Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 21 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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fttfi, kUitil d« I tifbiQ Ir* J- M. M«t 1 d. FtJ P»t« »Ä« i «e, . III: j 4$ Ffr.l Schti- A, fr»-.! HERAUSGEBER: REICHSBUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. IbcMatJeden Freitag Mit der illustrierten Beilage „Ot |icMt)eiiu*£ und Verlag: Berlin W 15, K urfürstendamm 200 (Reichsbund jüdischer Ifnateoldakn E.V). Saram.-Nr, J 1—8571. Postscheck: Berlin 70885. Telegraramwicfcrift: Schildkamerad. Redaktloosschluß: jeden Dienstag vor Erscheinen, Für Aababme und Rücksendung unverlangt eingehender Manuskripte wird keine Oejfihr übernommen. Bel Nichtlieferuag ohne Verschulden kein Vergütung!anapbuch. LN / IS-ZaHrgang KRAF I " för Sport und Jugendertücht n Bezugspreis: RM 0,55 im Monat zi spattene Millimeter-Zeile RM 0,16. RM 0,10. AnzeigenscbluD: jeden Anzeigentarif! Anxeigenverw.t Regensburger Straße 21. Femspr. Bepi Btr.' IH . Berts | »l«r >«'! f*efc| | igung Preis W Pfennig ügl. Postbestellgeld. Anzeigenpreis: Die 12 geitellenangebote u. -Gesuche, Fsmilrenanzeigen Cixnstag vor Erscheine)). Man verlange genauen -Verlag Benski & Pakuscher, Beilin W 50, B4 Bavaria 6607. — Postscheck: .Berlin 32 529. Berit». 22. Mai 1936 nenl T: iei X. SVJ Dje zehn Gebote Bh zeitjgemiOe Schowuaoi-BetnicMung tat -chä-uaussest ist uns zuerst und zuletzt das Tabildum k>R Gesetzgebung, der Erteilung der )ch> Kebete, die das Rückgrat unserer Geschichte.!ntees '\d|>rtcuk-nM(btns und der europäischen jUltut BnSj Was an ethischer Disziplin, an gei- Zigei Aer.Nwoilung. an Lebenssinn in uns ist, Ni die:. Buvn Anfang genommen. Mit diesen!ph» Lapidär o: en steht und fällt der gut« Kern, tu meerfte lFruchlbarkeit unserer Welt, unseres all» pmrinrn ii. unsres persönlichen alltäglichen Stent.! fit Zehn Gebote wurden am Berge Sinai, eie e, m Uncrcr Ueberlieserung heitzt, aus steinern« tafeln gewricben. Di« Tafeln sind nicht e i n mal, Ni Ro'es aus Empörung über di« Abtrünniglest des »olles, londem tausendmal zerbrorhen satten, und immer wieder chaben sich Männer «sende», [He Tie für verwittert, für überholt ir enuil: »glich erklärt haben. Uns überraschen »che.Erkl irungen nicht mehr: wir warten nur ds den s ag. da man erklären mutz, di« Zehn Male find nun überflüssig, weil alle Menschen ne halten Das scheint mir der einzig gültige ttwand jtt retn. . ta es taut t eint Schule auf Geben gibt, - in der die .[ehr: Gebot« nicht gelehrt sterben, ist «6> kaoin zu reden, datz sie etwa unbekannt tfcen. Hi. nullen trotzdem nicht versäumen, sie Wieder e» -ji zu betrachten. Im ersten Gebot Wird uns ni*:-. geboten oder verboten, es scheint «s de» jri:<ru L ist nicht mehr zu fein als ein« «lesteßde- Erklärung, datz Gott „dein Gott" ist, der „dich' ....>s Aegvpten, dem Haus der Knechtet, hem rcfiitjrt hat. Warum diese Erklärung, saram ist «er prononrierten, eben „dich" an- »rechende» r.»:in, warum zur Erläuterung der jeuwii $:.• >u, historisches Ereignis, das ja doch .iahelauzurustliegt? Man frage sich doch ein» aal ernlili.J . was uns heute hier denn wirklich An - , unlerer Urururahnen, oon denen -wir «It »ich '"fen, aus dem Lande der Mumien ”,1, ’:| angeht, von denen wir autzer dmleicht U.stiien Photographien und Museums- T>»en n ck>: aber auch garnichts kennen! Und - cüs''11 1 <rt tteberlieferung, datz wir alle, «l heut d zu jeder Zeit, damals bei jenem «Sjug, ’ii. .abei waren und ebenso am Sinai CrS,’ J'- /'* Gesetzgebung im gröhten Stil m ÜLeNg, .