Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 46/47 (15.11.1929)
- Date
- 1929-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Stelle nach, welche Opfer in unserem Bezirk jenes große Sterben gekostet hat — neu bezahlten Gleichberechtigung aller deutschen Juden und als Kampforganisation gegen wissentlich oder. un wissentlich diese Rechte anfeindende Gruppen. Wir leben heute scheinbar in ruhigerer Zeit. Aber es wäre verfehlt, zu denken, daß die Aufgabe unseres Bundes damit erfüllt sei, daß unsere Organisation, die mit Recht stolz sein darf auf ihre Geltung nach außen hin, auf moralischen Lorbeeren ausruhen und die Arbeit im Innern vernachlässigen dürfe. Es ist schmerzlich, feststellen >zu müssen, daß solche Ansicht Verbreitung gefunden hat. Denn anders läßt sich jener Mangel an innerem Zusammenhang nicht deuten, der in unserem Bezirk seit geraumer Zeit um sich gegriffen hat. Man hat längst vergessen, daß Gefahr im Verzüge war, als unser Bund entstand, und treibt eine gefährliche Politik des Sich-Versteckens, wenn man sich nicht darüber klar wird, wie leicht und wie schnell eine solche Gefahrstunde wieder eintreten kann. Unser Bund ist keine Sache der Vereinsmeierei und keine Klubangelegenheit, sondern es geht um ernste Dinge. um unser Sein und unsere Ehre, ja sogar möglicherweise um Leib und Leben! Es ist nicht wahr, daß es an Zeit fehlt, sich für die Sache des Bundes zu interessieren. Der Hamburger Kamerad Robert Isaacsen, der in Hamburg unsere Geschäfte führt, ist Kaufmann und muß als solcher Tag für Tag seinen persönlichen Geschäften nachgehen. Aber dennoch hat «r immer Zeit, allen Ansorde- .rungen nachzukommen, die das Amt des Geschäftsführers an ihn stellt. Er findet immer im Tagewerk die Stunde, ja oftmals Stunden zur Erfüllung der pflichtenreichen Geschäftsführertätigkeit, und er gibt diese Zeit als etwas Selbstverständliches für die höhere Sache hin. Unser Schatzmeister, ebenfalls Kaufmann, sogar mit offenen Ladengeschäften >in Hamburg, ist sicherlich vom Getriebe seiner persönlichen Geschäfte ebenso in Anspruch genommen und waltet seines schwierigen Amtes, das um so schw.eriger ist. als jene lauen Mitläufer? die immer keine Zeit haben, auch ihrer primitivsten Pflicht, nämlich der regelmäßigen Zahlung ihrer Beiträge, nicht Nachkommen. KameradGraetz verwaltet : dabei auch noch die mit täglicher mühseliger Arbeit verbundene Unter st ützungskasse. von deren Inanspruch nähme unsere Mitglieder vielleicht auch nicht das richtige Bild haben. Sie müßten sich sonst der sozialen Pflicht, die den alten Kameraden als Mensch und als Juden an diese Sache knüpft, stärker bewußt sein. Bei dieser Gelegenheit soll aber auch gesagt werden, daß gerade der wirtschaftlich schwächere Teil, die weniger wohl- ' habenden unserer Mitglieder, es find, die inmitten Sorgen und Röten die zuverlässigsten Besucher unserer Beranstaltungen sind ' und so dem Geist der Kameradschaft folgen, während der Sinn für diese Notwendigkeiten im umgekehrten Verhältnis zu der sozial und gesellschaftlich gehobenen Stellung zu schwinden scheint. Iw dieser Feststellung liegt mehr als ein stiller Vorwurf, es liegt eine Warnung darin und die Bitte, daß es anders und bester werde. Warum soll bei uns nicht gehen, was etwa in der vom Kameraden Lask betreuten Kieler Ortsgruppe, was im Unterwefergebiet unter Führung von Kamerad Kahn sich in vorbildlicher Weise ermöglichen läßt! Der ärgste Gegner unserer Sache ist in unseren eigenen Reihen und heißt: Gleichgültigkeit. Wahrlich, das zehnjährige Bestehen des Bundes in Hamburg soll nicht Nrit pathetischer Rede gefeiert werden. Es ist Gelegen heit, auszürufen: „Schließt die Reihen!" Stellt euch nicht mit dem W.derstreben dessen, der etwas tut, weil er es nicht ver meiden Kahn, sondern bewußt und mit eurem ganzen Wille» in den Ditnst unserer Sache. Bedenket, daß unser Werk noch immer nicht getan ist. Gebt Raum dem Geist der Kameradschaft! Es wetterleuchtet am politischen Horizont, und Mtterböse Bor gänge gerade der letzten Zeit werden zu giftiesm Dassen gegen uns alle. 