Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 25 (18.6.1937)
- Date
- 1937-06-18
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Jaden Württembergs im Weltkrieg Der Im Februar d. J. beto gegangene Kam. Bezirksrabbiner Dr. T I n z e r aut < Jöttlngen hatte die > „Qeschichte der Juden in Württemberg14 hinteriaaten, di« Jetzt »m Verlage J. Kaufmann, Frank urt a. M.. erschienen Ut; ein wertvoller Beitrug zur jddt chen Oetchtchte Im deutschen Raume, der bis in das 14. Jahrhundert, zurückgreift Der Vertagter selbst wai während des Weltkrieges Feldrabbiner und ist mit meh eren Kriegsauszeichnungen dekoriert worden. Von seinen verschiedenen Kriegaschriften hat der damalige Oberbefehlshat er Ost Oen. Feh*n<rschfll Prinz Leopold v. Bayern, die Widmung der „Oeachichte der Juden in Brest Litowsk44 i »genommen, die durch die jüngsten traurigen Ereignisse in dieser ehemals russischen Festungsstadt eine neue Aktu; IWt gewonnen hatL Aus der „Oeachichte der Juden in Württemberg44 zitieren wir den folgenden Abschnitt, der jnserem Arbeitsgebiet insbesondere entapricht. j „Wie allenthalben in Deutschland wareit auch in Württemberg die Juden von dem Bestreben erfüllt* dem vaterlande in dem ihm aufgezwungenen Verteidigunf skrieg in rleijtloser Pflichttreue und mit höchster Opferwilligkeit zu dienen. Die israelitische Oberldrthenbehörde förderte diese Gesinnung von Anfaiig an und während des ganzeh Krieges durch (Maßnahmen und aneifemde Erlasse. Sie ordnete besondere Gottesdienste füs die Ausmarethierenden und das Sprechen von Bittgebeten a|n. Sie führte besondere Kriegsspenden in den Synagogen ein, deren Erträgnis für die Verwundeten und für die Familien der Aüsmarsohierten zu verwenden, dem Roten Kreuz und ähnlichen Hilfeorganisationen ab; Meier» und der Oberkirdhenbenörde zu berich en war. Für die gleichen Zwecke wurden außerdem von den Rabbinern und Vorsängern Sammlungen unter den Gemeindemitgliederii veranstaltet. Die Ausübung per Seelso'ge in allen heimatlichen Lazarett ein und Gefangenendepots wurde organisiert; pii Rabbiner und Vorsänger hatten der Gberkjrcbenbefbörde hierüber fortlaufend zu berichten. Für diese hingebungsvolle Tätigkeit wurden verschiedene Rabbiner aueji mit Ordert ausgezeichnet. Am 28. Oktober 1914 tijui die Oberkirdhenbehörde den| Rabbinern und Vorsängern auf, die israejlitiscAie Jugend von 16—20 Jahren zu freiwilligem Eintritt in die damals errichtete „Jugendwehr“ laufzufordern, was audh mit bestem Erfolge geschah. Am 22- Mai 1916 führte sie „Knegsgcdenkbüdher“ ein, die sie n»ch eigenem Entwurf anteiligen und den Vorsteherämtern zur fortlaufenden Eintragung aller israelitischen Kriegsteilnehmer übergeben lijtß. | Im gleichen Jahr war jauch nach 20jährigem Bemühen eine Sonderbehandlung der jüdischen Soldaten auf anderem Gebiet, auf dem der Vereidigung, abgejstellt worden, i Schon im Jahre 1894 hatte Kirchenrat Dr. Kroner in einer Eingabe darauf | 'hingewiesen, paß die Vereidigung der christlichen Soldaten in ihren Kirchen und vor Geistlichen ihrer Konfession vorgenommen würde, während sie bei den jüdischen Soldaten auf dem Kasernenhof und ohne Anwesenheit eines Rabbiners erfolgte. Am 27. Dezember 1897 entschied das wirttemhergfcche Kriegsministerium, daß in Zukunft die jüdischen Soldaten vor der Vereidigung in die Synagoge zur Vorbereitung durch einen Rabbiner geführt werden sollten. Dabei blieb es bis zum Kriegsausbruch- Am 23. November 1914 verlangte das Kirchenvorsteheramf Stuttgart von der Oberkirchenbehörde die Herbeiführung eines gleichmäßigen Verfahrens bei der Vereidigung jüdischer und christlicher