Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 20 (14.5.1937)
- Date
- 1937-05-14
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Du so ffst f Wenn der uralte Hdflge Vater Mit getanener Hand Aua rollenden Wolken Segnende Blitze Ueber die Erde alt, K&6 ich den letzten Saunt teiltet Kleide«, KindUcbe Schauer Treu In der Brust.... Nicht die Mater Gedanken zum Wochenfest letzten Endes das Charakteristische des Weltkrieges, der schicksalt estimmend am Beginn dieser Geschichtsepoche steht, sondern Wach werden der Erkenntnis — im tief Erlebnis der Front <laß dem Verstand unfaßbare, unberechenbare E1 e me n f - Schlachten wa geschieh s bil- Diese Sätze sind dinefr (nichtveröffent- Uchted) Schrift entromiien, Versuch Jeiner Rechenschaftslegung, - — ----- -1~ däe ren r - die Eine g e w a 11 e n die eijgrerjtlich denden Triebkräfte sine. In dem Erleben der Krieges versank bürgerliche Welt aus der wir kamen, neue Dasemsform und n;ue Inhalte, die iuis die Existenz des Fion Soldaten aufzv ang, wurden unsere Wlrklic bki it. Eine Wirklic il ceit zwischen Vernichten mri Vernichtet-we-c en. Neu* Wertbegriffe en stunden in dieser Existenz. Fragwürdig, ji erloren erschiei in den Schützengräben uid Oeschützeinschiliten das meiste von dem, was vorher als „norinir als Unumstößlich gegolten. Eine neue Dynanik entdeckten und empfatden wir in den Dillen, die das Weltgeschehen wie das Einzelteil c csal ausmachen. Ihr gegerüber versagte das Geschichtsbild des histi »rächen Materialismus. Die Ahnung und di nn das Ueberzeuift sein von Kräften, die aus tieferen, unserer Erkenntnis entzogenen Cbullen gespeist werden, überkam uns.! Gerade im Kriegserleb :n, das ein Alleinsein des Soldaten, ein Primat-Dasein‘nicht kannte, sowenig die ewig briiiende, brausende, <k>nnernde Front einen Aigenblick kontemplativer Versenkung ins Ich gev'ährte, — gerade im Kriegser|eben wurde Jen: Einsamkeit bewußt, die wohl auch unserer heutigen Situation Merkmal ist Aus den Einsamkeit wuchs das Wissen um das Ueber- Persönliche Es erwachte jene Bereitschaft zur Hingabe an ein Höheres, die Worte nicht auszuschö| »fen vermögen. Als werte, einzige und gültige Werte von wirklichem Bestand erkannten wir dort draußen, wo es um letzte Bewährung ging, jene wenigen fundamentalen Forderungen, die gelebt sein wollen upd um deretwillen man auch sterben kann: Glaube, Ehre, Treue. Das also war die Erneuerung der Weitbestimmung und Sinngebung aus dem Fiontschifcksal; vordem verbk ßte .Begriffe, die aus den Tiefen des Menschelinnfm emporstiegen, wunden wieder gegenwi rtig, Wirklichkeit nah undj ergriffen von um B sitz. Weder die ratio noch die physis, «lieft der an sich so uigeheuer eindrucksvolle technische Mechanismus des! modernen Krieg«s — nein, die metaphysischen Mäcn e, die hinter und in den. Dingen und Tatsachen w irken, wurden ah die eigentliche und einzige Realität bewußt. Durch die Erfahrung der . üxnt wurde der wahrhafte Ursprung allen Geschehens wieder tiansparfent: Eier Gott der G schichte, der letztlich am Anfang aller jüaiscren Welt-Anschauung steht; der für uns un erforechlich waltmde Oejst-Wille, dem gegerüber es nur völlige Hirtgabe und damit — Rettung gibt. H nter aller Physis steht di: Metaphy^is, hinter der Schöpfung steht der Schöpfer. Und