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Der Schild · 1936-04-03 · 14 (3.4.1936) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
15 (1936)
Issue
14 (3.4.1936)
Date
1936-04-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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7:d ■hukj l('üüJ ’5;;J h: iis. N. I HERAUSGEBER: REICHSBUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. t t.'- LulNiBt Jeden FraHag Mit der illustrierten Beilage hDIE KRAF I ** für Sport und Jugendertüchtigung Preis W Ffeaaii *ijl Scbriftlciiung und Verlag: Berlin W 13, Kurfursfendamm 200 (Reichsbupd jüdischer frootsolda’cn t. V'.). Samm.-Nr. Jl — 8371 l'c-st-clieck: Berlin 70SS3. Telegramm- «sehnt!: >ihilJkamerad. Redaktionsschluß: jeden Dienstag cor Erscheinen. Für Aufnahme [md Rücksendung unverlangt eingehender Manuskripte wird keine üe- I »ahr übernommen. Bei Nichtlielerurg ohne Verschulden kein Vergutuifgsanspruch. jt. 14 15. Jahrgang_ V- ■ _|_' I di. I?hfl ’uitl pff.I ibrrl arl 4«t> Pn f 4 ft [ Üfcrl inccl fdil hi,-1 püi| nu r Sri Irr I Bezugspreis: RM*0,3q<im Monat zu/iigl. Rostbcstellgeld. Anzeigenpreis: Die 12 gespaltene Millimctcr-Zeilej RM 0,16. Stellenangebote u. -Gesuche, Familienanzeigen RM 0.10. An/eigenschlu’fi: jeden Dienstag vor Erscheinen. Man verlange genauen Anzeigentarif! Anzcigcrijverw.: Hepa -Verlag Benski & Faktischer, Berlin VC 30. Regensburger Straße- 2l|. Fernspr.: Hl Bavaria 6W7. -- Postscheck: Berlin J2 320. Perlin. 3- April 1S3« pekach — . 'Dom wir in diesen Tagen verfolgen, wie »Her den 'Hülfent die Würfel der Wellpolitif teilen und Geschichte gemacht wird, io t,fi uns die wr Besinnung aus untere ju üftbe ifieHbratc 21 n deren Beginn in grauer üargit 'leh n Ereignisse, deren Wiederkehr «t uns gerade jetzt feierlich zu begeben an Dicken, wenn wir zum P e s s a ch f e st rüsten Irr -inn ielmlt gerade dieses «Testes, über den rir beule tiefer denn je Nachdenken, fuhrt ■ns an de» Morn religiöser und geschichtlicher -chiltsalsaungöung des Judentums heran.?em> IM'Qdi ist uns die durch wundersame laten und G»eicheh,»de vollzogene Offen darung Voiles dast sein Wille unter den Söllern und Menschengemeinschaften nicht llnlerdrutler und Unterdrückte, nicht Herren ind stlauen. sondern eine sittliche Weltord tung fordert, die auf der unverrückbaren Grundlage der Menschenwürde ruht tlegiiulen und ieintdiönig waren dem Schöpfer, der den M-nsclfen in feinem Ebenbild«! «schäften., nur Instrument für den Vollzug sicher Lfiendarung, Mos« und Aaron Sprach lohr. die Minder Israel aber erwählt, um den gölliichen Willen und damit an ihrem rchicksal die von dem einig-einzigen, unsicht baren lüotl gewollte neue und höhere | 4Uit im Xaieitt der Völker sichtbar werden )s lasen vier sehen wir also Ausgangspunkt uid Sinngebung der jüdischen Geschichte durch die Zahrlauü nde bis in unsere Tage, lamii üt auch der eigene jüdische StandoN ut dem bewegten und bewegenden (Geschehen der ttzegenwart gegeben, von dessen Verlaus rir unser Schicksal abhängig wissen. auch wenn »tr an seiner Gestaltung keinen Anteil mehr baden, so .es damals noch der Hall war üi «sescbi.t:e an den Fronten des Welt bieges ge,t!iet wurde und auch wir jüdische» montt'oldate» dis zum höchsten Einsatz — dem i-öfer defedens zu schütz und Ehre Deutsch iands