Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 35 (28.8.1936)
- Date
- 1936-08-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4911661-5448578-5449627--330-4915988- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
HERAUSGEBER: REICHSBUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. EncbfiitJ«l«aFrtitS| Mit dor Illustrierten Beilage »«OIE KRAFT" für Sport und Jugendertüchtigung SdrStfeitung and Verlag: Berlin VIS, K urfünteadamm 200 (Rekhabund jüdischer Frontsoldaten E.V.). Samm.-Nr. J1—8571. Postscheck: Berlin 70885. Telegramm« ■schritt: Schildkamerad. Redaktionsschluss jeden Dienstag vor PrwMnfrt. Für Aufnahme und Rücksendung unverlangt eingehender Manuskripts wird keine Oevihr übernommen. Bet Nichtiieferutg ohne Verschulden kein VergfttuUgssaspruck. Sr. 35 / 15.3o^rg<mg ii. Bezugspraisi RM 0,55 Im Monat zuzQgL. Postbestellgje spaltene Millimeter-Zeile RM 0,16. Stellenangebote RM 0,10. AnzeigenschluB: jeden Dienstag vor Erscl Anzeigentarif! Anssigenverw.: Bepa - Verlag Benski Regensburger Straße 21. Fernspr.i B 4 Bavaria 6607 Frais 20 Pf«nni| Id. Anseigenprsb: Die 12 ge- -Oesucbe, FamiHenanzeigen Kleinen. Man verlange genauen k Pakuscber, Berlin W 50. - Postscheck» Berlin 32529. Sdifiils aus Dem üinteclialf Dir strotze Unruhe, obn her die Welt in ileidentoem Grade, ergriffen ist. spiegelt sich m deii -palten der Presse wieder. Vieles, «as wir an Nachrichten — insbesondere von lm dfiden in Spanien kämpfenden Gruppen - lesen iit undurchsichtig: aber sicher ist eins: tie Leidenschaften sind, nicht nur in Spanien, in ungewöhnlichem Mage aufge tüblt. und nichts wäre mehr zu wünschen als eine leidenschaftslosere, der klaren Per aznfi zuinnlichere Atmosphäre, weil eine solche die Voraussetzung jeglicher Entspannung ist. Kennzeichnend für die von menschlicher Ver- »»nsi l oder vernunftvoller Menschlichkeit »eil entfernte Erhitzung und Verirrung der Leidenschaften sind die Meldungen über Greueltaten. wie sie aus Spanien zw uns gelangen, wohl j wissen wir, datz in diesem Lande seit kiufulirung der Inquisition ii 3- 1480 bis » der letzten Hinrichtung 1826 3 a b r hu nderte hindurch Tausende von Men- «en lebendigen Leibes den qualvollen Opfertod atif dem Scheiterhaufen gestorben lind: aber datz sich heute in Europa so grausame Trzessel wie sie jetzt während des Bürgerkrieges gemeldet werden, irgendwo adspielen lönnieji. hätte man schwerlich für möglich gehalten-: uns freilich nicht minder tief berührt, >sind gewisse' Meldungen aus Valäü > n c. Heit zwei, drei Wochen baden sich die tnroriiiüchen Aktionen von arabischer Seite m einstm Matze gemehrt, das der militärimen und polizeilichen Matznahmen, wie sie bisher! von der Mandatsregierung ergziffen vordeä sind, geradezu spottet- Dabei! sind netwn^den fast täglichen Bombenanschlägen, lleberfällen und Feuergefechten dieses ftolonialknpges einige Dinge geschehen, die durch i(»n ganzen Eharakter nicht minder Ent« leben und Empörung heroorrufenmüfkn, wie die Erzelse im spanischen Bürgerkrieg. Wenn ein Gemeindekrankenhaus in öeruiasem beschossen wird, sodatz die Kugeln n> die Kranken sä le elndringen. so lätzt ind rin derattiges Vorgehen auch von einem >m Cbieltioität für die arabische Sache beuchest Beurteiler durch nichts mehr rechtlenigetz. - Noch ungeheuerlicher aber erscheint ans der Mord an den beiden jüdischen Äran- «■ramtrtern, die tynterrfid» niedergeschossen ntbes, als sie da« Negteranaskranieuhaa» in Affa »um Antritt de» Nachtdienstes betraten: »>e eine war auf der Stelle tot, die andere «lag nach kurzer Zeit ihren schweren Verätzungen. So erlagen zwei Krankenschwestern, i»ei