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Der Schild · 1937-06-11 · 24 (11.6.1937) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
24 (11.6.1937)
Date
1937-06-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nr. 24 l 16. Jahrg. Jerlin, 11, Juni 1937 Preis 10 Pfennig H E RAUSGEBER: REICHSBUND DUDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. WÖCHENTLICH * MIT DEN OFFIZIELLEN MITTEILUNGEN Beiblatt: ..DIE KRAFT". Offizielles Organ des Schild, Spohbund DER KRIEGSOPFER-ABTEILUNG des Rdchabundes jüdischer Frontsoldaten SchrlftMtaaS und Verlag: Redaktion»- a. Aoeelgtnsciiluk Beengefreiai RM 0.40 Anidgeoiettf der* dU I etdaboad Jfldiecber Frontsoldaten E. V. Berlin W IS. Korfflretendamm 200. Fernruf 91 ledea Dienstag tot Erscheinen. Fflr onrarlangt eingehende Menus Irrt pte wird keine Gewähr 01 loqatlldi rasOglldi Poetbeetallgeld. Anzeigenpreis. Die 9 geepeltene Millimeter. Zeile Bepa - Verlag. Benskl * Pakuschar, Berlin W so. Regensburger 15 71. Poitscbecki Berlin 76142. Telegrammensdirlft I Schild kemered. 11 enoonen. Bel Nichtlieferung ohne Verschulden kein Vergfltungeeneprnch. P M 0,16. Stellenangebote und - Gesuche, FamlUenansrigen RM 0,10. Strebe Fernsprecher, 24 66 97. Postscheck, Berlin 32S 29. Liebet Kamerad X. . . / Da die Fragen, die $ie uns vorgelegt haben, sich vorzüglich zur Beantwortung vor einem größeren Kreise unserer Bundeskameraden eignen, so gestatten Sie uns, Ihnen die Antwort an dieser Stelle unser« Bundesorgans zu geben. Um den Dingen au den Grund zu gehen, müssen wir etwas weiter ausholen, müssen wir 17, 18 Jahre zur ickgreifen- Damals, als in Berlin und anschi eßend nacheinander in fast allen Städten des Reiches der Zusammenschluß jüdischer Fror tsoldaten zu unserem Reichsbund vollzogen wurde, hielten Sie sich noch abseits. Sie waren damals der Meinung, Sie hätten vom Kriege, von der Front und von der Soldatenzeit genuf', übergenug. Und im übrigen bestände ja jederzeit die Möglichkeit, mit ihren alten Kom[ agnte* und Regimentskameraden zusammen mommen, sich einer soldatischen Vereinigung oder einem Krieger* bunde anzuschließen. Was solle also dieser Zusammenschluß jüd scher Frontsoldaten? Nicht in einer jüdische 1, sondern in der deutschen Armee seien wir Frontsoldaten gewesen. Sei diese „freiwillige jüdische Absonderung“ nicht eher schädlich all nützlich? Wozu diese besondere Betonung des Jüdischen in unserer Eigenschaft als Frontssidaten? Warum überhaupt diese Hervorhebung unseres Judentums? Wir, lieber Kamerad X., waren dagegen der Auffassung, daß He oflene und stolze Hervorhebung des Judentums gerade bei uns Frontsoldaten ein Gebot der Ehre und eine geschichtliche Verpflichtung sei. Wir glaubten, als Juden, als jüdische Frontkämpfer nicht „verschwinden" zu sollen in den allgemeinen kameradschaftlichen Z isammenschlüssen und Bünden. Nichts stand je lern Einzelnen von uns im Wege, auch dort Kameradschaft zu pflegen und sich in ihr zu betätigen, solange uns gegenüber die Frontkaneradschaft des Krieges Wirklichkeit blieb. Aber dies konnte und durfte uns nicht hindert, tfns auch als Frontsoldaten mannhaft zu unserem Judentum zu bekennen, durch die Existenz unseres Reichsbundes. Nie vermochten wir einzusehen, daß gerade das Heraustellen unseres Frontsoldatentums in einem besonderen Bunde der jüdischen Sache abträglich sein könnte. Es hat gewiß andere Dinge gegeben, die ihr abträglich waren, — tiemals der Bund der jüdischen Frontsoldaten! Es war der so einfacie und doch so große Gedanke „Hilf dir selbst!“, der ausgesprochen oder unausgesprochen unseren Bund durch die Jahre seines Bestehens wie ein Leitmotiv begleitet hat. Sie, lieber Kamerad X, waten noch vor einigen Jahren der Auffassung, unsere Ehre als Juden und Frontsoldaten sei ja — nach der Formal- Emanzipation der Weimarer Verfassung — { ut bewahrt bei jenen Gruppen und Parteien unserer Umwelt, die in den Worten ihrer Prsgramme für unsere Gleichberechtigung ein traten. Wir da {egen waren seit je der Ueberzeugung, daß jede Gemeinschaft, jedes Volk, jede religiöse oder rassische Gruppe in offenem Bekenntnis zu sich selbst für die eigene Ehre eintreten r tüsse. Und als deren berufenen Wahrer empf inden wir stolz den jüdischen Frontkämpfer. Und so hat dieses Leitmotiv „Hilf dir selbst!