t'üchitreu unseren Mann standen so wenig diese ruhmvolle Erinnerung, die ml blui'gen schriftzügen in das Buch der ro«i®Hfcte e:,i>,eiragen ist, aus den Herzen un «erer tüenteinichaft schwinden kann und darf. *o Har und scharf bestimmen unser Stolz Md unlerc 'Würde die seelische und geistige valiung. m>i der wir durch eine 'Welt ver Mderler aatiacheN gehen- Mag der Gedanke, >a>ar das crbrenkreuz des Frontkämpfers vöm Aeich erhallen zu haben, nicht aber dessen durgericha't. das Herz manches Kameraden letzten -onntag stark bewegt haben. > bstachtung und das Bewutztfein Mieres ludcichen Eigenwertes geben wir «Niger ' nn je auf und machen sie zur Nicht Wnur »Tcrer Einstellung. Nach Berkündung ziuiuherger Gesetze sagten wir unter der Uererschriii „Ein Abschnitt" im „Schild" vom ^- 9 193, u. a: „Die stumme Ehrfurcht.! ".r ihrer (unserer Gefallenen) gedenken, Haltung der Würde, mit der wir un l/it *’Hl<’a.be in einem neuen Abschnitt an * >L<.' schweigende Haltung möge von »’ —!.°iI zeugen und unser Gelöbnis Pjji<h Ktiiiefifn." Und zum 30 Januar 1936?9.<n, ttüir 1,1 einem Rückblick auf die letzten «n Jahre („Schild" Nr. 5): „Die Ueber »nqseiavoe seit dem 30. Januar 1933 scheint Nürnberger Gesetzen) beendet Ein ."h"bmtt jüdischer Geschichte in Deutsch d''<"nnt. Eine klar« Situation ist Medeu .ln uns Juden liegt es. die klaren "cnzen zu ziehen." Diese gegebene die durch die Nümberaer Gesetze Demarkationslinie wurde in den tkrjüngsten Tage für jeden mit jeffip LCI ^kutlichkeit sichllmr Kein Jude von l,Ä. .?L'u"",.und Stolz kann sich auch nur ver- ,ste zu überschreiten. Angesichts ge» h-etzach vor Mim von Kam. Feldrabbiner a. D. Georg Safzberger, Frankfurt a. M. Cfit dein 21 Febftiar 1910. dem Beginn der großen Offensive, donnerten Tag und Nacht die Kanoneii »in die alle trotzige Festung. I» heldensiiüligen Angriffen und Gegenangriffe» waren die deutschen Ltel lunqen diszu den Lperrforts vorgeschoben worden! Ion Paur war nach be wiinderiiswertenr Widerstaiid der franzö fischen Besatzung gsnolume» 'Ihren tapferen Kviiittiandanteir. einen jüdischen Ztaupt mann, wie inan uns erzählte, hatte der Deutsche Kronprin, in feinem 5)onptguar tier zu ctfiiai) an d» Maas enipfangen und ihm zum 3cid eu I feiner Anerkennung den Degen ^urückgqßelsen. lileberall sah man Trupps von gefangenen Franzosen. Aber auch die Lazarette füllten sich. Dekato.n be» blühender Mensche» wurde» in den mörderischen schlachten jener Tctge und Monde geopfert, Hekatombe» erlagen trotz aufopfernder Pflege Don Acrzten, Lani tntern und Krankenschwei'ter» hinter der Front ihren Berwundunqen. C>ft genügt^ eine verhältnismäszig leichte Berletzung. uch durch sich entwickelnde chasphlegmone >» wenigen Tage» de» Tod ^erbeizuführe» Ich Halle den (Hencralarzt der 5. Armee, der ich als Feldralbiner zugeteilt war. gebeten, daß ich tcligraphisch verständigt würde, wen» in einem Feld- oder Kriege lazarett jüdische Verwundete cingelieferl wurden oder jüdischoGefallene zu bestgl tc» iv.iren Nach' Möglichkeit entsprach man der Bitte. Ick war ständig untcjr ivegs: im Versonenguto. auf Kraftlaslnici gen. auf Bserdefuhswerken. zu Fuß. In Ftenai), wo ich mein Ltandquartier hallte, in (5arig»on. in M<mtm> dg. 