Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 23 (7.6.1929)
- Date
- 1929-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Weltrekord im Segelflug Robert Kronfeld segelt« fast 1S0 Kilometer. Der Flug war die Sehnsucht des Menschengeschlechts und wir meinen vermessen, diese Sehnsucht stünde vor ihrer Erfül lung. Der Mensch machte sich den Motor, aber der Flug im Luftschiff, im Flugzeug, er ist doch nicht die Verwirklichung des alten Menschheits-Traums vom Fliegen, der sich schweben sah. wie der Vogel schwebt, mit eigener Kraft, mit den Krästen der Natur. Unsere praktische Zeit fand den alten Traum durchaus tat sachennahe. Konstrukteure erforschten den Vogelflug und sind vielleicht schon hinter einige Geheimnisse gekommen, andere Forscher studierten die Entstekung der Luftströmungen. Für beide und mit beiden arbeiteten und kämpften junge Sportler. Sie setzten sich ganz ein, die Forschungen zu vollbringen, sie rechneten mit, aber sie wagten es auch mit dem Divisor des eigenen Lebens die Probe aufs Exempel zu machen. Es stimmt noch nicht ganz genau, viel bleibt noch zu forschen und zu versuche», aber man segelt schon den richtigen Kurs. Das Segelfliegen ist ein Sport geworden. Tic Menschen verschaffen sich day ihnen von der Natur versagte „Lust-Gefühl". lLieber Setzer! wenn es auch so falsch nicht wäre mache kein Lust-Gefühl daraus!) Es braucht Kenntnisse und Mut, Geistes gegenwart und Gleichgewichtsgabe. Der Segelflieger ist ganz auf sich „gestellt", er mutz jeden Aufwind ausnützen, er hat keinen Motor mit sich und keinen Propeller, der Wind treibt ihn, der Wind trägt ihn. er ist eine Art bemannter „Drache", er läßt sich selbst steigen. Ta der Wind mitunter fehlt, mitunter aussetzt, schraubt sich der Segelflieger kühn in möglichst große Höhen, damit er einige hundert Meter „fallen" kann, ohne gleich landen zu müssen. Die Segelflieger haben sich und ihre Flugzeuge schnell vcr bessert. In guter Erinnerung sind noch die Erfolge der RjF. Segelflieger-Gruppe in der Rhön. Um die Flieger weiter anzuspornen, versprach der Verlag der „Grünen Post" demjenigen 5000 Mark, der zuerst im Segelflugzeug 100 Kilometer (Luftlinie) zurücklegte. Das war doppelt schwer, denn 100 Kilometer , zu segeln ist schon einiges, sie aber in einer bestimmten Richtung zu segeln, das galt geradezu als unwahrscheinlich, um nicht das unmoderne Wort unmöglich anzuwenden. Sehr bald ivurde das Unwahrscheinliche Ereignis. Ter jüdische Segelflieger Robert Kronfeld aus Wien hatte erst im Vorjahre auf der Rhön über Haupt mit der Segelfliegerei begonnen. Vorher ivar er allerdings schon ein eifriger Sportler gewesen. Touristik zu Wasser und zu Lande, Schwimmen und IFaltbootfahren waren seine besonderen Liebhabereien. Mit der ausgezeichneten^Sportlerin Grete Adler (ebenfalls Jüdin), die Dutzende österreichische Schwimm- und Springmeisterschaften inne hat, oft Skimeisterin von Oesterreich war und sowohl in Göteborg bei den großen Wettkämpfen als auch bei den bisherigen Kampfspielen im Turmspringen der Damen siegte, mit dieser großartigen Sport lerin vollführte Kronfeld vor drei Jahren eine Faltbootfahrt 'durch Spanien auf dem Tajo. Unbekannte Schwierigkeiten und Gefahren wurden gemeistert, und er schilderte seine Fahrt in einigen Artikeln und in Lichthild-Vorträgen selbst sehr gut Seine Borträge in der Wiener „Urania" waren -bis in die letzte Zeit fast immer ausverkauft, ein Beweis dafür., wie feine Wiedergabe stets aufs neue zu fesseln vermochte. Robert Kronfeld ist der Sohn des Wiener Zahnarztes