Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 9 (28.2.1936)
- Date
- 1936-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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H ERAUSGEiBER: REICHSBUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. Ersckdit Jutta Frattaf Mit der illustrierten Beilage »»DIE KHAi* b für Sport und Jugendertüchtigung Brnpfnli ■ad V«li|: Berlin W li KarfOratetidaaun 800 (Reiohsbund Jadbeher Front Soldaten E. V.). Fernapr.: J 1 Blamarck »433,8888, 888«. Poatachcck: Berlin 70880. aaeehrift: HdMHhiiw«, Redaktion teahlafl: jaden Dienstag vor Erscheinen. FOr and Rflckaenrinng na rer langt eingehender Manuskripte wird keine Oewlbr Oberaonuneo- Bel Nichtlieferung ohne Vanchulden kein Vergfltungaanspruch. .Tdegrajna* Br Aufnahme Nr. 9 / 15. Jahrgang JnnerjtiftiPdiß Ausspruchs Wenn man sich eine Gemeinshaft vorstellt, deren bisheriger Bestand d irch einen umwälzenden geschichtlichen Prozeß durch, greifend verändert wird, die alsn für ihre Existenz neue geistige und mateiielle Daseinsformen schaffen muß, so wild matz zu der Annahme geneigt sein, daß al e Glieder und Gruppen dieser Gemeinscha t — von dem gleichen schweren Los getr >ffen und vor die! gleichen entscheidenden Probleme gestellt >—, s o eng wie möelich ancinandeirrückön, sich wie ein einziger Block zusamnjenschließen werden. Man sollte annehmenj, daß selbst die vorhanden :n und begründeten Unterschiede der A tschauung (wenn man will, der Weltanscha tung) kein Hindernis bilden könnten, um i>> schicksalhaft bedrohter Lage diesen Zusam menschluß zu verwirklichen, der doch eigcntl ch die nalurgegebene Folge einer solchen Situation darstellt. Nun dürfte bekannt sein, daß sich in der jüdischen Gemeinschaft die E itwicklung nicht an") so erwartungsgemäß vollzogen bat. Die Reichsvertretung ist zwar als Symbol der hier dargestcllten Id x gedacht; die Verwirklichung hat jedoch ni ht Schritt gehaktes, über die Ursachen soll heute und hier nicht gesprochen werden; sichrrlich liegt ein wesentliches Kcmmnis d »rin, daß manche; Gruppen partout die Ent chlußkraft nicht gufbringen, ihre Progrc mme und Ideologien in Zeiten der Not mdlich im tiefsten; Fach ihrer Schreibtisch zu begraben! Die Erfahrung der letten Jahre hat zur Genüge gelehrt, daß jede t Versuch, die Nefchsvertretung der Juden i r Deutsch, land zum neutral getarnten Instrument einer einzelnen Partei oder bestimmten. Gruppe zu machen, auS inner er Gesetz, ' Mäßigkeit zum Scheitern verurte >lt ist. Die RcichSverrretung wird entweder die oberste,! vom Gesamtvertrauen der deutj schen Juden getragene Gemeinschaftsinstitution deS Judentums schlechtb n sein - oder sie wird ein unvollkomm« ner Torso sein, der für die Lebensinteresie r der deutschen Juden nicht die auSschlagg bende Brdeutung gewinnen kann. Wir agen dies, weil gerade eine Reorqanisatic n zur Debatte steht. Man wird sich hierb i erinnern, daß der Delegiertentag der Zionistischen Bereinigung Kürzlich Führunc sansprüchc erhoben hat. Ebenfalls aber rnuß erneut erwähnt werden, daß der Reichelbund ^discher Frontsoldaten für sich zwar kein Primat, leinen TotalitätSanspruch. wohl aber seinerseits einen maßgeblichen Anteil an der Führung der jüdischen Gemeinschaft gefordert hat. Niemand wird bestreiten, daß der Zionismus eine große geschichtl iche