Jüdinnen dieser feigen Mordtat, die keine nndere Pflicht kannten, als die Wunden zu u r i1andere geschlagen haben. Sie waren ür m aufopferungsvoller Weise nach Jaffa newmmen. um dort im Regierungskrankendaus wo sich höchst selten jüdische Patienten dennben. kranke Araber zu pflegen. Sie batten mcht gefragt, welcher Abstammung. Volks- MgehSrigkest oder Religion ihre Pfleglinge "e standen im Dienste, im schweren, aufreibenden Dienste der Menschlich-. . *• Von ihnen darf man sagen: Sie sind' °nf dem Felde der Ehre gefallen' Wir ^li!>l!li|chl!WDWWWWWWWWWgDWgWWWWßWgWWb ’ommt zum r*9 unserer Meister 130. Augast 1936, 15 Ubr Sportplatz Oranewald (S-Bahn). l-eicbtatUsttBtdw Einladung» - und J ugend Wettbewerbe I üntliche Relchameifteri am Start! sowie retl Bergmann, Engl. Meisterin 1934; uth Caro, EngL Meisterin 19^5. ■ Eintrittspreise von SJS bis2JSRM Berlin. 28. Ang. 1936 Das innere Gesetz Treue un^ Kameradschaft — höchste Tugenden, die einer einzigen Wurzel ent« sprietzen. Wenn man heute und in Zukunft wirklich wissen will, was diese Wotte an Grütze und Schwere zum Inhalt Haben, dann muH man in alten Regimentsgeschichten blättern, die in ihrer soldatischen schlichten Art berichten. was damals, vor zwanpg Iahren. auf den Schlachtfeldern des Groben Krieges geschehen ist. Man liest Namen, Daten, man liest Tatsachen, — und hinter ihnen wird offenbar, was tatsächlich Treue und Kameradschaft Heitzt.... Da ist die Geschichte des 4. lothringischen JnfanteriefRegiments Nr. 136, ein umfangreicher, mit Bildern und Karten reich ausgestatteter Band. Sie führt uns an viele Brennpunkte des grotzen Völkerringens, in West und Oft, wo diese ruhmvolle Truppe eingesetzt war. Sie lätzt auch in dem, der etitem anderen Regiment angehörte, die ungeheure Vision des Fronterlebnilse» wieder auferstehen. 4360 Offiziere. Unteroftiziere und Mannschaften dieses Regiments gaben ihr Leben für das Vaterland hin. Wieviel Heldentum, wieviel schweigsame Treue und Kameradschaft verbirgt sich hinter dieser nüchternen Ziffer! Uns interessiert natürlich, datz auch mancher jüdische Name hierin auftaucht. Da heitzt es auf Seite 95 <20. September 1914): „Ganhervorragend arbeiteten die Krankenträger. Unter ihnen zeichnete sich besonders der Krankenträger Rosenberg aus, ein kleiner fixer Kerl, der unermüdlich ttotz des schweren Feuers die Verwundeten zurückträgt'. Wir finden seinen Namen wieder im Gedenkbuch der jüdischen Gefallenen: den Kameraden Andreas Rösenberflr geboren am 17. Februar 1893 in Berlin, gefallen bei der 11. Komp, des Inf. Regt , 136 am 20. September 1916. Er hat alfp das Lob. das die Regimentsgeschichte-', seiner Bravour zollt, mit dem Tode besiegest- Aber nicht einzelnen Namen wollen chir hier nachgehen sondern einen Abschnitt der Regimentsgeschichte herausgreifen, der ju unterem Thema gehört, der schlichte Tatsachen für, sich selbst sprechen lätzt- Er findet sich auf Seite 170 und 171, und was er berichtet, hat sich am 12. Mai 1915 bei der 12. Komp, des I. R. 136 zugetragen: „Noch ahnt niemand in der Komp., was in ihrem Rüden vorgegangen ist. Dott hat in der Nacht der Gegner das nördl. des Dorfes lickende Wäldchen erreicht und M. G.'s in Stellung gebracht. Gegen Mfttag schwillt wieder das feindliche Artl. Feuer zu ungeheurer Stärke an. Lt. Lange beobachtet gerade, sich im Rücken sicher wähnend, die feindl. Schanzarbeiten, als aus dem Wäldchen die Franzosen in den Hohlweg «inbrechen, Bald ist die dortige Besatzung trotz tapferster Ge^ genwehr überwältigt, mit ihr fallen auch die Uffz. K. und Schalem, die den verwundeten Lt. Stempel nicht verlassen wollen, in Gefangenschaft. (Uffz. Schalem war durch Beinschutz verwundet. Anm. des Vers.» „Furchtbar ist das Schicksal der Verwundeten. „Sie haben" so heitzt es im Bericht Stempel, „die Vorgänge am 12. 