Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 3 (17.1.1936)
- Date
- 1936-01-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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H ERAUSCiEBER: REICHSBUND DÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. ErasMat Jodai Freitag MAMni Md Verlag: Berlin •oUMm B. V.). hnupr,: J l Bl aneattftft: 8eh0dkaaierad. Redaklk •ad Blekaaoduag unverlangt Bel Nielitllefenuii Mit der illustrierten Beilege WDI U, Kurftrsteodamm 200 (Relehatmnd Jodbeber Ftontlama^dk 7483,8888,8884. Postscheck: Berlin 70888. TehgrammnsachluB: Jeden Dienstag vor Erscheinen. Für Aufnahme eingehender Manuskript« wird keine Qewlhr aberoomnjea. ohne Verschulden kein Vergatungssnspruch. Rr. 3 / 15. Jahrgang i »Für dir Juden in Deutschland bedeutet die gesetzliche Absonderung auch gesetzlichen Schutz. Sje werden künftig im deutschen Staatsraum innerhalb der Grenzen, die ihnen d rr Staat gezogen hat, nach ihrer Art leben kör nen." Dieser ■ Satz entstammt dem Abschnitt , Die Judenfrage" aus dem Kommentar zu dn Nürnberger Gesetzen von Loesener-Knost, i ibcr den wir in der vorigen Nummer des .Schild" aus Seit« 3 berichtet haben. Wir zil ieren diesen Satz heute, weil gerade sein Jnlalt von unserem jüdischen Standort aus be andere B<- ivertung verdient. Die Grenzen unseres Lebensraums zieht der Staat und sei i Gesetz; die Art. wie wir innerhalb dieser Grützen leben, soll sich nach uns. nach unserer jk bischen Art. bestimmen. Diese Eigen-Att ist twas innerbalb der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland geschichtlich Gewordenes und (Gewachsenes. Neben manchem anderen hat das Grieben de« Weltkrieges — dieses zentralen his arischen Ereignisses unserer Epoche — auf uns er« Entwicklung, unsere eigenständige Laltung starken Einfluß gehabt; insbesondere bei jen m bettächtlichen Teil unserer Gemeinschaft, di r im Frontdienst unmittelbar durch dieses (Erlebnis gegangen ist» bei der Frontgenerattot. Die jüdische Frontgeneration in Deutschland bat schon frühzeitig -- früher als viele andere Gruppen — ihr Bekenntnis zu jüdischer Verpflichtung und Verantwortung a gelegt. Sie tat es (soweit sie damals schon ein« solch« Verpflichtung erkannte) bereits im Zaire 1919 mit der Gründung des Reichsbund s jüdischer Frontsoldaten. Er ist seitdem die 2 erkörperung der Laltung, der Träger der Ve> »egung, die vom Fronterlebnis ausgegangen ist. im jüdischen Raum. Ost ist diese Laltunc im Judentum selbst auf Unverständnis t der ünterschätzuug gestoßen. And vielleicht l estehen hier Zusammenhänge mit einer Entwicklung, die schließlich in die heutige, so gänzlic! i veränderte Lage der Juden in Deutschland h neingeführt hat, wie sie der eingangs zitierte S itz aus dem Loesener-Knostschen Kommentar kernzeichnet. Doch es ist heute nicht die Z it zu einer .ttvspektiven Untersuchung. Nicht! di« Vergangenheit, sondern die Tatsachen der Gegenwart verlangen unsere volle Austmrksamkeit. Seit 1833 mußte es für jeden klarblickenden Juden «kennbar sein, daß die Schis salsgemein-. schaft des Judentums eine durch den historischen Ablauf geschaffen« Tatsache war, tu r sich keiner entzieh«« konnte. Immer wieder h« 1 der RjF. - und nicht zuletzt durch sein Butt «sorgan — dazu aufgerufen, aus eigenem Wolle'. aus