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Der Schild · 1929-11-08 · 45 (8.11.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
45 (8.11.1929)
Date
1929-11-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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>ie nicht von unverantwortlichem Radikalismus, nicht von dem Seifte der Zerstörung, sondern von dem Willen zu einem sriedichen, energischen Aufbau beseelt sind. Daß jeder von uns Kameraden zur Wahl geht, daß seine Familienangehörigen wählen, ist selbstverständlich. Aber der Kamerad hat die Lauen aufzurütteln, tat die vielen, die wahlmüde sind, daran zu erinnern, daß jede Stimme, die nicht abgegeben wird, dem Radikalismus in den Dattel verhilft. In vornehmer, aber energischer Weise soll er bei geeigneten Gelegenheiten Aufklärung darüber verbreiten, um was es geht, soll zeigen, was die mittelbare und unmittelbare Stärkung des Radikalismus bedeutet: wirtschaftliches Durcheinander, Herrschaft eines schonungslosen, wahre Freiheit vernichtenden Machtwillens, den Weg nach unten in Blut und Tränen.! Kameraden! Wir sind Frontsoldaten. Wir fürchten nicht, auch in diesen Tagen an der Frost des Kampfes zu stehen. Nicht Faust, nicht Waffe, ist unser Werhzeug. aber unser Selbstbewußtsein, unsere Ehre, der Wille zu einem glücklichen Aufstieg unseres Vaterlandes gebietet in diesen Zeiten, sich ganz einzusetzen für Vaterland und Freiheit. Für deutsche Volksgemeinschaft Kundgebung jüdischer Studenten. Aus Anlatz der Feier ihres 35. Stiftungsfestes veranstaltete __ die jüdische Studentenverbindung „Sprevia" im Kartellkonvent' der schlagenden jüdischen Verbindungen eine große Kundgebung und einen Festkommers, die sich ■ in ihrer von jugendlicher Begeisterung erfüllten Stimmung und in zahlreichen Ansprachen zß einem eindrucksvollen und feierlichen „Protest gegen die judenfeindlichen, staatsfeindlichen! und kulturfeindlichen Strömungen auf den deutschen Hochschulen" gestalteten.! Im Kaisersaai des Weinhausejs „Rheingold", dem die Fahnen dtr im Kartellkonvent zufammvngeschlosienen fünfzehn Berbinöungen, die reiche. Drapier« ng mit schwarz-rot-goldenem Fahnentuch und die Chargierten der Verbindungen in vollem Wichs ein glänzendes und färb«»frohes Gepräge gaben, versammelten sich außer den aktiven Studenten und den „Alten Herren" zahlreiche. Vertreter der Reichs- und S«»atsbrhörden, delr Parlamente, jüdischer Vereinigungen und befreundeter Lrganisationen. Vom Reichswehrministtrium waren Oberst E n d r e s, Kdrvettenkapitän R o 1 t e r, Major T h e i ß e r und Kapitänleutnant Engel erschienen. Man sah am Ehrentisch den Präsidenten des Bundesamtes für Hejmatwesen, Ministerialdirektor Fplck, die demokratischen Parlamentarier Tr. Ludwig Haas und Tr. Grzimek, den Voiffitze«den des Zentralvereiirs deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Iustizrat Tr. B r odn i tz. den Präsidenten des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Tr. Löwen st ein. einen Dertrelier des Reichsbanners Schwarz- Ri t Gold und die Rabbiner Tr. Leo B a e ck und Tr. Blumenthal neben den Delegierten der jüdischen Großloge. Ten Höhepunkt der Ansprachein und Begrüßungen, in denen die innere Verbindung von deutsch-vaterländischer Gesinnung mit dem Bekenntnis zur jüdischen Religion und die Willensbefeitschaft, am Ausbau der deut chen Republik mitzuarbellen, zu'temperamentvollem und einprägsamem Ausdruck gelangte, bildete die Rede des demokratischen Reichstagsabgeordneten Tr Ludwig Haas. Mit hinreißender Beredsamkeit, die Stürme oo^ Beifall entfeffelte, formulierte er den Protest der jüdischen akademischen Jugend gegen den Rassenhaß, der gegenwärtig das Lehen auf unseren deutschen Universitäten vergiftet, und gegen der Ausschluß der jüdischen Studenten von den akademischen Feiern der „Deutschen Studentenschaft" zu Ehren der Toten des Weltkrieges. Die Forderung des^ Redners, daß der Geist der Kameradschaft und der geeinte Wille, dem gemeinsamen deutschen Va erlande„ seiner inneren und äußeren Wiedererstarkung zu dienen, auf unseren Universitäten einkehren müsse, war das Motiv, das diese Kundgebung erhebend beherrschte. I 75 Fahre Rabbiner-Seminar Das Jüdisch-theologische Seminar in Bresl a ü blickt in diesen Tagen auf sein 75jähriges Bestehen zurück. Es tst die erste und bedeutendste Anstalt Teutschlands für die Au-ibildung jüdischer Theologen, die auch im Ausland einen autztrordentlichen Ruf genießt und von zahlreichen