Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 45 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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listischen Teutschen Arbeiterpartei. Stahlhelmkapitän und Pensionär der deutschen Republik, stand vor dem Gericht in Kassel, weil er vor einiger Zeit in dem Landstädtchen Melsungen den Illjährigen Kaufmann Karl E. aufs schwerste beleidigt und zu Boden geschlagen hat, und aus „nationalen Belangen". Man höre den Tatbestand: Leutnant o. sichte sitzt in einer Kneipe. Aus einem Nebenroum klingt „volksfremde Musik". Sie ärgert ihn. Er dringt i» den Saal, wo junge Leute üharleston und Tango tanzen — ustter ihnen auch Karl E. mit seiner Partnerin, einer Jüdin. .Fichte trennt das Paar im Tanz. Er tritt an den Tisch und brüllt: „Sie kommen mit mir rpus!" Ter junge Mann weigert sich. Fichte schreit: „Sie sind in meinen Augen ein Feigling. Sie find ein Lump, denn Sie tanzen -mit einem ausländischen -h Mädchen!" i Tas ist dem Angegriffenen zuviel. Er folgt Fichte und verbittet sich eine Einmischung in seine Privatangelegenheiten. Fichte '•r -4 ein Hhne von Gestalt — stürjt sich wie ein Berserker auf ihn und schlägt ihn mit der Zaust zu Boden. Fichte bezieht eine Ossizierspension ^oon 115 Mark monatlich. Ueber weitere Einkünfte und Prioatoernrögen verfügt er noch Feststellung des Gerichts angeblich nicht. Daher verhängte S das Gericht nur eine Geldstrafe von 160 Mark, die noch dazu in Raten von je 20 Mark abgetragen werden darf. Sehr verwunderlich erscheint die Niedrigkeit der Strafe angesichts der Tatsache, daß der Angeklagte ein eignes Auto unterhält und große Reisen mit ihm unternehmen kann. Glauben Sie, daß jemand mit It> Mark Monatseirchommen einen Kraftwagen kaufen und unterhalten kann? Das Kasseler Schöffengericht hat es geglaubt! . („Berliner >tor,-enpost".> Haeselep-Bund Bereinigung der Kriegervereine der Westwacht XV., XVI, und XXI. Armeekorps. «* Ter Haeseler Bund gibt unsj einen Bericht über die Iahröstagung, die am 13. Oktober d. Ji in Hohenlimburg stattgefunden hgt. Es waren zu dieser Tagung die Abgeordneten der Bundes vclreine der Truppenteile der «lemaligen Westwacht vertreten so vie Kameraden aus dem noch> besetzten Gebiet und Vertreter de; ehemaligen Lffizierkorps.! Ter Bundespräsident gedachte in seinen Ausführungen des Ri ichspräsidenten Generalfeldmärschalls von Hindenburg urd erinnerte an die ans Herz gehende Mahnung, die dieser seinerzeit als Achtundsiebzigjährtzer an das deutsche Volk «richtete: * .Ich reiche jedem T>eutschen die Hand, der national denkt, die Würde des deutschen Namens nach innen jund außen wahrt und den k o n f e s s i o n e l l e n;u n b sozialen Frieden will und bitte ihn: Hilf auch du mit an der ^Auferstehung unserer Vaterlands!" Lafigbärtigen aber ariden grauest Tempelsteinen'brechen in ein laütes Schluchzen aus. „Wir bitten dich, Herr, erbarme dich Zions!" Tos ist schon kein Beten mehr, sondern ein verzücktes Stöhnen und Aechzen, ein Heulen fast, wie man es in den Klöstern der Derwische hören kann. Es ist, ais wollten sie den Verkünder des anderen Glaubens überschreien. Und wieder töstt in durchdringendem Moll her hohe, schwebende Ton des Müezzin: „Asckadu anna .Viukafnmedan rasulu Ilkaak — Ich bezeuge, daß Mohammed der Gesandte Allahs ist." Ein Wettstreit des Glaubens, unter dem Schutz der Bajonette, fünf füijchterliche --Minuten.! Ter Muezzin zieht sich zurück. Ein Polizist schließt die Pforte zur Omar-Moschee. Das Schluchzen versickert und geht in jein dumpfes Gemurmel Uber. Man wartet voll Angst und Inbrunst, b s der Klang eines Nidderhorns verkündet, daß das Gepet der Versöhnung erhört und der Friede mit Gott und den Menschen da ist. Aber der britische High Eommissioner meinte, das Schmettern des Harnes könnte die Muslim aufs neue erzürnen, und so bleibt das Horn stumm. Die Alten packen langsam ihire Gebetmäntel zusammen, die Jungen gehen rasch ihres Wegxs. Ter Chef der englischen Polizei, monokelbewehrt, in dev Hand d e kurze Reitpeitsche, kommt an die Klagemauer, um einem hohen Offizier des transjordanischen Grenzkorps die strategische Lage zu zeigen. Tie Wachtposten salutieren. .Sporen klirren. All right. Alles ist glänzend verlaufen, Ruhe und Ordnung sind vollkommen sichergestellt, nicht