einer Geschlossenheit des gemeinsamen S< -icksals und der gemeinsamen Erkenntnis di« K msrquenzen zu Athen. Aus zahlreichen Ausfül «ungen im .Schild" nur einige wenige Hera tsgegriffene Zitate: Am 27. Juli 1834 schrieb« wir: »Kameradschast heißt das Losungswort des RjF., in de« chgene«. Reihen wie für las deutsche Judentum!" und erklärten, daß »K< meradschast der Ent der wahre und möglich, l tzbensinhast des deutsches Judentums sein such'. Ans dem .Schüd" vom 5. September 1935 greifen wir nur folgenden Satz heraus: »Aut Schicksals- *• für Sport-und Jugendertüchtigung ♦ / Bezugspreis: RU 0,58 fan Monet zuzüglich Poetbeetellki MUlimetef-Zell« RM 0,16. Stellenangebote und -Gesuch aohlufl: Jeden Dienstag vor Erscheinen. Man verlai Verwaltung: Bepa-Verlag Renski t PakuScher, Fernspr.: B 4 Bavaria 6607. — Poatdebi «1* Berl Preis 20 PftBili eld. Anzeigenpreis: Die ISgespeltaae Famlllenanzeigen RM 0,10. Anzeigen genauen Anzeigen tarlfl « steig sn lln W 60, Regensburger ^StraBe U. eck: Berlin 82829. - Berlin, 17. Januar 1936 Sie Lrontveneratwn spricht Unjere Haltung — Unjere Aufgabe — Unjere Forderung ♦ ♦ ♦ deiun Gefährten, die einem von außen entgegengep menen Geschick hilflos zu erliegen drohen, den dann 500 000 Schicksals-Kameraden, t stolzen und festen Gemeinschaftsbewußtseil, Bewußtsein, daß Einer für Alle untk All! Einen einstehen, sich unbeirrbar, tapfer und ihrem Lose gewachsen wissen." Der Reichsbund jüdischer Fronksvlh brauchte, als am 15. September die neue jüdischen Seins in Nürnberg gewiesen w seine grundsätzlich« Laltung und Fori wie sie schon in seinem Gründungsaufruf 1919 hörbar ward, nicht zu ändern. Er I am 20. September 1935 feststellen: »Ni« sich Kameradentteue mehr zu bewähren den Aufgaben, die Gegenwatt und Zukunft stellen. Nie war die Derwirllichung Bundesidee eine zwingendere Notwend :ald nun!" Und im »Schild" vom 25. Ost! 193.0 bezeichnet«» wir als unser Ziel: i „WesenSeigene Selbstbehaupt deutschen Judentums durch süllung des Gemeinschaft! dankens." Nichts andere« besagt der eingangs zitierte des Kommentar«, -aß die Juden künftig halb der vom Staat gezogenen Grenzen!ihrer Att leben können".- omwerim >, im für tteu aten üben« «de, 8von ynnte hat vor uns Läufig und di« in die jüngst« Zeit hinein ist hie Laltung des RjF. — unbewußt oder wohl manchmal beabsichtigt — als ein« jüdischen Sinne) politische mißversta aden ordert. Tatsächlich liegt unserer Arbeit ielsetzung kein Programm, das sich in pplittsonerer gkeit ober ung Srgrill! Satz nernach auch (im und »estnr ung. und durch it erwacht >r di, pasche Kategorien rinordnen ließ«, zugrunde, dern «ine menschliche Laltung, eine Gesiw di« ttef im jüdischen Erbgut verankett und da« Frontrrlebnis zu neuer Bewußtheit ist. ünsere Laltung sttebt gerade über di, lirische Eben«, der naturgemäß die Auseinatdersetzung (Auseinander » Setzung der Geister, der Richtungen) eigen ist, hinaus zur Überpolitischen Jvee der Gesamtverpflichmng hin. Wir selbst sind ihr im eigentn Bereich unseres Bundes Zett seines Best« hens unverbrüchlich tteu geblieben; unsere Arbeit ist sttts der Gesamtheit der jüdischen Fronts, ldaten, ohne Rücksicht auf die Bundeszugeh Irigkeit des einzelnen, zugute gckommen; und niemals haben wir in unseren Reihen einen : Nrinungszwang