-ichl« erfolgt«. Nicht blotz also aus a»em bilcrcd-n, d. h. mumifizierten, längst verpbaraonNchen Regsten, sondern aus ' fuur< der Knechtschaft, aus der Knecht- . sdlb: wurden wir befreit, nämlich werden J*' alle, du und ich. befreit durch Gott: Aneikennung Gottes, das völlig« Ihn-Glauben dstrll Un aus der, aus jeder Knechtschaft. Hier “utrall ist Aegypten, hier und überall ist vW», hier und überall ist für uns, durch Gott, «jmnuttt Versteht man nun, datz das erste Gebot Eich Das Erste und datz es Gebot ist? «er» Jv. "ssfi nun, warum es darin nicht heitzt, datz » Israels oder unser, oder sonstwessen, sondern ^uttjbem Gott ist und datz er dich befreit? ntJL and „dich" meint ja wirklich keinen ***«» nls dich selbst, jeden Juden persönlich und leben Menschen für sich und somit für He. 3r,r " meint nicht alle in einer vagen ««amon, nicht ein »der dies »oll „im gei» Hie Jr"’'1*", nicht das »oll, nicht die Nation, IwrfJ!.* ^Eamiheit, nicht die Menschheit oder der» dkstriff«, sondern jeden Einzelnen, immer! ««r dich selbst, —. und' so steht hier zum ersten! ffa Jel und ein für alle Male einer j T*r_<UI*. 1'der für jeden. Gebot, wonach „du dir feine an» Wiier vor meinem Angesichte halten" sollst. [ «™nt'«t also die «usschlietzlichkeit unseres Gottes .i,,,!,,lWW|WWWW>WMMWWWWWWW>WM<<>WMW Die Entwicklung in palSnina unü lins Äuswanüerungsproblem der Zuden Seutsckiands Jerusalem unter Belagerungszustand — 1200 Zertifikate für Deutschland Die Gärung, in die Palästina geraten ist, ist noch nicht überwunden. D:r S.ichtag für das neue Aufflammen der Unruhen war der 15. Mai, mit welchem das sog. Uitimatiim der Araber, das völlige Einstellung der jüdischen Einwanderung forderte, ablief. Ausschreitungen, Bombenanschläge, leider auch »erluste an Menschenleben sind die Begleiterscheinungen der arabischen Aktion: der sGehorsamsverweigerung und des Generalstreiks. Die polizeilichen bzw. militärischen Machtmittel wurden verschärft, lleber Jerusalem muhte der, Be» lägerungszuftand verhängt werden. Aber die Einzelheiten sollen uns hier nicht beschäftigen. Wir sehen davon ab, jede einzelne Meldung, wie ste durch die Jüdische Telegraphen-Ageatur oder die Tagespresse in Deutschland verzeichnet wird, hier wiederzugeben. Wie bisher, so auch heute, wollen wie das Problem in seiner..grotzen Gesamtentwicklung im^ Auge behalten. Die — zum Teil viel schwereren Palästina knruhen und -Aufstände von 1921 und 1929 trugen )>ie Kennzeichen einer sp o n t a n e n ^Bewegung. Die gegenwärtigen Ereignisse hingegen stehen weil Deutlicher offenbar unter gröberen politischen Zeichen. Wir meinen damit nicht einmal die angeb lichen Drahtzieher europäischer Orientinteressen, als vielmehr die Erstarkung des Aradertums zu einem politischen Element in Borderasien. Dem steht auf der anderen Seite die inzwischen erfolgte, nicht nur ^Ifsernmätzige Erstarkung des jüdischen Beoilkekungsteils in Palästina gegenüber, dessen kolonisatorische Tätigkeit allerdings vom Schutz englischer Bajo- 1 »eile abhängig und damit an' die Tendenz oc driliichcn Empire-Jnleressen im vorderen £ rient >p Kunden ist. Die Aufstellung britischer Snedkrast die aus jüdischen .Soldaten bestehen, zu Schutze des von England gewährten jüdischen 'J! tionalheims, ist bisher -bekamirlich nicht erfolg!. Hingegen hat der Hohe Kommissar di« ihm von ein r Abordnung üderbrachte Forderung, hie jüdi'che I: gend zum Schutze von Leben und Eigentum zu m» bilisieren, abgelehnt. Sicherlich wird England gegen offene Unruh cn und Ausschreitungen schon darum durchgrcisen m ij sen, weil seine Position als Kolonialmacht im na Osten sehr darunter leiben würde, wenn es einem gewaltsamen Druck der arabischen Bevölke rung beugen wollte. Wie weit es danach und d, über hinaus eine Politik weitgehender Zugesta niste an das Arabertuni