Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 6 (7.2.1936)
- Date
- 1936-02-07
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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EIST DES JUDENTUMS Beiblatt des „Schild" Berlin, 7. Februar 1936 Spruch. üdisches Schicksal indergegenwärtigen jüdischen Literatur •s i,!e n uMc I I Es bedarf beute keiner Begrundüi liier ein kleines Stück Verlanget lndlek wird, ein Stück lüngkt'" gangenheit. nämlich die jüdisch *alur deutscher So rache Tagen de« April 193 3. Wir wollen wertend zurückblicken: diese Literatur auf den Gebieten der Erzählung, des Dramas hervo llnd was ist im „Spiegel bgekürzten Chronik de lters" <so nennt Shakespeare I on unserem gegenwärtige al sichtbar geworden? Wir alle wissen, das, dies ge jj Schicksal das ewige Schicksal des s st. Uns Juden in Deutschland ist \ den, eine besonders bewegte Epoche Schicksals zu erleben: und uns ist ,abe gestellt, der tapferen Borfahreji ünftigen Geschlechter eingedenk, d ' Pu durchleben und zu übersiehen. In en in so harten, ereignisreichen pheten und Dichter helfend, urteilen! - ihrem Stamm zur Leite. Man ermatten, das, die tiefe Erschüttert drei Jahre, die nicht nur eine erielle. sondern ebenso eine inner Erschütterung bedeutete. Stimmen .»ecken und zu Wort werden lnd so ist es geschehen. Freilich iit der absolute Kunstwer er entstandenen Werke als Ganzes nähig hoch, und es ist in diesem! dieser abgekürzten Chronik der ,3e itl »ns Juden dieser .teil nicht allzu vi-' geworden. Diese beiden Tatsachen lin emeinsame- Ursache zurückzusuhren. ahrung lehrt, das, aus übergroßen »Ereignissen niemals sofort und irohe oder wertvolle Gestaltunger spriehen. Der ankere und innere 'I ,u heilig, af; das, er sogleich zur g e s t>. h. geästig gebändigten »»erden kann. Gerade der Weltkrieg eigt, das, erst fast zehn Jahre verg en. bis dies ungeheure Erleben in nd -Dramxn zu wirklichen Kunitch ormt wurde. Aehnlich wird es mi ischen Erleben un'erer Tage lein, -eis hierfür mag gelten: wie wen »ehrere Preisüusschreiben hatten. di< orderten, patz jüdische Schicksal zu 'stuck äuszers Hemmnifle kamen Hinz«. I'indcrlen. uns selbst in der gegc Situation darzustellen. So kommt wir in der heutigen jüdischen Dickst »nd unser Schicksal oft nur erblicken gnd und Gestalten vergangen« Eiine Aufnahme von dem, dis zu einem gewiklen Grad Lu;< r-. brr lasst« i ei loa rt: fjn Von Kurf PinfJius >g.. wenn stets das Barometer seelischer Zustande, der heit be Bewegung und Bewegtheit.! darstellt. Be Bergleitend, ja voranzeigend, kündet sie Gesck>eKen. Lite Gemeinschaftsgefühle. Denken und Sehnen. Im rrt den Gegensatz zu den weirfchichligeiren Formen des Romans und des Dramas. die eine Hand 'Ilias hat Inngrkonstruklion und fremdes Personal be »er Lnrik, nötigen, ist das Gedicht: unmittelbares Aus gebracht? sprechen. Sichausspreihen. Lenk ist mehr ein nd der ^ichselbstgestalte», als rin Gestalten anderer Zeit- Gestalten und der Umwelt. Deshalb findet c Kunst» gerade in erregten Zeiten einen erploliven. z Schick erregten und erregenden Austjiuck. der Selbst dekenntni», aber auch Forderung und Ber tjenwärtigc kündung fein kann, udentums Für diese Art Lyrik erstands au» dem Ju deschiedentum unserer Tage ein dichterisches Phänodieies in«»,. wie es in der Weltliteratur selten, in die Aufder jüdischen Literatur der Neuzeit ohne Bei