Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 12 (20.3.1936)
- Date
- 1936-03-20
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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besiag oon Leopold 3um Jlodiruf Ktjm Df. Fritz Lessäf . *ö"tIfbuarb (0ans o t u t" bi» Ausgaben btt knium» feslgeleg» Gegen Ende fein?r Stubinijk-ii ' un,» «am. Dt. Fritz Le er, Vorsitzender ».I Beniner Ortsgruppe Prenzlauer Berg. |(.bb ein Grohn « ffe pon Leopold 3in). , am 17. Mär, ber Todestag von * lb%M ium 50. Male wiederkelirt, I^ irt f“r uns Juden in Deutschland IJSTebrenpflidjt. dieses Manne» lu gedenken, n.ni oar Begründer. Leiter und Altmeister Jahre 1819 gegründeten „Verein l£r »Ulfur unb Wissenschaft des Judentums". I^e Wiedergeburt der jüdischen lMsjpnschaft lu« non ik»n aus. Diele Neudelevung wurde iLLrtt durch den Willen, wie Moses Menluklodn es!Lon vorher predigte, die Juden IJ w europäische Geistesleben einzusührtn. liR-Ieich aal: es. vorurleilslos und lrilisch die ISie judilÄe G.eschickte ,u erforschen. I Zm Jahre 1778 war in Berlin nach dem Irian« Moie .Mendelssohns und David Fried- > Inders die jüdische ..Freischule'' gegründet Iierden die i-doch im Jahre 1823 wieder ein- IjWbtn drohte. Da war es der^ junge, erst iNödrige Z:inz. der in einem ««"dsroreiden In die Mitglieder der jüdischen Gemeinde für: In« Unkeri-ihunjl zur Auirech.'ethaltung der 1 idfult rintra:; ■’ I 8i »,s Gedeihen oder den Verfall von I-chMe und Synagoge tnüpft sich ststset Fort» littitt and da» Seil oder >ns,r Räckschrill I und das Verderb««'. i lio toritb Jin. darin, und wenn euch die Frei! Ich»!» im Io emder 1825 geschlossen wurde., |a oerball-'eu diese Worte nicht: den» di« Ifrllrftrn der eineinde »rkann.en nunmehr da» ISeturmis noch einer Schule an und bereits Im Z. Januar 1826 wurde die Knabenschule llrr jüdischen >>,eme>nd« auf den Hose des |$mI«4 Rolemlrasze 12 feierlich aröfsnet, ihr.; Ireilung Leopold Zunz über.ragen. Es war I»il> ein Berdiem't Zunz's, dag 1829 das Ilalmud-Thora Institut, das die Aufgabe I&aE«, arme «Inder im Hebräischen und i» Iini Elemeiuen der Talmuds zw unierrichlen, I^ser schule angeschlossen wurye. , Junj'; Arbeiten sind Zeugen, einer gründlichen wisienicha tl-.chen Forichung.s Aus Büchern Ivtb alten ieiianten schöpfte Sr. In seinen Ikerlen. „Gei.erdicnstliche Vorträge der Ju- Ist» „Lonagogale Poesie de» Mit.elaiters,". I Jliius des innagogalen Gottesdienstes" beliendelt er bilorijch die Enlwiglung des ju- Itischrn Mu1i:;t'. Das Ewigbestebende I:»i Judeu m. so schrieb er. n üsje sich am Istslen an s„° i»e m G o t tesd ie »ft«; rrken- Im lasse» Jas Leien aller seiner Weile ist Im Henun weil er einen einfachen, klaren, luei von Begeisterung durchglühten Stil l'äriM. * ' N jährig, im 17. Mär; 1886, starb Zunz. |Si» dem .,edhof in Berlins schönhauicr |1U«, wurd: er beigesetzt. I»ler Vi'.'i'i darr nicht vevaellen werden I — »in« heilige und ehrenvolle V,licht für uns ltden in .-.eutschland ist er. leinet am!?. Ääk> i 'Jti ,u gedenken. ülimsgang / TebeilswerK Stapel I lelmol» ... | bamtbraith . » 6:. I Selnl u I NI sl,NtM I bedenten <>' I 7>lislkdrcr I ndli glk ,!