Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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schen Tropenhitze nicht viel Ueberwindung, in der Laubhütte zu schlafen. Die afrikanischen Juden wurden bis in die neueste Zeit von der' geistigen Entwicklung des europäischen Judentums völlig abgeschlossen. Sie hatten kaum Kenntnis von unserer Existenz, und so fehlten in ihren religiösen Gebräuchen und Riten manche Einrichtungen und Vorschriften, die sich in der nachbiblischen und nachtalmudischen Zeit im Leben der europäischen Juden herausgebildet hatten. Die afrikanischen Juden führen ein streng reUgwses Leben, halten den Sabbat, die jüdischen Festtage und die Speisegesetze auf das genaueste ein. Aeußerlich akkomodieren sie sich der islamitischen Umwelt, sie kleiden sich wie die Araber, und selbst ihre Synagogen sind von den Moscheen kaum Zu unterscheiden. Bloh das allweltliche Symbol des jüdischen Hauses, die Mesusah an der Türpforte, zeigt uns, dah wir vor einem jüdischen Haus stehen. Und ich will es nicht leugnen, dah ich, obgleich ich als Fremdenlegionär in wilden Kämpfen sicherlich körperlich und seelisch abgehärtet war, beim Anblick der ersten Mesusah ayi Rande der Wüste der Sahara Tränen, echt jüdische Tränen des Heimwehs, nicht zu unterdrücken vermochte. Jeder afrikanische Jude beherrscht die arabische Sprache, und in de» letzten Jahren, mit dem Fortschreiten der Eroberungen der Legionen, beginnt auch die französische Sprache unter ihnen Verbreitung zu finden. Im Verkehr miteinander bedienen sich die afrikanischen Juden säst ausschließlich der hebräischen Sprache. Ten jüdischen Fremdenlegionären gegenüber erwiesen sich die Juden als traditionell jüdische Gastfreunde, bei denen wir stets bevorzugte Aufnahme fanden. Als besonders interessante -Beobachtung stellt Schwarz die Tatsache fest, dah die aus der Pyrenäischen Halbinsel im fünfzehnten Jahrhundert nach Afrika geflüchteten spaniolischen Juden eine eigene jüdische Kulturinsel bilden, die sich auch bis heute noch mit der -viel älteren jüdischen Insel der angeblich aus Palästina eingewanderten Juden weder äuherlich noch innerlich oder kulturell zu vereinigen vermochte. Tie spaniolischen Juden bewahren auch hier mit unbeugsamem Stolz ihre Eigenart.' Tie erbgesessenen afrikanischen Juden sind zum gröhten Teil Landwirte, die ihren Boden selbst bestellen und wie die Araber auch heute noch das Feld mit dem Holzpflug bearbeiten. In den Städten befassen sich die -Juden schon mehr mit dem Handel' und spielen im Warenverkehr der Sahara eine bedeutende Rolle. Ost sieht man eigene grohe jüdische Karawanen durch die Waste ziehen und ihre Ware, Spezereien des Orients and Damast sowie andere erwünschte Waren in die entferntesten Oasen führen. Diese Karawanen reisen zumeist unter Mi.itärbegleitung oder sie.schliehen sich den vom Gouvernement aufrechterhaltenen systematischen Militärpatrouillenabteilungen an. Diese Vorsichtsmaßnahmen waren um so eher geboten, als die waghalsigen Beduinenstämme der Wüste sehr oft selbst die bewaffneten Formationen der Legion angriffen. „Ich selbst nahm wiederholt an der Schutzdegleitung jüdischer Karawanen durch die Sahara teil. Mir war es in solchen Tagen, als wäre vor mir, wie durch ein Wunder, die Zeit stillgeftanden und das Bild der Wanderung unserer Vorfahren in biblischer Zeit durch die Wüste wieder lebendig geworden." Aus seiner Erinnerung an die Sitten und Gebräuche der afrikanischen Juden greift Schwarz besonders zwei Erlebnisse hervor. Das eine war eine Bar.mizwahfeier in Sidi bei Abbes. Die Verwandten und Bekannten versammelten sich im Festhause. Hier legten die Männer ihren prachtvoll mit jüdischen Motiven gestickten Seidentallith an und zogen so in einem Feftzug durch die Stadt zur Synagoge. An solchen Familienfesten nimmt