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Der Schild · 1937-07-02 · 27 (2.7.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
27 (2.7.1937)
Date
1937-07-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nr. 27 / 16. Jahrg. Berlin, 2. Juli 1937 Preis 10 Pfennig H E RAUSGEBER: REICHSBUND DÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. WÖCHENTIT Beiblatt: .,DI CH . MIT DEN OFFIZIELLEN MITTEILUNGEN E KRApT", Offizielles Orgfii' des Schild, Sportbund DER KRIEGSOPFER-ABTEILUNG des Reidisbundes jüdischer Frontsoldaten ScbriitMtaaS und Verlag i Reich»! Redaktion», n. Anzeigen» dilufc Joden Besug*prel*i RM 0,40 monatlich Anislgeotartf darch die Anaddet tctwi Atmd JOdlache^ Fron Dienstag tot Lochet» raxOglldi Pdstbesl altongi | BtpA itsoldaten E.V. Berlin W icn. FSr unrerlangt dngel tätige Id Anzeigen preis t .Verlag, Bctuki A Pi 15, KorfOrsteadamm 100. Femraf 91 bende Manuskripte wird keine Oeerihr 01 Dl« 9 gespaltene Millimeter. ZaU» ’ojrnscbcr, Berlin V 50. Regensburger 71. Poet»check i Berlin 76142. Telegremmanschrift, Schlldksmered. blernommen. Bel Nichtlieferung ohne Verschulden kein Vergotungssnsprudt. R1 046. Stellenangebote und - Gesuche, Familienanzeigen RM 0,10. Strafte 21. Fernsprecher, 24 66 97. Portacheck, Berlin 325 29. Kl i Am 5. August 1914 War Spiller in Berlin als getreten. Beim Res. Inf. der bekannten „Langemark er, bald zum Gefreiten Front. Schon am 26. Mai Loretto-Höhe gefallenfand man den folgenden datiert vom 6 August 19 nach seinem Eintritt als in Ahnung, daß er nicht niedergeschrieben. Gewisse' ment. Mit Erlaubnis sei4 wir es hier wieder. ler Kamerad ly u r t drückt hat. egsfreiwilligei Regt. 2qi, egt Regiment^] befördert, 1915 ist Nach seit ief an sei 4, also u iegsfreiwill \l’iederkehr< maßen sei i er Sch west' t :r an der wird er z Br em M| imit i le „Meine treue, heißg eliebte M 111 le r! Wenn diese Zeilen vor ich nicht mehr unter Euch Schmerz Du empfindest, Ich weil himmelhoch, nicht um mi:h zu trauern stolz darauf, daß Du Deinen Sohn Opferaltar des Vaterlande i, dargebri icht wie einst Abraham seinen Gott zum Opfer bringen einzigen Sahn Das ifi Eritinerungspflege... / emeinem r“, »fand eher andere an der Tode utter, eibar Aber er ist mehr: Er geht i die Reihe ener unvergänglichen Dokum der jüdisch«n Jugend von 1914; wie so Feldpostbrief und manches buchblatt, das aus jenen Tagen zu uns s| i c n t rt in ente man- Tage- I irient. e igef und n würde, T es t a- :er geben um GeschicRtsdokument, das der Nachwelt wertvollen Aufschluf gibt über das innere Sein und Wollen, übt r die geistige Situation der damaligen jüdsehen Jugend. So che Briefe, hinter denen diu Tat stand, zu sammeln, derer zu gedenket, die draußen blieben, und unter denen, die heimkehren durften, die Erlebnisgemeinschaft jener Jahre der Eewährung aufrecht?u erhalt: n —: Dir lieg;n, weile Das ist stolzer und mand den llrinnerungspflege. J schwerer Erinnerungen, ds^ Respekt versagt und der wejlchen ihre Berechtigung abspricht, der für den Traar bitte E ich I aber ruhmvoller auf Sei dem hast, Isaac wollte- I :h Sterbe für Eure Freiheit, für den Namei meines unvergeßlichen Vaters und für das nnen, zum daß habe Ich habe stets, das wirst D ti bezeuge l kc meine Pflicht getan und werde sie bis fetzten Augenblicke tun. [Glaube rieht, ich leichten Herzens von Euch ging, ich lange gekämpft, mußte aber handelt, wie ich tat. Verzeihe mir Mutter, wenn ici in den letzten Tagen kalt schied, es war nu die Maske, um Dir, geliebte, teure Mutter, den entsetzlichen Schmerz in meinem Innerst zu verschleiern. Noch einmal bitte ich Dich mit d^r gänzen mich, Deine > lieser Vateflandheit ausgerichtete Verpflichtung, sondern eine sehr g< genwartsnahe und zu* kunftstrjächtige Aufgabe. Aup unum ür n Kraft meines Herzens, trauere nicht erhalte Dich gesund und kräftig Töchter und Enkelkinder, die schweren Zeit Deinen Trost brauchen. Mutter, Irma und Trudchen, Sally Victor, Ihr alle haltet zusammen wir bisher zusammengehalten hab^n. Euch, lieber Sally und lieber Victor, ich, für Mama zu sorgen, genau wie für die Euren sorgen werde, wenn einer Euch auf dem Felde der Ehre bi :ibt. Wenn ich sterbe, gilt mein letzter Geijl. Dir, teure Mutter, und mit de „Mutter“ auf den Lippen und unterem „Schma Jisroel“ werde ich in die Ewigkeit abgehen. Lebt alle wohl! Euer Kurt.