>! I Soli«nbu:.< I ri ung t etrdium : fc fy0- ■ nhon ,r, : I .{t tt> o . d Iunz, am 10. tu, mar stühvetwaisi . d spairt in die - irg teotganisiette ausgenommen worbest lil-schüler I. M. I -'•obrt.n crlannte. D : dielet Lehranstalt eilig als erster jübischsk <- Gymnasium. Aach iiele et sich 1815 Philologie und Ihejo on in Halle sein.-n batte et in seinei der die tabbi 4 ugusk 1794 In aus bas Belh vom Diteklvr -amsonschule zu wo et bald » ft ein.-n hochnn war et als tätig unb het 3d)ülcr bas bet Abgang» in Berlin dem .ogie, bas mit Adschluh fand. Etstiingsschrift i s ch » L i I e - „Antigone" im Kulturbund Dl.- tc griechisch« Iragobiendichtcr 3ophoti«r n Jadre <j v. Chr. al» AkUnrigjähriget zu Dltrn ha: da mar sein Ruhm so grotz. dah » »> d« - «ang eines Heros etihoden und ihm *°vier>^ u-aroe wie einem Gott: Spät.re griemän k.n.ung erzählt, wie ein Wanderer am mode d. rophotles den Gott Baechos findet, m erklärt er bemache hier auf Geheih bet Gtie- «ngöilki e'en menschlichen Dichtet, nach dessen e«d« er e:e restlichen Tänze vergessen habe. Und « der i-o iderer fragt, wen denn bas Antlitz 7r «fta .. - .. laste barstet!«, bi« der Gott in der dal e da antwortete Baechos: Antigone! o den Alten von den 123 Itagibien de» iophot!» . deren aber nur 7 auf unsere Tage »lomn-.e. als oerehtungswütbigfte sein Mensch i?» 7inina „Antigone", mit dem der «u.tur m -onntag-Adenb f:rn« Botftellung.n wie- «r de2-. - Aachbem Gluck» „Iphigenien-D urtetii>.iiLj!cri_ von ftutt Singers di« Sonate >ur Streichorchester von Rosenmüller unb a 8.-a idenburgische» «onztrt (dirigiert von vmhrls Zanders mit ihrem ehrwürdigen Wvhll®# verrauscht waren, traten au» der Künig»- v»g von Theben di« Schwestem Antigone und ^eme. und sofort tint da» Thema der Tramm an unser Lhr ... a»m eisienmal in der griechischen Tragödie erh"r übermächtig da, Gebot der Mensch««- T*- «'vlelnb in dem «dalsten Wort der euro- |W«n Literatur: „Nicht nützuhassen, mitzu'.ieben da!" In vielen Variation^ wird sda» l Ipi n chafi de» Junahm Zunz mit Mo'e> Moser, iHrinr.ch Heine und Wohlrnill an der Gründung des „Vereine llür ttultur und Wifseitschafl des Ju. dentums" teil Ihm als tkm Mittelpunkt de» Vereins wurde auch die Leitun.i der „Zeitschrift für die Wisenschast des Judenchsn-" übertragen, in der Zun, während der kurchn Zeit ihres Be. stehens «me Biographie Raschfs ioeröffent ichte, die bttJm* ju ' J*m y.tmtlhrnbtiHi vQn KJ<n I)r L*■> ist durch die sichere Bewalligung tiefe Eindringen in dunkle sehen erregte. GIei<h>eiiig ü.ne er al des Stoffes und düs Gebiete rebner in der Be.r-che» Privatsynagoge eine zünaenhe gab, als er diese Sie.lung einbar mit seinen Grundsatz lung seiner Predigten h.nu Trotz der grotzen Anerl.n lchungen geiunden hal.cn. war ähnliches Los wie Le's.ng l'e auf dem Maitt,' unb n.enranib Wohl betraute bi« jüdi ch - Gfmeind' Gelehrten 1826 m» der L iltzng bfr schule, aber er gab schon nach vier Stellung auf. weil er sich a,itztrslandi iijnd b.