der kleinste Zwischenfall. j Aber der- Tag der Versöhnung ist ohne Ausklang geblieben. Manche meinen, er wird in diesem Lande niemals kommen. Rächst« Schild: i Sondernummer RorbwestbeMfchland Lord dMbernon über die deutschen Juden. In dem Tagebuch des englischen Botschafters : Berlin während der ersten Nachkriegsjahre, Lo d'Abernon, findet sich folgende bemerkenswerte (zi tragung: 17. September 1923. Berl, Einer der unerklärlichsten und beunruhigendsten Züge d> mitteleuropäischen Politik von heute ist die Tatsache, daß d führenden Juden, hauptsächlich die Beherrscher der Pres antiengsisch sind ... Ich kann mich nur an eine einzige Au nähme erinnern, und zwar Theodor Wolfs vom „Berliner Tag blatt", der deshalb nur nicht antienglisch ist, weil er noch me: anti-Poincareislisch ist. Es ist ausfallend, daß man bei de Juden keine Spur von Dankbarkeit für die Engländer finde die sich verhältnismäßig großzügig ihren Glaubensgenossen gege, ' über gezeigt haben, wie das Fehlen jedes Antisemitismus i England beweist. Ebenso fehlt auch nur der geringste Dank n unsere jUnterstützung der zionistischen Bewegung. Ti« Jude ziehen Paris vor, wo sie sowohl vor als nach dem Dienst,: Prozeß.mißhandelt wurden, und sogar Deutschland, wo vor bei Krieg kein Jude Offizier werden konnte, ist ihnen lieber al England, wo sie seit langem gleiche staatsbürgerliche Rech! besitzen. Wenn man alles über die Juden sagen will, was zu sage ist, muß ich aus eigener Erfahrung hinzufügen, daß sie d, treuesten Freunde und die klügsten Berater sind. Ich würd jedem Anglosachsen, der sich ins Geschäftsleben hineinwagt, de Rat gehen: „Tun Eie nichts, ohne sich einen jüdischen Mitarbci ^ter odet Ratgeber gesichert zu haben, am bestsn ist, wenn Ei einen Juden haben, der sich entsprechend hoch beteiligt und m Ihnen zusammen arbeitet. Sollten Sie keinen Juden wissen nehmest Sie einen Schotten; aber tun Sie nichts, ohne den eine:! oder daN anderen. Beide haben einen Instinkt und eine ange, borene Begabung, die die anderen nicht erwerben können." Das Gefallenen-Gedentbuch Brief an den „Schild". An die Redaktion des „Schild" Berlin W 15. Aus der Veröffentlichung in Nr. 39 geht hervor, daß ei»,' Reihe; unserer Gemeinden Beiträge zu dem Gefallenen-Gedenk buch übermittelt hat. Immerhin nur verhältnismäßig wenig, wenn man weiß, daß ein diesbezügliches Schreiben an mehrere hundert Gemeinden herausgegangen ist. Gewiß ist die wirtschaftliche Lage sehr schwer. Es ist m: auch bekannt, daß die jüdischen Gemeinden darunter ebenfalisehr zu leiden haben und nur mit Mühe ihren Etat ausgleiche könnest. Auf der anderen Seite sind die Gemeinden aber jeder zeit inj der Lage für besondere Zwecke kleinere Beträge ausz: werfenj Diese Notwendigkeit liegt hier vor. Nicht nur. daß wir es dem Andenken unserer gefallene Kameraden schuldig sind, daß sie für alle Zeiten der Nachwelt erhaltest bleiben, sondern auch die schweren Angriffe machen ezur Notwendigkeit, daß dieses Büchlein endlich herauskommr Ist es doch dadurch jedem ein leichtes, unseren Gegnern einwant frei nachzuweisen, daß ihre Behauptung: „Die Juden hätte ihre Pflicht im Weltkrieg nicht getan" auf Unwahrheit beruh' Es ist selbstverständlich, daß diese Arbeit sämtlichen Glau bensgestossen des ganzen Reiches zugute kommt, und demzufolge ist es auch Pflicht aller ihr Scherflein zu den Unkosten beizu tragen, Die Vorarbeiten, die unser Bund fast ohne nennenwerte fremde Hilfe geleistet hat, sind schon ziemlich weit fortg schritten. Wer wollte es verantworten, daß diese Arbeiten ma gels Mittel schließlich ins Stocken geratend Ich appelliere desha an alle Gemeinden, die bisher noch nichts bewilligt haben ur möchte dringend bitten, ihren Beitrag baldgeU. uns zu über weisen. Auch den kleinsten Gemeinden ist dies möglich, unt wo es wirklich die Kasienoerhältnisse nicht erlauben, so befinde sich auch in diesen Gemeinden der eine oder andere,-dessen wirt schaftliche Lage es gestattet, seiner Gemeinde einen kleinen Be trag für uns zur Verfügung zu stellen. Mit kameradschaftlichem Gruß Kam. Arthur Beckhard. Frankfurt a. M. Uaserx lnseratenvervaltung firmiert: Bepa-Verlag enski & Pakuscher BERLIN W35, Blumes Hof 5 Telefon: B3 Nollendorf 6641/6642. Alle Inseratenaufträge sind direkt an diese Adresse zu senden. 35p