Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 25 (21.6.1929)
- Date
- 1929-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Bundes, gedachte dankbar der Gründerin, deren visionäre Einsicht und geniale Borschau die Notwendigkeit vereinter Frauenkraft erkannte, dankte der anwesenden Zeugsn, Mitschöpferin und Mitbegründerin Tidonie Werner und den beiden unvergeßlichen und unvergesienen Heimgegangenen: Martha Frankl und Henriette May. Nach einem Fahr gehörten dem Bund, siebzig Bereine an, nach zwei Jahren zweihundert, heilte umfaßt er fünfunddreißig Ortsgruppen und vierhundertzwanzig Vereine. Des Frauenbundes erste Idee stammt aus d^r allgemeinen Frauenbewegung. Es war die der oerbesserten Mädchen-Erziehung und -Bildung. Man wollte der Frau auch geistig das nötige Rüstzeug für ihre neuen Aufgaben gebep. Die zweite Idee, die mit dem Erziehungsideal zusammen dem Bund große Aufgaben stellte, war die soziale. Zur Verantwortlichkeit sollten und sollen die jüdischen Kinder erzogen werden, zur Arbeit. Kinderheime wurden gegründet, und schon vor dem Krieg neue Methoden in der sozialen Arbeit gesucht. Krieg und Not entwickelten sie weiter und bauten sie aus. Man suchte Anschluß an andere Frauenorganisationen. Ein Hauptgebiet der Bundesarbeit bildet die vorbeugende Fürsorge. Man will Gesunde zur Erholung wegschicken, um ihnen durch Einschalten einer Pause in die - Alltagsarbeit wieder neue Kraft und Schaffensfreude zu geben. Kinder, Schulentlassene, Mütter, Haus- und berufstätige Frauen will man auf diesem Wege gesund erhalten und stärken. Erholungsheime bestehen in Flinsberg, im Ostseebad Cranz und in Wolfratshausen, wo auch eine Hauswirtschaftsschule gegründet, wurde. Die vorbeugende Fürsorge erstreckt sich auch auf den Kampf gegen die Tuberkulose. Tuberkulös gefährdete Kinder finden Heilung und Pflege in dem feit zwei Jahren bestehenden Kinderheim in Wyk auf Föhr. Die vielen anderen Arbeitsgebiete des Bundes konnte die Rednerin nur kurz streifen, die Fürsorge für uneheliche Kinder, die Adoptionsstelle und die Bahnhofshilfe, die noch mehr ausgebaut werden soll. Eine wichtige Aufgabe sieht Frau Ollendorff in der Gründung von jüdischen Jugendheimen, in denen die Heranwachsenden jüdisches Leben, das ihnen das Elternhaus nicht bietet oder nicht bieten kann, finden und genießen. Frühehe-Kasien sollen der Not junger Menschen abhelfen. Auch in der Gemeinde will die jüdische Frau Wahl- und Stimmrecht erlangen und dazu beitragen, aus einer reinen Verwaltungsbehörde eine Stätte sozialer Arbeit und Hilfe zu machen. Den sachlichen und doch von jüdischer Ethik getragenen Ausführungen der Frau Ollendorff schloß sich eine Rede an, die sich mit Kritik an getaner und Plänen für zukünftige Arbeit befaßte. Hannah Karminski (Berlin) will mehr Jugend und berufstätige Frauen dem Bund zugeführt wissen, dessen Mitglieder hauptsächlich aus bürgerlichen Ehefrauen bestehen. Auch für die Delegiertentagungen schlägt sie neben den alten und bewährten junge Kräfte vor. Beschäftigung und Verständnis der An das Unfrankiert i in den Briefkasten werfen oder am; Postsdialter / abf eben. Postamt Jugend muß ihrer Meinung nach angestrebt werden. '■ >Qn soll nicht wie bisher alle Probleme zu sehr vom Sl -»dpunkt der verheirateten Frau aus ansehen. Die Redn rin verlangt ferner die Vermeidung von Wohltätigkeitsfc .en. Beschäftigung mit den sehr wichtigen Fragen der 8evölkerungspolitik uyd spricht sich für einen innig en Zusammenhang mit t>en Rabbinern und geistigen ihrer» aus. Eine lebhafte Diskussion beschäftigte sich mit ,en aufgezeigten Planen und Ideen. Else Czapsl.:. Albert Thomas über Palästina Ueber die wirtschaftliche Situation in Palästina erh.