Mannheim
Compact Memory

Der Schild · 1936-06-05 · 23 (5.6.1936) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
15 (1936)
Issue
23 (5.6.1936)
Date
1936-06-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4911661-5448578-5449603--218-4915888
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

HERAUSGEBER: REICHSBUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. IjrfM Frtttai Mit der illustrierten Beilage «sDIC KRAFT" für Sport und Jugendertüchtigung and Verlag: Berlin W15, K urfürstendamm 200 (Reichsbund jüdischer jttn E.V.). Samm.*Nr. J1—8571. Postscheck: Berlin 70885. Telegramm- Schiidkanersd. Redaktion sschluB: jeden Dienstag vor Erscheinen. Für and Rücksendung unverlangt eingehender Manuskripte wird keine Oetberaommen. Be» NichtUeferuag ohne Verschulden kein Vergütungsanspruch. Preis 20 Pfsaali Bezugspreis i RM.0,55 im Monat zuzügl. Postbestellgeld. Anaelgenprels: Die ^gespaltene Millimeter-Zeile KM 0,10. Stellenangebote u. -Gesuche, Famiüenanzeigen RM 0,10.< AnzeigenschluB: jeden Dienstag vor Erscheinen. Man verlange genauen Anzeigentarif I Anzeigenverw.t Bepa - Verlag Benski & Pakuscher, Berlin W 50, Regensburger Straße 21. Feraspr.: B|t Bavaria 6697. — Postscheck: Berlin 32 529. _i_ Beilln» 5. 3nni 1936 MLtlie SOiuiielii I Berits 1933 habe ich jüdi'che Eitern und Er- U »am,: gewarnt, die Schüler und Schülerin, i MMitig aus der Schul« zu nehmen in der "wng. so schnell wie möglich eine handwerllich«! »qbmen zu »nnen. In Wort und Schrift ich gegen den „abgebrochenen Tertianer" ge. . Umsonst! Run ist es aber an der Zeit, Finger ans die Wund« iu legen und ohne > Scham dies,; Problem öffentlich zu erörtern. Schi'er. der mit Quarta oder Unter-Tertia iMtn Schul« oerläht. hat für einen praktischen nicht die Vorbildung, die ein Schüler nach .reichem Beluch der I. Klasse einer Volk»- ' Hst. Im Plan der höheren Schule ist di« Ünng de, Unterrichtsstoffe» «ine ander«, so- I uit Quarta oder Unter-Teriia noch leis auch h irgendeiner Beziehung ausreichendes Bil- Zdlutz erlangt ist, wie er zu einem praktischen rforderlich ist. Da» gilt ganz besonders i Mi Jb notwendigen naturwissenschaftlichen Un* st. flicht nur dl« , einfachen Wissensdaten fehlen sendern auch das anschaulich-praktisch« Bor- Denken und Schlutzsolaern ist nicht hingeübt, um sich,im Beruf bewähren zu Ichr« jüdischen Volksschulen haben sich ge- ' r h de» letzten Jahres bemüht, in - des bisoestger beachteten naturkundlichen Fächern en Unterricht und gediegenes Anschauungsallen Ansprüchen gerecht zu werden. nutz daher unbedingt gefordert werden, dah jüdisch« Kind, da» die höher« Schul« ab- Jlo* oerläht, noch die Volksschule absolviert, s« dies nicht möglich ist, weil der betreffend« |G4t!cr schon den Jahren nach seiner Schulpflicht 'hat und daher — bei dem noch bestehenden . an jüdi'chen Schulen — keine Aufnahme ffbkl, st die Vor lehre geradezu eine -Nottzfokjglm. Ist aber auch dies nicht durchführbar, |[ trifft* die Eltern für zweikmähigen privaten |fi|ii]iing sunt «tri dpt selbst sorgen. I Dflrd« zu weit führen, diese Notwendigkeit Iw u Beispielen noch zu beweisen. Das» aber In Mg«, »er Tischler werden will, oder «in datz den Beruf der Photographin zu .beabsichtigt, mit den einfachsten Gesetzen ImDerfpektive vertraut sein muh, das ist doch l*?o EinIeuchtend wie die Notwendigkeit, 17» ."ff. angehender Mechaniker di« elementaren Inü?von der Zerlegung der Kräfte, der oft ul«, brherrschen muh. Man darf nicht Wefe Kenntnisse sich in der praktischen Lehr« Mm zu können. Sie mülsen bereits vorhanden F ***n T<* sind Voraussetzungen für di» Lehr«. » tI,mtn,aten Kenntnisse genügen nicht, Beruf aufzufteigen. Dazu gehört «in« perwnlheorie. die — bei der erschwerten Zulassung