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Der Schild · 1936-01-24 · 4 (24.1.1936) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
15 (1936)
Issue
4 (24.1.1936)
Date
1936-01-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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H ERAUSGEBER: REICHSBUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. Erednlat |«tn Freitag ed Verlag: Berlin W 16, Ka •okUlM B. V.). Ferntpr.: J 1 Bia arck 7483, I eaeehrtft: Behildkamerad. Redakl lonsechlafl: und UMrlu|t «i igebender Milder illustrierten Beilage „Ol tOO (Retehsbnad JadUeher Front- 8884. PotUcheck: Berlin 70886. Telegramm- Dienstag vor Erscheinen. Für Aufnahme lukriptn wird keine Onwtbr übernommen. Bei Nichtlleferu ig ohne Verscheiden kein Vergfltungsanspruch. Nr. 4 / IS. Jahrgang KRAf I für Sport und Jugendertüchtigung Preis M Pfeaiif Betngspreie: RU 0,65 Im U^nst zuzüglich Poetbestellgeld. Anzeigenpreis: Die lSgespnlteee Millimeter-Zelle RM 0,16. Stellenangebote und -Gesuche, Femllienankeigen RM 0,10. Anzeigen - sebluB: jeden Dienstag vor Erscheinen. Man verlange genauen Anzeigentarifl Aussigen »erwaltung: Lepa Verlag Benikl t Paknscber, Berlin W 60, Regensburger 8traSe SL I Ferntpr.: B4 Bavaria 6697. — Postscheck: Berlin ttSSR Berlin. 24. Januar 1936 Me Mnrache der Iahten Sclbftbefinnung des ist der Wedruf, der immer wieder an untere Schicksals', Abstammung«- und Glaubensgemeinschaft ergehen muß! Selbstbesinnung verlangt Besinnung auf eigene Art und auf eigene Geschichte. Nicht das unwesc itlichste Kapitel unserer Geschichte, der Geschichte her Juden in Deutschland, gehört > ein größten Ereignis der gegenwärtigen Epe che, dem Weltkrieg. Diesen geschichtlichen A tsschnitt zu vervollständigen und »in immer I eutlicheres Bild von eigener jüdischer Leistung im großen Ringen der Völker zu gewinnen, betrachtet her RjF. als «ine seiner vornehätsten Aufgaben. Denn aus der Erkenntnis eigener geschichtlicher Leistung in der Vergangenheit erwächst eitlem. Volt, einer Gemeinschaft, einer Grupp« Idie Fähigkeit zu eigener Zukuuftsgestaltung. Wenn wir immer wieder und auch in diesen Tagen unter Anführung von Zitaten aus hem Talmud von der Drückebergerei und Fahnenflucht der Juden im Weltkriege, wenn wir von Verweigerungen des Frontdienstes und von Desertion vieler tausender It den zum Feinde lesen, so kann uns, die wir ir unserem Bunde allein an 30000 jüdische ' Frontkämpfer zusammtngeschlossen sind, dies r icht abhalten, für unsere jüdischen Leser und t nter diesen nickt zuletzt für die heranwachsen! «n Generationendas Tatsackenmaterial unermüdlich zusammenzutragen und festzuhalten, da! wir unserer Gemeinschaft als unser geschichtliche« Erbe zu hinterlasien wünsckcn. Zm Zr tercsse der Selbstbesinnung, der Selbsterkei ntnis und der Selbstachtung. i Dabei haben wir nicht th c o logisch e^Gespräche und Untersuchungen m Auge, sondern die h i st o r i s ch e Arbeit, die auf die ^Gewinnung einwandfreier Tatsichen abzielt. Nur nach'diesen Tatsachen möge: künftige jüdische Geschlechter di« jüdische Fr> ntgeneration! von 1914/18 und den lebendige:, unvergänglichen Geist jüdischen Heroismus' beurteilen. Rach der Volkszählung vo« 1910 lebten 618 000 Juden in Deutschland. Hiervon find ea. 70 000 Zudeu als ÄuSläuder qbzurechnen, die für de» Krie, sdienst im scheu Heer nicht i« Frage kamen. als auf dem Felde der Ehr« gebllebeu festgestellt. Rund 200 Zudeu Ware» (auf Grund freiwilliger Meldung) bei der Fliegerwaffe; hier»«» find 80 festgestellt, die den Fltegertod starbeu. Eia uachgewiesener Fall vou Fahnenflucht oder Desertion, worauf «ach Kriegsrecht der Tod gestand«« Hütte, ist uns nicht dekaaut geworden .... geschweige denn tausende. Wo immer incher Welt Völker oder Gemeinschaften mit Stolz an eine