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Der Schild · 1929-11-22 · 48 (22.11.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
48 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Antisemitisches Allerlei Dl« Krawall« an den Wiener Hochschulen. Ter Bundesminister für Unterricht empfing das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde Wien zwecks einer von diesem sofort nach Ausbruch der Unruhen an den Hochschulen erbetenen Aussprache. Das Präsidium erhob schärfsten Protest gegen di« an der studierenden jüdischen Jugend schon seit mehreren Tagen oerüblen Beschimpfungen und Gewalttaten, durch welche die lüdtschen Studenten sogar gezwungen wurden, durch Spaliere völkischer Studenten unter brutalen Mißhandlungen -förmlich Spießruten zu laufen, daß verhetzend« Ausrufe gegen di« Juden nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der Hochschulen zur Berteilung gelangen und daß in den Anschlagskasten die Iudenschaft schwer beleidigend« Plakate, literarisch« Erzeugnisse u. dgl. ohne vorschriftsmäßig« Bewilligung des Rektorats ausgehängt werden, durch welche der Boden für di« maßlose Verhetzung der deutschvölkischen Studentenschaft in allererster Linie vorbereitet wird. Tie Repräsendanz der Wiener Iudenschaft erklärte, daß es ihr lebhafter Wunsch sei. daß die Sperr« der Hochschulen in allerkürzester Zeit ausgehoben werde, daß aber Garantien geschaffen werden müssen, daß die staatsgrundsätzlich gewährleistete Lernfreiheit und Gleichberechtigung auch gegenüber der jüdischen Studentenschaft gewahrt und gehandhabt werde. Ter Bunüesminister erklärte, daß die Regierung voll und ganz auf diesem Boden stehe und sich mit allen Kräften bemühen werde,- die Gleichberechtigung ukd die gleichen akademischen Rechte auch für die jüdischen Studenten zu gewährleisten. Tiese Vorfälle, welche er ungemein bedauere, konnten in dieser Aus dehnung, nicht vorausgesehen werden, denn sonst wäre d.e Sperre der Hochschulen, welche mit seiner Zustimmung erfolgte, schon früher verfügt worden. — Schon hus höheren politischen Gründen sei die Erhaltung der Ruhe äuf den Hochschulen dringend zu wünschen, und er beklage lebhaft, daß die politische Per hetzung außerhalb'der Hochschulen! auch au) diese übergegrisfen habe. . i . lieber die Verwahrung des Präsidiums, daß in diesen poli tischen Kämpfen die jüdischen Studenten als Prügelknaben dienen müssen, teilte der Minister mit, daß er von dem Rektor der Universitär selbst erfahren habe, daß dieser gegenüber einer Abordnung^ der jüdischen Studentenschaft diese als einen ordnungsliebenden, lernbegierigen Teil der Studentenschaft an erkannt habe. Das Präsidium wies insbesondere auf die Gefahren hin, welche mit einer Wiedereröffnung der Hochschulen verbunden sind, wenn nicht seitens der maßgebenden Faktoren der Studentenschaft nachdrücklichst bedeutet werden würde, daß die Handlungen, welche zur Sperre der Hochschulen geführt haben, sich als strafgesetzlich verpönte Uebergrisfe darstellen und daß insbesondere die Rede, welche der Dekan Tr. Holdt laut Mit teilung der „Neuen Freien Presse" gehalten haben soll, nicht geeignet sei, den Frieden auf den Hochschulen zu fördern und dauernd zu erhalten.. Ter Minister antwortete, daß die im Anatomischen Institut oorgekommenen Ausschreitungen gewiß mit den Gesetzen im Widerspruch stehen und daß diesbezüglich eine Untersuchung eingeleitet wird. Tas angebliche Verhalten des Dekans Tr. Holdt sei >hm auch nur durch die „Neuß Freie Presse" bekannt geworden, er werde selbstverständlich authentische Informationen einholen. Er versicherte schließlich nochmals, daß es seiner persönlichen und politischen Ueberzeugung widerspreche, daß irgendwelche Teile der Studentenschaft an den Hochschulen Ausschreitungen ausgesetzt seien und daß er als Leiter der Unterrichtsoerwaltung den ihm zustehenden Einfluß äufbieten werde, damit in Zukunft