-r Wirke lischt m , : hielt. Itzng. bfe >iu», chiedei, wallte grosses A lf- Zi a n z e l. Jarobsonjck en ng aus rnb hr kür vireine Sam»,- leine ftj>rzeitweilig «in „Er stand ihn dingenden jungen Gem.-inbe- Jahren diese sab. schwere Mitzslände an der Schule;>i veicitigen Auch eine Rtbenliellung als Schrr.ile.er der „Speneischen Zeitung" konnte er aus die Dauer nicht beha.ten, da ein Wechsel in der polinsch.-n Richtungde» Blat.e» ihm die Mitarbeit umnoglickf macht«. Die lchwerlte Kränkung er.ebte Zunz jedoch, als er sich erfolglos um eine Stellung als Rabbiner in Darmslabt bewarb. Es ge ang ihm nur durch Prioatunleiricht und Borträgä öder Idi> Psatm.-n. die er vor einem Kr.-ise «tl.kener Freunde hielt, sich über Wafer zu halten Doch maresn diese Jahre der Mitlello.igke i von einet geistigen Sammlung unb Vorbereitung erfüllt, d e eine!^ Frucht von höchster Vollkommenheit zeitinien. tzll» er 1832 seine auf gründlichstem Liueil nftudiitm des Midralch und der Hagada beru »ende Schrift über „Die g o t te » d i e n ft I i ch ek S>otträg^e der Juden" veröjfenll.chle, dattj mil finem Schlage die kaum erltanden.- .üdi ch-' P^if en'chc ft ein Meist.r e hligt in d.n ljlnd der Ver Methode, zuwert aufsuweisen, das sie tzl.-ichbere Rrei» der Wi sen'chailen eimi t.r e fasset, der als bahnbrech.nd! n der veilaifig in seinen Ergednisseii und glänzend in der ^orm von leinen Berussgei rfssen geskühmt wurde, lcharle bald eine-, degeiiler!« ehrern um sich, von denen e rfer — Pros Gfrörer — sogar die Behauptung Spinoza keine grötzc ousslellte. i« r« L« das, seil i st u n g von den Juden heroorgegangen Rach einer kurzen Epiiode Pr t wo Zunz nur geringes Bertindnis ger in Prag, für (eine Be Leitmotiv dramatisch und lr risch di rchgel'ührl. in den Reden Antigone», in ptn Dialogen, in de» Chören. So grotzartig wie ssm ^iunuk|,H ^.. übrrzeugenden und rrschüNejk dcn j»^ndlung ist di.' (>.s»/4i/h! Cr« rA.< TS# IftP. Schönheit der dichterischen s Sk rack dankenweisheit, die lyrische llilbfrafl ...... - welche die Handlung belrg>Üend l «gleiten, gehl weit hinaus über al.es was j liis bah n in Griechen land gedichtet wurde. Hier üt wikt.fch der Menich der Mitlelpunt« aller Dinbe. trotz der Schicksal sendenden Götter: der Menkc, in seiner Macht und Dhnmacht in Lieb« und Rausch, als Irrender und Einsichtiger. , Die gewaltigen und zarlen Worte de» Sophvlles sprachen und sangen einst a^s Mas, e und Schall trichter unter freiem Himmel die ari. hischen Schau spielet aus der Szene, hoch ruf »ottzurnen ragend, die Chöre in der darunlerl egenden^ Orchestra, in der Mitte des Rundtheater >. Eine h.