ruhmvolle Vergangenheit erinnern, wo immer in der Welt einstige Frontsoldaten zusammentrrffen, um das gemeinsame Kriegserlebnis einander zu bekräftigen, wo immer in der Welt Frontkämpfer, die einst in Ehren gegeneinander gefochten. heute einander in Ehren die Hände reichen —: dort kann und wird man den nicht minder ehrenvollen jüdischen Anteil an Blutopfer und Heroismus nicht übersehen. Denn es soll das tiefe Ethos der reinen Frontidee, de« eckten Kameradschaftsgeistes sein, daß jeder, der an diesem Erleben teil hat, die Ehre des anderen bedingungslos respektiert; der Frontgedanke, di« Frontbewegung umfassen alle ausnahmslos, die lange, harte Jahre hindurch täglich und stündlich ihr Leben für ein Höheres vreisgegeben hgben. Die Forderung der Frontsoldaten an alle Völker der Erde ist vor allem: heilige Ehrfurcht vor allen denen, die im Felde geblichen sind! Rund 100 000 Zudeu »tareu zum Militürdieust etugezogeu, daviu ea. 80 009 an der Front: im Heer, bei der Marin«, bei der Schutztrupp«. ( Laut Gefalleueu Gedei Ebuch des RfF. (uächgeprüst 1934 vom Retchsmiuistertum des Zuueru) find »iudesteuS 12000 auf de» Feld« der Ehre gebu 900 Zudeu erWlte« daS (£Jt h 17 000 das CJLIL Insgesamt käme« ea. 35 000 Kriegsauszeichnungen ar f Zudeu. ES find ca. 23 000 Jude« beförder t worden; hiervon über 2000 zu« Offizier; vo» diese« allein find 322 (16,1 vH.) ge alle«. Do« 1887 jüdische« SanitätSoffizie e» fi»d allei» 188 3« rode üünio «eoto V- . MxMM bterju M » Ml» t Denn der Einsatz des Lebens ist der höchste, den der Mensch zu vergeben hat. In diesem Satz ist das Kriterium der moraliscken Bedeutung enthalten, die unserer ständigen geschichtlichen Arbeit über die Juden Deutschlands im Weltkriege innewohnt. Ilm zu diesem Thema «inen neuen Gesichtspunkt zu gewinnen, haben wir »ine Reihe von Einzelmeldungen über die Kriegsbeteiligung jüdischer Familien zu einer Zusammenstellung vereinigt. Teils sind es unveröffentlichte Zuschriften, teils solche, die, über Monate verstreut, einzeln im „Schild" erschienen find. Erst in der Zusammenstellung gewinnen sie die Bedeutung eines wesentlichen Beitrages zu unserem Thema. Wenn wir diese Zusammenstellung über den Frontdienst-Anteil kinderreicher jüdischer Familien nachstehend der Öffentlichkeit übergeben, so sei vorweg bemerkt, daß eS sich hier tri tu«- falls um eine vollständige Statistik bandelt. Wir haben (waS auch bei dem zeitlichen Abstand nicht mehr möglich wäre) kein« eigenen Erhebungen zur Gewinnung eines vollzähligen Materials unternommen, sondern nur Meldungen, wie sie unS ohne unser Zutun jeweils erreichten, miteinander vereinigt. Gerade darum aber kann man aus unserer Veröffentlichung wesentliche Rüdschlüfir auf den Geist deS Judentums während des Weltkrieges ziehen; denn wenn schon das zufällig an uns gelangte Rachrichtenmaterial Über de« Kriegsanteil und di« Verlust« kinderreicher jüdischer Häuser sich so darstellt, wie es hier der Fäll ist, so kann über die Gesamthaltung der deutschen Juden im Weltkrieg« wahrlich kein Zweifel, obwalten. Eine andere Lüde in unseren Unterlagen besteht darin, daß bei manchen Familien nur die einfach« Angabe vorliegt, wieviel Söhne sie für den Frontdienst gestellt hatten, nicht aber nähert Einzelangaben über Verluste usw. Zunächst sei eine Aufstellung derjenigen Familien wiedergegeben, bei denen diese Angaben vorliegen: Fünf Brüder an der Front: Lomnitzer (Derne) Vertust« 2 f Wertheimer (Kardheim) . 2 Stein (Bremen) . -i Rosenfeld (Stadthagen) „ - 2 Lustig (Kr. Ratiborj I £*6 (jetzt Baltimore) „ 3 Daer (Rodalben) . I *■-. Sechs Brüder an der Front: tRofcntaum (Schleiden) Verluste 2 Schwarz (Kochkirchen) . I Kaiser (Wittenberge) . t Oppenheim (Niederaula) , 2 Sieben Brüder an der Front: ttzuttmann (Deuthen O.