Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 2 (10.1.1936)
- Date
- 1936-01-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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H ERAUSGEBER: REICHSBUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. jlill Freitai | Mit der Illustrierten Beilage «(DIE iKRAF I ** für Sport und Jugendertüchtigung 8ctilItWta| and Verlag: Berll i W 15, Kurfara tendamm 100 (Reiehablnd Jadlseher Front- HHBBBHHB Bezagtprck: Rll 0,55 im Uonat luzQglicb Poatbettelj •oldsten K. V,), Fnrnapr.: J 1 Bis urok 7433,8863,8884. Postscheck: Berlin 70885. Telegramm-. Millimeter-Zeile HM 0,10. Stellenangebote und CIesuc anschrift: 8ehDdkainerad. Redak tionascblaB: Joden Dienstag vor Erscheinen. Für Aufnahme aal aehlyS: Jeden Dienstag vor Erscheinen. Man ve and Rücksendung unverlangt eingehender Manuskripte wird keine Qewthr Übernommen. IBla I Verwaltung: Bepa-Verlag Renski t Pakuscber, Bei NichtDeferi ng ohne Verschulden kein VergUtungsanspruch. > |] | |v | Fernspr.: B4 Bavaria 6697. — Po: Nr. 2 / 15. Jahrgang Igeid. Anzeigenpreis: Die 12gespaltene, Familienanzeigeu RM 0,10. Anseigen genauen Anzeigentarif! AnMlgen- Hbrlin W 50, Regensburger StraBe 21. 1 Scheck: Berlin 82529. la ige i am Menschen - der «Sache 3 heutige indische Organisation- und Verwattungswesen von längerer Seiht aus! * - D. Sdir. v Wir glauben du Sem Beitragi der einen Appell an , darsfellf, die A ilnabme nldif verweigern zu sollen 3m jtjflf der groben geistigen Strömungen der Zeit Kai die früher gültige Arbeiträufsaslung eine Wandlung erfahren: Der Berdiensi gilt heute nicht mehr [fo ausschließlich als Nechtfertigung und Matzttab der T«igleil. Es hat sich vielmehr eine Arbeitseimiel lung bemerkbarer ausgebreitel. der die Üetll u n g a n sich mehr bedeutet als der gkld liche Erfolg: eine neue, vorteilsgelüstere Sinngebung der Arbeit, die ein« überaus kgnn zeichnend« Forderung der 1-teit an jeden Einzelnen darstellt, im besonderen an! die jüdischen Menschen umd an die In's selbständige Leben tretende jüdische 3 u gend. j Was iil nun aber anstelle der Erwerbs oder Vennögensvorstellung ttls Ziel «mezweckfreieren Arbeitens getreten, welcher Motor treibt zum vollen persönlichen Einsatz, welches Wunschbild weckt die Eindringlichkeit und sichert die Stetigkeit der Tätigkeit? Es gefügt ja nicht der verschwommene, jaugenblicksbefan gene Anlauf, statt für sich selbst zu arbeiten, für „etwas an sich" zu „wirken". Jedes Gefühl letzt sich! ja erst durch «ine t.are. konkret i beinhaltete! Vorstellung in Tatm um: Für die» Wirklichkeit ist der Gegenstar d. das praktjsche Teilgebiet entscheidend, für lias geleistet ltnb wie es geleistet wird. I Es gibt zahllose Dinge, die auf Einsatz Worten. die!in dieser deit der Not und der Verwirrung geradezu rufen, lick ihrer anzuneh men. Welchem besonderen B< dürftigkeitsgebiet wir uns zuwenden und wie wir es tätig!>uareifen, 'ist eine Frage uns, rer Wahl, auch heute nhch. ja. gerade heul : Die Möglichkeit zu einer solchen Auswahl ist eine der wenigen Gelegenheiten, wo ler Einzelne »och als Einzelner entscheiden kat tt und sich des halb sehr verantwortungsbechntzt entscheiden sollte, s Die Zeitströmung mäch ig. weil unmerk lich in allem, auch im Ethi chen und Utfdewutzten wirkend droht d, n Einzelnen jder Freiheit seiner moralischen Unmittelbarkeit seiner Herzen rauben, ihn gleichsam sich will, dem Mensch n als Einzelnen oder Men lchen in einer gruppenmätzigen Zusammen fassung. In der nicht t uszählbaren Vielfalt der Wir kungs- und Widmungsmöglichkeilen sind indes zwei grund ätzlich verschiedene Zielsetzungen, zwei gegen iätzliche ArdeitshaNdhabungen vor unsere Ent cheidung gestellt: Dienst am Menschen od, r Dienst an der Hach«, sei diese Lache nun eine Idee oder mehr eine privat amtsmäbi ze Verrichtung. Gerade die letztere rechtfertigt sich so,leicht vor lick selbst und vor den v»n ihr .betreuten" mit