Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 37 (13.9.1929)
- Date
- 1929-09-13
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4911661-5448526-5449133--2336-4913732- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
asiatischen Besitzungen Englands betraut hat. Tie hatten dort Aufgaben zu lösen, die großen politischen Takt und feinstes psychologisches Verständnis für die Seele der orientalischen Völker verlangten. Als der Weltkrieg im vorderen Asien liquidiert wurde, und England daranging, seine in der Balfour-Teklaration gegebenen Versprechungen einzulösen, die jüdisch-nationale Heimstätte im Heiligen Lande unter seine Obhut zu nehmen, wußte es keinen befferen Mann, als den Zionisten Sir Herbert, um den Grundstein der Mandatsregierung zu legen. Fünf Jahre hindurch hat er als Oberkommissar und als höchster Kommandierender der in Palästina stationierten Streitmächte gewaltet. Seine Macht und sein Einfluß leichten weit über die Grenzen des Landes bis nach Mesopotamien, bis zu den Gebieten jenseits des Jordan hinaus. Er mußte Völkerstämme, die der Weltkrieg und seine Folgen in tiefgehende Erregung versetzt hatten, in leidlich geordnete und ruhige Verhältnisse zurückführen. Er mußte zwischen der arabischen Bevölkerung Palästinas und den jüdischen Siedlungen, die sich in diesen Jahren durch eine rapide Einwanderung gewaltig vermehrten, ein leidliches Einvernehmen herzustellen versuchen. Von zionistischer Seite wurde, um es offen zu sagen, die Verwaltungstäligkeit Sir Herberts häufig bemängelt. Man hatte von ihm eine stärkere Begünstigung der jüdischnationalen Bestrebungen erwartet. Andererseits muß mdn bedenken, daß er als hoher englischer Beamter, als Vertrauensmann der britischen Regierung nichts unversucht lassen durfte, um die Araber Palästinas für die neue Ordnung der Verhältniffe zu gewinnen. * „Deutsche Zeitungen haben voretwa 10 Tagen die Nachricht gebracht, daß. Sie. Sir Herbert, auf einen Ruf der englischen Regierung Ihren Aufenthalt beim Präsidenten Masaryk abgebrochen hätten, um abermals als Oberkommissar nach Palästina zu gehen und dort die arabische Aufstandsbewegung zu liquidieren?" j „Davon kann keine Rede sein", antwortete Sir Herbert. „Ich habe von der Regierung keinen solchen Auftrag erhalten und werde von Berlin aus mit meiner Familie nach London zurückkehren." Wir kamen auf den arabischen Aufstand zu sprechen. „Ich bin überzeugt, daß es möglich sein wird, die Ruhe bald wieder herzustellen. Schon jetzt werden die Araber durch das Eingreifen unserer militärischen und polizeilichen Kräfte zu der Einsicht gebracht, daß sie im Grunde eine Niederlage erlebt haben. Es soll sich bereits eine tiefe Ernüchterung in ihren Reihen verbreiten." Ich frage nach den Ursachen des Aufstandes. „Die Ursachen sind verschiedener Art: Fanatisierung der unteren Massen durch die herrschenden Effen-is. Denken Sie sich, bitte, daß die zum Teil noch sehr rückständige arabische Bevölkerung durch die jüdische Siedlung, besonders in den Städten, zum ersten Male in größerem Stil mit der europäischen Zivilisation Bekanntschaft erhält. Sie reagiert entweder mit leidenschaftlicher , Ablehnung oder mit lebhafter Neugierde darauf. Infolge ' der außerordentlichen Erhöhung der Löhne mußten die > herrschenden Schichten fürchten, daß die arbeitende ' arabische Bevölkerung ihnen nach und nach aus den Händen gleiten werde. Bei der steigenden Einwanderung der Juden war es ihnen daher leicht, eine nationale und religiöse Bewegung zu inszenieren. Als die arabische Exekutive in Palästina im Zusammenhang mit dem Streit um die Klagemauer den Kampf gegen die jüdische Einwanderung auf das Gebiet der religiösen Leidenschaften hinüberzuspielen vermochte, da wurde dieser gefährliche Angriff von indischen und ägyptischen Moslems finanziell unterstützt, um den Islam vor drohenden Gefahren zu schützen. So ungefähr werden, kurz gesagt, die Zusammenhänge sein." Ich frage weiter: „Wird die arabische Bevölkerung eine öffentlich-rechtliche Vertretung, eine arabische Parallele zur Iewish Agency erhalten?" „Sie werden wissen, daß ich selbst als Oberkommissar