-ulige Vor Heilung kann dies« grotzart gen Chöre nur ver lürzt wiedergeben: in d:r A tssühruitz des Kulturbund» waren di« Chöre zu einem Chor vonzehn Greisen vereinfacht, welche die schönsten Stellen der Gesänge teils in Einzelsiimmen aufgeteilt, teil» im Eesamtoortrag sprachen mit sparsamen Bewegungen, in gut abgetönt m Sprechklang, durch Beleuchtung, begleitend« Ge äusche und vor allem durch «in« einfache, antikisi-rende Musik (von Werner Seclig-Bahs unterstützt. Dies« Lösung de» schwierigen Problems der Cdöri mutz al» durchaus einheitlich und! geglückt bezeichnet werden die C inkachheit der Die Ge dies.r Chore. nicht Wohlgelungtn, aber war di« knappgefatzt« Darf Drama». Dem Regiseur Fi i Lösung der chorischrn Au ganz so «mheUIich lfellung de» «igenUichen stitz I « tz y « r, dem die ilgab« zu danken ist. strebungen, fand, kehrte er 1835 nach Berlin zurück, wo er von der jüdischen Gemeinde mit der Abgabe eines Gutachtens über di« Führung von Namen: beauftragt wurde, die nach einer Rabinettsorher den Juden untersagt werden sollte. Hieraus: entstand Zunz' Schrift „Die Namen der Jiu d e n", in der er unwiderleglich als Erbe der Jahrhunderte darlegte, was den Juden streitig gemacht! wurde. Diese schrist trug ihm im Verein mit seinen anderen Werten das Vertrauen des Gemeindevorstandes in einem so . hohen Grad« ein, datz «r j für die Leitung de» Lehrerseminar» iaucersehen wurde. Diese Stestung füllte er ein Jahrzehnt mit dem ihm eigeifen Eifer und der Lifde zur Jugend au». Schon vorher war ihm di« -»hrenvolle Aufgabe zugesallen, ^im Derein mil Sachs, Arnheim und Fürst eine deutsch« ltebejsetzung der Bibel heezuszugeben, die sich noch heute des grötzten Ansehe»» erjr.ut und im Vorjahr in 17. Auslage herausgebracht wurde (Veilag Leo Alterthum, A.rlins. ,!un^ der jetzt ajlgemein als der bedeutendste jüdische Gelehrte anerkannt war, oerüsfentlicht« 1345 das 'kverk „Zur E e s ch i ch t-e und Literatur der Jude n", in dem die 'Ethik und Rultur der Juden im Mittelalter eine n.-ue und überraschend« Beleuchtung erfuP. Nachdem er sich nach der Auflösung de» Seminars völlig der Sichtung der unerMetzl-ch.-n Handschriflen- und Büchersch'ätz« hingehen' konnte, lieh er 1855 die „S y n a g o g a l e Poesie de»! Mittelalters-- und da« in schner packenden Beweisführung unübertroffen: Werk „D e d R i t u » - des synagogalen Gottesdienste," er- : scheinen, in denen er di« Entwicklüng der alten ' hebräischen Dichtungsorlen kennzeichnete' und den Ritus aus der Fülle der nach Ländefn gruppierten Gebet-ordnungen hervortreten li-tz. An der Schwelle des Greisenolters entschlotz sich ,l»»z. der schon früher Wallfahrten zur Ersorsckiu»g englischer und sranzösi'cher Bibliotheken »»lernomnien hatte, zu einer Reise nach Italien, aus des er in Parma allein 500 Manuskripte durch musterte Dt« Tatsache, datz den Gelehrten damals die berühmte vatikanische Bibliothek verlchlos'etz war, verantatzte ihn zu der Schrift „Die hebräitzhen Handschriften in Italien, ein Mabnruf n»s Rechts und der Wiks-nschaft". Auf Anregung des Arztes und Statistiker; Dr. S. Neu man» wurde an feinem 7fT. Geburtstage eine Zun)- Stiftung gegründet, deren Zinsen deiji genialtn Forscher und in der Zirkunft Gelehrten, die in seinem Sinne die Wissenjchast des Juden- - tums förderten, zuteil werden sollten. Die grotze Erhebung Deutschlands gab ihm, 1872 den An latz, jn seinen „Deutschen Briefen" mit epigrammatischer Schärse für die '.Reinheit der deut'chen Sprach« einzutreten. Ahek nach d.-m 1874 erfolgten Tod« sein.