Mj* Fach'chulen — unser« Jugend sich selbst muh. Ohne gutes Grundwissen ist das nwtzunmöglich! Wer sein« Arbeit nicht auch im Gesam tabtauf des tzlcsturmechanismizs e«Wen weih, bleibt als Handwerker und Tech» Emßets ern Handlanger! , "jf muh das Elternhaus — trotz aller Tages- Vorbild und Anregung geben, sonst wird lemnend« Generation allen ehrlichen Umschich- 2^mmchen zum Trotz unter das Niveau der Lumichen gleichschichtigen Umwelt sinken. Das ^"mus muh eine griher« Bildungsfreudigkeit susdrud bringen: denn theoretisch« Vertieflj n"W nur in jüdischen und sprachlichen P*™* — gewährt neben besseren BernfsausstchjtJr ""EM di« inner« Bereicherung und Be. *<r Persinlichleit durch Verstehen des Leib - r" Weltbildes. Jugend macht alles, was ^mU>«h«ft gezeigt, und lernt alles, wofür ihr 22* J««** wird. Das aber trifft für das C5-* ®*®’et der Staturerkenntnis in jüdischen lehr bedingt iS,*'"' stch über dies« Tatsachen nicht durch mnchle'ten täuschenl Interesse für Auto und leidst das Basteln und Bauen eigener sogar die gelegentlich« geglückt« Reparaf«re.eNrischen Leitung tragen in den meisten «men erheblich spielerischen Lharaver, der -7 S«schult«n «lick des Psvchotechnikers A» kLi"! ouenbart. Hier «in Beifptel für viel«: E^^usz betritt ein «ater mit seinem Sohn da* „Mein Sohn hat sich einen eigenen gebaut: er will Tonfilmtechniker D>« Prüfung ergibt nun zwar Geschick. Vormarsch O ch ch Von der Kraft des Willens — damals und heute *£r war ein kleines Dorf nahe der belgischen Grenze, wo wir Quartier bezogen, um anszunthen, bevor wir den Bormarsch antrelen sollten. Das Dorf war vom Krieg verschont geblieben, «eine Häuser standen unversehrt an ihren Platz, keine zerfetzten Dächer und zertrümmerlen scheiben, bi : Einwohner konnten immer noch einem bescheidenem Tagewerk nachgehen, in den Läden gab e» Ware zu kaufen, es gab Gärten und Wielen und an der dreiteit Dorfstrabe stand der Brunnen und plätschärte bedächtig sein kristallenes Wasser. In dieses Dorf zogen wir ein nach einem endlosen Marsch, der eindn Tag und eine Nacht währte, sodah das Marschieren nur noch ein müdes Geschiebe war. ein Borwärtsftohen untef der Last des Gepäcks, das wie Blei am Körper hing. Aber dann hatten wir es doch geschafft und im Dunst de* aufdämmernden Morgens sahen wir die Häuser, rissen »ns zusammen, drängten die Wege zwischen den Häcken und Gärten herab und fanden unsere Qüartiere mit einer Sicherhett und Schnellt«- feit, als ob wir immer hier zu Haufe gewesen und nur von langer Fahrt zurückgekehrt wärän Wir hatten gleich alle Hände voll zu tun Da war zunächst unser Quartierwirt, ein alter ausgemergelter Franzose, mit dem wir uns eingehend befassen muhten. Wir machten nur, allem bei ihm Ordnung, verboten ihm das Spucken auherhalb des dafür bestimmten (hesähe», ebenso das wahllose Umherschmeihen der zahllosen Zigarettenftummel: — hierfür war einzig und allein der Kohlenkasten da Schliehlich säuberten wtt mit Wasser und Besen die Stube, verstauten unser Gepäck nach allen Regeln der Kunst, richteten die Betten und das Strohlager, zündeten ein ordentliches Feuer auf dem Herd an. setzten die Kochgeschirre bereit — und dann — ja dann war es wirklich beinahe so. als ob wir!zu Hause wären und der Krieg für un» eine erledigte Sache. — Was soll ich erzählen? Wir hatten ensen Tag. zwei Tage, drei Tage Ruhe, es gab hin und wieder ein bischen Antreten, sonst nints als Essen, Trinken, Schlafen und Zeug flick m. Aber dann kam es doch anders und schneller, als wir es uns gedacht hatten. Zuerst hör en wir über die Berge weg wie aus weiter Fe me ein leise» Rollen. Wtt zuckten die Schulter, das war nichts, was uns angehen konnte, weit ab Var e» an irgend einer Front. Dann a »er wuchs