bereits einen solchen ersten Versuch gemacht habe. Tie 298 Mani^atarmacht hat an eine beratende Vertretungskörper schüfst für die Araber Palästinas gedacht; aber im gegci wärttzen Augenblick müssen ^vohl alle solche Pläne no zurückgestellt werden, bis wieder völlige Ruhe und Or nungj im Lande eingekehrt ist." F)ämit war unsere Unterhaltung zu Ende. ol«l. Weitere Nachrichten über die Ereignisse in Palästina au -eite»92. Weltfriedenskongreh und Judentum J Der „Jüdische Friedensbund" sBerlii! erläßt ein Communiquö über die Vertretung de jüdischen Gemeinschaft in der Vorkonferenz de I Weltfriedenskongresses der Religionen in Frankfu» a. 3)1., dem wir folgendes entnehmen: A Union warer beteili inzw dessen Bank sprechje Nos an diu und Die Friedi für daß etwamußt iich i Weckil Jüdi n der zweiten Vorkonferenz des von der „Church Peac« vorbereiteten Weltfriedenskongrestes der Religwney die jüdischen Kreise verschiedener Länder erheb.ich stärket gt als an der vorangehenden sGenf, September 1928). De. chen gegründete „Jüdische F r i e d e n s b u n d",. au Spitze Oskar Wassermann, Direktor der Deutschen steht, hatte, der Einladung des Exekutivkomitees enl nd, den Vorsitzenden feines Arbeitsausschusses, Dr. Alfrc i g. zu der Tagung entsandt. Die Begrüßungsansprache Konferenz hielt im Namen des Jüdischen Friedensbundcher Frankfurter Gemeinde Rabbiner Dr. Seligrnan » üdische Gemeinschaft — führte er aus — hat als erste dir nsidee verkündet, jedoch erst als letzte eine Organisation Friedensarbeit geschaffen. Ter Grund hierzu lag darin die Bekenner des jüdischen Glaubens die Friedensliebe Selbstverständliches war. Sobald jeder einzelne das Be ein haben wird, daß er für Krieg und Frieden verantwor: t, dann wird der Friede verwirklicht werden. An dci ng dieses Bewußtseins mitzuarbeiten, ist die Aufgabe de scheu Friedensbundes. die fir (Äne Schwesternvereinigung des „Jüdischen Friedensbundee' die „Iewish Peace Association" (London) vertrat deren Präsident Dr. I. H. H e r tz, Chief-Rabbi des Englischen Empire * Ter Leitung dieser Organisation gehören gegenwärtig auch Lion.l de Rothschild, Tr. Claude Montesiore, Sir Herber! iamuel, Sir Meyer Spielman an. Die amerikanisct.e Jude» heit war durch die Rabbiner Dr. D. de Sola Pool uiv. Dr. Stephen Wise repräsentiert, die polnische durch Rabb Ru bin stein aus Wilna, Mitglied des polnischen Senai Aus'Palästina waren Herr und Frau Be n sio n sowie Her Agrpnsky eingeladen. Mit stärkstem Beifall wurde die durch den Generalsekretär Rev. Atkinson verlesene Botschaft des großen Phi.anthrop Nathan Straus ausgenommen, in der es heißt: Eine religiöse Weltkonferenz für internationalen Friede eine Vorläuferin des Tages, an dem die Völker ihr Schwer mehr gegeneinander erheben und nicht mehr Kriegführe neu werden. Jetzt, am Abend meiner Tage, wird es m. rer als je. daß sämtliche Religionen ihre Bekenner er hnen, im Namen der Vaterschaft Gottes und der Brüder ft aller Menschen sich zu vereinigen." t. ist n lei i ht klk m>> scta Der Tag, an dem Kirche, Synagoge, Moschee und Tempo! es gemeinsam ablehnen werden, den Krieg für ihre Bekenne! zu sanktionieren, wird'der glorreichste in der Geschichte de Mjenschheit'sein. Aon besonderer Bedeutung für die gesamte jüdische Gemein schaftj ist der von der Vorkonferenz nach langen Diskussione gefaßte Beschluß, den religiösen Weltfriedenskongrel nach Jerusalem einzuberufen. Wie Rev. A t k i n s o n offiziell bekanntgab, soll der Kon greß!im April 1932 stattfinden. Angesichts des noch ziemlic! entfe vten Termins wird die englische Mandatarverwaltung woh. ist de: Lage sein, vollkommen gesicherte Verhältnisse in Palästin. zu sä offen. Andererseits hat die Iudenheit die Möglichkeit, de: „Vorkäufer des Tages", an dem alle Völker, dch» Weissagungei der Propheten entsprechend, sich auf dem Heiligen Berg ver sammeln werden, würdig vorzubereiten. Dem „Jüdischen Friedensbund" sind in dieser Angelegenhei. bereits aus verschiedenen Ländern Anregungen zugekommen Sämtliche Zuschriften! sind an die Geschäftsstelle des „Jüdischei Friedensbundes", Betlin-Schöneberg, Am Park 15, zu richten.