“, das gerade bei uns seine psyi biologischen Ursprünge im Erlebnis und der Erfahrung des Soldaten hat, auch jene t a t - bereite Verbundenheit von Mann zu. Mann in unserem Bunde werden und wachsen lassen, die wir „Kameradschaft der Tat“ nennen. Diese jüdische Frontkameradschaift, w e sie Sich in den langen Jahren seit der Bindesgründung entwickelt hatte, erwies sic i * als Hoher moralischer Wert in jenen schw ersten Zeiten unserer Schicksalswende, als nun auch Sie, lieber Kamerad X, eines anderen belehrt, wie viele tausend andere den Weg zu um erem Bunde suchten. Sie haben eine herzliche Aufnahme und einö offene Kameradschaft gefunden, aus deren Boden manche Ihnen wertvolle Freundschaft erwachsen ist. Aber vergessen Sie nie, daß der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, in dessen Reihen Sie tiaten, nicht bestanden haben würde, wenn es nicht in den ersten vierzehn Jahren seit seiner Gründung ein paar tausend opferbereite und bewußt-jüdische Frontkär ipfer in Deutschland gegeben hätte, die zusammenhielten und die den Bund erhielten. Und wenn der immer noch außenstell ende ehemalige Frontsoldat Y., den Sie für u isere Sache gewinnen wollen, Sie fragt: „Welchen Vorteil habe kh von meinem Be tritt, welchen Nutzen bietet mir der Bund?“ — dann geben Sie ihm ruhig zur Antwort: „Lieber Y., Du scheinst für unseren Kimeradschaftsbund doch nicht der rechte A lann zu sein. Denn unser Bund fragt gerade umgekehrt: Bist d u bereit, wenn wir die t in unsere Reihen aufnehmen, unserem Bund: zu nützen? Bist du willens, dich für unser Sache einzusetzen, für unsere Kameradschaft O pfer zu bringen? Mit einem Wort: Was hat der Bund an Dir? Wenn Du von vorab rein den Gedanken an deinen eigenen Vorteil last, dann bist Du bei uns an der falschen Adnssc! Dann hast Du den Sinn unseres Bundes : ücht begriffen und bist noch nicht reif, von uns mit dem Ehrennamen „Kamerad“ genannt zu werden- Ja, dann wirst Du niemals wirklich zu uns gehören, selbst wenn Du eine Mitgliedskarte erwerben solltest. Du wirst als Kamerad vom Bunde immer genau soviel haben, wie Dudem Bunde zusekn b:reit - bist!“ Das etwa, lieber Kamerad X , geben Sie getrost zur Antwort! Und sollten Sie hören, daß ein Kamerad Ihrer Ortsgruppe zu Ihnen Klage führt, es werde ihm vom Bunde heute zu wenig „geboten“, so wissen Sie nun, was Sie auch ihm zu entgegnen haben. Unser Bund hat niemals seinen Mitgliedern versprochen, etwas zu „bieten“. Vielmehr fordert er von Ihnen Stolz, Vorbild, Opfer, Einsatz, Kameradschaft. Er betrachtet die Mitgliedschaft zu ihm als jüdische und soldatische Verpflichtung, nicht als Anspruch auf Vorteil oder ■ Geselligkeit. Eine Truppe, die in harter Zeit auseinanderläuft, taugt nichts! Eine solche Truppe ist unser Reichsbund jüdischer Frontsoldaten wahrlich nicht! Das hat er bewiesen und beweist es jeden Tag. Denn wir alle wissen aus dem Krieg«: Je härter die Zeiten, je ernster die Lage, desto stärker und geschlossener ist der Zusammenhalt einer Formation, die dann gerade ihren wahren Wert erweist. Schauen Sie, lieber Kamerad X, wir im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten haben niemals nach der jeweiligen „Konjunktur“ geschielt, wir marschieren seit je unbeirrt unseren geraden Weg, den uns Ehre und Ueberzeugung vorschreibt; und so haben wir auch heute keine Neigung zu harten, wenn der eine oder andere „fußkrank“ werden sollte- Er bleibt danp eben zurück, die Reihen schlie- «ßen sich wieder. Wir sind und bleiben — auch ohne ihn — der große umfassende Zusammenschluß der einstigen jüdischen Frontkämpfer des Weltkrieges in Deutschlands der überdies in seinen Kriegsopfer-Abteilungen auch die teuren Hinterbliebenen unserer gefallenen Kameraden umfaßt. Daran kann und wird sieh nichts ändern, solange unser Bund besteht. Absonderungen gibt es bei uns nicht; Extrawürste gibt es so wenig wie aus der Feldküche. Denn die lebendige und verwirklichte Kameradschaft der Tat, die jüdische Frontkameradschaft der Gegenwart, sie läßt sich nicht in neuen Gründungssatzungen statuieren.1 Sie ist nur einmal da, und das ist in unserem Bunde, wo sie. in langen, schicksalsreichen Jahren gewachsen und geworden ist. Nachsolcher Gesinnung allein fragen wir den jüdischen Frontkämpfer, der zu uns gehört oder sich bei uns einreihen will. Und nach nichts anderem. Lieber Kamerad X, Sie werden sicher in der vorigen „Schild“-Nummer gelesen haben, was im Leitartikel über die Britische Legion berichtet wurde- Von berufener Seite wird - sie dort als eine Organisation bezeichnet, „wo wir alle zusammenstehen, um die Aufgaben zu erfüllen, die uns in unserem königlichen Charter gestellt sind“: das Gedächtnis derer zu verewigen, die im Dienst für ihr Vaterland gefallen sind; das Gefühl der Einigkeit zu verbreiten unter all denen, die in der bewaffneten Macht der Krone gedient haben; die Kameradschaft, die gegenseitige Hilfsbereitschaft zu pflegen, in Not geratene ehemalige Frontkämpfer sowie die

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