Bewe- Georg H/rschfeid, dar batannt* jüdisch* Ersü ii Verfasser d*r historisdtrn Ni •Irr, Ist dar 'fall* 844 Lieber Kamerad? Frais 20 Pfaaoi| Bll OLO Im Monat (möglich Poetbeatellgeid. Anaelgeapreia: Die 18gespaltene Milllmeter-Zr Ile RM 0,16. Stellenangebote und -Oeauche, Familie na nreigen RM 0,10. Am eigen achluB: jede i Dienstag vor Erscheinen.. Man verlange genauen Anzeigentarif! Anseigen-, verwalt eng: Bepa-Vertag Benakl k Pakuacher, Berlin W 00, Regenab arger StraAe 81- Fernapr.: B 4 Bavaria 0697. — Poatacheck: Berlin 88680. ’ Verlirl, 28. Febi var 1936 Kamerad, dich geht es an! Ein offenes Wo 3a, Dich gehl es an! Ich k-nne Dich nicht und es ist sehr zweiselhaft. ab Du mich kennst. Wenn ich Dir trotzdem diese Anrede schenke, so wahrlich nicht, well ich sie gedankenlos üme handhab«, mir das Ber« nur allzu, sehr wie eine abgegriffene Scheiden sondern gerade deshalb, weil pflichtende, was in ihr liegt, bewutzt ist. Kamerad. Kameradschaft. Li und van meraden: — Vielleichs denkst Du heute. i aus dem Reich gilt dies mir. was kann dies mich bedeuten, wo doch so unsere Seele hing, das uns Inhalt zind Ziel <5. Kawas alles noch für oieles. an dem keine Geltung die Kameradlesellschaftlichen ldaten verblabt zugleich war. keine Gültigkeit mehr haben soll? Wenn Du schaft meinst, die zu einem Zusammenschlub alter FronG war, die oft sogar nur in der Mitgliedschaft, d. h in der Zahlung des Beitrages und in her Lektüre des „Schild" bestand, dann, lieber Kamerad, könnte ich Dir allerdings recht geben. — Aber hakt Du denn picht die Wandlung bemerkt, die in unseren Reihen seit dem Umbruch in Deutschland vor sich gegangen ist? Wie gemeinsames Erfahren der Nöte und Schrecken des Krieges uns drautzen in den Trichterfeldern plötzlich auks «nglte rulammenschlieben, uns zu Kameraden! werden lieb, so haben jetzt die seelischen Erschütterungen in uns «in neues Verbundenheilsgefühl geweckt. Ganz spontan reagierten die eiten Frontsoldaten beim Hereinbrechen dieser neuen schweren Geschicks genau wie damals im Felde; sie dachten nicht nur an sich, sondern auch an den Nebenmann. Hilfs-, ja Opferbereitschaft erwachte: die alte Kamerad chaft war neu erstanden. Du wirst nicht leugnen kinnen, datz dies« Kameradschaft uns gerade ln solcher Zeit vieles ,u geben hat, dab. wenn überhaupt etwas ist, was uns die Schwere dieser Tage überwinden läbt. es nur dieses Verbundenheitsgefübl sein kann, da es allein di« Kräfte zum Ertragen und Durchhalten in sich birgt Sicherlich haben roch nicht alle.- die unserem Bunde-angehi>ren, diese Gewihheit des Verbundenseins mit allen in ihm zuiammengeichlopenen Mensch n. aber die meisten von uns streben über du Erinnerung an gemein same kriegerische Erl bni se und die Pflege der Tradition hinaus >iach einer stärkeren per sönlichen Bindung: Wir wollen eine Kameradschaft sein!' Unter Kamerad verstehen wir wieder einen Menschen, der uns auf eigene Welle verbunden llt und de n wir gleichermatzen verbunden sind. Die Anrede „Kamerad" ist wie der zur Auszeichnui g geworden, die man sich durch kameradschaftl ches De> halten immer neu verdienen mub- D«>s llt das Verpflichtende, von dem ich eingar gs sprach! Hat. so wirst Dy vielleich xnock» fragen, es Wert, diese gewib I schöne Bestrebung, die'en engeren Zusammenschlub in einer Zeit zu fördern. in