns gelehrt, daß es nicht so sehr notwendig ist, junge Menschen einen „guten- Beruf“ erlernen zu ' lassen, wie sie so zu erziehen, daB sie in jeder Lage dem Leben gewachsen sind, daß man sich auf. sie und daß sie sich selbst auf sich verlassen 'können. Selbständigkeit, Takt, Charakterfestigkeit, Beharrlichkeit und Vorurteilslosigkeit sind Erziehungsergebnisse, die | schon an sich so wertvoll sind, wie die beste Berufsausbildung. Wenn es darüber hinaus : noch gelingt, die Jugend zur Liebe zum Leben und zur Freude am Erreichbaren zu erziehen,; wenn Freude am Geist und Körper ihr Le-| be n s a n t r i e b wird, braucht niemand um 1 at£ Zukunft seiner Kinder bange zu sein. WU T-iOhUoldakeH sutd dei HleütuHf.... Vor einer Woche wurde hier die außerordentliche Verantwortung unterstrichen, die auf dem in Zürich tagenden XX Zionisten 7 Kongreß nicht allein seinen Wählern gegenüber1, sondern vor allen Juden ruht. Demgemäß verfolgt man den Verlauf der Debatten mit hoher Aufmerksamkeit und sieht mit gespanntem Interesse ihrem Ergebnis, der Stellungnahme des Kongresses zu dem Teilungsplan der englischen Regierung entgegen,1 die der Präsident der Jewish Agency Dr. Weizmann dann sogleich der in Genf tagenden Mandatskommission des Völkerbundes übermitteln wird. Besonders wird von den Juden in Deutschland und darunter nicht zuletzt in Kreisen unseres Bundes jede Aeußerung auf dem Kongreß verfolgt, aus der sich Rückschlüsse auf. die künftigen Einw ander ungsmög Pi chkeiten in Palästina im Falle der Teilung ergeben; einige diesbezügliche Betirteillungen hier aus den Kongreßberichteri herqusgezogen zu finden, wird unseren Kameradfen willkommen sein. Schon vor einer Woche erwähnten wir, daß Dr. Weizmann vofl der Möglichkeit gesprochen hat, in den nächsten 2 Jahren 2 Millionen Juden nach Palästina zu bringen, falls gewisse Verbesserungen des Teilungsvorschlages im Verhandlungswege durch- •zusetzen sind. Im Verlaufe des Kongresses . hat er dies noch näher Umrissen. Gibt uns, so fragte er, der Teilungs-Vorschlag die Möglichkeit einer Einwanderung in bedeutendem Maßstabe? Er habe in seiner Hauptrede von 2 Millionen gesprochen; diese Ziffer könne kleiner oder größer sein, er 'habe sich nicht festgelegt. Er wolle nur sagen, daß 2 Millionen Menschen in 20 Jahren eine Einwanderung von 100.000 pro Jahr bedeuten und das sei nicht von Pappe; das hätten sich auch die Zionisten früher nicht träumen lassen. Ferner, bemerkte Dr. Weizmann: Entscheidend sei die Frage, ob der Judenstaat eine nennenswerte Einwanderung von 50—60.000 jährlich in den nächsten 20 oder 25 Jahren ermögliche. Er skizzierte sodann die Vorschläge für die Besiedlung, wie sie Vorgelegen haben, und kommt zu dem Resultat, daß der Teilungsplan in kolonisatorischer Beziehung keinen Nachteil, sondern sogar erhebliche Vorteile böte. - Dr. Arthur Ruppin erklärte, es gäbe in Palästina noch 2 Millionen Dunam bewässerbaren Bodens, die bisher noch nicht bewässert sind und auf denen ebensoviel, wenn nicht mehr Menschen leben könnten wie im ganzen übrigen Palästina; es sei die Möglichkeit zur Ansiedlung von 100.000 bis 130.000 Familien geboten, (d. h. ca. 500.000 bis 650.000 Menschen d. Red.). Sogar in einem größeren Palästina, sagte Dr. Ruppin zl Magister-Kirsch«” ronfkämpf er -Kindi In weiten Teil, n des Reiches sind die großen Ferien vorüber, in anderen Teilen gehen sie ihrem Ende ent {egen. Auch in diesem Jahre hat die Kamera Ischaft in unserem Bunde