dem Ideellen, mit dtm so häufig weit übertriebenen Vorwand des sozialen „Ganzen" dem letzten Endes d ich Tun oder Unterlassen in den jeweiligen < inzelentscheidungen gelte, womit denn eben die ganz unzureichende Beachtung und die Nichtwürdigung der Einzelnen nach Gehalt und Ton ihre Erklärung finde. Die Unentweg lheit in der Durchfechtung der Lache droht dass Mitmenschliche völlig auszuschalten. die Gebanntheit an die lachhaltige Z i e l f e r n e di oht die persönliche, einzelmrnschjiche Verwirklichungsverpflichtung in der Nähe aufzuhelen — dabei ist immer di« Näh« und das ,erade Aufgegebene der Prüf stein für Können. Gesinnung und Bewährung und nicht die ' ferne, die einen so billigen, weil bequemen Porwand für Versagungen und bietet. für Versagen ' über Matz und Art der Beziehungsfähigleit untereinander, sowohl über die Neibungsloiig keit und Wohlgeneigtheit des gegenseitigen Verhaltens oder aber über’ den erbitterten, erschwerten resp. völlig abgerissenen Äontatt. Jeder Tag bietet zahllose, wiederkebrenbe Begegnungen, die zeigen, wie die kaltherzige, fach-überbotene oder gar verdeckt herrichsüchtige Handhabung von» arbeits oder privatamtsmätzigen Verrichtungen in den Einzelnen Konfliktsherde bildet und Kontaktspannungen jjfilebtn lätzt, die alle Abstufungen ausweisen Jon emer nur vorübergehenden Erregung über nervöse Angst- und Hemmungsvorbereitschaften bis zur nachhaltigen, »sich über alle anderen Lebens- und Erlebenskreise ausbreilenden Läh mung und Depression." Gerade der jüdische Mensch unb jüdische Menschen untereinander sollten sich verpflichtet fühlen — möchten wir wünschen zu ihrem Teil beizulragen. damit diese bis her nicht genügend gewürdigte Ouxlle der Daseinsverzerrung versickert, und Lorge tra gen. datz ihr Verhalten wenigstens diese!Ir kache der allgemeinen' Gereiztheit imd >ber heutigen Neurosenfülle mindert. K»n-> Schemnunn I PtbI« 20 Pfsinig Berlin. 10. Januar 1936; I Damals 1914/18: llnbtrditodim, Pflicht» 11011)46(11110 hilfsbereit“ Die letzte Rihestätte . - verschütteten UnterstanK... L, itf * Gesallenen-Gedeakbnch fiel Egon > m a n-n. «eb. 12. 3. 1883 in Kreslan, 3«f-* am N« al» Ne« 28. den Bri» llnieroffizier bei der 5. Komp.. I 98. fVerkustmeldung^Nr. 739» Dezember 1916. lieber den Menschen. Soldaten, den I »den gibt folgender „Gern ich bere Januar dantaligtr Angehör mann; lieben richt zu seines m entspreche ls mit mein ntgegenzukoimnen Brief entspranj gen u^jeres tücbi i sagend wie tief Zfameraden uns geben von den cheldenlodes. sprang der Tat in einer Periode. geworfen» Frage nach dem der Art des einzel-. gruppen Wahl und der .regungen zu deelbst zu stehlen, ir die hier aus- Gegenstand und oder auch amts ähnlich-privaten Arbeitseinfates zu gelten. In ihfen Aeutzerungen sä meichelt sich die Zeitmeinhng nicht, sachlich zu sein. Sie bejaht vielmehr die Leidenschaftlichk üt ihres Verhalten». wo immer es auch sei. und lieht darin Ihre Grütze und ihre Kraft: ja. sie wirft ihre gefühlsvralle Wucht im besonderen auf die Verfechtung der Lache, wohl als Ersatz für die verhinderte Sachlichkeit. In der Tat: Es ist ei i Mar sch z!u r Lache, den wir erleben und in dessen sko lonnen wir zusehends alle li<> einreihen sehen: Mann für Mann, aber aud > Frau für Frau und Berufe, deren Wesen t nd Wert gerade nicht die Lache im Sinne d,s Abstrakten und de» Unpersönlichen ist. Wir meinen hier, mit dem Worte „Lache" jene unpersönliche Arbeitsausrichtung, der dts Lach-Zf«I alle», der Weg und die Opfer dahin nichts oder doch nur sehr minder » bedeuten, eine Haltung, die gerade dort mm Schaden und nicht selten zum Widersint wird, wo da» Arbeitsgebiet wahrhafter od tr doch eben vorjgegrbenerweis« dem Lebendigen g»lten Wir leben in die sich dem uni «fangenen Empfinden alseine Inflation der Sach Gesinnung darstellt. Wäb rend wir die Slsebung der .feit zu einer ent selbsteteren Arbeitsgekinnung tief bejahen, will uns die