und der tottl ist: die ehrfurchtgedietende Gestalt des Epoche fast siebzigjährigen Karl W o l s s k e h l. Er mer stan- , Hai ein reiches Dalein hinter sich, dessen Erlen Pro! lebnis und Wert ganz der deutschen Dichtung tröstend gehörte — von den ältesten germanischen Dich-! also^Ltüngen. die er sammelte und herausgab. ding dieser;u Stefan George, dessen, naher Freund er itr«, ma war. Da zündele das Jahr 1933 so in allen seelische Äffen dieses Gelehrten und Dichters, das, Dichter aup ihm gewaltig die prophetische Stimme würbe, hervordrach. Sei kleines Gedichtbuch heißt: „Die Stimme spricht". Die Stimme der. bis (f/qttes spricht zu ihm. durch ibn. aus ihm. >>chr über- Er ruft verzweifelt und jauchsend: „Oh dürft' Spiegel, ich Stimme sein, das Volk zu rütteln". Er ters von fühlt sich von Gott erwählt und berufen, ächtbar auch wider Willen berufen, wie die Propheten aus eine des Alten Testaments. Was war. „läszt er Die Er im Nebel zurück": aber „jeder Abweg war listorischen der nächste., ganz gewisse Weg nach Haus." tan auch Wolfskehls Stimme rutl zur Einkehr: iie ist hervor zugleich eine Lobpreisung Gottes wie seines uirnhr ist 'Bolkes ist. Immer Wieder!des 'Weilerwan r m ten. dfrnmüssens. Dic'e Stimme spricht die Sprache Gestalt der Propl>elen in allen Herrlichkeiten der beut hat ge ichen Sprache, oft an gan, «sltes Sorachgut den must anklingend. . i Romanen Wenn WolfskeKI ruft: „Denkt nickt ,urück. erken ge Was war. verdorrt. Ein einziger Hort Ist dem jü Estch gereist. Der Hort heißt: Dort!". Als Be- Io ist dies Dort: Gott und!ejn geistiges Je g Erfolg rulalem. Für Ludwig Strauß aber. Wolksdazu aufkehl ähnlich an Gesinnung und Haltung, ebcngestalten. soll» Dichter und Gelehrter, yur eine Genedie ver ration jünger, bedeutet dies Dprt!: das reale chiwärligcn Land der Bibel, das Land Israel. Sein Gees. das, düchtbuch „Land IsraeG - nach seiner ung uns Urbersiedlung geschrieben, stellt zum ersten Mal in Gedie wirNiche Begegnung einfS in der deul r Zeiten. Ichen Kuskur ausgewachsenen, afi der klastischen Dichtung geschulten jüdischen Dichters mit Pa lältina dar. In leinen Gedichten spricht nicht Gvtl zum Menschen, nicht d^r Menick niit Gott, sondern de, Menick». zum Land: und dies Zusammentreffen, diese Zwiesprache er tibi nicht Kontrast, sondern beseligte Einheit, kreis des Landes ertönt, seiner Landschaft und Gestalten, - nicht in prophetischer, son dein in klassischer, formstrenger, edeltönenber Sprache. Wolfskehl gesteht, daß jetzt, da „das ewige Schicksal ihn anlpringt". er . „versteht und spürt, was die Bätet waren, Bäter litten. Bäter vollführten". So auch bekennt Mann fred Sturmann: „Die Wunder der Erde tlo hieß eins seiner früheren Gedichtbücher», verstummt sind äe jetzt. .. Run. sind wir Erbe. Kettenglied in der lange Reihe der Ahnen geworden." Aber Sturmann läszt einen anderen Klang hören als Wolfslebl. einen ganz irdischen, herben Klang: er, der in keinem Erstlingsbuch altbebräische Lurik übertragen hatte, wird durch die Erkenntnis des Erde kein» nicht wie Wolkskehl zu Gott und der Lehre gekühlt.. sondern zur Kraft. im Dies keits sich zu bewähren. Die oben begonnene Stelle fährt fort: ..Das iit' t>as Wunder, der Herkunft: die Lust zu besteheii. den 'Racken vom Stplzc erstarkt, ertrotzt aus dem Strome des Bluts." Er fühlt äch der Erde verbunden und will mit seinen Glaubensdrudern