ü-e» wir eine objektive Schilderung von einer besonders mahgebciiSen Stelle. Albert Thomas gibt nämlich in seinem großen Bericht, den er jetzt als Direktor des Internationalen Arbnts amts der Internationalen Arbeitskonferenz, die zurzeit in Gens tagt, erstattet, auch eine kurze Uebersicht über die Lage in Palästina. Daraus erfahren wir, datz sich die wirtschaftliche Situa:-.on dort seit dem letzten Jahr gebessert hat. Im Mai 1»27 gab es im Heiligen Lande 8300, im August 1928 nur noch 1200 Arbeitslose. Diese Zahl ist inzwischen weiter zurück gegangen. Infolgedessen sind seit dem 1. November 1!>28 000 Einwanderungsscheine ausgestellt worden. Aber die IIn gleichheit der Löhne und der Lebenshaltung der jüdischen unarabischen Arbeiter macht dauernd Schwierigkeiten, -o kam es 1927 in den Orangenpflanzungen von Petach-Tikmch, wo die jüdischen Pflanzer ihre Ernte nn voraus an arabische Händler verkauft hatten, die zur Obstlese arabische Arbciicr verwendeten, zu Unruhen, und dies zu einer Zeit, da cs in jener Gegend arbeitslose jüdische Arbeiter gab. Die Regie rung hatte deshalb versucht, die Pflanzer zu zwingen, eine bestimmte Anzahl von jüdischen Arbeitern bei der Obstlese an zustellen. Doch vergeblich.. So kam es im Dezember 1928 litt e u e n Ausschreitungen. Inzwischen zeigen auch andere Porgänge, datz die Araber an kein Zusammengehen mit den Juden denken. Die arabischen Schneider, Tischler, Schmiede gnd Träger haben zu Beginn dieses Jahres beschlossen, eigene Gewerkschaften zu gründen. Die arabische Presse verlangt die Ernennung eines Ausschusses zur Untersuchung der die paiosiinischen Arbeiter angehenden wirtschaftlichen Fragen. Im Laufe des vorigen Jahres haben mehrere Sachverständige Palästina bereist, um die Aussichten der jüdischen Kolonisation zu unter suchen. Die Joint Palestine Survey Commission hat die jüdische Tätigkeit in Palästina seit der Beendigung des Krieges in jeder Hinsicht geprüft und eine Reihe von Vorschlägen über die Ein Wanderung, die Landwirtschaft, die Industrie, die Arbeit und das Finanzwesen gemacht. In den Reihen der Arbeiterschaft herrschte große Unzufriedenheit wegen der Einschränkung des Geltungbereiches der Verordnung über die Unfallentschädigung aus ge . wisse Handwerks- und Gewerbezweige. Man hat — bisher wt geblich — ihre Ausdehnung auch auf landwirtschaftliche, Berehrsarbeiter sowie auch Büroangestellte gefordert. Im vorigen äahre hat auch der Allgemeine Jüdische Arbeiterverband ter egierung eine Denkschrift überreicht, in der gefragt wild, welche Maßnahmen sie zu ergreifen gedenke, um den Bestien mungen des Gesetzes über die Zahlung angemessener Löhne für die «n diesem Gesetz angeführten Arbeiten Geltung zu v>r schaffen. In dieser Denkschrift wird auch Klage darüber .geführt, daß die Gemeindeverwaltung von Jerusalem aus Spcrsamkeitsrücksichten alle Straßenarbeiten an Unternehmer v>. geben habe, die nichtjüdische Arbeiter beschäftigen. Die Reg ,' rung wird deshalb ersucht, dahin zu' wirken, daß diejenige» Unternehmer, die jüdische Arbeiter beschäftigen, einen bestimmen Anteil an den öffentlichen Gemeindearbeiten zugesichert u> halten, der dem Verhältnis der Juden zur Gefamtoevölkeru g der betreffenden Ortschaft entspricht. Als ständiger Grund sitz soll' gelten, datz die Zahl der bei den öffentlichen Arbeiten »> beschäftigenden jüdischen Arbeiter im Verhältnis zur Gesai't zahl der jüdischen Arbeiterschaft des Landes und der von d-r jüdischen Bevölkerung gezahlten Steuer festgesetzt werden f>'ü. Die Regierung hat inzwischen erklärt, daß sie zwar gewillt M, die Ausbeutung der jüdischen Arbeiter durch die Unternehr cr — das gilt speziell für die Hafenbauten in Halfa — zu v chindern,- jedoch nicht in der Lage sei, Mindestlohne sestzusetz'»- Aus dieser kurzen Betrachtung, die der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes den wirtschaftlichen Verhältnisicn Palästinas widmet, geht hervor, wie groß dort die sozialen Spannungen sind. K. Z. 206 >