Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 36 (4.9.1936)
- Date
- 1936-09-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1 BEmMJUtUfchlSl Ijldtl FftftSf Mit dar illustrierten Beilage »»DIE KRAFT" für sjport und Jugendertüchtigung „.JtMtg und Verlag: Berlin W 15, K urfürstendamm 200 (Reichsbund jüdischer otsoldaten E. V ). Samm.-Nr. J 1 —-8571. Postscheck: Berlin 76142. Telegrammirift: Schildkamerad. Redaktionsschluß: jeden Dienstag vor Erscheinen. Fiir lahme und Rücksendung unverlangt eingehender Manuskripte wird keine Qeub^rtwjmmcn. Bei Nichtlieferung ohne Verschulden kein: Vergütungsanspruch. .« / 15. Jahrgang ittrbunAmedninQ — Rultutbundloguno A, „3<f»ilb“ wurde bereits nachdrücklich darauf fcmh'en; dal, der Jüdische Kulturbund mit Werde -Aktion hervorgetreten ist> die der -■iterung 'eines Mitgliederkreises dient. Dies „ ns Anlaß, erneut die Aufmerksamkeit aus , «»llurbuid binjulenfen. Es geht dabei heute |t |o sehr um das „Wie" seiner Arbeit, sondern u »ule Arbeit ichlechthin, um ihre Aufrechtitrltung. Zollen, wollen und Rinnen wir Jßeit, die wir aus ein Dasein in unserem eigenen hpk oom Schicksal verwiesen sind, auf kulturelles «i, auf ein eigenes Kultur-Institut, das uns _ Snttleriidjen Eindrücken, mit geistigen Anprgen, mit innerer Erhebung, aber auch mit Rdjer Emsvanmmg versorgt, verzichten? ffie- , man kann verzichten, wenn man muh. Aber ob i Verzicht leisten soll und muh, hängt hier Nilich vorn Wollen ab. Wollen wir es nicht, heißt es, alle Energien der Gemeinschaft aus! Ziel: die Erhaltung des Kulturbundes zu kon- Ärmi, Alle Energien: d. h. dm.Willen jedes ••i'-enl Es würde unseren geistigm Traditionen, rr'si-5 entsprechen, wenn diese Energien sich nicht .mein ließen. Denn Eigenleben ohne Kulturfflege wäre uns undckkkbar. ®tncu duist es, was die Werbe-Aktion des Z: Kuliuibundrs bezweckt. le: Reiä>sverband der jüdischen Kulturbünde in '<:!lchland veranstaltet nun vom 5. bis 7. Sept. Meine Kulturtagung in Berlin, die der ^"ieen Programmgestaltung der jüdi- ’i*' Kulturbund-Arbeit gewidmet fein wird. Aus Jetlin und drin Reich werden die geistigen und n^i'aioiüchen Träger und die wichtigsten künst- IKitarbeiter an dieser Arbeitstagung lkkeetmien, auf der die für die jüdische Kultur- ^Arkeit in Deutschland entscheidenden Probjur Tis!u:i on stehen. Delegierte der jüdischen feinten und itertreler der Reichsvertretung fo- " tei großen jüdischen Organisationen, darunter AeiidsdundeS jüdischer Frontsoldaten, werden "seiind lein. Air sind uns freilich über das Problematische solchen Versucher, aus der Diskussion die «"e der Arbeit herauszuentwickeln, restlos im *l»«ir. Tenst bie Grenzen, die der Aussprache ge-^ IV" sind, f.nt» ebenso deutlich erkennbar, mit * Bedingungen, die die praktische Arbeit, die rpielviaiigestaltung, bestimmm. Man wird, dies * Mw Eindruck aus dem Programm, vor einer V vornherein abgesteckten und adgestimmtm „Pro- •““"totit" stehen. für all dies dürfte letzten Endes aus- Miggebend sein, was wir eingangs bemerkten: man durch eine Werbe-Aktion die künstleri- V" — und das heißt hier gleichzeitig die sinanüSj* — Energien des kulturell interessierten Mischen Publikums im Kulturbund geschlossen zue n f a s s e n, so wird das, was der Kulan Arbeit, d. h. Spielplan, verheißt und lenem Publikum des Opfers lohnend und Ansprüchen angemessen erscheinen müssen. Ansprüche resultieren aber naturgemäß aus jüdischen Geiftestradition in k»tsch la n d, d«rm Linie etwa von Süßkind Trimberg über Mose» Mendelssohn bis w*vr. (stundolf, Jakob Wassermann, Georg ®?