'in Longuch'» und Pierrepont -! um nur die großen Lazarette zu neunen überall galt es. Verwundete auszusuchen. ihnen Liebes gaben zu bringen und seelische, Aufrichtung, ihre Wünsche entgegen zu nehmen und für sie nach der. fVeimat zu berichten. II» möglich, all die 2»alen, aber auch all das stille Heldentum zu schildern, die sich in den Häusern und Baracken abspielte». Na türlich gab es da zipischsn Fude und Nicht jude keinen Unterschieds nicht in der Qual, und nicht im Heldfntuyi für die Braven, die dort Bett an BeÜ lagen, nicht ,für den Geistlichen, der bon Bett zu Pett ging. Bei wievielen ka n jeder Trost sind jed>e' S>ilfe zu spät! Bald dch bajd dort sciiklen wir mit dem inimey' wieder er greiienden Liede vom guteit.^Kamerlide» eiise» Braven i» die freuidie Erde, oft wäre» es viele auf einmal.! die wir in wcjiße Lyken gehüllt im Mässengrab be grsiben und dann kam es nic)t -selten -vor. dqß der Pfarrer oder der Nobbiner ihnen insqesamt die (Hrabrede hielt Unter solchen Unistände» war es nichl lejchl, für die Peßachsrier zu rüsten. Ich ' zoeu, oie veipTiuqiunfl, ,ur W"derGemeinschaft.der er angehört. a c' ^,e. *ttnjen, innerhalb deren wir , v n'- i'ub zwar nicht geographischer Srhs- "»dt durch Verträge, sondern durch bcitimmt. Innerhalb dieses Raumes lüdischen Frontkämpfer — das -^?1",.^lh«ster Wunsch — auch unserer Ge» li» äÄI. befriedete», wenn auch Luster, oescheidene» Dastin gesichert sehen. Die grasten Vorgänge der Pr litik rund um uns sind beherrscht von dem Gedanken eines dauer haften Friedens für die Völker als höcmtem Fiel- Nirgends kann eine solche Zielsetzung vereitere Herzen finden als im Judentum, das sein Los, ohne eigfne Einflustmüglichkeit auf die politischen Entscheiungen, von diesen abhängig weist- Mit Bewegung hören' wir jüdischen Frontsoldaten, wie g e r a d e d > e Frontkämpfer, die ja mit eigenen Augen in das furchtbare Antlitz des Krieges geolickt haben, als Kronzeugen dafür aufgerufen sind, dast Grundlage wahrer Befriedung immer nur die Achtung vor der Ehre des anderen sein kann. In dem Bewusttstin. dast auch wir uns durch Pflichterfüllung an der Front Anspruch auf Achtung und Ehre erworben haben, nagen Htm. Feldrabbiner Salzberger (Mitte sitzend) Inmitten jüdischer Offiziere utsd Mannschaften I . Aufnahme* ArchivbiM Ijotlf beim AOK einen Armeebefthl er svirkt, wonach die jüdischcis Offiziere und Mannschaften aller Trifippenteilc der!..Kronprinze».Armee". soweit sic irgend Abkömmlich waren, ^mn 1. Abend des iFestes nach L t e n a g oder zuin 2. nach Longuijon zu beurlauben seien, um am. (Hottesdienst und am anschließenden „re ligiösen Mahl" teiizunehmen. Weit zahlreicher. als ich erwartet »alte, liefen die Meldungen ein. und ich war glücklich, daß mein braver Bursche einen -Zentner ritu flies Rauchfleisch, das meine Heimat gemeinde.großzügig gestift«, aus Frankfurt am Main gebracht hatte, Idazu ansehnliche Pakete Mazzen und eine Kiste Wein. Kar löffeln und (Heniüsekonserven lieferte die Intendantur. In Eile mußte» die Näume für die Leder-Feier des chtigt und her gerichtet, das Fleisch in einem großen ge^ kascherten Kessel gekocht die Kartoffeln geschält werden usw. Der erste AbendgoKesdienn versammelte i» der schönen Kirche;u Ltenatz^innä hernd 7»0f> Mann, die aus den versttjie denstcn (<bege'nden. teilweise von weit her. durch grundlose» Lchlamm- und unter Lebensgefahr, vom ^1, 