es möglich gemacht, vielen Kriegsopfer- und Frontkämpf erkindem einen Erholungsurlaub zu verschaffen, deren Eltern sonst hierzu nicht in der Lage gewe ien wären. Wir werden über die Eerienkinderverschickung in unserem Bunde noch einen umfassenden Ueberblick geben, wenn die Berichte der Landesverbände bei der Bundesleitung vorliegen werden. Heute aber soll hier von den vielen Karten uid Briefen der Ferienkinder ein einziges Briefch :n zum Abdruck kommen, das der 14 jährige Jinge eines unserer Kameraden in Hannover an die dortige Ortsgruppe geschrieben hat Dieser eine Brief soll zunächst für viele sprechen! In seiner jugendlichen Ursprünglichkeit soll er sprechen von dem in seiner Bescheidenheit so schönen Glück, daß unsere Jugend der Verbundenheit mit der Natur verdankt. „Als es in Hannover bekannt wurde, daß der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Ferienkinder aufs Lani schicken wollte, hoffte natürlich Jeder dabe sein zu können. Als mir nun Herr Glaser eines Morgens mit.eilte, ich gehöre zu den Auseipvpihlten und käme nach Lingen, da kannte meine Freude keine Grenzen. Nach einigen Tagen, war es dann so weit. Um L* 0 Uhr vormittags trafen wir fünf, Gerd, Claus, Heinz, Evalotte und ich, uns in der Escherstr. und wurden in den Wagen eines hannoverschen Kameraden verpackt; wie wir uns fühlten Ml Jeder bekam von seinen Eltern noch einen Abschiedskuß und einen Haufen Ermahnungen. Dann gings los, „zum Städtle hinaus“. Nach einer schönen Fahrt über Bückeburg, Minden und Osnabrück langten wir gegen mittag in Lingen im Emsland, der Heimatstadt des berühmten Rennfahrers Bernd Rosemeyer, den wir hier auch begrüßen konnten, an. Wir wurden auf drei Familien verteilt. Ich kam mit Heinz und Claus zu Onkel Max und Fror 11 liehe Max Danl; UUr zum Schluß, wird nicht Platz sein für alle Juden, die in den nächsten Jahrzehnten ihre Wohnländer verlassen müßten. Dr. Curt Blumenfeld fragte u. a.: Wieviele Millionen müssen wir aufwenden, um in der bisherigen Art Boden zu erwerben? Er hält unter den Voraussetzungen eigener Staatlichkeit die Aussichten für rasche und größere Kolonisation wesentlich besser. Dr. Aron Barth vom Misrachi wandte sich gegen den geplanten Judenstaat; die Siedlungs- Möglichkeiten würden wesentlich kleiner sein: entweder werde man versuchen müssen Masseneinwanderung durch Industrialisierung herbeizuführep, dann fehle der landwirtschaftliche Unterbau, — oder man werde die landwirtschaftliche Basis verstärken, dann könne man keine großen Massen in das Land bringen. Der Vorsitzende der Zionistischen Exekutive -Ben Gurion empfahl, vorerst durch Verhandlungen mif der englischen Regierung zu klären, „ob uns ein wirklicher Judenstaat angeboten ist, der groß genug ist, um jüdische Massensiedlung zu ermöglichen, dessen strategische Sicherheit gewährleistet ist und zu dem Jerusalem gehört“; der geplante Judenstaat sei nicht ein Ende sondern ein Anfang. In einer besonderen Sitzung meinte der Vertreter des palästinensischen Landwirte-Verbandes Smilansky, daß etwa 80 v. H. des anbaufähigen Bodens Palästinas auf das geplante Staatsgebiet entfallen und daß man dort in nächster Zukunft 50000 Familien ansiedeln könne; für den Teilungsplan müsse man auch eintreten, weil Pac h Jud tere zu D lioi ST Jur biet als geJS| in die lan 1 er in Ferien Tant: Else. Wir schlossen mit ihnen sofort Freuidschaft. Nach dem Essen Wirde erst einm il alles besichtigt und die Sa :hen ausgepa:kt Der