™“nn, Richard Beer-Hofmann, verläuft. Man «u, klwßm, künstlerisch mtereffierten Kreise V*ns jüdischen Publikums in Deutschland dann «e Kulturbundarbeit aktivierm können, wenn sie aus jene Linie ausridjtet, die seiner ^5*nsarI unb seinem Bildung s gut gv- ®wlöuft. Daneben wird gewiß Interesse ». *K jüdischen KunftschSpfungen aus anderm ^ibrrkreisen, vor allem aber für jene großen vorhanden sein, die nicht einem Land«, fr **"« Zeit, nicht einem Stamme allein, son- ** *« Menschheit gehürm. hawo. Preis 20 Pfennig Bezugspreis! RM 0,55 ir^ Monat ziizügl. Postbestellgeld. Anzeigenpreis: Die 12gespaltene Millimeter-Zeile 0,16. Stellenangebote u. -Gesuche, Familienan/eigen RM 0,1C. Anzeigenschlutj: jeden Dienstag vor Erscheinen. Man verlange genauen Anreißei tarif! Anzeffeenverw.: Bepa-Verlag Benski & Pakuscher, Berlin W 50, Regensb irger Straße 21 .j Femspr.: B4 Bavaria 6607. — Postscheck: Berlin 32 529. \ I Berlin. 4: Sept. 1936 Männer - nicht Maßnahmen Der rechte Mann IBon der Reichsvertretung der Juden in ^Deutschland, über deren Umbildung wir kürz» iltch berichtet haben, wurde uns unterm 8- August 1936 ein längeres Schriftstück mit der Ordnung! über die Bildung eines „Rats bei der Reichsvertretung" übersandt- Das Dokument umfaßt 11 Artikel und in Artikel 12 die Uebergangsbestimmungen- Es ist ein lnicht ganz einfaches unb sicher mit viel Geistes-- > schärfe aufgebautes Paragraphenwerk und wir find zutiefst : berzeugt, daß es einer Notwendigkeit für d ,s Leben der Juden in Deutsch land entsprich 4, all diese Dinge genau und ordentlich mit wohlabgewogen. unter Berücksichtigung alt r in Frage kommenden Instanzen und Gruppen, zu regeln- Wir sind aber nicht minder des Einverständnisses unserer *,-8*kv sicher, wenn wir ihnen und un» den Abdruck an d eser Stelle schenken. „Männer •— nicht Maßno imtn“: Diese auf ihre knappste jFormel gebrcchte geschichtliche Erkenntnis, für die vor allem Englands eigene großartige Entwicklung i nd Stellung «in handgreifliches Zeugnis ist. geht als Ford-erung und Hoffnung für unsere jüdisch« Gemeinschaft durch die He zen der jüdischen Frontsoldaten, für die wir sprechen: ja, wie wir meinen, durch die Reihen der deutschen Juden über Haupt- Und tachdem an Maßnahmen in der Reichsvertrett ng geboren ist. was offenbar als unerläßlich erschien, ist der I-Zeitpunkt da. nunmehr den R »f n a ch den Männern, den beherzten verantwortungsfreudigen, Pflicht erfüllten, zur! schlichten zupackenden Tat befähigten Männern zu wiederholen. * Daß aus jüdischem Stamm nicht nur Taktiker und Theoretiker hervorgehen, daß jüdischer Geist nicht der Geist der „Maßnahmen" ist. sondern auch der Geist männlicher Tat, dafür ist der Beweis auf den Schlachtfeldern des Großen Krieges ein für alle Mal erbracht worden- Denken wir nur an die wenigen aus dem Heer der unbekannten Feldgrauen, von denen letzthin in unserem Blatte berichtet wurde: an lenen Kriegsfreiwilligen Hans Salomon. der als Gefechtsordonnanz Seite an Seite mit seinem Hauptmann fiel, um nicht als Gefangene dem Feind« in die Hand zu fallen: an jenen Unteroffizier Scholem, der mit einem anderen Kameraden zusammen, verwundet und in Gefangenschaft geraten, seinen verwundeten Leutnant nicht im Niemandsland, hilflos verbluten ließ, sondern herausholte: „Treue und Kameradschaft auch im Angesicht des Todes": an jenen Kameraden Ludwig Gutmann, der, selbst verwundet, feinen verwundeten Leutnant durch den Stahlhagel schleppte und ihm das Leben rettet«. Wie er die Silberne. t so holte sich der Kamerad, von dem wir hier jetzt sprechen wollen, die seltene Auszeichnung der Bayrischen Goldenen Tapferkeits-Medaille- Es ist der Sohn des Nürnberger Rabbiners Dr. M- Freudenthal. Walter Freudent h a l. der August 1914 als Kriegsfreiwilliger bet dem berühmten 14. Bayr. Jnf.