'H. und WII TRS' und aus den Etappenorten Llena», Dun und Moüzon gekommen waren. In Erinanqclüng eines Ehasen der vom vori gen Jahr war gefallen mußte ich das Amt eines Bolrbcters übernehmen, lieber wälligend derj Anblick des bis auf de» - letzten Platz gefüllten Eiotteshauscs, als ich d»inn an die improvisierte Kanzel trat Bo» dem Wert der Erinnerung sprach in der predigt, die in den drei Haupt snmbolen der Leder Tafel uns entgegen tritt! Wie zumeist schlossen wir mit einem Olebet. und dem Kaddisch. wie wir mit dem schönen Niederländischen Dankgebet unter!?rgelbegleitung begonnen hallen: lein kraftvoller Ausklang: „Herr, mach uns frei-!" lag uns noch im Chr, als wir 'uns nach dem Tribunal auf den Markt platz des Fleckens begaben, um dort zusammen die „häusliche Feier" zu begehe» Wegen der Fülle der Teilnehmer mußten wir es dreimal nacheinander tun Dadurch kauf "nicht nur das Mahl etwas zu kurz, das von cinein porraum'.aus serviert wurde, sondern leider auch die Haggada. obwohl ich es an Erklärungen der Jeiche» und'Bräuche nicht fehlen ließ, y- Am ersten Leder nahmen Offiziere und Aerzte, auch '» jüdische Krankenschwestern aus dem nahen Leuch^nlazarett Jnor teil. Den zweiten Leder gab ein alter Famil^'nvater, dessen-Namen ich nichl mehr iveiß. den dritten der jüngere Lohn des Nabbiners Megkr' aus Negein burg: Es war genau „um die Mitte der liacht", als die letzte» E>äite den Naum verließen, der gewiß weder ^vor noät nichhz'r eine so merkwürdige ^(HeseilichaN beiiamme» gesehen hat. Am andern Morgen hielten im gleiches Laal die Kameraden, die »ich: gleich zur Front zurück änußten, unter süt) .einen wir jüdischen Frontsoldaten nne ehrenvolle Be sriedung für unsere Stamm»-, und Glaubens gemeinschaft als Ideal in ans- In Menschen _.-. _V . V 013 P_1 .1. ..^1.» /C vie unser Gottes möchten wir in gewiesen, unserer friedlich aufbauen. würde und Manifeswert, glaube sie uns verkündet, dem Lebensraum, der unr und unserer Kinder Dasein Die Allmacht« deren sinlicher Wille nach jüdischer Vorstellung hinter aller Dynamik der geschichtlich-politischen! Mächte und Kräfte waltet, wird uns durch P «stach gerade rechtzeitig wieder ins BerGisttsein gerufen. Und so finden wir in der tiefen, gr »bärtigen Symbolik des UeberschreitungsfefA»! erneut Zuversicht und die Kraft de» Glauben», ohne die jüdisches Schicksal nicht gälekt werden kann. hawo (HoNcsdienst ab Ich abcF'mnsttc, belade» mit Mazzen und Wein und cinein Post sack voll jüdischer Zeitungen und Zeit schriftcn in einem Klein-Auto, das mir Major Bogt vom AOK. bewilligte, bei strömendem Regen über Montnudti und Eharency nach Longugon fahren. In der Marketenderei von Lemis (aus Diedenhofen) lud ich ab. Eine große Kiste nil Mazzeil" und zwei mit Obstkonserven stus Frank furt hatte ich per Bah» värangeschickt. Etappen-Kommandant Oberst! n. v. Lchoit. bei dem ich vorgesprochen. Hane 400 Ra tionen Fleisch und 8 Zentne' Kartoffel» bewilligt. Gegen 7 Uhr tretm auf dem Pkitz vor dem Rathaus etwo 300 Man» an. Feldwebel-Ltn. Wangenhäm läßt ab. zählcn und in 4 Gliedern zum Kino mar«^ schien e»7 Festlich geschmückt umd beleuchtet empfängt es unsere Gemtnide. unter .Ver sich auch 2 Offiziere, mehrere Aerzte (einer von ihnen der inzwischen verstor» 35

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