Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 17 (24.4.1936)
- Date
- 1936-04-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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i HERAUSGEBER: REICHSBUND 3ÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. iit Jeden Freitag Mit dar illustrierten Beilage ««DIE «Hung und Verlag: Berlin W 15, Kurfarstendamm 200 (Reichsbund jüdischer oldsten E. V.). Samm.-Nr. J1 —8571. Postscheck: Berlin 70885. Telegramm* rift; SdjiiJkamerad. Redaktionsschluß: jeden Dienstag vor Erscheinen. FQr Ij^thtne und Rücksendung unverlangt eingehender Manuskripte wird keine Oeübemonjmen. Bei Nichtlieferutg ohne Verschulden kein VergQtungsanspruch. 17 / 15. Jahrgang KRAFT*' für Sport und Jugendertüchtigung " Praia 20 Pfennig Bezugspreis: RM 0,55 im Monat zuzügl. Postbestellgeld. Anzeigenpreis: Die 12-ge* spaltene Millimeter-Zeile RM 0,16. Stellenangebote u. -Gesuche, Familienanzeigen RM 0,10. Anzeigenschluß: jeden Dienstag vor Erscheinen. Man verlange genauen Anzeigentarif! Anzeigenverw.: Bepd -Verlag Benski & Pakuscher, Berlin V 50, Regensburger Straße 21. Fernspr.: B4 Bavaria 6697. — Postschecjc: Berlin-32 529. Berlin. 24. April 1936 Sturmzeichen über Oataftina Blutige Zulammengöße — Selagerungsjuflond — Heneralstrelk — (ine ernste Kraftprobe »Mjna ist >n diesen Tagen durch schwer- '«itgen-c Ereignisse. von denen die Spat- -kl allgemeinen Presse berichten, über jüdische Blickfeld hinaus ins Bereich -er nichijüdischcn Aufmerksamkeit getl. Aach einer — kurzen — Periode Llunsmahiger Ruhe und Blüte sind wlerirditch seit langem wirksamen und Leidenschaften an die Obcrhe durchgcbrachen. Scharfen Beobachdam die Erplosion nicht unerwartet. Wiltrl neht man vor den dedauernsrtrn Opfern lind; die weilen jüdischen Streife in der V die mit dem Begriff Palästina ckrlei poliusche Inhalte, keine national» Wn Zielsetziingen verbinden, verfoli Hit Vorgänge mit gesteigertem inneren Itil; denn jeder spürt, dah das jüdisch« Ml in Palästina heute nicht mehr Nckwirkiingen auf das jüdische Gxeschidisal bleiben kann. . > jÄ Dtulfchiond kommt auch für die nicht- 'Mischen Inden noch hinzu, daß mau Ittts durch ausqew.inderte Verwandte Freunde heute irgendwelche gefühlsjipn Bindungen zu jenem Land am illtbneer suhlt. Man weiß, ivieviele Aschen — und Darunter solche, die einem chthtn - ihre eigene IuKunslshosf- oder die Iukunft ihrer Kinder auf Mina gcUtjl haben. Auch diejenigen, t diese hossiuuiqen stets skeptischer, weil l»e politische Leidenschaft, beurteilten und ^ztugungsgemstß vor der hemmungsi En'.fachung von Illusionen immer gei> Hoden, stehen heule unter dem deprikrendeii Eindruck der Vorkommnisse, »ohl sie dadurch nickt überrascht werkonnten «straiioiien und blutige Unruhen. kAslel Aviv, dem Schaufenster de» jüdischen «mna, tum?, vor einer Woche zu ernsten ,wi chen Polizei und Jud'N, » ml« von d.r Bei'etzunq eines durch araditöteten Glaubensgeno'Ien zu- «Orlen, -ne |jch ein grober DemonmnisAg ., Rathaus begeden. wo der »urqcrttuvon Tel Aviv und ein Mit- -ladtiaies ,u der Menge sprachen: , ogten - -ur Ruhe mahnend — ju, die gerungen b.- Demonstranten, die über die rfln Unter'uchung jenes Raub- „bcuirnbiqt waren, an die zustän- . -l'ckn rilerzuleiten- Nichts werde, so «y« der '-i ebürgermeister. die Juden den 'nedlicheif Ausbau Palästinas der Rückkehr vom Rathaus dolt.el die Demonstranten auf, I *LÜr”Die Aufforderung " wurde juF*S «te.nregen beantwortet. Hierauf u.do iei von der Schubwaffe ffie« JJJj u«bet dreckig Personen wurden verfcl^.rIKUf o l Matznahmen zur Wieder- Dünung drang die aus nichtvo^nen im Stahlhelm bestehende OtMoJ* l"düche Häu'er ein und nahm meha^>N^'uu,en solcher Personen vor. die fi»?