-r ihm in innigster Liede ver dundenen Frau Adelheid, seiner steten Begleiterin die ihm alle Hemmnisse aus dem Weg geräuml hatte,- war sein Lebensglück erloschen, seine Schafsen»- i und Arbeitslust erlahmt. Es wurden' ihn > zwar ^zu seinem 93. Geburtstage noch vi.-le Ehrun! gen Pitiil, ober sein Gemüt war trotz seiner ge waltigen Erfolge so verdüstert, dah er an den - Verkrshr mit der Autzenwelt kaummehr Bntei nahm. Am 17. März!886 schied er infolge ein Unsotl» au« seinem reichgesegneten Leben. M. S. Rueli ClKKaMn und OccmOditnts Fünfzig Jahr« sind. seit dem Tage oergangei, an hem der vortreffliche Monn di« Augen g: - schlossen, von dem Heinrich Heine gesagt hatt>: „Jn! einer schwankenden Uebergangsperiode »ff«ibarte er immer die unerschütterlichste Ul- Wandelbarkeit, trotz seinem Scharfsinn, sein r Skepsis, seiner Gelehrsamkeit blieb er dennoch tri u dem selbstgegebenen Wort«, der grohmüligen Gril« seiner Seele. Mann der - Red« und de Tat hat er geschaffen und gewirkt, wo and« Iräuchten und mutlos hinsanken". Von der Seele des „Vereins für Kultur u, d Wis'fnschaft der Juden" gilt da» Wort de« ei > stigeN Milftrei er», jder damals Student war. Roch den ersten Rückschlägen .der Emanzipation wur >e er gjegründet, und wenn dem Verein selbst auch nur ein kurzfristiges Dasein beschert war, so Halle er dank Leopold Zunz doch da» bleibende für Geschichte und Leben ,b«s Judentums na, i haltigst« Ereignis gezeitigt: di« Wissenschaft deaJudentum». Al» der Zensor «inen Titel für di« Zeitschrift de» Verein» verlangt«, prägte der damals neunundzwanzigjährige Zunz den Xitel: „Zei.schrift für di« Wissenschaft des Judentums". Worin bestand di« Bedeutung? Datz mit der dogmatikchgebundenen, mittelalterlichen Dialektik ein Ende gemacht wurde, die bisher al» j jüdische „Wissen-_ schaft" betrieben wurde; datz da, Judentum al« eine soziologisch«, g e sch icht l iuh-e Einheit begriffen wurde, di« im Ptrom der Entwicklung stand und in den verschiedenen- Zeitaltern unter allen Völkern in Erscheinung trat. »Die Gesamtheit solcher Judentumskunve ergab erst ein« systematische Di ziplin, durch -welch« die Wissenschaft de» Judentums ebenbürtig in den Kreis der übrigen Wis «nlchasten tr«:en konnte. Er selbst oerwirNichte dies.-» Ideal mit seiften beiden Hauptwerken „Die gottesdienstlichen Bonträg« der Juden" und „Zur Geschich!« und LiieraNir", Abhandlungen literatur- und kuliurgeschichtiichen Inhalt», die für unerhellte Geschichlsräume de» Judentum» ebenso bahnbrechend" waren und von den Zeitgenossen so hoch bewertet wurden wie di« philologischen Arbeiten von den Brüdern Grimm und Friedrich Böckh zur Deutsch- und Altertumskunde. Unter Lpfern dient« er den lebenserhaltenden Strebungen de» Judentum». Ader sein Beispiel beweist, datz die Jud«nfrage immer eine zeitgeschichtlich« Frage ist, dem Wandel der Stoat»- . auffasiung und der Geistesgeschichte unterworien. Sein berühmte» Wort, datz er für di« Juden kein« Rechte, sondern Recht, tein« Freiheiten, sondern Freiheit fordere, begegnet sich! noch mil der