'Helfe ein jeder in echter Kameradschaft, wie er zu helfen vermag. Der eine mit dem Wort, der andere mit der Tat. Der eine mit blankem Geld, der andere mit vernünftiger Feder. Rür: Steht nicht abseits! Helft uns, den ehrenvollen Kampf zu^ Ende zu führen! Laßt uns das Fest durch ernste Entschlüsse würdig begehen. Schließt die Reihen! Der jüdische Frontsoldat im neuen Deutschland Von Kam. Max Alexander, Hamburg. Mit der Hoffnung auf Sieg zogen wir ins Feld! — Mit der Hoffnung a«f Sieg hämpflen wir mit unseren christlichen Kameraden und gäben unser bestes, unsere Kraft und unseren unerschütterlichen Glauben zum Sieg! Diese Selbstverständlichkeiten bedürften eigentlich keiner Betonung, wenn uns Hie traurige Nachkriegszeit nicht so oft den Abwehrkampf als Juden gegen einen Teil unserer andersgläubigen! Mitbürger aufgezwungen hätte! — Als wir in vorderster Front lagen, Not und Gefahren mit unseren christsichen Kameraden teilten, Beweise echter Kameradschaft gaben und solche empfangen durften, da Hane keiner pon uns das Gefühl, daß im Frieden, nach dem wir uns alle sehnten, konfessionelle Kämpfe im bürgerlichen und politischen Leben entstehen würden. Es ist traurig, daß chir unsere 12 000 jüdischen Gefallenen unseren Gegnern; oftmals ins Gedächtnis rufen und diese traurige Zahl immer wieder nennen müssen, uni zu zeigen, daß wir« unsere Pflicht und Schuldigkeit dem Vaterlande gegenüber getan haben. Und dennoch ...! Kein Resignieren, kein Verbittertsein. kein Lhnmächtig-zusehen! — Wir jüdischen Frontsoldaten müssen es als unsere vornehmste Aufgabe betrachten, auch dort, wy man uns nicht anerkennt, wo man uns haßt, Achtung zu erzwingen; wir müssen die alte Kameradschaft, dice uns jahrelang im Schützengraben mit unseren christlichek Freunden verband, neu aufrichten in friedlicher, neuer Zeit; wir müssen alles daran setzen, den Zusammenhang wieder neu zu erlangen, nachdem uns der völkische Haß — verstärkt durch die wirtschaftlichen Nöte unseres geprüften Vaterlandes auseinandergerissen hatte; wir müssen in alle Organisationen hinein, die ehemalige Frontsoldaten verbinden, es sei denn, daß sie ausdrücklich judenfeindlich wirken. Tie Erfahrung hat gezeigt, daß dort, wo wir Hand in Hand mit den anderen arbeiten, wir geachtet und geschätzt werden, so wie es uns als Menschen und ehemaligen Frontsoldaten zukommt. Dazu müssen wir aber 368 ' im politischen Leben auf Grund unserer Erfahrung und Einstellung zum Staat diese betätigen — in jeder Partei unseüen Mann stehen, in die wir unserer Gesinnung nach hineingehören! Nicht abseits bleiben, sondern mitschaffen wollen wir! Wir müssen uns als tatkräftige Bürger im neuen Staate fühlen, an ihm arbeiten und nicht vergessen, daß auch unsere Väter den Grundstein gelegt haben zu Deutschlands Größe und Einigkeit. Diese Einigkeit heute im politischen und sozialen Leben wieder herzustellen, ist unsere Aufgabe! — Treu unserem Juden-! tum. trgu unserem Vaterlande und unserer deutsches Scholle wollen wir es als unsere vornehmste Pflicht betrachten, i dafür zu sorgen, daß das deutsche Vaterland in uns die Männer besitzt, die es lieben und ehren, jedoch dort uns zum Kampfe findet, wo man wagt, jüdische Ehre als deutsche Staatsbürger und ehemange Frontsoldaten anzugreifen! Möge die Zeit nicht mehr fern liegen, wo jeder Deutsches in uns nur den jüdischen Deutschen sieht und unser Judentum — gestützt auf seine jahrtausendalte Tradition — sein Ehrenschild gemeinsam mit der deutschen Fahne tragen kann! Denkt an die Wahlen am 17. November! Stellt Euch ganz in den Dienst Eurer Staatsbiirgerpflicht, jeder im Sinne seiner politischen Anschauung! 'Wahlarbeit ist auch Abwehrdienst!