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Der Schild · 1929-07-05 · 27 (5.7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
27 (5.7.1929)
Date
1929-07-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Sie durchleben ihre Zeit, versinken ins Grab: ein Gedenkstein, ein schlichtes Kreuz erinnert an sie. Der Krieg hat Millionen hinweggefegt, deren Gräber weitab von der Heimat liegen. Nicht immer zeigt ein Kreuz die Stelle, die ihre letzte Ruhestätte geworden ist. In der- Heimat aber errichtete man zu ihrem Gedenken Denkmale aus Stein und Erz. Künftige Generationen werden durch sie immer an die Toten großer Kriege erinnert werden. Vor mir liegt ein einfaches Buch in grauschwarzem Einband. Silbern sind drei Worte eingeprägt: „Unseren gefallenen Kameraden". Ich möchte vorerst nicht sagen, welchen Kameraden dieses Gedenkbuch gewidmet ist, um nicht jenen Gelegenheit zu geben, ihr Urteil unüberlegt und vorher zu fallen, die aus Fanatismus oder irgendwelcher Eigenbrödelei gewohnt sind, auch unumstößliche Tatsachen abzulehnen und die Wahrheit bewutzt zu verkennen, weil sie nicht in ihren Kram patzt. E i n e s st e h t hier aber fest: Dieses Buch ist Menschen gewidmet, die draußen im Felde für das deutsche Volk und für unser Vaterland ihr Leben gelassen haben, genau so wie alle unsere Btüder, die nicht mehr in die Heimat zurückgekehrt sind. Wir schlagen das Buch auf und finden die Bildnisse junger Menschen. Aus jedem einzelnen Gesicht spiegelt sich frisches, blühendes Leben, ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft. Und doch, kaum lätzt sich's fasten, alle liegen schon als die Opfer des Kampfes für Volk und Vaterland irgendwo unter dem Rasen. Ein kurzer Lebenslauf zu jedem Bild zeigt, wie mancher aus einem hoffnungsvollen Leben in einen schauerlichen Tod ging. „Er fiel ... " heitzt es immer wieder. Ja, sie sind alle gefallen, gefallen für uns. Und alle, die da gefallen sind, waren Juden. Ist es überhaupt notwendig, festzustellen, datz die Gefallenen Juden waren? Doch es tjjjf notwendig, denn davon. datz auch Juden ihr Leben für unser Vaterland gelösten haben, will man in der heutigen wirren Zeit^ absichtlich recht oft nichts wisten. vielleicht deshalb, weit diese Tatsache wenig geeignet ist, sie zu irgendwelcher. Gegenaktion auszubeuten, ja sogar eher angetan wäre, hie und da hemmend im Wege zu stehen. Wir haben es ja erlebt, datz man bei sogenannten „allgemeinen" Helden-Gedenkfeiern an den Kriegerdenkmälern, die allen Gefallenen gewidmet sein sollen, jüdische Frontkämpfer-Vereinigungen von der Teilnahme ausgeschlossen hat. Mögen wir stehen, wo wir wollen: ein bitzchen Ehrlichkeit, ein bitzchen Gerechtigkeitssinn, dann muß sich selbst der verbissenste Gegner sagen, daß es ein Frevel an unseren gefallenen Kameraden ist, vor ihre Denkmale hinzutreten und dort von Kameradentreue, Nächstenliebe und all den schönen Dingen zu sprechen, wenn man es nicht über sich bringen kann, selbst in diesem geheiligten Moment, Parteileidenschaft und Klasten-Gegensätze hintenanzustellen, noch dazu, wenn jene Bekämpften selbst am Schicksal eines Volkes in genauem Verhältnis mit Blutopfern beteiligt waren. Was jene Juden auch an menschlichen Schwächen — und wenn sie noch so verabscheuenswert gewesen wären — gehabt haben mögen, sie , mästen zurücktreten vor der Tatsache, datz auch sie im feldgrauen Kleid den Opfertod erlitten haben. Mag der Kampf, der heute dem Judentum angesagt ist, Berechti- ' gung haben oder nicht, er darf sich nicht — erst recht nicht in unbezähmbarer Behäbigkeit — auf die erstrecken, die draußen geblieben sind. Ein Kampf mutz ehrlich sein und er ist nur dann ehrlich, wenn auch dem Feinde die Anerkennung nicht versagt bleibt, die er durch gute Taten sich verdient hat. Die nahezu 200 gefallenen Münchener Juden, henen die Ortsgruppe München des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten das eingangs erwähnte Gedenkbuch widmet. haben unabweisbar ihre Pflicht für Volk und Vaterland erfüllt. Deshalb auch ihnen Dank Und ihrem Andenken Ehre. Hermann Geißer. Bundes-Haapfversammlong Wir machen darauf aufmerkiam, daß die nächste Bandes-HaHptversammliiiig voraussichtlich im ‘ November 1929 ’ stattfinden wird. _ Wir bitten Anträge so vorzubereiten, daß sie bis Ende September 1929 dem Bundesbüro vorliegen. Genaue Zeitangabe und sonstige Mitteilungen werden noch erfolgen

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