Anschauung de» Besürworter» ver Lmanzipatior, Wilhelm von. Humboldt, der es - adlehnte, diese von einer „Bes-erung" der Juden abhängig zu machen, da der Staat, kein Erziehung»-, sondern ein Rechtsinstilut wäre. Obgleich «s zu. seiner Zeit Aochkeinen diolog.scheu Volkslumsbe-iriff gab, er also auch da« Judentum nicht al» voltiseh im modernen Sinne ansehen konnte, empfand er seine Zugehörigkeit zur jüd.schen Gemeinschaft durchaus als primär. Das hinderte ihn aber »icht, dem Ltaatsverband, dem" er angehörle, vom ganzem Herzen zugetan zu sein, geMatz dem reUgiösen Ge dal des Judentums. Von dieser Lieb« zeuge, sein« „Deutschen Briete", dieer hochbetägl nach den Jahren der Reichsgründung schrieb, leidenschaftlicher Einsatz für die Reinheit der deutsche > Sprache,^ Kampiertum gegen ,ene. die mit ihr ' schluderten und sie verwilderten. Leopold Zunz gehört zu jenen Juden, deren Grötze bestehen bleibt, auch wenn neuere Forschung ihn berichtigt, und des-en Lebensleiitung al» W e r t besteht, auch wenn die ^Bedingungen, unter denen sie enlstelieo kdnnle, (ich geändert haben. Die Gestalt von -Leopold Zunz hattet als Charakter. Früh offenbarte sich der Zug. der im Wesen von Leopold'Zunz vorherrschend ist: eine konziliante Natur, kannte er kein« Konzes ionen. wenn es um die Sache ging. Heine und Gans schritten au» dem Verein für Kultur und Willenk schaft der Juden ins , Christentum, Zunz wurde , der wegweis.nde Biograph Raichi«. Nie war ihm ein« gesicherte Lebensste.lung vergönnt, aber er - gab jeden Posten auf, sabald" er seine U n a b - ' hüngigkeil im Geistigen bedrohte. Unwillkürssch kommt einem Spinoza in de» Sinn, der optische Gläiec. geschliffen halte, um seinir Lehre leben'zu können, und Mendelss o h n, der als Buchhalter tätig war, um kränl. lich in kargen Morgenstunden Jitb die Zeit für: fein philosophische« Schriitium abzuringen. ' Die Entbehrungen von Zunz sind fast noch 'grotzer al» die seiner Vorgänger im 17. »nd 18. Jahrhundert, den» deren Brotarbpit haue wenigsten« ihre-Geistesarbeit gesichert, Zunz aber mutz.« immer wieder der malen«.len Sicherungen verluitig' gehen, um -seinen Dienst am Judentum leisten zu können. '/Und wie hatte er di.sen Dienst unter Nöten und Entbehrungen geieistel! E» wirb so etwa» wie jüdischer Geist greifbar, wenn man di« Gestalten Zun», Mendelssahn und Spinoza zu!amme»be'chaul: iie bezeichnen nicht nur Serpentinen der jüd-schen Geiitesgeschirhle, sie sind Wiederholungen des gleichen Tyup» im Wandel der Jahrhunderte. Da» wis en-chaflliche Werk von Leopold Zunz gibt auch dem lüdischen Wis'enichafller von heute autzerordentlich viel. Aber vorbildlich vor allem ist der j Charakter dies.-s Mannes geblieben, lind ~ die Charakterbildung des jüois.hzn Me-i schen ist unter der heutigen Aufgaben einer jü bischen Rultur gewitz nicht die letzte . - Dr. Lutz Weltmann. schwebte «in« Aufführung in einfachem, monumerlalest, statuarischen Stil vor. Dies.