ausgeübt, wir haben jeden, der nach seiner soldatischen Vergangenheit zu uns gehött, stets in unseren Rechen begrüßt und niemanden wegen seiner »Richtung" arsgeschloffen. Wir tteiben bei keinem Kamertden Gesinnungsschnüffelei oder Gewissensforsch ang,' wenn wir verlangen, daß unser Bund im Gleichschritt marschiert, d.h. im Rhythmus der menschlichen Laltung, di« sich aus Wesen des RjF. ergibt. Diese unsere eigenen Grundsätze aber ftt tben wir, auf di« jüdisch« Gemeinschaft erweitert zu sehen und zu einem wesenüicheu Bestan Xell jener Mischen Art zu mache«, nach der wir innerhalb der gesetzlichen Grenzen lebe« solle« / dem und werden. Es ist nicht »Organisations-Egoismus", sondern unsere Überzeugung von den gesamtjüdischen Notwendigkeiten der Zukunft, wenn wir Erneut die Forderung nach weit stärkerer Beteiligung der Frontgeneration an allem jüdischen Leben in Deutschland aussprechen, als ihr bisher zuteil geworden ist. Der Frontgeneration, deren Repräsentanz der RjF. ist, kommt eine ungleich stärker führende Rolle als bishtt zu. Soweit man sich in der Welt um-., blickt, ist es das Kennzeichen unserer Epoche,, daß Völler, Nationen, Gemeinschaften sich unter dir Führung der Frontkämpfer-Generation stellen. Ein Blick auf unsere jüdische Gemeinschaft und ihre zentralen^wie örtlichen Instanzen beweist die Diskrepanz, di« hier immer noch besteht. Nicht kleinlicher Ehrgeiz veranlaßt uns zu diesem Linweis, sondern.die Legitimation, die wir jüdischen Frontsodaten darin erblicken, daß wir die größte und schwerste Prob« der Bewährung bereits abgelegt haben — im Feuer des Weltkriegs. Ünd gerade weil unsere jüdische Gemeinschaft eine harte Zukunst und schwierigste Aufgaben noch vor sich sieht, könnte sie es nicht verantwotten, diese bewähttesten Kräfte nicht voll auszunutzen. Man sollte es willkommen heißen, daß der RjF. sich nicht in einem »irrigen Traditionsgefühl" auf die- Bärenhaut"eines Veteranenvereins zurückzieht, sondern zur Verantwortungsfreudigkeit bekennt! Es gibt kein« inper- oder außerjüdischen politischen Argument«, die unseren Forderungen objekiv entgrgenstehen. Sie könnten vielmehr nur ein durchsichtig« Vorwand für eine persönliche Antipathie der Betteffenden gegen jene Laltung sein, die man als soldatischen Geist bezeichnet,, und die ebenso auf eine alte und große Tradition im Judentum zurückblicken kan«, wie sie für die Bewältigung der Zukunstsaufgaben urserläßlich ist. Wir möchten annehmen, daß man diese sehr ernst gemeinten und fundjetten Linweise auf die Willensbildung der Frontgeneration auch im Zionismus Deutschlands nicht überhören wird, wenn vom 2. his zum 4. Februar 1936 in Berlin di« Delegietten-Tagung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland stattfindtt. In einer längeren programmatischen Erklärung ihres Geschäftsführenden Ausschusses ist u. a. zum Ausdruck gekommen, daß die Zionistische Vereinigung ihrer Überzeugung nach di« gesamtjüdischen Notwendigkeiten unserer Tage am llarsten erkenne, daß sie di« Kraft besitz«, di« sich aus chnen ergebenden Ausgaben zu bewältigen. »Weniger als je kann sie sich heute auf di« Betreuung einzelner SMgebiet« der jüdischen Arbeit in Dttitschland beschränken; es ist unerläßlich, daß! sie'in allen zenttalen und ött-. liehen Körperschaften, di« den