einleiten wird, bleibt zuwarten. Ein PakästinaiBericht der „T i m e vom 17. Mai schneidet die Möglichkeit an, datz Negierung eine eventuelle Grenze der jübik e» Einwanderung f«stiegen könnte,, die den jüdilc en Beoölkerungsteii Palästinas entweder bei 75 o. des arabischen feltsetzen, oder die . Zahlengleichl eit beider Gruppen sichern könnte. -s wortung iur hie sC„italt»ng der rjinge »> Pake stina nicht mH übernommen haben. Nicht zuletzt veriolgcn »rErrein Deutschland, einem der Länder dFchen Auswanderung-bedüri„i>, Wicklung in Palästina, um einige die Frage beurteilenzu können, matz und lkmlang die A.uinah Palästinas in-un^re Ncchnung ge! er« der Jude» i lit stärkstem ju qie iernere Ent n zuverlässig welchem 'hus nefahigkett czl werden kann.! r» atzen t en Hdi »e Unabhängig von seiner bejahenden oder veraei nenden Einstellung zum Zionismus, der soeben in* Ablebep seines Ehrenpräsidenten Sokolow bekl> gl dürfte jeder Jude der Welt misten, datz ein eti »a iges Scheitern des grotzen Erperimenles in P> la stina feine Folgen für die jüdische Gesamtheit tigen mutz: auch für diejenigen, die eine Per int» sich uns aufzwingt. ~ 04 nickst« Na. <t.» ^cklld" cndMint al. 1 *POrt- Sonderausgabe Ste »H.a ln-ura T|imlln n »,EW Im Inilinlnni, y«>*chlaBds werbe* mmi I* erkSkter Aellece ■«ricateUt werde*.! t**)j**lttge Beet eil ns ge* wegen der grobes J*0"»frinstaltl)Dgen sw PUogatew dringend! •rteten beim . -w— •^/lO.ygg^g, BKRLIM W1& und folgert sofort daraus das Lerbbt, ein I „Bildnis" zu machen, Nachahmungen irdischer Gestalt und ihre Anbetung, und schlietzt mit der Drohung, den Frevel der »Ster an Kind und Kindeskmd heiptzusuchen, und der »erheitzung der Gnade bis ins tausendste Geschlecht für diejenigen, „die mich lieben und meine Gebote wahren". Die Zusammenstellung ist zunächst überraschend: was hat das eine mit dem andern gemein? Gewitz, wenn es nur den einen Gott gibt, so sind alle andern Götter Götzen; der Gin«, Einzige hält uns Menschen, die andern „Götter" werden von Menschen gehalten, wie man sich eben jemand oder etwas „hält" und ihn oder es für jemand oder für etwas hält. Der Primitive schnitzt sich seinen Gott, betet Ihn an, solange es ihm erträglich geht, und wrirft ihn ins Feuer, wenn der „Gott" versagt. D« Kulturmensch macht sich im Geiste ein Ideal, eine Idee und modelt sie. nach seineen, Eben« und Wunschbild, wem» die Idee seinem Denkvermögen nicht mehr oder noch nicht entspricht. Der Jude — „du" — ist von Gott geschaffen und hat nicht ihn, sondern sich zu" modeln, ohne in Bild und Gleichnis irdische Gestattung nachzumachen. Diesen Puntt hat man, gemätz der Ueverbetonung alles Aesthetifchen in unserer Zeit, heeansgehoben und als den barbarischen Grund angegeben, weshalb die jüdstche Kulturgeschichte ohne bildende Künste ausgekommen sei; wir wollen tief« gehen und der modemen Sprachkritik und Die Einwandccungs S che du!« für bus Haldjahr 'Jlprit-CItober l'»3S mir! nach oNizieUen Mitteilungen nunmehr i n s g e s a nt 4500 Z-« r lififale umfassen- Bon dieser Ge'umlzuhl sind 500 für illegale Einwanderer, meldie sich. bereits im Lande bcliude», bestimmt. Für Inden au» Deutschland solle» 1200 Zertifikate zugeteilt werden cinschlietzlich 300 Zertifikaten für Verheiratete. Eine Bestätigung liegt für die letztere, die Einwanderung au» Deutschland betreitende Ziffer noch nicht dar. Die Ausjanung, datz eine e,n''e tige Ausrichtung unserer ganzen Auswanderungspol:ik «und der damit zwangsläufig verbundenen Erziehung, Um Ichichtuiig und Schulung der Jugei dj auf Palästina unzweckmätzig wäre, scheint uns drrch die Tatsachen' vollauf bestätigt. Des verstärkte kinsatz von m a t e r t e 11 ech und Kräften