- V.reinfachung und i St.Iisierung säTtdem modernen Schauspielrr nicht le cht. Gerda R l e i n - W e i ssfm a n n, sch!aik ausragend in Schwarz, gelana. die antike Manu menkalisierung in Haltung und Geste, wundervi ll klang der weiche, volle Alt ihrer Stimme, cm besteh in der Steigerung zum Gipfel de» Dram is mit dem vorhin zitierten unsterblichen Wort. Ater stimmlich verfiel sie doch bisweilen ln die heutize difjeienzierte- Sprechart; die innere Bewegung wurde Herr über die brechend«, bebende Stimm«, ftr.tt datz - di« Bewegung der Stimme Herr blieb ül er die Inner« Bewegung, wie e» der Stil der Aiifführüng erfordert hätte. Da»» gilt besonders vr m letztem Teil ihrer Rolle, al» he ohne Brautlied zum. Hades schreitet. Hier allerdings wurde ihr «in Fehler der Re- |ie zum Verhängnis: Jetzner lätzt manche Auftrite und Abgänge der Solisten durch da» Drches er erfolgen. Das ist nicht nur historisch unrich ig (die Solisten blieben immer auf der Szene), sr ndem die» Heranschreiten an» Publikum und der Hinabstieg vor der ersten Parkettreih« »erst Irl gerojde den angestrebten Darftellungsftil der Distr .nzierung und Monumentalität. So fühlt« man, i »io Antigon« unsicher ward,. al» sie den Gang in» Orchester antrat, so wirkte der au» dem Orchester auffteigend« und vor d«r ersten Parkettreih« steh n, bleibend« Seher Telresia» zu r.-ol, statt entri ckt und di« anderen in seine Welt entrückend. Dies« Nähst zmn Publikum lletz bi« klar«, aber scharfe Stimm« Marlin Chasf«l» (Wolfgang) n»ch schärfer und gebeimnisenttleideter klingen, al» sie hätte wirken dürfen - \ - i I ■ ‘! t Der Bruch zwischen stil.sier.-nder Monumentälität und moderner, differenzierter Spr.chart ging auch durch die anderen Rollen'und hi.id.rle oft die Deutlichkeit der Wortbildung, lodatz manchejnnverständlich blieb. Ruth M a n h e i m e r tReimer» «ine zarte, weiche Erscheinung, als Jsm.-ne «aber zu anderen Aufgaben gebaren, in denen sie schon Gutes ge'eigt Hatz konnte nur wenig jene» ruhigen, grotzen Ion finden, der bis zum Satzende durch halten mutz, pnd Mattin .Brandt als Bote zerstörte durch feine Erregtheit d.n Tert des wichtigen Berichts vom Tod« der Liebenden fast völlig . klarer und verständlicher, aber ein wenig monoton war GründaUm als Wächter; Walther Helr.z lHertner) lieh jugendliche» Feu r strömen, wachr«»d Jenny Bern st ein-Schaffer, ganz in Weih, ein« tönigliche Erscheinung, mit der Ge. bärde ihrer stummen Abwendung nach der Schreckensnachricht einen Höhepunkt der Auf.ührung gab. Fritz W i st « n war als Rreön eine gewaltige und gewalttätige Gestalt; freilich entsprach die Sprechart nicht ganz diesem Wesen, und die Hände hantierten zu viel mit dem roten Uederwurs Ader es glückt« ihm, die Härte der Gestalt durch zweifelnde Töne zu nuldeen — Anfechtbar ist das arel!« Sichtbarwerden der aufgebahrten Königin am schlutz; «in Blick ins Dännnerdunkel de» Pa laste» hätte di« Phantasie mehr angeregt als dies real.stisch«, ablenkend« Bild. Di« Vorstellung gab viel von der Grötze des Drama», wenn ste auch nicht. alles geben konnte. Di« Wirkung auf da» Publikum war so, wie li« zu allen Zetten war und sein mutz. — erschütternd und erbebend zugleich Kurt Pintbu«.