*,,9 waren, mit Steinen aus den Fenstern tu haben. d°°bar verlief in Tel Aviv, trotz der E„egung über die Zusammenstütze. •ffi$Lntn Pjdtq. Die Polizei hatte «inen Reichen Streifendienst eingerichtet und an den wichtigsten Zentren gröbere Polizeitröste eingesetzt. Die Polizei befindet lich in Alarm zustano In Jaffa;, der Nachbarstadt, kam es am Sonntag, den 19. ds. Bttr. gleichfalls zu schweren Unruhen. Bei einem arabischen Demonstrationszug, der gegen die Tötung von zwei Aradelrn protestierte, wurden jüdische Häuser mit Steinen beworfen und jüdische Arbeiter angegriffen. Als sich der Zug in Richtung aus Tel Aviv bewegte, griff die Polizei zur Wiederherstellung der Ordnung ein. Es kam zu einem Zufammenstotz. Insgesamt wurden bei die'en Unruhen sieben Juden und zzoei Araber getötet, über vierzig Juden verwundet. Jeglicher Verkehr zwischen Tel Aviv i>nd Jaffa wurde polizeilich verboten. die jüdischen Geschäfte in Jaffa ge> Ichlo'fen. Auch die Omnibusverbindungen zwischen Jerusalem und Tel Aviv wurden eingestellt. Am Montag früh kam es in Jaffa erneut zu Zwischenfällen. In der Earmelstratze zwischen Jaffa und Tel Aviv wurden um 7 Uhr früh Juden von mehreren Arabern angegriffen. Die Polizei machte dem Zwischenfall sofort ein Ende. In Jerusalem veranstalteten (laut 2TA.) am 20. April Araber eine offene Demonstration gegen die Regierung und gegen die Juden. Die Polizei griff nicht ein. In Nablus und Tulkarem hielt der Führer des arabischen Rationalen Blocks Ansprachen, in denen er erklärte, datz Bandenbildung der einzige erfolgreiche Weg zur Abwehr der jüdischen Einwanderung sei. Avsmihmezustand. ' Die Patästtna-Reqiernna erklärte in einem Eommuniauä. der Hohe Kommisar müsse zu seinem Bedauern Mitteilen, datz m Jaffa Un- ' ruhen vorkamen die eine Reihe von Todesfällen zur Folge hatten. .Infolge falscher, sofort ofsiztell dementierter Gerüchte, wonach Araber getötet worden feien", hätten sich Menschenmassen in Jaffa gesammelt, - und es feien mehrere Ueberkälle jauf Juden gemacht worden. Die Poli-ei habe sofort eingegriffen und am frühen Nachmittag die Ordnung wieder hertustellen vermocht. »Die Behörden sind völlig Herr der Situation. Als Borbeugungsmatznahme wurde der Ausnahmezustand proklamiert. der den Hohen Kommissar ermächtigt. Rotstandsoerordnungen in Kraft zu fetzen- Für Jaffa und Tel Aviv wurde angeordnet, datz die Einwohner zwilchen 7 Uhr abends und 5 Uhr früh in den Häusern sein müssen. Eine DRB.-Meldung vom 20, April besagt weiter, datz angesichts der kritischen Lage britische Truppenabteilungen mit Maschinengewehren in Marsch gesetzt worden lind. Generalstreik der Araber. Bon arabisiher Seite ist für ganz Palästina der Generalstreik ausgerufen worden. Dieser nach dem syrischen Borbild durchzuführende Streik soll solange andauern, dir dte Mandatsmacht die Forderungen der arabischen Rationalisten erfültt. Die Forderungen sind der Regierung durch die Streikleitung übermittelt worden. Der Hohe Kommissar übermittelte, wie die Jüdische Telegraphen-Aaentur unter dem 21. April meldet, he» arabische» Führer» eine Ef»I«d»«M für eine Konfere», über die gegen wärttg« Lage in Palästina: die Besprechungen sollen in Hebron stattfinden. Bet Redaktt»»as«h1»tz liegen un, ferner folgende Meldungen vor: Am Montag kam e» auf bei Stratze Zwischen Tel Aviv und Jaffa wiederum zu Zusammenftöhen poi'chen