so hat mancher jüdische Frontsoldat in den Stahlgewittem des Krieges seinen Gott erlebt wie einst Mcse am Horeb, Und wie mancher andere in dem jüdischen Schiel salsbeben seit 1933.... Das ist der jüdische Weg: Jeder Wegl der nicht zurück, — hin ui;;um Sinai führj, ist Irrweg, allenfalls Au iwe J. vor nun etwa Jahren erfolgte. Sie führen gedanklich genau dorthin, wo das jüdische Jahr in sein« m Ablauf uns in diesen Tagen sehen will: Zum Sinai, dem Gipfel der Offenbarung. Zui 1 Sinai, zur Besinhung auf das, was der Ausgangspunkt des jüdischen Weges und dei Inhalt jüdischen < Lebens ist, ruft uns n ahnend Schowuaus, das Wochenfest. Mögen die in den Büchern des lundesschfusses verzeichneten Tieropfer jüdischer Urzeit längst der Geschichte an^ehören, mögen über die mannigfachen Formen des Kultes, Über Lebensregeln und Speisevorschriften heute die Auffassungen ause nandergehen (der Reichsbund jüdischer Front oldaten übt als solcher allen diesen Richtungen gegenüber Neutralität und respektiert jede Ueberzeugung)—: allezeit gegenwärtig t nd für ganz Israel verbindlich sind die I n h ä 11 e, die unser Gottesglauben, unsere Bundesscl iließung am Sinai einmalig und für immer empfangen hat Es sind nicht ^Privilegien, es waren Gebote, die Israel empfjng. Die Gebote Gottes sind Forderungen der Sittlichkeit. Sie se zen die Normen sittlichen Lebens. Von den steinernen Tafeln flammt durch die Zeiten das „Du sollst!“ , der Pflicht Der kathegorische Imperativ ersteht in diesem „Du sollst“ vor unserem Gewissen- Erfüllung dieser Pflicht, dieser göttlichen Satzung ist unabdingbarer, höchster Auftrag an den Einzelnen wie an Isra:l. Höher als jedes Gesetz ' von Menschenhai« . Denn: Ma adara — wis ist der Mensch.I Der Sinai, das Wochenfest, das Gewissen in unserer Brust heißt uns immer wieder unser Tun und Handeln überprüfen, «s messen an der sittlichen iForderung, die der gottgewollten Sinn jüdischer Geschichte -bildet. Es*, mag menschlich, es mag politisch rein, für Schicksafsschlage, die einem wir erfahren, andere, -Dritte, anzuklagen; aber d e innere Haltung (des Prptestes ist jedenfalls k eine religiöse und darum gewiß keine jüdisch:. Judentum, richtig und in seiner ganzen Tiefe erfaßt und erlebt, zwingt zur Selbstprüfun j, mahnt zur schonungslosen Frage nach eigen er Schuld und Fehle. Mea culpa, mea maxima culpa.... in iiiiiiitiiiiiiniiiiii! Die Und Schowuaus dunklen Tage/*) sollten sffh zum Uchte wenden, Gottes Güte strahlte seinetp Volke . wieder, Und Moses stieg vom Berge Siri/pi hernieder Mit den Gesetzes-Tafetn in den iHänden. Und Moses sprach zu Israel, wie ihm der Herr gesagt: Zum ersten Male lauschten sie ai\f Gottes Wort — Es wurde ihnen höchste Freude Hort — Und machte sie im tiefsten Elerld unverzagt. Und wenn wir*heut* nach den Geboten leben, Und schreiten nur auf ihrem schmalen Pfad, j Wächst doch die gute Ernte, aus der - guten Saat — Und Gottes Gnade wird uns innren Frieden geben. . L.L. Hilfe — zwei •) Die Tage <ie, Omer-Zihless zwiKbea Peoach und ZUI E r gailus reinigender Selbstbesinnung, die niept den anderen, sondern das eigene Tun Veranfw&rtung zieht, vermag befreiende neuer un g zu erwachsen! f lis ist merkwürdig, und doch auch wieder nicht merkwürdig, daß heute und in den lehrten Jahren in uns