5. 15 nicht mehr beobachten können. Nun hören sie, dort, wo auch Lt. Stempel liegt, in der Nacht, aus den 13. 5. 15, tags zuvor noch einmal dem Granathagel ausgesetzt. Truvvem über Truppen in dumpfem Schritt und mit leisem Gemurmel durch den Hohlweg ziehen. Die Sprache ist nicht zu verstehen. Sind es Deutsche? Ist es endlich die längst verheitzene Verstärkung? Sie muh ja einmal eintreffen! Oder — ist es schon der Feind? Sie halten den Atem an und lauschen in die Finsternis, aber keiner wagt zu rufen: ein schwacher Hoffnungsstrahl schimmert durch die Nacht. — Am Morgen werden sie dann opn franz. Soldaten gefun den. Die Utfz. Karnstedt und Schalem 12 136, haben nach ihrer Gefangennahme mitgeteilt, datz ihr Offizier noch sckwerverwundet bei Carrenco liege. Sie zeigen den Franzosen auch den Weg zu der Stelle, obwohl die Kampfhandlungen noch andauern. Dabei wird Utfz. Schalem von einem Schutz durch beide Beine verwundet. (Er war bereits am Vortage verwundet und noch nicht verbunden. Anmerkung des Verf.). So halten diese ehemaligen Rekruten vom Jahrgang, 1913, dem letzten vor dem Kriege, ihrem einstigen Einj. Korporal Tre»e and Kameradschaft auch im Angesicht de« Tode». ‘.j Erst am 14. 5. gegen Mittag, (Tünnen die Verwundeten abtransportiert werden. Den heldenhaften Verteidigern von Earencn kann selbst der Gegner, dem das lange Ausharren in dem infernalischen Feuer ein Rätsel bleibt, seine Anerkennung nicht ganz versagen". Bei dem hier erwähnten Unteroffizier Schalem handelt es sich um den Kam. Aler Schalem, jetzt Saarbrücken: ebenso wie er, war sein Bruder Kam. Otto Schalem, Bonn, Frontkämpfer. kleiden und zu Aber nicht un die Person, um die Sache geht es für ms! Ebenso wie bei unserem Bericht über den jüdischen Kriegsfreiwilligen Hans Salomon «Schild Nr. 33>. der als Gefechtsordonnanz Seile an Seite mft seinem. Hauvtmann in >en Tod ging: ebenso wie bei dem Kam. Lutwig Guttnann s. A. «Schild Nr. 34), der sei «st verwundet, seinen verwundeten Komvaar iesührer durch das stärkste Feuer schleppte md-ihm so das Leben rettete. Es geht uns um die Sache! Es geht heute, nach 20 Iahren. darum, dke grotzen. sundameiilalen,'.'egrine der Treue, der Kameradschaft. wie ie damals gelebt und erlebt worden sind, jo)er Phra'enhaftigkeit zu entincr neuen Wirklichkeit in unserem rin «enden Judentum ju entfachen. Es geht uns darum. Tatsachen sprechen zu lassen, derer Wirklichkeitsgehalt ein bleibenber iit, Tatsachen, die keiner Abwertung unterliegen. Der Geist, der damals Wirklichlichkeit war,-er (soll der Geist und das innere Gesetz der jüdischen Gegenwart sein Ihn zu künden, ijt Sache der jüdischen Frontsoldaten. Was hat der Uffz. Scholem und sein Käme rod damals getan? — Durch Beinsckutz verwundet. .war er in Gefangenschaft geraten. Ader damit wcr keinesfalls „der Krieg für ihn zu Ende", , Karnstedt und, er wutzien ja. datz andere Ka neraden und unter ihnen ihr Leutnant Stem >el hilflos und bluiend im Niemandsland sagen. Treue und Kameradschaft schrieben .ihnen den Befehl des Handelns vor. Sie rühren die Franzosen zu jener, Stelle hin, wie! er zurück in den Stahlhagel, um die Kameraden zu retten. Und Scholem bezahlt diese Tat mit nochmaliger Verwundung, einem Schutz durch beide Beine... Bestimmt ist gr sich nicht dabei als „Held" erschienen, bestimmt hat er an keine^B^lohnung oder Anerkennung gedacht — er hat so aus einem inneren Gesetz heraus gehandelt, dem. zu