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Der Schild · 1937-05-28 · 22 (28.5.1937) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
22 (28.5.1937)
Date
1937-05-28
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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einen. Speerwerfer. Dieser Bronze-Diskus, der ca. 2 kg. wiegt, ist das eigentliche Vorbild unseren; heutigen Sportgerätes (ein Mittelwert der 15 gefundenen). Der Diskuswurf wurde nur int Fünfkampf (pentahlon), gepflegt. Die zahlreichen Gravierungen gefundener l Fisken zeigen, dal) er auch als Preis für den Sieger aus den Kämpfen außerordentlich beliebt war. Der moderne Diskus ist eine Holzscheibe tun einen Metallring und -kern. Der Durchmesser des Männerdiskus beträgt 22, des Jugend-'lind des Frauengeräts 20 bzw. IS cm. Die Gewichte verhalten sich 2:1 >.>:!, Der Streit, oh der W n-r f k r e i s (2,5(1 m Durchmesser) nur aus Nachahmung des klassischen Vorbildes entstanden ist und'in Wirklichkeit ebenso wenig den Bewegungsgesetzen entspricht. wie der jetzt lächerlich 'wirkende Wurf coli dein Sockel; ist noch nicht beendet. Die Schrauben- und auch die Wellentechnik haben .pich aber mit dem Kreis abgefunden, und ewäre im Augenblick wohl kaum möglich. durch' einen Wurf mit Anlauf die erzielten Weiten zu übertreffen. Speerwurf seit Jahrtausenden füllen langen Weg mußte der Speer zurücklegen, bis er endlich seine jetzige Bestimmung erhielt: „Der Speer ist aus' Holz, wjegt 800 Gramm und hat eine Fänge von 2,60 Meter. Am \orderen Fnde ‘fst er mit einer scharfen, eisernen Spitze .versehen. ,\m Schwerpunkt, der sich zwischen;'00 und 110 Zentimeter, von der -Spitze gemessen, befinden muß, ist durch -Umwicklung mit einer einfachen, fest umwundenen kiiotenlosen Schnur eine sichere. 16 Zentimeter lange Griffstelle gebildet.“ usu. So haben die Wettkampfbestimmungen nicht nur die Form des Kampfes, .sondern aucir die Gestalt des Spt-eres bestimmt, so daß dasselbe Gerät nach gleichen Bestimmungen heute überall auf der Erde geworfen wird, w-o er Sport- und nichtpur Kampf- oder Jagdgerät ist. Diel eisenbeschlagene Spitze muß zuerst den 'Joden berühren, die Ahwurflinie durch nur I cm breite, mindestens 3,60 m lange Holzt itte markiert sein. Da« war sein Ursprung: Waffe zur Jagd und tum Kampf- So wie der Wurf bei dem Kindt aus dem verlängerten Schlag entsteht, so waren die Lanze, der Spieß erste Form des Cieres. Sparta kannte nicht nur den Speerwurf als Teil des olympischen Kampfes, sondtrn auch die Mädchen übten sich neben vielen anderen auch in der Kunst des Speerwurfs (in Doris). Der antike Wettkampfspeer ^akot tismos) war ca. 2 m lang, statt der Spitze nur mit einer Metallhülse beschwert. Fr wurde teils aus dem Stande, oder wie heute, aus dem Anlauf geworfen, wobei man allerdings außer ‘ den\ Weitwurf noch den Zielwurf übte. Um ein Rotieren des Speeres um seine Längsachse zu erreichen, war an seinem Schalt ein Riemen mit zwei Schleifen angebracl t die vor dem Abwurf gezogen wurden. (Dra I hei Feuerwaffen). Der Speer, der schmäler als unserer war, ruhte zwischen Daunen und Zeigefinger, der mit dem Mittelfinger zusammen die Schlaufen hielt. W mn auch später die Schußwaffe den Speer verdi ängte, er heute als Waffe wohl nur noch hei Eingeborenen auf geringer Zivilisationsstufei gebräuchlich ist, so ist er kaum a(is der [Geschichte der körperlichen Erziehung geschwunden. Als > Waffe bei Juden (Josua 8. 9. 