Juden, die wir im Felde waren, die- Erinnerung an jene Zeit viel Ie »endiger aufersteht, als in den ersten" 10, 14 fahren nach Kriegsende, da vieles vom Liufe des ^Alltags verschüttet schien. Wenn heute die Erinnerungen an das Erlebnis der V :rnichtungsorgie 1914—18 oft fast überichtig in uns erwachen, finden wir gerade ihnen oft Antwort auf jene Fragen jüdischer Shhicksalsdeutung, mit denen wir innerlich so dhwer ringen. Wir denken daran, daß jenes U Cber-Persönliche, dessen Walten wir im K -iege erfuhren, seine diesseitige Verwirkli hung in der Frontkameradschaft fand, in d;r wir das Persönliche, Private, Egozentrische ü rerwinden lernten. Wir denken an den eisernen Begriff der Pflicht, der draußen das C esetz unseres Soldatentums war, denken an den kategorischen Imperativ des „Im Dienst Seins“ zu jeder Stunde, — an den Dienst um der Pflicht, nicht um irgendeines persönlichen \ orteils willen. Und so finden wir durch die Erinnerung des damaligen Erlebens einen neuen Zugang zu mserem Judentum und seinem sittlichen Imperativ, einen neuen Weg zum Sinai. Denn es scheint uns nicht so sehr darauf anzukommen, c aß man Judentum im „Betrieb“ der Vortragssäle und Lehrhäuser „lerne“, als daß man J udentum persönlich erlebe und lebe. Entscheidend ist, daß der Einzelne, sich unter die sittliche Forderung stelle, unter das „Du sollst“. \om. Sinai; entscheidend ist, daß Israel als Gemeinschaft das sittliche Beispiel oriebe, das seit dem Bundesschluß am Sinai als religiöse Pflicht von ihm gefordert iit. Dies und nichts anderes ist der geoffenbarte Sinn jüdischer Geschichte. Es ist die höchste und schwerste Forderung, die einer menschlichen Gemeinschaft auferlegt sein kann. Sie iit für uns Juden schicksalbestimmend. Dürfen Ir sagen, dürfen wir bekennen, daß wir — ils Einzelne und als Gesamtheit — das aufgetragene „Du sollst“ erfüllt, daß wir ihm auch nur nahe gekommen wären? Geben wir das Beipiel, das auf Erden zu liefern wir ausersehen wurden? Diese Fragen gehen jeden einzelnen uden an. Er hat zu ihnen, unerbittlich gegen sich selbst, Stellung _zu nehmen. Nur so wird < ie Indolenz in unseren Reihen überwunden, wird das Pflichtbewußtsein der Gemeinschaft, gegenüber in jedem Einzelnen auferüttelt werden. Nur so haben wir Hoffnung, er schlimmsten Gefahr, der Letlrargie, u entgehen, die sonst die unausbleibliche olge Tangwährender, wachsender seelischer ind anderer Nöte werden müßte. Es darf inserem Gemeinschaftsschicksal gegenüber eute ebensowenig indifferente Juden geben, ie an der Front ein dem Soldatenlos gegenber indifferenter Kamerad auch nur denkbar tewesen wäre. Was wir einst als Frontsoldaten erlicht, gelernt und erfahren, das hilft uns heut, als Juden die Forderung unseres Schicksals fu begreifen und zu erfüllen. Das „Du sollst“, las vom Sinai her durch die: Jahrtausende ■allt, ist das unverrückbare Gesetz sittlichen, pflichtbereiten Tuns, das wir hienieden an iseren Mitmenschen, an unserer Gemeinschaft j verwirklichen haben. Diese Gebote dulden Jeeine Indolenz, keine Fahnenflucht. Wie der Soldat in der Schlacht, fern allen Theorien, allen abstrakten Begriffen und Formeln ausharren mußte in seiner Pflicht, Wie in der» Wetterschlägen der Front der Einzelne in der Gruppe, der Truppe, der Kameradschaft aufmät mtm