Nachmittag verging rasch, und nach einem feierlichen Freitagabend legten wir uns nieder. Wir hatten einen erlehnisreich :n Tag hinter uns. — Un d nun ist es so weit, daß wir bald wied :r nach Hause müssen. Viel, viel zu rasch verg ng die Zeit. Wie viel haben wir schon erlebt! Dreimal suchten wir Pfiffe«linge und bekamen über 20 Pfund zusammen. Dieses Pfiff rlingsammeln ist eine Beschaff gung, die man so leicht nicht überdrüssig w rd. Wenn man auf den Hügeln zwischen de 1 dunklen Tantennadeln die gelben Pilzchen funkeln sieht so freut man sich immer vrieder des schö ien Anblicks. Sc! ton etwas mühsamer ist das H eidel- und Bron ibeersammeln. Erstere füllen wegen ihrer Kleit heit die Büchse sehr langsam, und letzte erscl weren das Suchen durch ihre Domen. Aber wenn man dann nach getaner Arbeit die volle Büchse sieht, möchte man auch diese klein; Arbeit nicht missen, denn ule schmecken erst selbst gesammelte Pilze und Beeren! Viel besser, als wenn Mutter sie Lauft! Vcn der Umgebung Lingens lernten wir auch schon manches kennen. Mehrmals besuch en wir den Ems-Wasserfall be Hanekenfähr, welcher einen erhabenen Anblick bietet. Das Restaurant „Hanekenfähr“ besitzt fabelhaft« Papageien. Sie können sehr gt t sprechen: ,Pa{ a, ein Glas Bier“ „Lora trill Kaffee habe a“ usw. schallt es durch den Kaffeegart» n. Außerdem waren wir schon in Haselunn , Lengerich und den Riesensjteingräbern in T luine. — I Bald heißt es Abschied nehmen Doch wir wollen nicht traurig sein, sondeml im Oegenimmer werden wir von der schönen Erinnerung zehren und den Kameraden vom bund dankbar sein, daß sie uns so herr- Ferien bereitet haben. Und auch Onkel und Tante Else gilt zum Abschied unser denn sie haben den größten Anteil an unseren Ferienfreuden. [ Kurt, Claus, Heinz, Evalotte I und Gerd.“ lästi a nicht weiter aus Spenden aufgeb: ut werden könnte. j Di r Siedlungsfachmann Dr. Sosskin sprach über landwirtschaftliche Möglichkesten und erklär e, daß bei entsprechender Intensivierung auf lern in Betracht kommenden Gebiet vier Millionen Menschen wohnen könnten. D x palästinensische Arbeiterdelegierte Baratz äußerte, die Berechnung, es würde durch intensive Wirtschaftsmethoden auch unter dem j e t Eigen System viel erreicht (werden können, hatte sich als falsch ertyiesen. Pi of. Brodetzki erklärte, es sej ein Mär- Lin, wenn man glaube, in dem für den Ifnstaat in Betracht kommenden Gebiet wei- 2 Millionen Menschen seßnaft machen «önnen. . Emil Schmorak, Führer der! Allgemeinen Zioi isten Gruppe B Ostgaliziens, äußerte, er glaube weder daran, daß eine Million Dur am bewässerbaren Bodens in diesem Genau erworben werden, noch daß mehr eine weitere halbe Million Jaden in den anten Staat hineingebracht werden könne. - an sieht, daß die verantwortlichen Ansich len führender Zionisten über den Wert des gep anten Staatsgebildes ab Einwanderungs- Siedlungsgebiet diametral «iseinanderge- —Wir wissen aber auch, daß! — bei Ab- Iehi ung des TeilungsVorschlages — auch die Alternative keine sehr lockende 1 Eihwanderun {saussichten in Palästina eröfl net Wie die letzte Entscheidung also auch fallen mag, die Ansichten für jüdische Massenünwanaerung Palästina sind zumindest uristritten; Lebensinteressen der Juden in Deutsch- —-p machen es daher notwendig, der Erschießung anderweitiger Auswai laerungsmöglidjkeiten alle Tatkraft zu uw enden. {Steht hintu auch „AktutUei ~ auf Stift G 2

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