Gesamtplan dieser Arbeftbestimmen, di« Führung hat." Wenn der RjF. mit unseren obigen Ausführungen di« wohlbegründet«' Forderung der Frontgeneralion, erneut zum Ausdruck gebracht hat, so ist aus dem Gesagten klar erkvmtlich, daß wir für uns kein Primat versor dl langen, rücksichtigust> soldaten i bestes der das V) Kräfte w dern vord schlechthin unsere, di deren Bcd und vor übersehen ern nur die selbstverständliche Deg, wie sie der Stellung der Frontnpcrhalb einer Gemeinschaft als mint. Es scheint uns in eingr Zeit, in ort von der Zusammenfassung aller it klich nicht Schlagwor» bleiben, sonr «gliche Realität werden muß, unvorstellbar, daß der Zionismus jüdische Frontsoldatenbewegung, utung im Judentum ziffernmäßig allem moralisch sichtbar genug ist, zu i nstande wäre. " entscheid schehcn, prüften Geprägt maligen Gewiß ein hohes fernere Ech ist, nachde! it bis hierher tung beig gen und Gesehen is -gänge und den, und mentar vo i den überze t< sten Wide s Nürnberg« r st zu verstehen, daß der Zionismus Maß von Verantwortung für di« rwicklung auf sich zu nehmen bereit1 ihm für den Gang der Entwicklung bereits eine weitgehende Verantworejncsscn worden ist; in den Außeruneffekommentaren zu den Nürnberg« ja vielfach auf zionistische Gedanken- Forderungen Bezug genommen worder hier wiederholt zitiette Kom- Loesener-Knost meint: »Gerade von gten Zionisten ist deshalb am wcnigpruch gegen die Grundgedanken d« Gesetze erhoben worden ..." Trl euch Allein »Eine ,na Völlettech « fteilich rin Staat eines besti solange eit l als es gibt. . eine völlisi im völlettl noc) nac) Decwi Paläft scheint, von der Al« Lei brennender Wett unterschätzt in dieser allttdings, Mittel n 9i sov 4 nmten tna als jüdischer Staat allen zuverlässigen Informationen, irklichung gerade jetzt weit entfernt, st ä t t e hat es im, Rahmen der Auswand^rungsftage seinen hohen iesen. Wir haben diesen niemals haben di« Leistung des Zionismus ichtung rückhaltlos anerkannt, wisse» daß auch nichtzionistisch« Kräfte und « di« Zeitverhältnisse der Entwicb Ter inntre Befehl, unter dem wir im RjF angetrett n. würde es uns nicht gestatten, den etn aigen „Totalttätsanspruch" einer rinzrlnet indischen.Gruppe oder Richtung als für ms verbindlich anzuerkennen. Bet der Erfüllung des jüdischen Raums mit echter jüdischer Art und wirklichem Eigenwert wird das soldatische Element als mttbestimmend nicht sch len dürfen; dies kann nur durch dir mde Mitarbeit von Männern gedie für die Frontgeneratton r e- 11 a t i» sind, weil ihr Denken und Empfinden sich an fraulsoldattscher WesenSatt aus ichtet; von Männern, in denen wir lllottführer erblicken, weil bejahtes imd den ußtes Soldatentum ineins mit gläu-.. big bekasnntem Judentum in ihttm geisttaen b e st i m m e n d ist. Nur solche ehe- Frontkämpfer deren Persönlichkeit noch hiute primär Ausdruck sokdattscher Grundh tttung ist, können im jüdischen Le» h) den als Bertteter unserer Sach« gelten. heißt in dirftm Kommentar auch: ionale Minderheit' im Sinne des werden sie (die Juden) dadurch . Denn zu einer Natton gehött auch als dis äußere Erscheinungsform t Dollstum«. Es wird daher Natton noch nicht geben, nicht finen jüdischen Kennalsstaat )ie Juden sind also in Deutschland Minderheit, nicht eine nationale ^chtlichen Sinne."