Juden und Arabern. Die Araber versuchten, in Tel Aviv einzudttnqen. sie wurden aber von Juden daran gehindert. Bei den Zusammenftötzen wurden fünf Juden und em Araber getütet. Einunddreitzig Juden sind ver>. letzt worden. Inzwischen hat sich die Zahl derjüdischen Toten, die bei den Unruhen ums Leben gekommen lind. auf fünlvhn erhöht. Ueber 80 jüdische Äerwundete konnten bis jetzt feitpeltellt werden. Der Zustand bei neun von ihnen ist autzerordentlich ernst- Es wird mit ihrem Ableben gerechnet. Unter den Schwerverletzten befindet sich auch der schwedische Vizelonsul Larsen- Bei den Unruhen sind von Arabern znblreiche Häuser niedergebrannt würden. Bei -Tel Aviv brennen jetzt noch mehrere Gebäude. Der weitere Verlauf. Jernsatem, 21. April- Araber periochlcn. m das jüdische Viertel einzudringen. Sie wurden an ihrem Vorhaben jedoch durch Polizei ge hindett, die die Menge jeritrejit« und ver jchiedene Araber verhaftete. Die Nacht zum Dienstag verlief in Jerusalem vollkominen ruhig. Meldungen aus Jerusalem besagen, datz auch'der Vormittag des Diens tag in der Stadt volllommen ruhig verlaufen ist. Die Kolonien lind von den Unruhen überhaupt nicht delrofsen worden. In Tnlkarem fand ein etnster Zusammenstotz zwischen Arabern und Polizei -statt. Dabei wurden sieben Araber und zwei Polizisten verwundet. In Rablu» kamen arabische Führer zu einer Besprechung zusammen. Nach Beendigung ihrer Verhandlungen verapstatteten Araber ein« grotze Demonstration. Im Zuge wur-1 den Schilder mitgeführt, auf denen die Sver-. _ W-_ zi* ■_<_ der jüdischen Einwanderung gefordert runc wurde. - ' In Tel And» fand bereits am' Dienstag die Bestattung der Opfer der Unruhen oom Montag statt. Cie gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die jüdischen Lebensrechte in Palästina. Jaffa. Die Dampfer ,,Kofciusko" und „Gerufalemme", die zahlreiche jüdische Einwanderer im Hafen von Jaffa landen wollten, wurden durch -die Hafenbehörde-n vrranlatzt, nach Haifa zu fahren und dort ihre Passagiere auszubooten. Die jüdischen Kaufleute in Jaffa halten ihre Läden geschlossen. Auch zahlreiche arabische Läden lind nicht geöffnet. Diele jüdische Einwohner Jaffas verlieben die Stadt. Hunderte kamen nach Tel Awiw, wo sie in den Strotzen und auf'dem Rothschild-Douleoard biwakieren. Die WJZO und amerikanisch-jüdische Wohlfahrtsoraanilationen nahmen sich ihrer an. Hundertsünfzig jüdische Regierungsbeamte wurden auf Veranlassung der Regierung unter polizeilicher Bedeckung von Jaffa nach Tel Awiw gebracht. Hundert jüdische Aerzte, die zum jüdischen Aerztekongretz nach Tel Awiw kommen wollen und gegenwärttg das Land bereisen, sind von den Unruhen nicht bettoffxn würden. ' Der Eisanbahnverkeh^ zwichen Jerusalem und Jaffa ist aufrecht erhalten worden. Polizeiwachen begleiten jeden Zug. Arabische und jüdische Fahrgäste werden in gesonderten Abteilen befördert. Dagegen waren die Bemühungen. die Verbindung zwischen Jerusalem und Tel Awiw unter polizeilichem Schutz aufrecht zu erhalten, vergeblich. .D«r englische Kriegsschiffe liefen in den Hafen von Jaffa ein. Ihr Eintteffen steht aber nicht im Zusammenhang mit den Unruhen. Vielmehr war ihre Ankunft bereits drei Wochen vorher feftgelegt worden. Ja Haifa herrscht Ruhe. Zu Zusammenstöben ist es nicht gekommen. Schwerbewaffnete Pattouillen durchziehen die Sttaben. Dte verkäste. Rach dem offiziellen Bericht vom 21. April aus Jerusalem wurden bei den Zusammenftötzen in Tel Awiw und Jaffa 12 Juden und 4 Araber getötet. 