“ Man kann diesen Brief auch h^ute nicht ohne tiefe Ergriffenheit lesen. Er iät eit sehr persönliches Bekenntnis seines Schreibers und um so erschütternder, als der Schlachtentod selber sein Siegel darunter ges t un gen 'liege nie- <einer Wert radition Verständnis besit. :t Und doch: Wir jüdischen Frontsolda en in unserem Reichsbunde erblicken in der 'Erinnerungspflege, wie sie bei uns lebencig et und uns als starkes seelisches Band zusai «menhält, nicht jetwa nur eine auf die Vergangen» serer Erinuerungspflege sind bereits entstanden wie das Ged buch der jüdischen Gefallenen und der efe gefallener Juden: Werk: also, V ft ur das Judentum in die Zi Ziele erstehen, die uns weniger bedeutungsvoll ur und wie bitte ich von anke rte Wöi Die Situation tion von greifendem! inneren unp heute alle Z ikunft en. Aus unserer Traditio ns rilege uger cneir erscheinen, daß sie nicht jüdisch-politischer Zielset: ikunft 1a rum d ern die ungen. Frontbr v . die ihren einmaligen Wert für al|e Z in sich tra sehen wir reichende keineswegs strebensweft Kategorie fallen. Betrachte n wir den eingangs wiedfctg :gebenen Brief des jüdischen Kriegsfreiwillig: n von 1914, den vrir hier auch darum abdruckti n, um an einem konkreten Beispiel darzutwi, was wirkliche Erinnerungspflege bedeutet. Wir wissen — und auch dieser Brief bestät gt es, mag es noch so schmerzlich sein, von heuern: von 1914 ist nicht die lj937- Wie 1914, so ist nach geschichtlichen Wandel äußeren Daseinsbedingungi : Situation völlig emo« L e i - enk- Band Situadurchpnserer, auch utig. ldaten klaren ist und der Ueichsbund jüdischer Frontsq hat aus den gegebenen Tatsachen die Konsequenzen gezogen. Gebliebel durch alleji Wandel hindurch der me tsch liehe und jüdische Wert einer Haltung, wie sie in «fern letzten Willen des ungen Kriegsfreiwilligen Kurt Spiller 1914, jui bebe wegter funden und hat. wegender Zeit, Ausdruck ge- Erinnerungspflege: Das will heißen, jüdische Menschen, jüdische Jugend niemals vergessen zu lassen, daß jüdische Opferfähigkeit für ein Ideal bis in den Tod geht. Das Vorbild ' solchen Heroismus behält seine Leuchtkraft, auch in einer veränderten Situation. Seine Pflicht bis zum letzten Augen-, blick tun: Das ist es, was das Judentum, seine Ehre und seine Existenz jetzt wie einst von einem Jeden verlangt. Erinnerungspflege wird zur Mahnung an die Gegenwart! Und so spricht jedes Wort fast aus jenem Brief zu unserer Gegenwart. Jedes Wort, das aus tiefem jüdischem Empfinden hervorströmt: Die Mahnung an die Mutter, stark zu sein und zu bleiben, um der Lebenden willen; die Mahnung an die Brüder und Schwestern, an die Familie: „Haltet zusammen!“ Erinnerungspflege, wie wir" sie verstehen, ist nicht die unfruchtbare Konservierung von Dahingegangenen; nicht Passivität mit rückwärts gerichtetem Blick. Aus großer Erinnerung wachsen die Kräfte der Zukunft. Aus den Gräbern der namenlosen jüdischen Helden des Weltkrieges ruft es uns zu: „Haltet zusammen!“ Dieser Ruf ist keine Phrase; er ist eine Parole, hinter der Tat und Tod stehen. Er ist die Parole, gegenwartsnah und zukunftsentscheidend, über jedes jüdische Parteiprogramm hinaus und hinweg. Er ist unsere Parole. Und wir im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten dürfen von uns dasselbe sagen, was der Jüdische Offiziersbund in Palästina (vgl. vorigen Leitartikel) für sich in Anspruch nimmt: Wir sind frei von Phantastereien, von großen Worten, wir machen keine Versprechungen, streben keine Spielerei und keine Betriebsamkeit an; allem Parteigeist sind wir abhold. Was wir wollen, sind mögliche Dinge; Unsere Arbeit gilt Aufgaben, die sich praktisch erreichen lassen. Die Not des Tages stellt uns der Gegenwarts-Aufgaben so unendlich viele, die (jenseits aller Meinungsunterschiede und heute ungleich wichtiger als solche) nach Bewältigung drängen. Da heißt es zupacken! All das Viele, das aus Kameradschaft geleistet und geschaffen wird, hat ja seinen Ursprung in Erinnerungspfiege. Pflege der Front-Erinnerung, der Kriegskameradschaft ist es, woraus auch unsere Kriegsopfer-Arbeit entspringt. Was wir aber über allem wollen — was möglich ist und um unseres Schicksals willen erreicht werden muß, das sagt uns aus stets lebendiger Erinnerung heraus das Wort: Haltet zusammen! Erinnerungspflege —: Sie gibt uns (um nochmals den Bund jüdischer Offiziere in

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