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Der Schild · 1929-12-13 · 51 (13.12.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
51 (13.12.1929)
Date
1929-12-13
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Massengrab, was sich hier begab. Sonst ist auf den weiten Feldern alles eingeebnet und in mühseliger Arbeit ist der Boden wieder bereitet. * Der deutsche Friedhof von St. Laurent. Blangv liegt auf dem halben Wege von Arras nach Bailleul in dem spitzen W.nkel, den diese Straße mit dem rechts nach St. Laurent abzweigenüen Fahrweg bildet. Ich muß einen Augenblick an mich halten, um der wogenden Empfindung Herr zu werden. Tann trete ich «in. Jedes Grab trägt kleine Reihen weißer Nelken, und an den breiteren Wegen, die die Reihen trennen, wachsen junge Ulmen heran. Wie überall, halten französische Invaliden die Gräberstätte in Ordnung. Man darf mitihnen zufrieden sein: die Wege sind hübsch geharkt, nirgends Graswuchs und Unkraut. Es gibt noch täglich zu tun: Gräber sacken nach und müflen wieder hergerichtet werden, die Holzkreuze werden in der Erde morsch oder legen sich in dem lockeren Boden um. Etliche Gräber tragen Blumenschmuck de* Angehörigen, vereinzelt sieht man Grabsteine. Trotz aller ans Herz greifenden Dürftigkeit macht der Friedhof einen ordentlichen Eindruck, und von der Stille der Einsamkeit legt sich eine feierliche Weihe über diesen Platz. Man könnte den vollen Frieden in sich aufnehmen... Wenn nur nicht jene graue Grabstätte wäre, die am Ende der Gräber- Da die 6oadermwl«er Roibtoepdeitschlaob als Doppelllwmaer erschieoe» ist, sällt der „Schild" vo» 27. Dezember aus. reihen in der ganzen Breite des Friedhofs aufgeschüttet ist! Es ist öir’s Grab der unbekannten deutschen Soldaten von Arras. 21 000 deutsche Männer haben unter diesem Hügel ihre letzte Ruhe gefunden. Kein Baum, kein Strauch, keine Blume, kein Kreuz — nichts als die aufgeschüttete kalkige' Erde deckt diese Toten. Ich lege eine verblichene Rose aus dem heimatlichen Garten auf das große Grab und den roten Mohnblumenstrauß vom Kampffeld darüber. Lange habe ich so gestanden. Plötzlich höre ich neben mir eine Stimme: „Das wird nicht so bleiben, aber das Grab sackt jetzt noch zu sehr. Später werden wir rundherum filmen pflanzen. Tann wird es ein Hain werden." Es ist einer der französischen Wärter, ein Schwerbeschädigter mit einep" Prothese am rechten Bein. „Hier liegt mein Bruder begraben." / „Ich habe zwei Brüder verloren: einen in dest Argonnen, einen bei Berdun!" Ich reiche ihm die Händ. * Am nächsten Tage besuche ich den deutschen Sammelfriedhof bei La Fargette auf halbem Wege zur Lorettohöhe. Ein Gräberfeld von Uber 36 000 schwarzen Kreuzen. Eine niedrige Hecke schließt das Ganze ein. Mehr als 100 Meter noch schreitet man auf der Landstraße weiter, dis man zum Eingang in der Mitte kommt: wie ein Armeekorps toter Soldaten stehen diese schnurgeraden Reihen schwarzer .Kreuze und verlieren sich am jenseitigen Rande in einer Senke, so daß sie endlos zu sein scheinen. Der Friedhof liegt an denkwürdiger -Stätte. Im Norden fällt der Blick zum erstenmal auf die Lorettohöhe mit der Gedächtniskirche, deren weißer Schein im Sonnenglanz weit ins Land hinein flimmert, im Osten liegt der dunkle Zug der an dieser Seite ganz allmählich ansteigenden Vimyhöhe. und im Westen, gerade gegenüber, ragen die Kirchenruinen der alten Augustinerabtei Mont St. Eloi auf. Wehmütige Verlassenheit lagert schwer über der Gräberstätte. Wie anders das Bild der englischen Friedhöfe, die hier zahlreich anzutrefsen sind. Tie Pracht der großen Monumente und die schön gemeißelten weißen Steindenkmäler zu jedem einzelnen Grab, die hübschen Anpflanzungen und die farbigen Beete der Blumen stehen im grellen Gegensatz zu der Dürftigkeit und Einsamkeit des deutschen Friedhofs, vor allem aber diese Pilgerfahrt des englischen Volkes zu seinen Friedhöfen: wie vornehme Welt und einfache wandernde Jugend ihre Blumengrüße hier auf die Gräber legt. Tagelang, so erzählt mir ein Wärter, bleibt der deutsche Friedhof ohne Besuch. („Voss.