63 Juden und 47 Araber verwundet. Rach einer Meldung der Agence Havas feien dagegen in Jaffa 19 Menschenleben zu beklagen und 130- Menschen verletzt. Zw:i Stimmen. Wenn man diese Ziffern gegenein ander hält, hinter denen sich eine furch! bare Tragödie birgt, rücken die Aeutzerungen in.ein bezeichnendes Licht^.die der Sekretär der aradil^n Rationalverteidi gungspartei Palästinas dem Bertreler der United Press gegenüber zum Problem der jüdischen Einwanderung getan hat. Wir geben sie auszugswei'e wtkder, da sie geeignet erscheinen. Klakhcit über die politischen Triedlrälte und Gedankengönäe zu schaffen, die hinter jene» grauenhaften Erplofionen stehen. Dauere die -jüdische Einwanderung, so erklärte rr. weiterhin im gegenwättiaen Umfange an. so.werde Palästina pielleicht noch in diesem Jahre eine schwere wirtschaftliche Krise erleben, die' füv die Juden eben'o wie für die Araber katastrophale Auswirkungen haben müf'e. (Schon hierbei üderiiebt er offenbar gefliivntlich. datz Palästina seinen Wohlstand und somit auch die Re-erven Tm Falle einer Krise vor allem dem jüdi'chen Aufbauwerk verdankt). Er warnte ferner vor der Illusion, datz das Weltjudenproblem durch die Besiedelung Palästinas mit Juden gelöst werden könne: hingegen werde man durch Fortlehung der gegenwärtigen Einwanderungs Politik dieiAraber Palästinas in eine Einheits front mit' den Arabern der Rachbgxländer geradezu hineintreiden. (Dieser Wink an die englische Adre'sa ist allzu durchsichtig). Die Juden übersähen, datz Palästina nicht mehr ihr altes Heimatland ist. das der Wiederbe iiedelung. durch Me völlig offen stehe, sondern datz es sich hier in Wirklichfeit um ein arabisches Land handele, das vor dem Welt krieg bei einer arabischen Bevölkerung von 800000 Menschen nur 40000 der Bevölke rungsmehrheit völlig angepatzte Juden de herbergte. Jetzt wäre der jüdische Bepölke rungsteil schon auf 400000 Köpfe gebracht, und die Juden hegten die Hoffnung, in wenigen Jahren selbst die Mehrheit der Bevölkerung zu bilden. Das aber werde nicht geschehen. Der Zu'ämmenbruch werde vorher kommen und es verhindern, fo wenig das^. die Juden puch einfehen wollten. Schon zeigten sich in der Unruhe unter der Arbeiterschaft und in der Zunahme der Arbeitslosigkeit Vorzeichen einer Krise, die ausbrechen mü'ie, wenn in diesem Jahre weitere 50000 Juden ins Land strömten. Eine Ansiedlung der Mehrzahl der eingewanderten Juden auf dem Lande habe sich als undurchführbar erwiesen: von den 400000 Juden Palästinas lebten nur 25 000 dort, alle übrigen in den Städten. (Er oerfcholnigt leider, datz diese jüdischen Landwirte für die Kolonisierung in wenigen Jahren mebr geleistet haben als die Araber in Jahr'ebnten). Der arabische Politiker übt sodann schqrfe Kritik an der zionistischen Boden- und Siedlungspolitik, spricht von den Krundftücksprei'en, von unwirrichaftlicben Siedlungen und stellt auch der junaen jüdischen Industrie Palästinas eine ungünstige Prognose. Unsere Aufgabe ist es gewitz?u allerletzt, zu diesen Aeutzerungen sachlich in Diskulsion zu treten; das sei den für die Gestaltung der jüdi'chen Dinge in Palästina verantwortlichen Stellen überlassen. Wir gaben die Aeutzerungen (in Anlehnung an die vom B. Tgebrachte Fassung) wieder, weil' der Leser nicht nur über die Luderen Borkommnisse, sondern auch ' über die politischen Anschauungen und Ziele der arabischen Seite unterrichtet frin mutz, -wenn er sich ein Nares Urteil über die Entwicklung in Palästina bilden will. Datz jener arabisch« Polttiker die durch Todesopfer (und »war überwiegend jüdi'che) und bramiande