die Ruhe der Hochschulen aufrechterhalten werde. Antisemitische Ausschreitungen in Krakau. In Krakau kam es dieser Tage zu schweren Zusamm e n st ö h e n zwischen polnischen und jüdischen Studenten und anschließend zu antisemitischen Ausschreitungen. Ten Anlaß gaben Streitigkeiten zwischen einzelnen Studenten, die in Seit Anlagen der Stadt vorgekommen waren und be denen angeblich jüdische Studierende einige Nichtjuden miß handelt hatten. Als während eines Konvents der polnische» Mediziner [einige jüdische Teilnehmer an diesen Vorgängen be merkt wurden, wurden sie von einer großen Ueberzahl über fallen, wobei einer von ihnen sich mit einem Revolver zur Wehr setzte. Er wurde daraufhin furchtbar mißhandelt und lebe ns gefährlich verletzt. Infolgt dieser Vorgänge fand eine Massenversammlung der polnischen Studenten statt, an der sich mehrere Tausend Per sonen beteiligten und in der der Numerus clausus für jüdische Hörer verlangt wurde. Tie Versammlung wurde, da sie vom Rektor nicht genehmigt war. aufgelöst und ein anschließender Zug in gas Judenviertel mit Hilfe berittener Polizei zerstreut. | Ein größerer Trupp von Demonstranten versuchte, den an, Vormittag! schwer verletzten jüdischen Studierenden aus seinem Krankenzimmer herauszuholen, um ihn zu lynchen. Sie konnte» nur durch [ein starkes Polizeiaufgebot daran gehindert werde»? Erst in später Nachtstunde trat Ruhe in der sonst sehr stille» llniversitässstadt ein. Neue Schreckenstaten der Araber in Jerusalem und bei Haifa. Ein Mordanschlag aus den berühmten jüdischen Augenarzt Tr: T ich», der von einem Araber unmittelbar vor dem Polizei büro durch Messerstiche in den Rücken schwer verletzt wurde, hat unter der Bevölkerung Jerusalems ungeheure Empörung her vorgerufer. Tr. Ticho befand sich auf dem Wege zu dem von ihm gelei eten Ambulatorium, in welchem er in Mjähriger Tätigkeit tausenden von Menschen, und besonders Arabern, das Augenlicht gerettet hat. Der Attentäter konnte unerkannt ent kommen. Tr. Ticho wurde in das Hadafsah-Hospital gebracht, wo er eiper Operation unterzogen wurde. Sein Zustand ist bedenklich Tiefer sowie andere Anschläge aus dem Hinterhalt, die seit einiger Zeit Vorkommen, lassen auf das Bestehen einer arabischen. Terrororganisation schließen. In der Gegend von Haifa hat eine andere Gewalttat große Empörung hervorgerufen. In der Nacht zum Mittwoch, dem 13. November, wurden Ieschaja Levit und Frau Fanny Badash. die sich im Wagen auf dem Wege nach ihrem Wohnort Kerkur befanden, in der Nähe von Chedera an der Eisenbahnstation von'einem Trupp Araber angegriffen. Frau Badash wurde in grauenvoller Weise ermordet, Ieschaja Levit durch Schüsse lebensgefährlich verwundet. Die Pferde wurden ausgefpannt und weggeführt, der Wagen wurde geplündert. Sechs Araber wurden qls der Tat verdächtig verhaftet. 4VVV jüdische Arbeiter gehen nach dem Ural Das -Arbeitsdepartement der Regierung des Ural-Gebietes wandte sich an die Regierungskommission für jüdische Koloni fation und Jndustrialisation. „K o m z e t" mit dem Vorschlag. -tOOv jüdische Arbeitslose aus den Kiemen Städten der Ukraine und Weißrußlands nach dem Ural Gebiet zu entsenden, wo sie während der Bau-Saison im Bausache, dann aber dauernd in den Metullsabriken des Ural Beschäftigung finden würden „K o m z < t" hat sich entschlossen, mit dem Arbeitsdepartement des Ural ein diesbezügliches Abkommen zu treffen. In einer gemeinsamen Beratung von ORT. Agro-Ioint und „K o m z «t" in der Ukraine wurde beschlosien. 102 000 Rubel für berufstechnische Ausbildung deklassierter Juden der Ukraine außer dein normalen Budget zur Bufügung zu stellen: diese Summe wird aus dem Uederfchuh bestritten, den ORT und Agro-Ioikt bei der Belieferung der jüdischen Trikotage-Heim arbeiter snit Baumwolle und anderen Rohstoffen erzielt haben W>L MMÄWU. i iSEii 3ht0 /

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