dem das Geschick viele aus unserem Kreis entführt und immer weitere den Blick nach drauben richttn müssen? Denken wir doch! daran, dab wir alle nicht wissen, wie sehr wir noch^einmäl auseinander angewiesen sein können! Berge sen wir nicht, was in Zeilen stärkster seelischer Belastung schon ein moralischer Halt zu bedeuten ver mag. den eine-, Vereinigung von in Kampf- Männern Wankenden und bieten kann! Lallen wir k»t. welche materielle Hilfe rkende Menschen selbst noch unter wirtschaftlich! ungünstigen Bedingungen sich gegenseitig leilten können. zeiten bewährten Zusammenbrechend auch nicht außer acht, welche kameradschaftlich deikende Mei Du glaubst doch lung der Gegebenl daran dab uns aufgab« unserer Oder nimmst Du Frontkämpfern uni jüdischen Kreis ni landen, dab mal »rem Leben für die Ehre des Jul allem aber die Ki wohl, nach meiner Darstel iten. nicht mehr im Ernste «er Gedanke einer Selbststrebungen kommen könnte, n. eine Unterscheidung nach Nichtfrontkämpfem lei im it mehr zeitaemäb? Wir diejenigen, die sich mit re Heimat und damit für tums eingesetzt haben, vor gsopfer. darum nicht iveniger achten solle, und dab sie zu'ammenbleibe» müssen, da kie für sich und innerhalb der jüdischen Gemeinschaft noch eine Aufgabe zu v erfüllen haben. Es handelt sich ja nicht um - eine die G-esamth.-it schwächende Ab onderung. sondern im Gegenteil um die Erhaltung einei^ Kraftauelle. die in die gröbere Gemeinschaft ausstrakitt amd deren Gedanken- und Gesrn nungsgut sich über die Iugettd tznd durch soziale Zverk« im jüdischen Raum immer mehr auswirkt. Als Träger der Kameradschaftsioee müssen wir zum Ferment bei der beginnenden Gemeinschaftsbildung innerhalb der jüdiichen Bevölkerung Deutschlands werden, da äuherer Druck allein nur einen notdürftigen, wenig dauerhaften Zusampikn>chlub bewirken könnte. ' Ich hoffe. Du halt es nun klar erkannt Du gehörst zu uns. und wir gehören zu Dir. - lieber Kamerad, auch dann noch, nmn T ick, eine Fügung aus diesem Lande führt oder sich Deine Weltanschauung (ein grobes Wvri.I ändern sollte! Wahre Kameradschaft ist weder ortnoch -eilgebundcn. sie fra^t heute sowenig wie gestern nach religiöser Einstellung «der Partei. Viele Kameraden halten uns auch in der Ferne noch die Treue und helfen bin uderkommenden Kameraden mit Rat und Tat. — So muh es sein und auch bleiben, wenn wir nicht selbst den Begriff der Kameradschaft entwerten wallen. So mancher unter uns hat schon längst empfunden, dab er irgendwie der jo aufgefahren Kameradschaft nicht Genüge getan hat. Er fühlte die Verpflichtung, die nicht mit Geld und geldwerten Dingen abzulösen ist: er wuhte sie aber nicht zu erfüllen. Ihm gilt es zu sagen, wie man in dieser Zeit Kameradschaft üben soll, da sie ja das A oder O unseres Bundes ist. Es gibt hier so viele Möglichkeiten. Pkittel und Wege, dab sich jeder, auch der Aermite unter uns, nicht nur das latzungsgemähe. son dern auch das mormiijche Anrecht auf die Zugehörigkeit zu unserer Kameradschaft er werben kann. " Fort Satzung umsaitig ' guna innerhalb der Iudenheit darstellt. G ist sozusagen die politische Z^rtströ mung im jüdischen Raum/die Bewegung welche die von anderen Völkern heraus gebildeten nationalpolrtischen Gedanken au das Judentum übernehmen will, über dem Blick auf den Zionismus üiber, mit desien