-S.) Verluste I Liebmann (Kr. Wetzlar) „ I Schlösser (Ahaus e. W.) . t sshaskel (Berlin) . I Levi (Afsaltrack bei Keilbronn) . I FFesem (Burgbroh Rbld.) „ I Das Ergebnis dieser Aufstellung ist: 17 jüdische Mütter stellten 101 Frontsoldaten. Bon diesen 101 jüdischen Frontsoldaten sind 2S gefallen. Nicht berücksichtigt hierbei ist ein fünfter Sohn der Familie Kaiser (Wittenberge), der > nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft an einer schweren Krankheit starb, die er sich dort zugezoqen hatte. Diese List« ist zu ergänzen durch jene uns vorliegenden Meldungen, bei denen 5 Brüder und mehr lediglich als Frontkämpfer ausgewiesen, nähere Angaben über Verluste usw. uns jedoch nicht gemacht sind. Es sind dies: Mit fünf Söhnen: Familie Wassermann (Ermreuitb) Familie Zacobsobn (Marwitz), und «it sechs Söhnen: Familien < bäum (Oehi Familien Evhraimsohn (Strehlitz), Buchs- Hringen-Witt Vielleicht wird mancher Leser, der sich mit dem Studium des Weltkrieges unter dem Ge- * sichtspunkt jüdischer Geschichtsschreibung bisher weniger befaßt hat, durch diese Ziffern einen Begriff bekommen, welch außerordentliche und einschneidende Rolle der Weltkrieg auch in der Geschichte der Juden in Deutschland spielt. -- Gewiß wird die Zahl der jüdischen Familien, die fünf und mehr Söhne für den Frontdienst stellten, beträchtlich größer sein, wenn die Möglichkeit einer umfassenden Erhebung bestände. Aber schon die hier geborenen Ziffern werfen, sehr eindrudsvoll, ein klares Licht auf Schicksal und Haltung der Juden Deutschlands im Weltkriege. Ein Licht, vor welchem Verdunkelungen -nicht standhalten. E« ist nur ein Teilausschnitt aus dem Schidsal der mindestcns 12000 jüdischen Mütter und V ä t e r, die ihr Fleisch und Blut Hingaben, oftmals den einzigen Sohn, die Stütze des Alters. Es ist eine mahnend« Erinnerung auch an di« Ehefrauen, di^unter den 12000 gefallenen Juden die Lieb« ihrer Jugend, den Ernährer und den Vater ihrer Kinder beweinend In das Leben vieler von ihnen, jüdischer Kriegercltezn, Kricgerwinven, Kriegerwaisesi, in Großstadt und Kleinstadt, .hat das Schicksal mit harter Hand wiederum eingegriffcn. Viele von ihnen sind in der Welt verstreut, nähmen den Lebenskampf in späten Jahren von neuem in fernen Landen auf oder suchen dort als junge Menschen sich' eine Zukunft zu zimmern, die des gefallenen Vaters würdig ist. Viele andere aber, die aus dem Felde, oft mit zerschossenen Gliedern, heimkehren duften oder als Eltern, Frauen, Kinder ihren Beschützer auf den Schlachtfeldern^ des Weltkrieges» ließen, stehen im harten Eristenzkampf in dem Lande ihrer Geburt, für das sse damals gestritten oder geopfert. Sie alle haben rin Recht, daß ihr Opfer nicht vergessen werde. Auch als Juden haben sie Anteil an der Ehre, die die Welt solchem Opfer »zollt. Sie haben einen Anspruch, baß das Gedenken dieses jüdischen Kämpfens und Opfern« in der Geschichte der Juden Deutschlands hochgehalten und verewigt wird. And daß unsere Gemeinschaft, von deren Blut und Geist sie sind), nicht nur mit Worten, sondern in opferbereiter Tat dem leuchtenden Beispiel folge, das sie uns gegeben. ittbg.). Leymann (Gelftnkirchen), Wertbeimer (Altdorf i. D.), Stiefel (Birklar), «it sieben Söhnen: j Familien Lang (Worms), Rödelsheimer (Baisingen), Frank (Neckarbischofsheim), «it acht Söhnen: Familie Bensinger (Billingen), mit zehn Söhnen: Familie Baum (Schrimm-Posen). Faßt man dies« Liste "mit der ersten Aufstellung zusammen, so ergibt sich: 29 jüdische Mütter stellten dem Vaterlands ISO Frontsoldaten.! Spendet , j unferen Kriegsopfern! j ÜIBarweiJungan arBaten auf j j ~ Poftf(£tdi6onto> Berfin 14o2Ö& \ j RaidssBundfüd. TrontfoBdatan 1. (KriagsopfaraBtaifung) r daran a. P. | mg) J Meeeeeseeeeeeeee—s— >d-

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