zur tallrättigen Ersch ietzung abderwe«. tiger Wanderung»- und Sicdlung^möglichkeiten für zei Juden aus .Deutschland ist ein« Forderung, di« tr' die Fragwürdigkeit umsomehr, wenn das Gleichnis zum Gott erhoben wird, so haben wir den tieferen Sinn des Gebotes. Heute, hier, in unfe^i Wett vergöttert man und betet man weniger irdischen Gestalten na«hgeahmtes Schnitz- und Bildwerk an als geistiges Schnitz- und Bildwerk, Ideen," % rin zipien, die nichts mit Gott gemein haben, die gott-los sind und denen nicht minder die Ankündigung der Heimsuchung an Kind und Kit beskind gilt, während auch heute, erst recht heul« die Liebe und. Gefolgschaft Gottes Huld und Grade ist dis ins tausendste.'Geschlecht. Das dritte Gebot befiehlt uns, dir, Wahrh« ftigfeit: den Namen deines Gottes nicht verg blich auszusprechen, wörtlich: deti Namen nicht auf den Wahn zu legen. Was Ist Wahn und wa« ist Wahrheit? Es geht nicht nur darum, den .N rmen etwa in einem Eid zu mitzbrauchen, sondern über».. Haupt darum, ihnnicht vor einen Wahn, eine Einbildung, eine Borstellung »u spannen, alle i eichtfertigkett der Nede abzustreifen und dafür (hrfurcht zu haben. Damit steht und fäll! der Mensch. Das vierte, das - Sabbat-Gebot, ist .untei anderem der erst« wahrhafte Sozialismus auf < irden, die allwöchentliche Entlastung, die Entlassung aller arbeitenden Menschen aus der Tretmühle, aller ohne Ausnahme, der Arbeitgeber wie der 1 rbeitnehmer, der Fremden wie der Hättsttere, ui d somit nicht nur die Proklamation der unbed ngten sozialen Gerechtigkeit, sondern auch der gese>li«hen Gleichhett aller. Die wetteren Gebote, das Gebot, die Fitem zu eben, die »erbäte des Mordes, der U «zucht. - des Diebstahls, der falsihen Aussage gegen . deinen Nächsten" und des Gelüstens nach dem Eigmtum, Weib, Knecht, Magd und Bieh des Nächstl n. erübrigt sich hier zü erörtern: die Verbote snd so lapidar gefotzt, datz sie nicht einmal die S rafandrohung enthalten. Und kann es Klareres ge »en als den Begriff „befnes Nächsten"? Jeder, mi dem du in Berührung kommst, ist dir dann der k lächfte. Steht man immer wieder von neuem vor diesem » «7, Zehngebot, so fatzt ein Schauet einen, an: hier, ist ja alles gesagt, was Menschen, nur zu sagen ist! Warum brauchen wir die (Gebote noch? Warum 'sind sie noch nicht allen Menschen in Fleisch und Blut eingegangen? Und uns? I I. b. Etat der Berliner Gemeinde einstimmig angenommen. In einer Sitzung der Nepr^sentanienversainmlung der Berliner Jüdischen Gefneind« wurde d«. . Etat für das Jahr 1935 beraten. In einleitenden Worten wies der Vorsitzende wes Gemeindevorstandes, Direktor Heinrich Stahl, auf. die dem Etat zugrundeliegenden prinzipiellen Auffassungen hi». Den Bericht des Etatausschusses! erstattete der Nepräsentant Kam. Wilhelm Marcus. Namens der beiden Frattionen.der Nepräsentanlenoerfammlung sprachen Rechtsanwalt Philipp Kozower und Kam. Dr. Kurt Fleischer. Auch sie erkannten, wie der B«. richterstatter Marcus, die Bedeutung und die Schwierigkeiten der Arbeiten de» Gemeinde, wie -sie im Haushalt zum Ausdruck konrmen, an. Der Dezernent für das Schulwesen ine Gemeindevorstand, Nechtsanwalt Dr. Alfred Klea erörterte die im Vordergründe des Intereises stehenden Schulfragen. In der Spezialdebatte wurden zugleich die eingegangenen I Resolutionen behandelt. Der Finanzdezernent der Gemeinde, Dr. Breslauer,. antwortete auf die in der Debatte vorgetragenen Wünsch« und unterstrich auch seinerseits die schwierige, voh den Beamten und -Angestellten der iGemeinde mit Verantwortungsgefühl und ~ Umsicht geleistete Arbeit. Der Haushaltsentwurf für das Jahr 1933 wurde hierauf in erster und zweiter Losung einstimmig angenommen. 1