Existenz jede jüdisch« GemeinschastSarbei l als einer realen Gegebenheit rechnen muß, sollte man nirgends eine zweite groß: Zeitbeweguna übersehen: die Front soldatenbewegunL, deren Träger Raume der ES „Oottt Ich tut» Dich!' Ein jüdtsdtas Soldatansdilchsal . | Beglnnjn dTmamr Nummerf im jüdischen Raume Deutschlands Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ist. wäre verhängnisvoll, die in dieser Vewigung konzentrierten geistigen, morqlischem und materiellen Willenskräfte zu unte> schätzen, wie dieS bisher nicht immer ur d üverall unterblieben ist. Man tritt wed r dem Zionismus noch irgendeiner ander« n jüdischen Gruppe zu nahe, wenn man für die jüdische Frontsoldatenbewegung c n Einfluß- und Kraftfeld fordert, wie es nur im richtig verstandenen jüdischen Gesantintereffe liegt. In der Tat: Man kann bei einer vernünftigen und zweckdienlichen, den real m Erfordernissen der Lage Rechnung ttage i- Den Neuordnung der jüdischen Dinge die zionistisch-politißhe Bewegung so wenig außer Ansatz lassen wie die unpolitischfrontsoldatische Bewegung; man muß beiden ausrechend Spielraum geben. Wenn hier von unserer Bewegung als einer unpolitisch« n gesprochen wird, so ist dies im Wesen unseres Bundes tief begründet; denn ge ade dadurch setzen wir uns gegen jene anbei e jüdische Bewegung ab, daß wir dem vor unS hochgehaltenen jüdischen Gemeinsch »ftSgedanken keine politischen Inhalte geben. Wenn allerdings in einem Teil der ji idischen Presse allzu eifrig die „Neutral isieruna"' deS FrontbundeS anempfol len wirdso sind wir etwas mrßttauisch, das man unter Neuttalisieruna so etwan ie gesinnung-mäßige Sterilisierung verstehen könnte., Durch gewisse Presseäunerungi n könnte der falsche Eindruck entstehen, «llS ob die Reihen deS RjF. sich Kameraden non zionistischer Einstellung verschlössen; tatsächlich liegen die Dinge umgekehrt: nicht wir, sondern die Zionistisch« Vereinigung für Deutschland hat den zionistischer Frontsoldaten di« Zuge- Hörigkeit zum?!jF. untersagt; waS allerdingS nicht hindert, daß der RjF. auch heute in seine» Ortsgruppen zionistische Kameraden, ja sogar einzelne zionistische ^Ortsgruppcnvorsitzcnde, bat. Diese sind offenbar—mit uns i—nicht der Auftastung, daß »der Platz jedes bewußten Juden nur in drr zionistischen Organisation sein kann": Ein Dogma, "dessen Beseitigung auS dem zionistischen Katechismus den fruchtbaren Gedanken echter jüdischer Schicksalsgemein schaft beträchtlich fördernTönnte. Spricht man und verhandelt man aber über Umbildung oder-Ausbau der^Reichsverttetung, so sollten die Beteiligten sich restlos darüber klar sein, daß eS nach der allgemeinen Auffassung der deutschen Juden — und besonderdeS RjF. — hierbei nicht um eine Frage der Pakteieinflüsse, sondern um das Problem der Führung schlechthin geht. Führung — i. das ist die große Sehnsucht, der heiße Wunsch der Juden in Deuftchland! And eine kraftvolle, opferwillige, parteibefteite Führung der jüdischen Angelegenheiten in Deutschland ist — wie jede- Führung-Problem überhaupt — eine Frage der zur Führung berufenen Persönlichkeiten. Dabei denken wir" selbstverständlich nicht an sogenannte „Einzelpersönlichkeiten", die im Grund« nichtShinter bzw. für sich haben als daS Eignung-- attest, daS sie selbst sich oder ein Nein« FunktionärskreiS ihnen ausstellt; Führer- I