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Der Schild · 1929-11-15 · 46/47 (15.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
46/47 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Simon, Max Simonsohn, Joseph Wolf Sommer, Konstantin Soskin, Gustav Sonn, Carl Spiegel, Oskar Spiegel, Otto Emil Spiro, Isaac Sprung, Hugo Stein, Julius Stein, Adolf Eduard Steindler, Aron Stenier, Hugo Stern, Dr. Albert Strauß, Otto Strauß. Walter Strauß. Päül Streit. John Süßkind, John Sußmann. Alfred Thorner, Hermanj, Traube, Hugo Traubermann, Hans Tuch. ' / Walter Uhlfelder, Paul Urfas. Herbert John Bogel, Iulisis Vogel, Max Vogel. Siegmund o. d. Wald«. Gesa Weber, Moses Urias Wechsler, Siegbert Wechsler. Hans Heinrich Weil, Adolf Weinberg. Ber!n- ' t i hard Weinberg, Edwin Rudolf Weinberg, Max Weismann, * I Herbert Welsch, Louis Liebmann Wertheim, Raphael Wigdero- '! witsch, Moses Martin Wolf. Dr. David Wolfs, Herbert Wolfs,! Isaac Wolfs, Walter Martin Wolfs, Gerhard Wolfsberg, Martin j! Moses Wollmann, Hans Würzburg. Sonn Würzburg, Wilhelm -! Würzburg. . > ' Alfred Eduard Zadik, Walter Zechlinski, Alexander Zwickel.!! >! Cuxhaven:! Walter Goldschmidt. Erich Scharfstein. Berek Iosselowitsch und sein Wisches Regiment — 1794 — Von Tr. R. Silbergleit. . Es war 1794 beim Beginn des ersten großen polnischen Aufstandes. Ter Diktator Kosciuszko leitete und führte ihn. Das war ein „edler Pole" in des Wortes edelster und höchster Bedeutung. Glühend von Patriotismus, war er erfüllt von Menschenliebe, Gerechtigkeit und ^überhaupt allen Eigenschaften, die einen Mann auszeichnen unp zieren können. So auch in seinem Verhalten gegen die Juden trotz ihrer damals so gedrückten Stellung in Polen. Bejrek Iosselowitsch, der 1770 ge-- baren und damals also 24 Iahrg alt war, ein polnischer Jude, wandte sich an Kosciuszko mit der Bitte, ihm zu gestatten, ein ausschließlich jüdisches Regiment zu bilden und es gewissermaßen als Oberst anzuführen.! Auch er war ein polnischer Patriot, und beide träumten, freilich jeder in seiner Art, den großen, noch immer nicht ausgeträumlen Traum von der Assim.lation der Juden. Bereks Wunsch wurde erfüllt; er rief die Juden zu den Waffen für Polen gegen die Russen. Und sie kamen in großer unerwarteter Äienge, so daß sie sich mit Recht als ein Regiment bezeichnen Kopulen mit einem Obersten an der Spitze. Das Merkwürdige dabei aber war, daß die meisten „Chassid)m" waren, d. h. Anhänger der großen mystischen Sekte des Chassidismus. Er ist die letzte und größte der mystischen Bewegungen unter den Juden, die die große Linie der jüdischen Geschichte seit Jahrhunderten begleiteten und die an die Kabbala und ihr Hauptwerk, den Sohar, anknüpften. Alles, was messianische Hoffnung, Auflehnung gegen die Verewigung des Galuth, was aktive Herbeiführung der Erlösung bedeutete, wurde irgendwie von diesen mystischen Strömungen mitgetragen. Begründer dieser chasstdischen Bewegung war Rabbi Israel Baal Shem-Tow, „der Beschl". der 1098 b.s 1760 lebte und dessen großer Schüler Rabbi Tow-Bär von Mesritsch, der Maggid (1710 bis 1772), folgte ihm in Lehre und Aufbau. Was der Bescht wollte, predigte und wonach er betete, war das inbrünstige Gebet im Pillen Kämmerlein, tiefste Hingabe an den Schöpfer, Versenkung in Gott. Er bejahte das Leben, ebensoweit entfernt'von Askese und Kasteiungen wie von der Hingabe an nur irdische Freuden. Nichts kennzeichnet diesen seltenen Mann vielleicht so sehr wie die folgenden Worte, die er gesprochen hat: „Es gibt keine Eigenschaft und keine Kraft am Menschen, die umsonst geschaffen wäre. Und: auch alle niederen und verworfenen Eigenschaften haben einle Erhebung zum Dienste Gottes. So etwä der Hochmut. Wenn ep erhoben wird, wandelt er sich zu. einem hohen Mut in den Wegen Gottes. Aber warum mag wohl die Gottesleugnung geschaffen sein? Siehe, auch sie hat ihre Erhebung in der hilfreichen Tat.. Tenn wenn einer zu dir kommt und von dir Hilfe fordert, dann ist es nicht an dir, ihm ein weniges zu geben und sodann ihm mit frommem Munde zu empfehlen: „Habe Vertrauen sind