Tr. Kronfeld. Er begann also erst vor einem Jahre in der Rhön mit seinem neuen Sport, der ihn als Techniker vorerst vor allem beruflich festeste. Bald brachte er es im Dauersegeln aus stundenlange Leistungen, und dann ließ er sich Rekord-Flugzeug „Wien" auf Pump ballen. Er war ein Spezialist im Wolkensegeln und die Rekord-Strecke von Berbeshövede nach Horn- Bad im Teutoburger Wald hat er sich selbst ausgesucht. Er hat also gleich ein ganz neues Segelslug-Gelände ..entdeckt". Die Strecke vom Start zum Landungsplatz mißt 102 Kilometer, ge flogen ist Kronfeld aber fast 150 Kilometer, denn er mußte natürlich oft hin- und hermanovrieren. Er flog an sechs Stun den, er ließ fein Ziel nicht fahren, er kam allerdings an ihm so erschöpft an. daß man ihn zur feierlichen Begrüßung durch den Bürgermeister von Horn aus dem Apparat herausheben mußte. Kronfelds Rekord wird nicht lange stehen. Er selbst wird ihn vielleicht bald verbessern. Der Flugforschung, der Segelfliegerei. dem Lport und besonders dem jüdischen Sport hat Kronfeld mit seiner Rekordtat einen unvergeßlichen Dienst ge leistet. Die jüdische Jugend wird gleich ihm begeistert zur Hoch leistung streben. Wo ein Wille ist. da ist auch ein Weg. Kronfeld mißlang anfangs in der Rhön fast alles, er war aller Mittel und Möglichkeiten entblößt, aber schließlich setzte er sich doch durch. Sein sportgestählter Körper, seine Energie und sein Mut überwanden alle Hinderniste. still. _ I HiaiNinnetaflc Epott-Echttd ic »er [»■•«iiimk, «erli». . . Sampsinannschast: jeden Montag ab 8.80 Uhr. — Fortgeschrittene: 1 »k"„Mittwoch ab 8,80 Uhr. Anfänger: jeden DonnerSiag ab ».in ui«. _ DratningSräume: Schönebcrg. Hohenftaufenftr. 81. 8.80 Ubti Kcllerlokal. — Gäste trainins! willkommen! Kameraden, besucht unser mit dem - 3h**, Jiu-Jitlh-Gruvv« unserer Ortsgruppe Berlin ist >. Mat 1829 in das Bereinsreaistcr eingetragen worden. Wir freuen uns. dies mittcilcn zu können und wünschen niiierer Jiu-Jiisu-Gr»vve auch weiterhin seiten Bestand und gute Erfolge zur Wahrung ihres alten guten Ansehens. Sport im RjF. Svortgruppe im Reichs»««» jüdischer Frauisaldaieu. Ortsgruppe Berlin. Geschäftsstelle: (S. 2, Burgftr. 2«, Zimmer 10 «benutzt Norden K!Hi:ll. Training für alle: jede» Dienstag ab 6 tltzr Sportplatz Einsame Pappel: jeden Donnerstag ab 8 Uhr Sportplatz Einsame vovvcl.^ Training für Handballer: jeden Mittwoch ab 8 llbr Sportplatz Einsame Pappel. — Die Geschäftsstelle erteilt gern Ansknnst! _ X Realia-Stafsrltag! „ A», sonntag. de» Sä. Mai. fanden auf dem Sportplatz Weitend -tasselkanipse statt. Zn dieser Veranstaltung hatte die Svortgruppe im RjF. eine Männer- und eine Damcnftasfcl gemeldet. Während unsere Männermanuschast durch schlechten Stabwechsel nicht in die Enlcheidnng kam. gelang cs unserer Damcnmannschait in der 4xlk>0-Mctcr-Ltassel den 2. Plav biuter Osram zu belegen und unter anderen die Staffel des Veranstalters nnd der AEG. zn, schlagen. - ' Mitteilungen der Bundesleilung Die Bunde» savunge«. Die in der letzte« Bundeshauptoersammlnn« am Sä. tl. tut* beschlossene« «adnugsäuderunge« sind «««mehr bei« Amtsgericht Berlin-Mitte i« d>» Bereiusregifter eiugetraae» worbe«. Dir ncntn Satzungen, di« wir schnellsten« drucken lassen werde«, treten jetzt I« Kraft. „ Aus den Landesverbänden und Ortsgruppen Landesoerdand Niederlachie». Hannover. Am Sonnabend, den 1t. Mai. fand eine Zülainmenkniift der Kameraden mit ihren Damen in Form eines Bierabends statt. Zunächst hielt Kam. Wittels böser einen Bortrag über das Thema: „Die Weltwirtschaftskrise