zur Erde ^hin. hier und drüben. „Herkunft und Geän nung" heitzen seine lebensbejahenden jüdische» Gedichte, in deren Nachwort er sagt, er wolle nur ein „Gebrauchsbuch, mit dem kulturvoll tischen Ziel: lebendige, jüdische Gesinnung" geben. Dennoch ist seine Lnrik tunjtleriich wie inhaltlich oerkeisrungsvoll. auf einen neuen geistigen und örtlichen Lebensraum wei'end. Bon diesen drei Gedichtbüchern muhte aus suhrlich gesprochen werden, denn sie enthalten die weitaus wertvollsten und wichtigsten Ge dichte, die seit 1933 geschrieben wurden. Zwar haben auch andere jüdische Botten unterer Tage mehr oder weniger starke jüdische Ge sinnung in Berie gegoäen. durchw rkt mir Mo tiven aus jüdischer Geschichte un!» G>egenwalt und mit allerlei hebräischen 'Wörtern: aber diese Gedichte lind meist Epigonentum, oft nur arrogante oder jammernde und jämmer licke Stümperei, gleicherweise schwächlich in In hall. Ausdruck. Form, ohne empörtragendes Ineinander von Gehalt und Gestalt, wie es bei Wolfskehl. Strauh. Sturmann in grosz artigem Aufschwung uns miireißt. Franz Werkel, der bedeutendste jüdische Lyriker deutscher Zunge. lieh vor kurzem einen neuen Gedichiband erscheinen „Sck, I a s und Er wache n". herrliche^ Gedichte, zwar nicht aus dem Erlebnis der ouden -in Reichsdeutschland erwachsen, aber dock» in der Gesinnung und in den Themen jüdischer als Werkels - »rüdere Lnrik. Arthur S i I b e r g l e i l hingegen, der seit dreisng Jahre» non Ilingendem Wohltlang und Die dreifache jüdischen Von \ Kam. Dr. Kar/ Wiei er In Zeiten radikaler Um und Ncuwerlung .»er Lebensformen i»! jede Fellle >ung der Begriffe schwierig. Besonders dort, i»o cs sich »m abstrakte oder geistige Dinge handelt, immerhin kann man heute schon b ei Arten mdischcr Munk feststellen, die!ich in den sol senden Jahren immer klarer und schirker ber mskristallisieren werden. Am deutlichsten abgegrcnzt erscheint die k u I - tische Mtflik- In den synagogalen Gelängen jo verschiedene Zeiten un > Land striche an ihrer Bollendung auch mit gearbeitet staben, eine.-Zweckbestimmung vor: dlber kann auch über Form, Charakter und < stil wohl räskutiert werden, aber der Begriff teht wohl eindeutig m. Schwieriger zu best mmen ist schon das Gebiet der a > s o z i a t i vn Musik, die sowohl durch den Tert als d irch Ber- Wendung einzelner Themen aus den jüdischen Jdeenkreis auf diese Gattung hin« erst. Das bekannteste Beispiel dieser Art ist die „Kol nidre"-Melobie von Mar Bruch, dir in Kan ertsäle verpflanzt auf das Publikuri der ver aangenen Jahrzehnte stets eine grohe Wirkung ausgeibt hat. Die vielen instrumentalen Bearbeitungen ostjüdischer Volksliedr gehören ebenfalls hrerl»er. Doch am häufigst n ergeben »ich durch pen Tert von Gesangs tücken die assoziativen: und stimmungsgemäken Elemente, die seit langen Zeiten zur Begriffst eltim,nung beigetragen haben. Wenn aber das Problem der jüd Ichen Mu iit in Aufsätzen und Gesprächen in den letzten Jahren auftaucht, so ist meistens eir e dritte Art gemeint, die «enr näher untersuchen wollen. Diese dritte und interessanteste Forin lätzi sich in di« prinzipietle Frage kleidet: gibt es denn eigentlich Musil lüdischer Hc ltung und speziell lüdischer Prägung? Und da nit komme ich zu demKernrmnkt des Probier». der ja bewutzt oder unbewuht. den Meister Menschen vorschwebt, wenn sie sich mit dies m Thema befassen. Weil