überspitzte Lacheinltellung als «ine ernste Gefahr > nd wahrhaft beklagenswert erscheinen, jeden alls, soweit Juden ihr ver fallen. Lo stark wir uns den Juden gerade in seiner Auffassung vom Arbeiten als einen Zeugen des Zeitgentätzen wünschen, drängt es uns, ihn in der Wahl und Art seines Ar beitseinfatzes vqr dem kalten. Menschlich abgewandten LachfRausch zu warnen. Der jüdische Mensch spllte sich vielmehr in dieser Frage als Erbe einer sehr verpflichtenden seelischen Ueberlieferung erleben: er sollte sich als Träger, als einen bescheidenen aber treuen Hüter des Naheliegenden und Persönlichen, des Menschlichen! und Einzelnen empfinden und als solcher bewahren: Wahl und Art seiner Tätigkeit oder seiner Widmung sollten von seinem jederzeit gegenwärtigen Wissen geleitet sein, datz gerade der Einzelne und das Menschliche ihrer sorgsamen Pflege und des Bewutztleins ihrer Zufluchtsmüglichkeit bedürfen, dainit das Ganze überhaupt als ein Ganzes bestehen kann, damit es als ein Organismus atmz und nicht blotz als eine Organisation funktioniere. des Kompagnie d: I , ihrer» Anrknnft: 4. II. 17. rem 'Wunsche, dem Brief von Anfang versucht habe. Mein dent Drange, den gen. tapferen Neu der Verlust dieses gletroffen kmt, Nachngheren Umständen Am 2 i. XII. morgens Ö Uhr. begann bff3~- englische Trommelfeuer auf unsere Stellung. Gegen Uhr wurde mir gemeldet, datz ein Mann worden 'Ott der 5. Kompagnie verschüttet ei. Ich eilte mit einem Krankenträger an die! lnglücksjtelle. Von der anderen Leite l. O. Neumann > über Trichter und meterties-n Schlamm -hinweg auf mich zu. um mir zu Helsen. Ich dankheihm herzlichbat ihn aber wieder in seineit Stollen zu gehen, da ich i icht möch mehr Leute den Gefahren des unu iterbrochenen schweren Artilleriefeuers aussetzen wollte. Ungern ^gehorchte Neumann meinein Befehl: es war »as letzte Mal, .datz ich ihn sah, und so wie er immer war: litte t i (i x o d f tt, vfliä, tbewutzt und hilfsbereit. Nach hngefähr > z Stunde Hallen u ir den Verschütteten ausgegraben, un verwund t. gotilob: der arme Kerl hatte in all' sein in Unglück noch! viel lüd gehabt, o'eurtr 1 12 oder 12 Uhr wird mir gemeldet, datz ein UntersiaNd der S. Kompagnie durch Volllres er einaeitürzt sei.' Als ich an der Unglucksita le. atuam, arbeiteten die Leute chir berbail ttt dem Auf räumten. Mit tiefem Be kem Beijaurrn erfahre ich.!datz 6 Mann un r tt liegen, darunter auch t e r de tu nt nt e i lieg' unser Ntumann.- Eine gronkalibrige Granate halte d.n Teil des Stolieirs-^eingedrückt. in dem Ne tmann mit einem Feldwebel und 4 anderen Kameraden in diesem Augenblick satzs die Sto lendretler waren geborsten, .das Erd reich na< gesunken. Der Tod-Her Braven mutz sofort eitgetrelen sein. Trotz dieser Gewitzheit lieh ich i n beiden Seiten die'Netlungsarbeiten forlsetzei! selbst auf..die Gefahr hin. datz wir alle in dem bereits, beschädigten Unterstand durch eii en zweilen Treffer begraben werden tonnten. Alle arbeiteten mit jenem Eifer, den der Ged tnke eingad, liebe tapfere Kameraden vielleicht doch noch retlen zu können. Es ge lang ab, r nur. einigt Leichen zu bergen: die Die hier aufgeworfene Entscheidung jwtlckh'n dem Dienst am Menschen oder dem Dienst an der Sach« betrifft heute mehr denn jemals früher fast ausnahmslos jeden — sei es äls Betroffenen oder als Ausübenden —: denn di« Dergesellschajftung aller Lebensvorgänge mittels eingeschalteter Organisationen greift im mer weiter um sich. Wie dieser private Mechanismus funktiontert. wie er von jxnen ßehandhabt wird, die ihn bedienen, wte er von denen empfunden wird, die ihm uuterliegtn. entscheidet deshalb über di« seelische Gleichgewichtslage des Einzelnen und de» Ganzen. Xamerncken-Xincker aus dem Kelche, die in der» Weihnachtsferien GAste der Berliner. Ortsgruppe Zoo waren, besuchen das Ehrenmal der jüdischen Gefallenen auf dem Friedhof Wei&ensee. PIkii Kam Herrmtan ^7684^56388^^^4330522096683058