18) Griechen (Ilias 23. Gesang) Römern u. a tat der Speer seinen Dienst als Waffe, oft auch als Sportgerät. Beidhändiger Wurf svuri.e bei den Nordgermanen gepflegt. In den Fest :n der Bauern, vor allem aber in den Ritt Takädemien des Mittelalters wurde der Speerwurf geübt (Schaftschießen). Es ist das Verdienst Jahns den „Ger“ wieder in der Neuzeit volkstümlich gemacht zu haben, wenn auc» er in 1. Linie nur den Pfahlwurf, einen Zielkvurf kannte. Pytn. Starkes Wollen genügt - Von Zeit zu Zeit muß der jüdische Sportler einige Zeit innehallen, um prüfend auf seinen bisherigen Weg zurückzusehauen und eine Bilanz des Geleisteten zu ziehen. Erfühlt dann sehr deutlich, daß er nicht nur aus Langeweile, nicht allein aus Freude an der Bewegung! nicht allein zur Erholung urtd nicht allein-'/um Gesundsein Sport treibt, sondern zu seiner eigenen Erziehung. Er erkennt dann in demrein Organkaften des Sporte ein Mittel, seelisch tüchtiger und besser zu Werden; einen Geist in sich heranzubilden, der zum jüdischen Idealtypus führen kann. Denn wenn wir Sport treiben, erneuern und bessern wir nicht nur un# selbst, sondern wir lassen äuch einen Teil unseres Wollens überfließen in das Wollen der anderen, der Gemeinschaft. Dieser Gedanke hat etwas ungemein Tröstliches. In der Gemeinschaftsverknüpfüng der Mannschaft, der Riege, der Abteilung, des Vereins usw. finden wir die Resonanz für jede aufrichtige Regung unseres Gemütes. So gewinnt der Sport erst seine Berechtigung und seinen Zweck, indem er in diesem Erziehupgssinne wirkt und seine Stätte wahrhaften Mcnsch-Bildens darstellt. Der Sportplatz, der keine soziale Schichtung kennt, auf dem der Tüchtigste nur daseine dem anderen voraus hat, daß er den anderen am meisten .zu geben hat, soll unser soziales Empfinden, - unser üem-ejnschafts-- gefühl, das eintretfn für einander erwecken und ausbilden. Der w ahre Sportler ist u m - so hilfsbereiter, je tüchtiger er ist, aber auch umso bescheidener, je mehr e y kann. Er weiß immer, wieviel er noch tu erreichen hat, und das eigene Können gilt ihm nur wenig, wenn er nicht auch das Können seines ganzen Kreises zu lieben vermag. Er weiß, daß Wille und Fleiß ihm Sprungbrett zu jedem Ziele sind: was der andere heute vermag, das kann er in ein, zwei Jahren auch, wenn er nur den Willen dazu aufbringt. Was er auf demTurnbod :n, auf dem Sportplatz gelernt hat, bewahrheitet er im Leben. Der Sportler ist in allen Sätteln gerecht. Was ihm der Sport gab Sicherheit des Körpers und KD rheit des Blicks, das kommt ihm aau jedem Gebiete des Lebens zugute. So beantwortet sich die alte Grundfrage alle t Strebens nach Gesundheit für ihn Von seit st. Zwei Mittel gibt es, um gesund ,zu bleiben: Fernhalten jeder Schädigung oder sich fähig machen, jede Schädigung zu er- . tragen. Was ist das rechte? Kant hatte den denkbar zartesten Körper. Um sich vor Erkäl ung zu schützen, las er keine frischgedruckte Zeitung, aus Furcht, sich so den Schnupfen zu holen; und in der Tat führte er iso ein Leben, das bis ins hohe Alter freij von Störungen der Gesundheit blieb. Aber dazu gehörte ein Schicksal, das ihm stets ein sollches Leben zu führen erlaubte. Wir wissen nie was das Leben von uns noch fordern wird, welche Stürme wir zu bestehen haben w e den. Darum ist es besser, uns von vorneheiein gegen jeden Ansturm zu feien und un< unseren Körper so zu formen, daß ihn auch der härteste Anprall gewappnet findet. Wirklichkeitssinne, praktischer Blick ist eine dei > schönsten Früchte gymnastischer Selbstsucht. Sport ist zugleich körperliche Leistung und gilt uns Verständnis für körperliche Arbeit, wc immer sie auch in Erscheinung tritt. Jedym juigen Juden tut dieses seelische Verhältnis zu' Handarbeit, der Grundstufe jeder Kultur, he jte bitter not. n Amerika gilt es allgemein, daß der beste Sportsmann sich auch im Leben als der Tüchtigste erweist. Lesitung im Sport und Leistung im Leben sind dort fast gleiche Begriffe W r wollen’ aber über diese Auffassung hinau »gelangen. Uns soll nicht nur sportliche Tüchtigkeit und Lebensgewandtheit gleichbedeutend sein, wir müssen einen neuen Typus zustandebringen: den Typus des jiidi*-- sehen Sportsmannes, dem sportliche Höchstleistung und sittliche Persönlich- ] keit zur Einheit verschmelzen. Wir wollen die geistigen Güter unserer Vorfahren, das P?