es heran, näher und näher und r er» stärkte sich mit unheimlicher Gewalt. Gerüchte schwirrten auf. es gab mit einem Mal Appelle und man erzählte von einer Schlacht, wie! sie noch nie zwischen Völkern geschlagen worden sei. Der Donner der Geschütze raste so stark, dah die Fenster an den Häusern flirrten Jetzt hatten wir Gewihheit- I Und nun geschah etwas Merkwürdiges Wir sahen in unserer Stube, aber es kamen keine Gespräche stnehr auf, wie sonst. Durch das der Kehle würgte Berzagtheit, aber fühl, eiif Sturm, und auftreibt wie gan^ Haus lief ein leises Zittern, so unentwegt brandete der Feuerlärm über das Dorf Am Abend aber glühte ein roter Himmel durch die Fenster; Wolken, wie in Glut ge> rissen, zogen vorn der und vor uns lag die Dorfsttahe leer. Kleiner sprach mehr ein Wort Die «tubentür würde aufgerissen, ein Unteroffizier gab die Parole bekannt, und obgleich kein, weiterer Befahl gegeben war . und niemand wuhte, ob und wann wir marschieren würden, begab sich jeder daran,, sich fertig zu machen. Dann sahen, wir schweigend um den Tisch. Auf'dem Herd verglühte da; Feuer, keiner fachte es mehr an. wie eine dunkle Wand schob sich oie Nacht heran. Wir sahen uns um ... . diese» Zimmer, dieses armselige, kleine Zimmer . . - war es uns nicht wert geworden mit allen seinen (Gegenständen; — war es nicht wie unser Besitz geworden, | an dem wir hingen? UfST nun war es so. als hätten wir es nie gesehen, mit einem Schlage war alles das zu Ende? Fremd, öde, leer — als hättet wir es nie besessen? In es - - nicht Schwäche oder ein bitteres, bohrendes Ge ' der die Gedanken rüttelt aus nie geahnter Tief«. Um Mitternacht standen wir in Reih und Glied. Am Ausgang des Dorfes brannten spielte und der greise Ortskommandant hallt den Degen blank gezogen und rief jeder Kompagnie ein Heil und Sieg zu. Und dann marschierten wir. Die Nacht, den Tag. rasteten: gingen langsam, hetzten.,, durch Wälder, über Felder, an feuernden Batterien vorbei.... durch zerschossene Dörfer, wo die Toten wie stumme Wächter vor den Häusern lagen . »!. . bis uns endlich am Frühmorgen des nächsten Tages unsitt Kompagnieführer erklärte, dgh wir nun die Ehre hätten, in die Kampfhandlung einzugreifen und ein Zwischenwerk zu stürmen. l * '! Bormarsch . Tief verwur^It mit unseren Gedanken lebt die Erinnerung an diese Erlebnisse in uns. Sie ist geboren aus der Gewalt geschichtli hen Geschehet, sie ist immer Wirklichkeit und zwingt uns bis in diest Tage, sich mit ihr zu befassen. B o r m a r s ch ... Stehen wtt deutschen Juden nicht da. wie du Soldaten des Krieges, angetreten vor den Quartieren, und das Herz schlägt hart unter dem festgeschnürten Rock? Gehen unsere Blicke nicht auf das Tor, durch das wtt so oft in Juten Stunden gescheit»- ten .. erleben wtt nicht die namenlose Tragödie de» Wertloswerdens alles dessen, wa» da* Wertvolke und Lebenswerte an sich ist? Tür um Tür fällt ins Schloh und immer ^den ertüelt« mehr entäuhern wir uns dessen, was uns ans .sfr (Albert Abraham Herz gewachsen war mit allen seinen Säften ,mann. Albert Einstein, und Kräften. Und vor uns liegt die Strahe " " " ~ > verhangen und verdunstet, die Front ist wieder für uns auferftc mden, und wtt müssen gegen tlu ic. müssen marschiere»! wie. die svldatt Wer tonnte wohl d e Gewalt dieies Schick als so in ihren Ausm rscen ermel'en, wie wir! sticht wie die Polilike^, die io oft für jede; Problem die Lösung' gleich veriekt in der asche haben-. wie die Soldaten müssen wir sein, und mit'Ruse und Fassung a>i die Bewältigung der uns gestellten Aufgabe gehen. Das bedeutet aber zu rächst eine sachliche und nüchterne Feststellung und Sicherung der Kräfte, und wenn die, Geschichte dazu da ist, dah wir aus ihr lernen, werden