di« künstlerischen Individualitäten und damit ihre schöpferischen Leistungen schtverlich auf einen Nenner gebrocht werben können, iveii ferner in Fragen der ästhetischen »nd verkönlnklen Gestalinna von Niinstwerken eiDo keine noch so differenzierte Regel ausgestellt werden darf, so ist obige Frage weder im positiven no« im negativen Sinne zu beanl wprlen. Es gibt Fälle, wo die Frage, »nd nicht die Antwort unrichtig ist. Nehmen wir drei der dekannlesten Namen. >tomponisten des 19. Jahrhunderts, und prüfest wir die angebliche jüdilck^! Substanz ihrer Werfe sowie den Widerhatl Ihrer Persönlich keilen in der Mit- und Nachwelt. In einem u>n die Jahrhundertwende berühmten Bucku'. des Harmonielehre von Rud. Louis, erwädi» der Tlerfasier die Snmphostien G u It a v R ahlers und findet ihre Technik gekonnt ur d raffiniert, stellt aber gleichzeitig eine aufgeregte, aufgepeitlchte Grundhaltung fest. Nach mihreren geouälten Aeuszerungen zeigt sich genauer, was gemeint ist: die Anhäufung von Vorschlägen erscheint Louis als befremdend, ja er sägt einmal sogar wörtlich: „diese Musik jüdell". Inzwischeniist ein Viertel jahrhundert vergangen, wir naben gelernt, diese Dinge schärfer zu lclwn - aber wir erkennen deutlich, dah dieser'wie auch andeic Borwürse, di« man Mahler zu! machen pflegte, aus dem Widerstand gegen seine Zeit zu er klären sind. Die tlebersteigerung der Gefühle, die pathetische Haltung seiner -Orchestersprache. der Pantheismus seiner Visionen — all da» Iah in seiner Epoche begründet. Dah eine grvhe Individualität wie die Gustav Mahlers sich höchst persönlich ausdrückch. bedarf keiner Erklärung. Doch wird sich niemals an Aeuher lichkeiten und theoretischen Merkmalen die innere Bedeutung eines jllunstioerks feststrllen lassen. Bollendswerden immer bei einem bedeutenden jiunstwerk die hervorstechenosten Eigenschaften gelobt oder getadelt werden, ohne dah der Kritiker etwas -anderes für sich und seine Argumente anführest kann als sein „Gefühl". Und eben diese rein gefühlsmähige Auslegung ist es, die auch bei dem zweiten Beispiel, nämlich »Mendelssohn-Bart- Holdy. vorherrscht. Ein bekannter, vor mehreren Jahren verstorbener Musikwissenschaftler, mit dem ich. > über diesen Tondichter einmal sprach, Suherte sich folgendermahen: „Nun, gewih ein grober Meister.' Aber wissen Sie. etwas stört mich immer an ihm. Wenn er so anfängt —. und dabei intonierte er den raschen Beginn der Sommernachtstraum- Ouvertüre — da habe ich stets das Gefühl, einem Kleinlrämer gegenüber zu stehen Da muh man doch ausrufen: ..Gefühl ist oNe»!" Es gibt wodl keinen Meister des romantischen - Interieurs, der kleinen Formen, des bescheidenen, doch gehaltvollen Ausdruckes, der von solchen oder ähnlichen Beickuldigun gen ireizusprechen wüie. ob es äch nm Sch» mann. Ralf oder einen andere» Komponisten dieser Zeit handeln wurde! Auch bei diese», Beispiel können wir in der 'Gesammthaltung. in dem Essentiellen seines Sfils nirgends etwas spezifisch Judisch.es entdecken. Dah der Schöpfe, des „Eiias" und des „Paulus" gerade dort die tiefsten, ergreifendsten Töne anzuschlage» weih, wo es sich um das. ererbte- Gut seiner Bäter handelt, ist'kein Beweis für das Borhandenirin jenes „»bestimmte,, Etwas, das die Verfechter einer gegenteiligen Theorie gern wahrhaben mochien. Ucberhäupt ist hier wie auch in anderen Fällen der Umstand de