Soldaten. So waren in Heilbronn dip Soldaten aller Konfessionen gemeinsam auf dem Kasernenlhof vereidigt worden, wo die drei Geistlichen vor dem Feldaltare standen und Rabbiner Ludwig Kahn auf Grund einer Vereinbarung für alle die Ansprache hielt, ln Erwartung eines baldigen Kriegsendes antwortete die Oberkirdhenbehörde, daß sie die Angelegenheit nach Abschluß des Krieges behandeln werde- Am 13. März 1916 erneuerte das Stuttgarter Kirchenvorsteheramt seine Eingabe, und am 12 Juni 1916 ordhete das württenxbergisChe Knegsministerium an, daß künftig im Bereich des württember gischen Armeekorps die Jüdischen Soldaten p. z. unmittelbar nach der Vorbereitung durch den Rabbiner dusch einen Offizier au^ dessen Degen vereidigt werden sollen. Die erste solche Vereidigung fand am 11. Juli 1<>16 in der Synagoge in Ludwigsburg durch |Oberkirchenrat Dr. Kroner statt. Die Gesamtzahl der jüdischen Kriegsteilnehmer aus Württemberg gibt Segall mi: 2132 an, was bei) den damaligen 12053 jüdischin Einwohnern einem Prozentsatz von 17*69 ents drieht. Eine mit höchster Sorgfalt veranstaltet:, mit Angaben von Namen, Wohnort, Trup »enteil usw. ausgestattete Zählung („Jüdische Frontso gefallen verwundet daten aus Württem berg und Hohienzollem“, 1926 herausg« geben vom württembergischen Landesverband .des Centralvereins) gibt authentischen Aufschluß über die Zahl usw. der jüdischen Frontsoldaten aus Württemberg. Nach diese r befanden sich, unter den 1M13 jüdischen Reichsdeutschen in Württemberg 1610 Frontsc Idaten 15.4 <yb. Von «Ilsen waren 263 16,33 o,o der rronts < Idaten befördert einmal ausgezeichnet 509 «=31,61 o/o der Fron,tsöl 568 35,27 ®b der Frontstjl 467 29 o/o der Fronts^l mehrmals jausgezeichnet 573 — 35,59 % der Frontsil Der gleichen Quelle sind noch folgende tistisene Ergebnisse zu entnehmen: Unter den 1610 jüdischen Frontsoldaten Württemberg waren: zu Offizieren befördert worden 105 u. z. zu Leutnants 98, von denen 24 sind, zu Oberleutnants 7, von denen 1 ist. Ferner wi ren Kriegsfreiwillige 206 — Flieger 17 von denen 4 fielen, Aerzte Zahnärzte 6. Fortsetzung daten «taten daten daten staaus 6,52 o/o Gefallen gefallen 2,79 o/o 44 und folgt. Aktuelles aus der jüdischen Welt Jüdischen Schwimmbad in Breslau Mit dankenswerter Unterstützung «le . Synagogengemeinde ist es dem Jüdischen Scnwimmverein e. V., Breslau, g« lungen, seinen Mitgliedern und der jüdischen Bevölkerung in der ehern. Kallenbach’schen Schwimmanstalt ein Freibad an der Oder zu versi haffen. Die Lage ist günstig, 5 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Das Bad umfaßt ein Freischwimn becken von 50 X i>3,3 m, zwei Nichtschwimmer aassins, eine Spnmganlage, eine Wasserruts thbahn, einen Liegeplatz, ein Restaurant, genügend Einzel- und Sammel-Umkleidezellen corhanden. Jüdische Sportlehrer geben Gyn nastikunterricht, die Schulen haben ’flichtschwimmen, der Schwimm verein kann seinen Mitgliedern ein ideales Freiwassertramiig, bieten, und auch die Eintrittspreise* insbe sondere die Saisonkarten sind billig gehalten. E; P. Bei neuerlich vorgekommenen Aussc Heilungen in Brist-Litowsk wurde auch ein ji discher Soldat überfallen, der einen Bruch der Sjchädeldecke erlitt. Der starke Besuch der diesjähriges Mitgliederversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, bei der auch unser Bund vertreten war, bewies das lebhafte Interesse an deren Beistre jungen. AK Vorsitzender erstattete Professor Dij. Eugen Mittwoch den Tätigkeitsbericht. Kam. Alfred faulus ah Schatzmeister den Kassler bericht. )er Vorstand wurde in seiner bisherigen Zusammensitzung wiedergewählt. Herr