und die deutschen Juden", indem der n. a. folgende« aussührtc: Bei der Ausschaltung von Menschcnkrästcn innerhalb des Wirtschaftslebens ist infolge politischer Verhetzung besonders die indische Bevölkerung betroffen. Nur durch weitestgehende Aufklärung und persönliche Fühlungnahme könnte Abdilse geschaffen werde». Alle jüdischen Kreis« mühten Mitarbeiten, um der fortschrcitcnde» Proletaristerung entgegen,» wirkcn. Anschlietzend blieben die Kameraden mit ihren Dame» noch mehrere Stunden in geselligem Kreise beisammen. .Am Mgiitag. den t:>. Mai, konnte die Ortsgruppe Hannover ihrem Edrcnmitalicde Ernst Augst Le vn. dem letzten noch lebenden Patenkinde des Königs Ernst August von Hannover, zu seinem 80. Geburtstage »Sliirfwünsche aussvrcchen. Tie Kameraden F u e r st. L i e v m a n n und Wittelsböfer überreichten dem Jubilar mit den besten Wünschen eine Ehrengabe. Landesverband Mitteldeutschland. Ehrmnitz. Generalversammlung vom 11. M a i 102!*. Kam. Weiner berichtet über das abaelaufene Geschäftsjahr. Die heutige Mitgliederzahl beträgt 129. Kassierer, Kam. K o b n k «. teilt mit. dak die Beiträge, bis ans wenige Ausnahmen, aut einaedcn und der Etat balanciert. Der Richttghefund dieses wird durch die Kastenprüfer bestätigt. Hierauf folgt Entlastung. Es entsvinnt stch eine lebhafte Debatte, an der sich eilt großer Teil der Kameraden beteiligt. Ter BorNaud setzt stch »nnmehr aus folgende» Kameraden »usammrii: 1. Borsttzender Fritz Weiner, 2. Vorsitzender Erich Wangenheim. 1. Schrtstfübrcr Herbert Arndt. 2. «chriftfübrcr Scrmaiin Horn, Kassierer Fritz Kobnke. «porlleitcr Adolf Pakulla, Mar Bcrdast. WahlanSschust Bacharach. Leo Marx. Brrgnügnnasausschnst Mar Stein. Kassenreviforcn Julius Esüngcr. Ludwig Eobn. Landesverband Südwestdeutschlaud. Mainz. Ti« letzten Monate zeigten ein erfreuliche« Zunehmcn der Bereinßtätigkett »nd deS Interesses der Mitglieder an dem Leben der Ortsgruppe. Ende Januar wählte die Generalversammlung eine» neurn Borstand, bestehend aus de» Kameraden: Ben» Leon tl. Vorsitzender). Tr. Ladenburg l2. Borützenderl, Mar W a l d m a n » <1 Schriftführer). I. Joseph tS»atzmrister) sowie die Kameraden Tr. Stern. Lümenberg und Frtdbrrg als Beisitzer. Tic neue Leitung wußte die Mitglieder in stattlicher Anzahl bei den am t. Mittwoch jeden Monats ftattfindende» Stammtischabcnde» zu versammeln und damit das gesellige Zusammensein der Kameraden zu heben. In gemutlichcr Aussprache konnten sich die Kameraden über Kragen inneriudischcr und allgcmcinpolitischcr Dinge aussvreche» und gegenseitig naher komme». Hebuna der Kameradlchastlichkcit trug wesentlich der als Ab- S der Wintcrzcit im Kabarett Sanssousst abgehalten« Herrenbet, der auch ausen Besuch der benachbarten Ortsgruppen hatte. Zum harmonischen Verlauf dieses Festabends tru^n neben den Mitgliedern des Kabaretts von den Mitgliedern verfaßte Lieder bei und nicht zuletzt die voy Kam. F r i d b e r g. dem Leiter de« Abends, vorgcnommenc amerikanische Versteigerung ,n wobltaitge» Zweckni. njj Winter hofft man den Kameraden an geistigen Anregungen mehr bjrten zu können, als es in dem vergangenen «an», der Vorsitzende unsercs Landesverbandes, sprach Im Monat Mär, über da» Thema: .Was lernen wir aus den FriedbosSschändungen!'". während unser bieftger Sam. Tr. Fritz Lehmann im Monat Avril über dte Entwicklung de» traditionellen Judentums der Orthodorie nach der Emanzipation sprach. v während der Sommermonate plant di« Ortsgraop« einen Abend im Freien gemeinschaftlich verbriuge» zu kbnnen. während dt« Turn- ■ ■ _ 191