Ilagensroert, dah noch zu wenige Beispiele vorhanden sind, um irgendetwas Abichliehcndes hierüber zu sage». Das dritte Beispiel ist vielleicht das tre' iendste. weil es gleichzeitig mehrere Phantome zerstört. Ich meine Jacaucs Cftenbach. dessen Lebensweg in »einen, steilen Aufstieg <— künstlerisch geieheis — V nur der epochalen Entwicklung eines .Verdi vergleichbar ist. Den „Bouffes Parifiens" wird ihre leichtlebige, freche Ark oorgehalten und oorgcworfen. Ader auch hier drängt sich dem Betrachter von selbst die TaVoche auf. dah Zeitgeist und das Ingenium eines schöpferischen Musilers zur vollendeten Harmonie wurden. Menü die Substanz der jüdischen Musik sich in der Färbung der Melismcn lundgeben soll, wie ja allgemein angenommen wird, so Iaht sich lem lnpisch französische» Werk seinem Schwa nengesana „Hoffmanns Erzählungen" zur Seit« ltelien. Und er wäre immerhin schwierig, de» Unterschied mit den anderen Meisterwerk.-n der gleichen Epoche anszuzeigen. Die oben erwähnle» Tatsache» finden w>, auch bestätigt, wenn wir uns anderen Län dein und ihren jüdischen Komponisten ,uwen» den. Ob wir G o l d m a r k und Brüll auf ihre jüdische Eigenart prüfen, oder ob wir dir S Generation eines Kärot Rathaus, oder t BI o ch in» Auge fassen, immer werden wir finden, daß erst in dem Titel oder bei Vokalkompositionen, im Wort ein deutlicher Hinweis auf Jüdisches erfolgen muh. Mit Konstruktivem oder absichtlich Gewolltem erreicht man bei derartigen Untersuchungen nichts. Und ganz besonders nichts, bei der ungreik Narsten aller Knnstoaktnngen: .der M»äk. D» kirnst nicSi sein, du kannst dich nur verschwenden. Kannst bleiben nicht, die Erde wandert aller Enden, j Du kannst nicht sammeln, jedes Gold wird Blei. j Und nich's er^rpifen, alle, schwirrt vorbei, Du kannst nicht wissen, denn es ward schon Trug, Du kannst nur leben, Leben ist genug. ~ I lans Meyerouit/ i-ijiiiiim umimiuinn.i.- - buntem Bilberreichlum erfüllte, wellschwärinerische und mnstüch versunkene Gedicht« in rci cher Fülle veröffentlicht har. -ist nun ganz und gar zu Moliren und Gestalten des^Judentumr heimgekehrl. Sein neuestes Gedichtbüchlen, „Der ewige T« g". kerausgcgeden von der Künstlerbilie der Jüdischen Gemeinde zu Ver lin, lüht liefe, und religiöse Klänge hören, berauftönend au»! mni-g empfundener Tradi - tion und Gegenwart, zu knapper, strenge. Form gereift. 'Wolkskehl ist ti» Greis. Slurmann und Strauh sind Männer, man wird kragen: Hat keiner von,den Jungen un^-Jungsien das eigene Erlebnis dieser Tage, das Erlebnis des 'Niedergedrochenseins und des ^iu. kunktswillens zuni »'»edlcht geformt? Es ist lein Einziger, tein Einzelner »ichrdar gewar den. Aber vielleicht fragen wir zu »ehr aus individualistischer Betrachtungsweise. 'JUir wis len. dah viele der besten unserer Jugend im Bund au,'gel>en.! Und so ist mancherlei Dich lerische» als G < n, e i n ich a f t s d i ch t u n g. anonym, wirtlich! als »üedrauchsdichiung. in nerdalb der Bünde entstanden:. Svrück»e. Lie der. Svreäichöre.