Rabbiner i. R. Dr. Benno Jacob hielt einen feselnden Vortrag über das vierte und fünfte Gebot des Dekaiogs. Die Holländische Königsfamilie hat der Hauptstadt Amsterdam einen offiziellen Besuch abgestattet und dabei auch die mit Fahnen und Blumen reich geschmückten jüdischen Viertel besichtigt. Am Sonntag fand eine Huldigung von 1200 jüdischen Schulkindern für die kgl. Familie statt. Prinz Bernhard, der Gemahl der Kronprinzessin Juliane, hat die berühmte Diamantenfabrik Asse her j besucht. Er wurde von dem Leiter der Fabrik A Asseber, dem Vorsitzenden der aschkena»-_ sehen Jüdischen Gemeinde von Amsterdam, durch den Betrieb geleitet. Eine vom jüdischen Parlamentsklub einberufene Konferenz der jüdischen Parteien beschloß, eine provisorische politische Gesamtvertretung der Juden Polens ein2usetzen. Auf den Generalinspektor der Polizei und der Gefängnisse Palästinas, Roy G Spicer, ist ein Attentat verübt worden. Drei Araber schossen aus einem Kaffeehaus auf das Auto des Polizeikommandanten. Der Chauffeur wurde durch zwei Schüsse schwer verwundet, Spicer selbst blieb unverletzt. Die Attentäter konnten entkommen. Bei den Beratungen des internationalen Arbeitsamtes’ in Genf brachte der polnische Delegierte abermals die Forderungen Polens nach stärkeren' Einwanderungsmöglichkeiten in überseeischen Ländern, insbesondere in Süd-Amerika, vor. Das Auswanderungsproblem sei mit finanziellen Fragen eng verknüpft; die Mittel zur Lösung des Problems müßten von internationalen Organisationen zur Verfügung gestellt werden. — Der Vertreter von Chile, Seflor Canas Flores, erklärte, seine Regierung sei im Hinblick auf den Rückgang der Arbeitslosigkeit in Chile bereit, bei dem Studium von Ansiedlungsmöglichkeiten in Chile mit dem Internationalen Arbeitsamt zu kooperieren. Die iudenfemdliche Strömung in Polen hat zu vielfachen Protestkundgebungen in England, so seitens der Erzbischöfe von Canterbury und York und Lloyd Georges, geführt; aus Amerika haben 50 nichtjücnsche Persönlichkeiten, insbesondere Geistliche und Schulmänner, der polnischen Regierung eine Protesterklärung übersandt. Es wird häufig darauf hingewiesen, daß Polen seine Existenz dem Siege der alliierten und assoziierten Mächte im Weltkriege verdanke und daß das jetzige Verhalten gegen die jüdische Minderheit eine Verletzung der Friedensverträge bedeutet. Demnächst wird eine neue arabische Partei unter der Patronanz des Emirs Abdulla von Transjordanien ihre Gründung proklamieren, die sich für die Teilung Palästinas einsetzen wird. Im Namen der griechischen Regierung hat 1 der Kultusminister die Gründung eines Verbandes der jüdischen Gemeinden Griechenlands genehmigt. Der Unterstaatssekretär im englischen Außenministerium erklärte die Gerüchte, wonach England in der Palästinafrage mit den Völkerbundstaaten Fühlung genommen ^habc, für völlig unbegründet- Nach ausländischen Pressemeldungen soll die Aufteilung Palästinas bereits beschlossene Sache sein und dem Völkerbund ein entsprechender Plan am 31 Juli von England unterbreitet werden. Im polnischen Senat hat Oberrabbmer Prof. Schorr eine Anfrage anden Ministerpräsidenten und den Justizminister gerichtet, die von dem Mordprozeß Chat/kelewicz ausgeht und mit der Frage endet, welche Schritte die Regierung zu unternehmen gedenke, um . zu verhindern, daß die ganze jüdische Bevölkerung künftig mit «1er Schuld Einzelner belastet werde. In der soebeij veröffentlichten amtlichen Kriminalstatistik für Bulgarien wird festgestellt, daß der kleinste Prozentsatz krimineller Vergehen in Bulgarien auf den jüdischen Bevölkerungsteil entfällt. 7