wirf deine Not auf Gott", sondern dann sollst du handeln, als wäre da kein Gott, sondern auf der ganzen Welt nur einet, der diesem Menschen helfen kann, du allein." Ter Chassidismus artete aber auch in den sogenannten „Zadakkismus" aus, in welchem besonders gelehrte und fromme Rabbiner als eine Art Heilige auftraten und merkwürdige Heilungen von Krüppeln und Kranken Vornahmen. Aber das chafsidische Regiment Bereks war doch anders beschaffen. Mit dem größten Heldenmute kämpfte es gegen die Russen unter Berek in der Schlacht bei Praga auf den Schanzen. Es wurde gänzlich aufgerieben. Einer der wenigen Kämpfer, der sich retten konnte und bloß mit dem Verlust eines Beines davonkam, erzählte darüber nach vielen Jahren folgendes^ i Er schilderte Berek auf einem weißen Gaul, aussehend wie -i ein Kaiser und mit einem Schnurrbart, um den ihn alle Polen \ hätten beneiden können. Selbst die polnischen Ulanen, so er zählte der dem Gemetzel glimpflich Entronnene, waren zurück- \ gegangen, sie konnten das Feuer des Feindes nicht, mehr er tragen. Aber die Juden haben ausgehalten beim alten Friedhof hinter den Schanzen, haben den Russen ihr Pulver kosten lasten und ihn festgehalten. Hätten sie damals nur ein Regiment zur j Hilfe bekommen, so wäre Warschau in ihren Händen geblieben. ] Selbst am Jom Kippur haben sie die Schanzen nicht verlassen. : E.n großer Thora-Gelehrter und besonders frommer Mann, der! berühmte Rabbi Meierl, gestattete es. „Ganz besonders heftig ging es nach Kol Nidre zu, der Himmel hatte sich geklärt, dle Sterne leuchteten. Es war eine helle Nacht. Keiner schloß ein Auge. Sie saßen in Gruppen bei kleinen Feuern und plauderten. machten jüdische Späße und erwarteten jede Minute den Sturm des Feindes auf die Schanzen. Perek war mit ihnen; er ging von Feuer zu Feuer, für jeden harte er ein gutes Wort oder einen Witz bereit, und wohin er kam, dort wurde es fröhlich. Die Rüsten waren sicher, wir würden am Jom Kippur nicht kämpfen, und darum begannen sie bei Tagesanbruch den Sturm auf unsere Schanzen. Die Luft glühte, es regnete Feuer, aber wir haben auch nicht geschwiegen. Jedesmal, wenn der Feind aus dem Wald gegen uns vorrückte, da hat es ausgesehen, als bewegte sich der Wald. Und wie der Feind näher an d.e Schanze herangekommen ist, da haben ihn unsere Kanonen niedergemäht, wie wenn man mit einer Sense übers Gras fährt. So ging's bis in den hellen Tag hinein. Berek ist von einer Schanze zur anderen gesprengt. Drei Pferde | fielen an diesem Morgen unter ihm; jedesmal, wenn er ^Feuer" j kommandierte, haben die Kanonen draufiosgedonnert. Der Feind; kam immer näher. Die jüdischen Holzhäuschen hinter dem!' Friedhof gerieten in Brand; nun hatte das jüdische Regiment! Feuer von hinten und Feuer von vorn. Aber die Juden standen wie ein Mann, bis zur letzten Minute, und als der Feind in die Schanzen eindrang, da sind sie auch nicht davon, sondern , sie haben um jeden Zoll Erde gekämpft; das Blut floß in Strömen. 1 Zehn Rüsten kamen auf einen Juden, wie Heuschrecken schwärmten sie aus dem Walde hervor, aber keiner vom jüdischen Regi-! ment hat sich ergeben." , I Nach dem Siege der Rüsten, die in Praga ein Blutbad angerichtet, wäre kein Jude am Leben geblieben, wenn nicht Berek einen sehr reichen Juden veranlaßt hätte, überall bekanntzugeben, jeder Kosak erhalte für einen toten Juden einen Silberrubel und für einen lebenden ein Goldstück. Natürlich hat man chm nur lebende Juden gebracht.! Berek konnte sich, nachdem sein jüdisches Regiment voll-.! ständig aufgerieben war, wie man erzählt, retten. In der ersten! Zeit hat man freilich gar nichts von ihm gehört, dann erzählte j man, er fei bei Napoleon Adjutant geworden. Dann aber soll > er tatsächlich später insgeheim, von Sehnsucht nach seinem vaterländischen Boden getrieben, für kurze Zeit nach Polen > gekommen sein. Die Wahrheit ist, daß er in einem späteren , Gefecht fiel. Er wollte sich lyit dem blanken Säbel einen Weg j durchhauen. Wäre nicht das Pferd unter ihm gefallen, so hätte! 370

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