“ — Schluß folgt.) Familien-Anzeigen stärken den Semeinfchastsfillv. Daher gehören sie in den „Schild"! Wie ich die Adlerplakette erflog Segeln über den Wolken. Von Robert «ronseld. Dieser Tag« fand in der Ssterrelchtschen Gesandtschaft in Berlin di, Uebergad« der Adler- Plakette an den deutsch-österreichischen Segelflieger Rovert Kronfeld statt. Er erhielt die Auszeichnung . r für seinen motorlosen Welttekvrd-Flug von 15V j Kilometern. Bereit» vorher hatte et den vom Verlag der »Grünen Post" ausgeschriebenen Preis errungen. An dem Empfang nahmen Staats minifrer a. D. Dr. Dominieu», »er Borsitzende des Deutschen Lustfahrtverband«». Staatssekretär a. D. Lewalo, der Lorsitzend« de» Reichsausschusie» für Leibesübungen, und Ministerialdirigent Brandenburg vom Verkehrsministerium teil. Fliegerisch-wissenschaftlich hat uns der diesjährige Rhön- Segelflug-Wettbewerb eine Neuigkeit gebracht: Tie ersten zwei bewußten Gewitterflüge von Wolf Hirth und mir. Trotzdem, so ganz befriedigt waren wir eigentlich nicht. Es ist nicht jedermanns Sache, den Kampf mit Gewittern aufzunehmen. Die hierzu nötige Wetterlage ist auch nicht allzu häufig. Wenn große Streckenflüge nur mit dem Gewitter durchzuführen wären, dann mühten sie Einzelleistungen bleiben. In der Frühe des Rekordtages war fliegerisch nichts zu inachen. Nebel lag auf der Kuppe. Das Wetter schien trostlos. Nach 11 Uhr starteten die ersten. Der Nebel stieg höher. Trotzdem wartete ich noch. Bei der guten Steigfähigkeit meines Segelflugzeuges „Wien" wäre ich doch sonst gleich in den tief dahinziehenden Wolken gewesen. Fast schon eine Stund« tummelten sich da die anderen am Westhange. E» war ein prachtvolles Bild. Ein ganze» Geschwader von Segelflugzeugen hing da gleich hoch über der Kupp«, als ich startete. Dann ging es immer höher. Einen nach dem anderen hieß es übersteigen. Eine Weile baumelte man da immer ganz fröhlich nebeneinander, dann zog ich höher. Von Nordwesten rückte eine mächtige Wolkenbank heran. Einige Maschinen flogen dem ersten großen Kumulus entgegen. Das normale Wolkenfliegen ist schon Allgemeingut aller Piloten geworden. Plötzlich bemerkte ich, wie schräg vor mir zwei Maschinen fast gleichzeitig in den tiesziehenden Wolkenfetzen verschwanden. Das sah nicht gerade vertrauenerweckend aus. Viel konnte ich mir da nicht mehr überlegen, denn im nächsten Augenblick war ich auch mitten in der weißen Milchsuppe. Ten Fallschirm hatte ich diesmal natürlich zu Haufe gelassen. Aussichten aus Gewitterbildung waren ja gar nicht vorhanden. Ter Höhenmesser zeigte Steigen. Und so ging es weitersteigend in die weiße Unendlichkeit hinein. Der Kompaß begann wieder sein schöne» Drehfpiel, fast noch mehr als beim Gewitterflug troff alle« von Wasier. Der Staudruckmesier schluckt« Wasier, versagte, pfiff und spritzte, zeigt« wieder einige Böen an. um auf» neue zu ersaufen. Angespannt faß ich in der Maschine, lauschte in das weiß« Nicht» hinein, um an dem leisen Pfeifen meines Vogel» fein« Lag« zu erkennen. Manchmal war es recht toll um mich her. Immer länger dauerte es: ich war froh, diesen Flug viel frischer angetreten zu haben, als den Gewitterflug. Ichguckte auf die Uhr. eine Viertelstunde war vergangen, ich hatte! jede Zeitschätzung verloren. Der Höhenmesier war andauernd : gestiegen, also' bestand wenigsten« nicht die Gefahr, in der BoLke gegen «inen Berghang zu rennen. Immer noch dauerte Dieser Flug ohne Anhaltspunkte an. % Stunde war vorbei, so zeigte mir die Uhr, und ich mutzte es ihr glauben, trotzdemich meinte, es sei das drei- und vierfache gewesen. Einmal wurde es Heller um mich und gleich darauf wieder dunkler. Und dann kamen ein paar ganz dunkle Böen. Es warf die Maschine hoch und wieder herunter. Fast in «inen Schwtngung»- zustand war da» Flugzeug geraten. Mit einem Male wurde es immer Heller und Heller, noch einmal etwas dunkler, dann eine starke Bö. di« mich zum Steigen zwang, und ich war plötzlich im strahlenden Sonnenschein. Ich bin wohl der einzige unter den erfolgreichen Segelfliegern, der bisher nicht Motorflieger war. Dorum hatte ich das Wolkenmeer noch nie so von oben gesehen. Ter Gegensatz zwischen dem durchkämpften Kampf und diesem Bild ließ es mir noch schöner erscheinen. Unter mir ballte sich der Kumulus, den ich mirchstiegen hatte. Zwischen dem nächsten lag ein schmaler, enger Paß. durch den sch mit . der Maschine huschte. So sprang ich gleichsam von Wolkengipfel zu Wolkengipfel, suchte mich in den Löchern, die Bodensicht zuließen, zu orienj _ steren, und kurvte wieder ab, wenn sich ein mächtiger Wolkengeselle gegen mich neigte oder eine Lücke zu schließen trachtete. Dann nahm ich Kurs in Windrichtung, sobald dies möglich war, ohne große Wolken zu durchstoßen. So setzelte ich über den Wolken in Richtung auf Coburg. Die Stadt!zog unter mir vorbei. Ich näherte mich dem Frankenwald. Di« Windrichtung war günsttg. Rach Beendigung de» 406

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