Hörern aus alles« Ländern besucht wirb. Ihre Absolventen sind dementsprechend in allen Ländern tätig. Bei einem akademischen Festakt.! der anläßsich des Jubiläums am 3. November unter Beteiligung der staatlichen ünd städtischen Behörden, der Unirersität' und zahlreicher Vereinigungen und Verbände stattfand, sprach Dozent Tr. Heinemann über die Entwicklung und Bedeutung des Seminars. Er erinnerte an den Gründer Tr. Jonas Fränkel und an den ersten Leiter Zacharias Frankl, die, aufbauend auf den Lehren und dem Wirken Moses- Mendels 354^ fohns, eine Stätte schufen, an der junge Rabbiner ebenso ,r. tiefem jüdischen, wie europäischen Wissen erfüllt werden soiie Damit war der innerjüdische Kampf zwischen der am Altfesthaltenden und der nach neuen Zielen strebenden Nicht», zugunsten der modernen Entwicklung entschieden. An der Ans!«! haben sm Laufe der Jahre bedeutende Männer gewirkt, u. auch deic bekannte Historiker Heinrich Grätz. Imi Namen des preußischen Kultusministers und der Br« lauer Regierung sprach Regierungspräsident Iaenicke, f die 'Universität. der Rektor Professor Ehrenberg. Eii große Zahl jüdischer Vertreter brachte Glückwünsche zum Andruck. s« u. a. aus Berlin Rabbiner Tr: Baeck, Kammergerichr rat Tr.! Wolf, Tr. Ismar Freund und Rechtsanwalt Tr. Kl«! Aus Budapest war Professor Tr. Blau erschienen. Verurteilte Ritualmordhehe Streicher und Hclz. Das- Schwurgericht Nürnberg verurteilte' dci Schriftleiter des antisemitischen Hetzblattes „D e r''S t ü r M e r'. Stadtrat Holz, wegen fortgesetzten Vergehens wider d!j Religion zu drei Monaten 15 Tagen Gefängnis und den Land tagsabgeordneten Streicher wegen eines Vergehens gegedie Religion zu zwei Monaten Gefängnis sowie beide zu- Kostentragung. Ter Staatsanwalt hatte gegen Holz 10, ge ge Streichen 8 Monate beantragt. Es handelt sich um eine widerliche Ritualmordhetz« die von dem Gladbecker Gymnasiastenmord, dem Knabenmor bei Monau in Unterfranken und dem Zusammenbruch einevermeintlichen jüdischen Bankhauses in Regensburg ausging Wegen dieser mit entsprechenden Illustrationen versehenen Ar tikel wurde vier lange Tage gegen Streicher als Herausgeber und Staotrat Holz als Schriftleiter des „Stürmer" verhandele Ter sachverständige, der katholische Prälat und Profelloi Göttsbierger aus München, gab ein vernichtendes Gut achten üher die Ritualmordlüge ab und wies nach, daß all, Zitate d« „Stürmer" aus dem Talmud aus dem Zusammen hang gerissen und völlig sinnwidrig verwendet worden sind. Heldentaten- Aus Würzburg wird gemeldet, daß auf dem israelitische» Friedhof in Roedelsee von verbrecherischer Hand 11 Grabsteine umgeworfen und 8 in rohester Weise zertrümmert wurden. Von den geschändeten 8 befanden sich 5 auf Kindergräbern. Auck das Grabdenkmal des Rabbiners Thalheimer wurde zertrüm wert. Es ist innerhalb kurzer Zeit das zweitemal, daß dieser Friedhof geschändet wurde. Für die Ergreifung der Täter sind 500 Marh Belohnung ausgesetzt. Eia Gesetz über die Mische Religionsgemeinschaft in Jugoslawien Tas Amtsblatt der Regierung Jugoslawiens wird in diese» Tagen ein Gesetz veröffentlichen, welches das Verhältnis des jugoslawischen Staates zur jüdischen Religionsgemeinschaft in allen Beziehungen regelt. Wie der ITA-Vertreter erfährt, ha' die Kultusabteilung des Justizministeriums den vom „Verbau.' jüdischer Kultusgemeinden in Jugoslawien" vorgeschlagenen Ge sctzestext vollinhaltlich akzeptiert, so daß das neue Gesetz die jüdischen Kultusinteressen in Jugoslawien in vollem Maße wahren wird. — In diesen Tagen wurde ein Gesetz über die jenigen Feiertage veröffentlicht, an denen Staatsbeamte und Soldaten^ des betreffenden Glaubens dienstfrei sind. Gemäß dem Vorschläge des Verbandes jüdischer Kultusgemeinden in Jugoslawien sind jüdische Beamte und Soldaten an den zwei Rosch-Haschanah-Tagen, am Jom Kippur, an den Pestach-, Sukkoth- und Schewuoth-Tagen dienstfrei. 150 000 Mische Analphabeten in Eowjetrutzland? _Die rassischen Zeitungen berichten, daß in den Ländern der -owielunipn rund 150 000 Juden im Alter von 16 bis 50 Jahren des Lesen» und Schreibens unkundig und demnach als Anal phabeten zu bezeichnen sind. Es werden Kurse zur Unterrichtung der Analphabeten in vielen Orten eröffnet. Zu bemer- {**"... jfc kei der Zählung der jüdischen Analphabeten nicht berücksichtigt wurde, daß die große Mehrzahl derselben hebräisch Lesen ünd Schreiben gelernt hat. 1 j»

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