> sönlichkeitskleal, das unsere Väter aufgej stellt haben, nicht umstoßen, sondern ei 1 neuernd umgestaltcn. Es ist unser Stolz, auel| als jüdische Sportler Eigenes / leisten. Dieses Ziel stählt’ in uns den Willen, al> ganze Männer unsere Aufgaben gewissenhaft zu erfüllen. Wer etwa im letzten Drittel eines Mitleistreckenlaufes gegen die Versuchung anzukämpfen hat, das Rennen in matter Resignation aufzugeben, und gerade aus diesen Kampfe neue Willenskräfte für das Finish zieht, der wird merken, daß es doch eit. wenig mehr ist, als bloß die „rohe Kraft“, was im sportlichen Wettkampf den, Erfolg verbürgt. Oder wenn etwa beim Sprung training nach unzähligen Versuchen cndlic.t der Erfolg das Willensstärke Ringen nach einem einmal gesteckten Ziele lohnt. Dann wird der Snortsmann aus seiner Uebung für die Praxis des täglichen Lebens lernen können und es auch hier an der erfolgverheißcndeif Fähigkeit nicht fehlen lassen. Der unbeiigi s a me Wille ist nicht nur die Vorbedin ' gung eines jeden erfolgreichen Trainings,^ sondern allein verbürgt auch jeden sportliche«' -> Geist, der die Ueberlegenheit des Besseren rückhaltlos anerkennt. Denn wer sieh b jedem Kampfe bewußt ist, sein Bestes die Vorbereitungen gesetzt zu haben, der w,i> eine Niederlage mit weit größerem Gleichmut aufnehmen, als ein Sportsmann, dessevermeintliche Chancen im Vorhinein nur aut recht optimistisch erhofften Zufällen beruhten.. Er wird sich mit dem Worte des Hora/’ trösten: „Starkes Wollen genügt!" Leo Weiß, Frankfurt a M. Kurze Sportmeldungen Sportplatz Grunewald erneut verbessert „Nicht mit Reden, nur mit Taten“ kann dem jüdischen Sport in Deutschland geholfen werden. Das Jugendpflegedezernat der Jüdischem, [ Gemeinde zu Berlin hat, neben seinen vielen anderen jugendpflegerischen Aufgaben, immer wieder Wege gefunden, um die Arbeit dei zahlreichen jüdischen Sportvereine zu unterstützen. Damit wird wenigstens wieder ein mal das in die Tat umgeSetzt, was wir jüdischen Sportler sonst immer wietjer da um dort nur in schönen Reden zu "hören bekamen. Nachdem nun schon im Vorajhr aus den abgespielten, staubigen PiMzen ein brauch; bares Spielgelände geschaffen wurde, sind bei den in den nächsten Tagen zu beendeten Arbeiten, die Erfahrungen der vergangenen Saison berücksichtigt worden, so daß jetzt eine Kampfbahn zur Verfügung steht, die wirklich allen Anforderungen gerecht werden sollte. Besonders zu begrüßen ist die Anschaffung einer Motorwalze, die uns hoffentlich endlich eine härtere, daher schnellere Laufbahn bringt. Die Sprunganlagen stehen nur noch den Vereinen zur Verfügung, der Platz V, der bisher zum Kugelstoßen verwandt wurde, ist jetzt Sprunganlage für Schulen geworden. Der neue Raum für Kugelstoß hinter dem Start erscheint uns aber zu klein, der Boden zu un-f, eben und weich, um dort die uns fehlenden Werfer, heranbilden zu können. Die oberen. Plätze haben z. T. eine neue Decke erhalten, Platz II wird so in Zukunft den Speer- und Diskuswerfern im Training zur Verfügung stehen. — Wir jüdischen Sportler danken für diese Hilfe. Sporf-Qruppen berichten: Ein Beispiel. Wie unsere Sportgruppe „Schild“ in Bentheim mitteilt, beging am 20. d, M. unser Sportkam. Moritz Herzberg ( mit seiner Gattin Elise geh. Meyer, z , j Gelsenkirchen, das vierzigjährige E".e‘ ' iubiläum. Wir gratulieren ihm, der sich heute noch in den Sportbund einreiht und den jüngeren Semestern ein Beispiel gibt, herzlich. 6

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