Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 31 (2.8.1929)
- Date
- 1929-08-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Landgerichtsrat „Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuen und zu festigen, dem inneren und dem äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, hat sich diese Verfassung gegeben." „Einig in seinen Stämmen!'^ Mit Bewegung und Ehrfurcht lesen wir die feierlichen Akkorde des Borspruchs zur Verfassung des Deutschen Reiches vom 11. August 1919. Welch trete Liebe zur niedergeschlagenen Heimat, wieviel guter Wille zu ihrem Wiederaufbau, unter Anteilnahme aller Deutschen, offenbart sich in diesen Worten! Zehn Jahre sind seit jenem denkwürdigen Tage von Weimar vergangen. Eine kurze Spanne im Dolkerleben, aber immerhin doch genug, um aus dem Tageskampfe heraus jener Zeit zu gedenken, da unerschrockene und beste Männer sich zusammentaten und unter den schwersten äußeren und inneren Stürmen dem deutschen Volke ein festes Haus bauten. Ein Haus, unter dessen Schutze in diesen wenigen Jahren Deutschland in eiserner Arbeit aus tiefstem Niedergang einen Wiederaufstieg nahm, vor dessen Größe selbst das ehemals feindliche Auslynd seine Bewunderung nicht verbirgt. — Ein Haus bedarf der Pflege. An den Fundamenten des deutschen Verfassungshauses aber nagen die Zerstörer. Jene Elemente, die sich erst unter dem Schutz dieses Hauses hervorwagten, aber damals fehlten, als das von ihnen heute als allein seligmachend gepriesene System zusammenbrach. Verfasiungen sind dazu da,^ der Gesamtheit ein staatlich bestgeordnetes Leben zu ermöglichen. Gekannt und gelesen werden sie von den wenigsten. Um so mehr ist es anläßlich der verleumderischen Angriffe einer staatsfeindlichen Minderheit auf den deutschen Staat, seifte Entstehung und sein Wesen, unsere Aufgabe-an diesem zehnten Berfassungstage uns wieder vor Augen zu rufen, wie die deutsche Republik entstanden ist, was sie uns gegeben hat und noch gibt. Die klare Kenntnis dieser Dinge wird aufklären, stärken und versöhnen. War denn wirklich Verrat und Eidbruch die Wurzel unseres heutigen Staates, wie immer noch von böswilliger Seite behauptet und von ach zu Bielen, Unwissenden, geglaubt wird? Ist wirklich Aufruhr und Untreue die Grundlage der Verfassung? Schwerlich könnte und dürfte — wie im Leben des einzelnen — auch eine Gesamtheit, ein Staat, fortdauern. dessen tiefste Wesenseigentümlichkeit unmoralisch ist. Aber nicht auf. diesen Grundlagen ist der deutsche Staat erwachsen. Er ist überhaupt nicht neu entstanden. Er ist nur eine Fortsetzung des alten Deutschen Reiches in neuem Gewände. Er kann ja kein neuer, kein fremder Staat sein. Die Menschen, r. Dieneiyann in Kottbus. die ihn bilden, sind die gleichen. Das neue Gewand, das sie sich gegeben haben, weil das alte nach furchtbarstem Kampfe gegen eine Welt von Feinden zerrissen war, haben sie sich auf vollkommen gesetzlichem Wege gegeben, durch die — auf ordnungsmäßig durchgeführten Wahlen beruhende — verfassunggebende deutsche Nationalversammlung. Wohl kann man von einem Chaos sprechen, das 1918 nach dem Zusammenbruch des monarchischen Systems Deutschland zu zersprengen und zu vernichten drohte. Aber dieses Chaos erzeugte nicht die Republik. In jenen furchtbaren Monaten nach dem 9. November 1918 bis zum 11. August 1919, da die Nationalversammlung mit 262 von 338 abgegebenen Stimmen die Reichsverfassung verabschiedete und damit die republikanische Staatsform durch Gesetz festlegte, mußte naturgemäß staatsrechtlich ein Nichts bleiben, das Chaos herrschen. Sollte in ihm das führerlose deutsche Staatsschiff nicht zerschellen, sollte der durch Bismarcks ^roße Kunst ver- , wirklichte Traum, die Sehnsucht aller guten Deutschen, die deutsche Reichseinheit, nicht für unabsehbare Zeit vernichtet werden, so mutzte in diesem Zwischenraum mangels - einer Rechtsgrundlage die tatsächliche Macht führen. Die tapferen Männer, Ebert an der Spitze, die damals aus diesen Gründen die Macht übernahmen, waren sich dessen bewußt. Sie rissen nicht die Macht an sich. Die Träger der alten Obrigkeit hatten sich ihrer Gewalt begeben. Kaisertum, Bundesrat und Reichstag waren untergegangen. Das oberste Organ dieses untergegangenen Reiches, der letzte kaiserliche Reichskanzler, Prinz Die nächste Bundes- Hauptversammlung Wir machen darauf aufmerksam, daß die nächste Bandes-Haiiptvenaminlnng voraussichtlich im I -November 1929 stattfinden wird. Wir bitten Anträge so vorzubereiten, daß sie bis Ende September 1929 dem Bundesbäro vorliegen. Genaue Zeitangabe und sonstige Mitteilungen werden noch erfolgen