^ Spiele Das Wunder d!er Erkaiiung.des Juden:»,»» durch Wanderung! und Wandlung ist das Leit inoliv der heuti-drn jüdischen Lnrik. auch idr. Leidmotiv, -und Leitmotiv, wenn Leiten in, Sin» von Führung gckahr wird. So auch auk dem Gebiet der Erzählung, die an, eheste» Spiegel und abgekürzte Edronit des Zeitalters sein lönnle, da äe von allen Dich lungsgatkungen a„z meisten Gegenständliches. Zustandliches darstellt, als Zeithinkergrund und in den Menschen und ihren EGebini'en. Solch crlei mühte eigentlich leichter in Worte zu fallen sein al» das Gleitende. Strömende. Ungegenständliche des Gefühls und des Ge dankens. wie es in der Lnrit zur Form wird '.'lder dar heutige Schicksal der Juden in Deutschland ist öden nichts Feiles, nicht zun, Zustand GewortXnes. sondern 'Ukerden, Wand lung. Wanderung. Das 31!«rdende. von dem noch unqewih ist,! was es wird, ist kein Stof» kür einen Moman. der dock ein Ende, ein - Ziel, eine Lösung bringe» muh. Gerade die Erzählung brauchr die Distanz zun, Ereignis, von der Eingangs gesprock>en wurde. D,r Werke jüdischer 'Er,ähler brachten kam«, ein Thema, da^ in unseren Tagen spielt. In den "ersten Jahren nach dem tlmvrüch iit nur ein einziger Ronian l»'tannt geworde,. der die Jupensrage in realistischer Gegenwart» darstellungbehandelt, »nd der stammt von einem Prager Dichter, von den, auf vielen künillerischen Gebiete,, tätigen Mar Brod: „Die «Frau, die nicht enttäuscht." Während der Arbeit an diesem Roman derc, tele sich vor und trat ei» der Umschwung in Dculichlond. und dies Geschehen bewegte Brod derart, dah das eigentlich roijtänhafle G, .IcheKen in »eine,» Buch sehr zursicktritt. Brod erörtert und propagiert in der Gestalt seines Helden, des Schn'tstellers Justus Svira, «ine seiner Lieblingsideen: dir Distanzliebe. Wie in der Liebe von Mann z» Frau-eine Liede in, höheren platonischen. Beärl möglich ist. lo vermag ' der Jude, aergde wenn er äch als bewuhler' Jude i„ Distanz z,»n Deutsch tum kalt, die Deutsche» z» lieben, an» jenen Seelentiefen, die „alle Wesen binden". Aber Brods Buch Ichliehl »nenlichieoen: er sank» leinen Schluh. weil - die Behandllung der Ju denirafie in Deul'chland 1933 »od, nicht ab aelchlpüen war. Deshalb bandelte er dies Thema noch einmal ab -an einem nicht er dachten, sondern an einem' wirklichen, voll endelcn Lebenslauf, am Beispiel des Dichters Heinrich Heine. Tvcm, er in dieiem Buch die Erscheinung Heines -dc'Niet. analysiert ereigcntlich den enroväisckien Juden in. der »olwcndigen Komplizicrtl^ii seiner Pvälion. / 4vie der Prager Brod die Bergangenhe» zu Hilfe ruft. u>„ gegenwärtige Problematik zu erörtern. Io auch mehrere in Reichsdcutich länd lebende Erzähler, die »ns in Epochen versetzen, in deiwn die heutige Situation de reils ähnlich vokbande» war. So wird verschollene Gekch-ichte zu höchster Aktualität. Dies erstrebt Gerson Stern, in dem vielgelescncn Buch „Weg ohne Ende" das Roman. Geschichte und Aufruf zugleich sein will. Geschichte aus dem .feitraum der erste» Hälkie des 18. Jahrhunderts. _3fit Raum wird gchagt: weil hier dieic ganze Zeit mit all ihren bewegendcn Elementen in dem mitleleuropäisck^n Raum zwischen Frank kurt und Prag lebendig wird. In diesem Raum wandern die Juden: sie müssen wandern. Aber ihr bitterer Schicksalsweg geht durch die allpe meine Geschichte Europas, mannigfach mit ihr wirtschaftlich, menschlich, kulturell verbunden. Und gerade «oeil wir hier so viel tapfer er tragen«, Leid unserer Vorfahren mitcrleben. wird das Buch Aufruf zur Festigkeit. zumAus harre» im Judentum. Roch eine andere Möglichkeit gibt es, neben der realistischen Gegenwartsschilderung und der historisch gewandelten und gewandeten Um knrmünn. »udjsckses Schicklak »n'rrer-Tage ZN