-Regiment in Nürnberg eingetreten und gerade am Bersöhnungsfest 1914 (30. September) an bie Westfront gekommen war: über sein« besonder« Leistung in den Herbstkämpfen in der Champagne 1915 weiß die amtliche bayrische Ehrentafel" folgendes zu berichten: Unter dem schweren französischen Geschütz- und Mmenfeu», das vom 16. bis 19. Oktober 1915 andauernd über der „Schulterstellung" bei Tahure tag, wurden sämtlich« Gräben eingeebnrt und Bewegungen innerhalb de» beschossenen Raumes fast unmöglich gemacht. Am 18. richtete sich di« kaum zu steigernd« Wucht des von Fliegern geleiteten Feuerangriffs zumal gegen die Schutz bauten und chte Zugangsgräben, wobei es am Nachmittag dem Fein» gelang, einen von Testen der 12. Kompagnie 14. Jhifanterie-Regiments belegten Unter. d e n 1 b a l aus De künde von Nürnberg auf dm rechten Platz! standzum Einsturz n bringen nnd dessen an sich schon schmalen Einmg völlig znznschütten. Als der Unfall eintrat, war der Vizefeldwebel der Reserve und Ossizier -stellvertteter Walte» Freuv 1 .... T-.il... -=4..s:.r.„h,r W ftril. ffau. Studierender der Heiltun-» uwi, eben ahderusen worden, eilte jedoch Ichleunigfl wieder hinM und macht«, ungeachtet des sich fortgesetzt steigernden nnd ans die Untz ücksftitir znlammrnmirkenden Minensen««, mit den Eingang frei. Indem er ... — teilmeis« schwer »invaudetr Mannschaft öeratzigü. brachte er mit Unterslützung einiger Leute die B« letzten ist »inen ander» Hohiraum and trug uns seinen -eigenen Schultern in aufrechter Hultung zuei de» Augenlichte» beraubt« "—lau?iAaYK»i( tVi noch ein Kameraden dorthin wurde der Unter von Minen get Golden ersch«! vollauf verdient er sich schon früher e Die „Goldene D ...- ........ in Sicherheit. Da noch ein Schwerverwundeier z lrückblied, holte er «inen Arzt, leistet« ihm die er'» derUch« Hsts« uatzjj hurrie bei dem Sterbenden au», bis er für immer die Augen schloß. Sodann förderte er die Waffen, und Ausrüstungsstücke nebst ü ßwaren und einigen gefüllten Feldflaschen wieder zutage, svdaß sich der Zug auch im Besitze seiner Kempfmittel und des nötigen Muudvorrota befauj». Während dieier Arbeit jst a n d noch mehrmals offen. Durch fein ans»' „ „ ... ... - . , opfernde« nnerschrockbne» und umsichtige» Bei« Haller leistete Freudluthal sejner Kompagnie ganz hervorragende Dienste, weshalb die Auszeichnung der i|«n Medaille Der rechte IMfann auf den rechten Platz! Da wird bekanntlich in 'Aussicht genommen, noch in diesem Jahre in der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands, Berlin, Wahlen zur R ev r S-sen t a n te n v e r 1 a m m I u n g auszuschreiben. Wir güdi^chen Frontioldaten sind zwar nicht der Meinung, daß ein innerjüdischer Wahlkampf und die damit verbun den« Agitation das zeitgemäße Bild abgäbe. - das unsere Gemeinschaft in dieser Gegenwart bieten sollte. Wenn jedoch eine solche Wahl unvermeidlich werden soilte. so sagen wir für dielen Fall rund heraus, daß der Reichsdmid jüdischer Frontioldaten den Wahlgang nicht scheuen würde. Er würde dann wenigstens das eine gute zeitigen, daß über die v e r meintliche inneriüdische Einstellung derGemeindeistitglieder ein wahres und klares Bild geschaffen wird. Wir glauben, ohne uns Prophetengade anzumaßen. Voraussagen zu können, daß die Forderung de- Fronkdundes „Männer — nicht ültaßnahmen!" bei der Mehrheit der 'Wähler den 'Dm» jug vor .allen jüdischen P a r t^i Programmen finden und die Durchdringung des lüdischen Lebens mit Frontsoldaten. Männern des Frontbundes, erheb sich fördern würde, lind gerade dies tut endlich not .. r int; das Eiserne Kreuz Halle rungen. ., ' iie „wuiitik ^.aviserkeitsmedaisle" wurde