gehorchen für ihn selbstverständlich war. Und dieses' innere Gesetz,' das beim Soldaten im Kriege mehr galt und höhere Leistung erwirkte a s äutzerer Befehl, soll heute unser jüdisches leben und Zusammen-Leben beherrschen! Es soll höher stehen und verpflichtender sün eben Einzelnen sein, als jüdische Parteim^s' ungen und Programme und Gruppen-Anfvnjcre. Die Pflicht «um bedingungslosen unb opferbereiten Einsatz jedes Einzelnen für jeden Anderen, ohne lange zu ftagen, diese tief in biblischer Ethik begründete Pflicht, soll und mutz auch uns zu einer — Selbstverständlichkeit werden. Zum inneren Gesetz! wollen ihre Namen merken: Nadia Fmk und Nehamia Zedek. Wir wollen ihr Gedenken in Ehren halten. Sie sind uns leuchtendes Symbol unschuldig vergossenen Blutes bei höchster vorbildlicher Pflichterfüllung. Ihr Tod kennzeichnet gleichzeitig ein Ausmatz menschlicher Verirrung, das nur Abscheu erregt and sich jeder erklärendcm Deutung lmisation».. — ... ...-. Genf. New Port und Konftantinopel- Der Pfiegernmenverband bei der Hadasfa protestierte beim Hohen Kommissar und betm Internationalen Pflegennnenoerbcmd in Genf: er brandmartte den Mord al» einzig baftegeab in der Geschichte ber Krankenpflege. Der a r abische Bürgermeister von Jaffa veröffentlichte eine Erklärung, in der er den Mord an den beiden jüdischen Schwestern schärfsten» verurteilte. — E» würde die heiltge Tragik solchen Sterbens entweihen, wollte man damit „Greuelpropaganda" tteiben. Ms Juden weigern wir uns jedenfalls, ein solche» empörende» Vorkommnis zum Wertmesser über da» Arabertum zu machen- Wir kennen au» eigener schmerzlicher, Jahrhunderte alter Erfahrung zu genau die Ungerechtigkeit jeder Verallgemeinerung. um nun zu sagen: «eht, das sind „die" Araber! Leider aber ihaben sich die Vorgänge ähn licher nichtswürdiger Art gemehrt- Ein einziger Bombenanschlag in Safet hat eine ganze jüdische Familie buchstäblich aus gerottet: den Vater, den fünfjährigen Sohn und die beiden Töchter von 6 und 6 Jahren- Leichtere Verletzungen trafen die Mutter und die Grotzmutter- Nicht minder grauenhaft al» die Folgen dieser von ruchloser Hand m da» Schlafzimmer' einer Familie geschleudetten Bombe ist der Mord an einem Dozenten der Hebräischen Universität zu Jerusalem. Während der 39 Jahre alte Gelehrte, ein Dozent für Orientalistik, bessern Lebensarbeit das Studium de» arabischen, Werke, „Haschia" war, an seinem Arbeitspult stand, hat sich der Mörder an da» offene Fenster de» Zimmers heranschlichen und feuerte ein Dumdum-Geotz auf ihn ab. E» verstümmelte den Kopf des Gelehrten, d friedlichen, der v widmeten Arbeit heimtüchfchen A All das hat wehrhafter Verl! nichts zu tun kommms-e deren coeist vielmehr, dunkelsten Elemen! irgendwelchen po mindeste zu tun nun« und Ges dem Hinterhaj Matze fielen Lau tr sofort tot war- Bei seiner tssenschafklichen Forschung ge ^wurde er durch einen feigen,.. schlag hinweggerafft, iit Krieg und Kampf, mit digung nationaler Belange |ie Häufung solcher Vor« pfer Wehrlose sind, beah in Palästina heute die" Je, deren Ausschreitungen mit itischen Idealen nicht das den, ohne Furcht vor O ed - e tz ihren Mordinstinkten aus lt in einem unbegreiflichen lasten können. Inzwischen laust lungen der versch scheu Zukunft in! nur der Emir Abi sondern auch die gen Araberstaaten — hat sich bei En tische Kolonienmin wortschreiben auf m die politischen Berhandbenen, an der palästinensi- -ressierten Gruppen- Nicht lullah von Transjordanien. . Diplomatie der felbftändi- — Irak und Saudi-Arabien aland eingeschaltet- Der bri» Ifter aber hat in seinem Ant- (ine Denkschrift der höheren