wtt sehr bald zu dieser Möglichkett der Feststellung kommen Nur eine Richtung kann unser Marschweg zeigen und weisen, wie wir ihn auch immer gehen werdenk Bon Gemeinde zu Gemeinde und von Fc milie zu Familie! Das ist nicht nur die Erkenntnis, die-uns der Augenblick aufzwinat. das ist die Erfahrung, der wir unseren Best md überhaupt verdauken Das ist der Blikounkt, unter dem wtt allein zu jener so rnbedingt notwendigen Sammlung und Sicherung kommen können. Gemeinde und Fap ilie . . es ist härteste Pflicht, die Familie, di:kes kostbarste if> u t. vorjeder Art und Gefahr innerer Zer fetz ung' ui schützen, oie üe durch die anhergewöhnlichen Zustände beraufheschworen wird — es ist ünumaängUcher Zwang, die geistige. wie die geistliche Führung der Gemeinde so zu formen und u halten, dah sie allen denen, die beharren, oie denen, die sich von ihr loslösen müsien. Stütze und Führerin sein und bleiten kann. Vormarsch Die Bilder, die vor uns auf steigen, drängen zu Dergleichen mit der Jetzt zeit - niemand will, dah wir in ihnen nur das Sinnbild des Gr ruens und der Schrecken sehen. Rein, nicht di- Verwüstung und den Tod wollen wir an i men sehen, vielmehr die IKraft des heili t e r l i ch e n W i I l e r hinweg den Glauben; Vormarsches allen bi S lind oder für ihn rüft Jüdische Hol e n und unerschüts, der über alle Rot und die Hoffnung an | eine bessere Zukunft rirfit vreisqab.! Das sei einzig unp allein der Sinn des neu, die dafür gerüstet en müssen Kam! "»aul Ollendorff elpceisttüger lichtest, Koästruktionsbegabung und normal« Anlag« zum technischen Denken, aber fast jeden Mangel an elementaren schulischen Borkenntnissen: keine Ahnung von Akustik, Wellentbeorie. nur fehr lüden- Haft« Kenntnisse von Magnetismus und Elektriptät. di« jeder Volkskchulabfolvent schon besitzt, ganz ad- 'gesehen voir Mathematik, di« ja immerhin für diese* schwierig« Spezialgebiet nicht zu entbehren ist. Tritt ein funger «ensch so unausgerüfrit ein. Lehr« an. so Ist kaum noch Zelt, veruachläsfigt. Grundkenntniss» nachzuholeu. <k* fehst ihm an allen Elementen, auf denen er zum Berufsaufstieg, und das ist Lebensauf tieg, weiterbauen kann. Der Besuch höherer Fach chulen ist dann — auch im Andland — völlig a «möglich. Da nun di« beruflich« Zukunft unserer Jugend meistens im Ausland Negen wird und hart nur fachkundig« Spezialisten und nicht Handb nger gebraucht werden, so darf di« Maurung tu: gründlichen Vorbildung unserer Jugend nicht ldM«r ungehört verhallen. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!" [ Kam. HeUtrich Kuhn. Stockholm. 29. Mai iITA l. Die «»»elitifta-,, in Stockholm hat ein Berz«>chiis der 183 Männer veröftentlicht. die in »in Zehren 1901 »is 1935 für Beedienft« enf nerfchiedenen Ge» eten mit dem Nohelpeels nnsgezstchnet »nrden. Bon diesen 183 Rodelpreisträgern find 30 jüdischen Stammes. Sechs Juden erl^elteo den.Nobelpreis für P b y. Michelfon, Gabriel Lipp- Iliels Bshr. James Franck und Gustav Hertz):!sechs Juden erhielten den Nobelpreis für Phyfioliogie-undMedizin (Paul Ehrlich. Elias Metfchni! off,. Robert Barang, Otto Meyerhof. Karl Landst iner und Otto Marburg»; vier Juden wurden mit dem Nobelpreis für C he - m i e ausgezeichnet (Ad, If von Boeyer, Otto Wallach, Richard Willstättz r und Fritz Haber): zwei Juden erhirlten den Nobelpreis für L i t-e r a t u r (Paul Heys« und Heiiri Berglon):' den F r-iedenspreis erhielten kobias Michael, Karl Äffer und Alfred Hermann j iried. » . (Bon den in dieser! Reibung genannten 30 Gelehrten sind Gustav H rtz, Adolf v. Baeyer und Paul Heyse Halbjuden. Di« anderen 27 genannten »olljüdischen 'Forscher stellen über 15 v. H. der 183 Nobelpreisträger).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.