Walter Freudenthal tm Juni 1916, als er infolge einer Berloundung in Nürnberg in einem Militärlazarett lag, vom Kommandie renden General des III. bayr. Anneekorps >persönlich überreicht. König ürrfd Erc. von GebsatteUi Ludwig III. von B amberg rend eines Bestick zollernburg in Nü _ bei welcher EelegcnHcit die Schloßwache fi hrte. denthal und desseif -- letzterem persönlich zier mit. Das gefch vor 30 Jahren. üchts auf der alten Hohen im September 1916, Walter Frhudentbal .... Rabbiner Dr. Freu- , Sobn Walter und teilte die Boförderung züm Offi- »ph alsoin Nürnberg gerade ayern beglückwünschte wähi terung ist eine Illustration .Männer — nicht Maß 2t uns das Bild des verjdes. in dem ein verlorenes et und hilflos, vor einem Iches sich wie eint düsternd jäh vor ihm aufrichtet, akchen, zerfetzt, blutend und tujenhafte Fragwürdigkeit des ihrem letzten Ernst durch- , Menschen, für die ohne im dunklen, verschütteten abgeschlossen erscheint. Maßnahmen nicht mehr konnte ihnen.,... ein Auch diese Erintz zu dem Worte: nahmen". Wie va, schütteten Unterstari, Häuflein, verwunde Schicksal steht, t»r schwarze Todeswai ei» Häuflein Men > blind, das die grau Menschendaseins in lebt und durchleidet, Wehr und Kampf Stollen das Leben Ihnen könnten — helfen. Aber helfest Mann! Und so sind wir heute der Meinung, daß auch di« Juden in Deutschland Männer brauchen, Männer jüdishen Stammes, wir sie sich vorbildlich schon ei nmal erprobt und bewährt haben al» «s nu auf den Mann anfam, nicht auf Maßnahr ten- So wenig damals, im Weltkrieg, der Ft ontsoldat weltanschaulich« Betrachtungen odei sonstige Erwägungen anstellte, sondern schüchthin handelte, wie es di« Pflicht ihm! «fahl, und wie die Sit» ation «» «rfo derte, gerade w wenig können wir jüdisch.n Frontsoldaten beute in unserem Leben»bez rk die Notwendigleit ein- Ken, Zeit und Kraft an starr« Prinzipien : Aemterverteilu ig, an den ausgctiaocltcn Ausgleich von ffin ppenbelangen und! ähnsiche Mamtahmen zu i«rfchwend«n. U. E. heißt da» Problem gm», einfach: Wie, sehr es angebracht ist. der Herr'chgft des Parteigei st cs im jüdischen ' Lehen Berlins entgegenpiwirken. beweist die Tatsache. daß zu den hohe» Feiertagen eine polt tische Gruppe eiqent Gottesdienste anzcigt. Wenn die verschiedenen religiösen Rich tungen von der Aguoa bis zur Reform den Gottesdienst ihren Uedrrzeuqungen entsvrechend gestalten, so hat dies feit je fraglos seine Berechtigung: wenn mgn aber beginnt, sich nach der weltanschaulich-politischen Richtung in Gottesdienste abzuson)>ern, um dem Einen Gotte Israels zu dienen, so müssen wir schwerste Bedenken ^Äußern. Unser Gottesglaube soll uns nicht trennen, sondern verbinden! Nicht als Zionisten oder Fronlbund- Anhängcr. als Reoifioetisten oder CBer treten wir vor Sein Antlitz, sondern, als Juden. Wenn wir in diesen Blättern berichten, was jüdische Männer als Frontsoldaten an höchstem Einsatz zu leisten imstande wären, so tritt die "gleiche Einsatzbereitschaft in .der Gegenwart deutlich genug aus der Tatsache ZU Tage, daß wir ehemaligen jüdischen Kriegskameraden uns als Juden zu uiinem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten zusammengeschlossen haben. Was «inst im Weltkriege ge schehen, siegt heute, gewiß, zwei Jahrzehnte und länger zurück. Aber wer damals in härtkster Bewährungsprobe für das Judentum Ehre eingelegt hat. der darf in erster Linie als geeignet gelten, heute für die jüdische. Gemeinschaft einzustehen, für deren Schicksal nicht „Maßnahmen" entscheidend sein werden, sondern Männer. Hw. Nene Besfldsfangeii am Tag unserer Meister! TennlsJnnloren ermitteln Ihre Meister! Aumtührtlckm Bmrichtm tm ftmr „KRAFT"