auch die arabische Bevölkerung teil. Im allgemeinen kann gesagt werden, daß das Verhältnis zwischen Arabern und Juden hier em freundschaftlich-brüderliches ist. Ein zweites Erlebnis hatte ich bei einer Leichenbestattung in Ejn Sefra. Der Sarg ist hier völlig unbekannt. Der Tote wird von den Verwandten und Freunden, den Führern der Gemeinde abwechselnd frei auf den Schultern in den Friedhof getragen, wo der Leichnam, in weißes Linnen gewickelt, der heißen afrikanischen Muttererde wiedergegeben wird. - („Die Neue Welt.") Eugene Meyer amerSamscher Botschafter in Berlin Der amerikanische Botschafter in Berlin Jacob G. Shurman, der am 22. Mai 75 Jahre alt wird, scheidet demnächst von seinem Posten. Ter.Präsident der Vereinigten Staaten Hoooer hat bereits als amerikanischen Botschafter in Berlin Eugene Meyer bestimmt, der als Sohn aus dem Elsaß eingewanderter jüdischer Eltern im Jahre 1875 in Los Angeles geboren wurde. Eugene Meyer gründete mit -26 Jahren unter seinem Namen in New Uork eine Bankfirma. Im Kriege war er Mitglied des Verteidigungsrates der Vereinigten Staaten, 1918 ernannte ihn Präsident Woodrow Wilson zum Direktor der Kriegsfinanzierringsgesellschaft. Auch unter den Präsidenten Harding und Eoolidge blieb er im Staatsdienst, zuletzt, als Vorsitzender des Direktoriums für landwirtschaftliche Kredite in Washington. 162 Eine Mische Wachtmeisters« i« den Freiheitskriegen Mitgeteilt von L. H o r w i tz, Kassel. E» gibt doch noch etwas Neues unter der Sonne? Die meisten Leser dieser Skizze werden wohl von der Christin Leonore Prochaska wissen, die in das Lützowfche Freikorps eintrat und in der Göhrde den Heldentod für ihr Vaterland starb. Mögen es bei der Pr. reine Motive gewesen sein, in Männerkleidern dem Heere zu folgen, so war es bei der Jüdin zunächst das Verlangen, ihren Mann aufzusuchen. Mit dem Wechsel des Gewandes lebte auch in ihr der Mannesmut auf, und sie stand in keiner Weise dem stärkeren Geschlecht nach. Ihr seien nachstehende Zeilen gewidmet, die zuerst in der „Bossischen Zeitung" vom g. Dezember 1815 und später von Martin Philippson und Rabbiner Vogelstein veröffentlicht wurden. An der Tatsache ist nicht zu zweifeln, denn der amtliche Bericht im „Russischen Invaliden" vom 26. Januar 1815 bringt sie auch. Esther Manuel wurde in Han?u geboren und hieß als Frau Luise Grasemus. Als sie ihr Mann verlassen hatte, war sie Mutter von zwei Kindern, einem zehnjährigen Mädchen und achtjährigen Knaben. Ihr Mann diente im russiscken Heere und hielt sich in Deutschland auf. Dies erfuhr die Frau und entschloß sich, den Vater ihrer Kinder aufzusuchen. Auf ihrer weiten Reife kam sie nur bis Berlin und nahm dort Kriegs dienste im zweiten Ulanenregiment. Sie kämpfte bei Jüterbog, wurde verwundet, machte den Marsch Bülows von Dennewitz nach Frankreich mit und erhielt das Eiserne Kreuz. Bei Montmartre traf sie mit ihrem Manü zusammen (29. 3. 1811), konnte sich aber nur einen Tag de« Wiedersehens freuen, denn schon am anderen Tage wurde er (durch eine feindliche Kugel getötet. Sie selbst wurde nochmals, verwundet und kehrte mit dem Dank ihres Königs zu ihren Kindern nach Hanau zurück. Der Bericht schließt mit den Worten: „Sie hat durch ihre Tapferkeit und Geistesgegenwart sich die Bewunderung Aller erworben." In diesem Sinne lebe sie auch in uns fort, wenn gleich sie kein Denkmal erhalten hat und nicht von Dichtern besungen wurde, wie ihre christliche Kameradin. Ihre Tat wird dadurch nicht geringer. — Die weiteren Lebensschicksale der Heldin werden vom Ber fasser erforscht und die Ergebnisse im „Schild" veröffentlicht werden. Die Sintflut wiffenschastlich nachgewiefen In den letzten Wochen sind in englischen Zeitungen Gerüchte über die archäologischen Arbeiten der vom Field-Museum, Oxford, nach Mesopotamien entsandten Expedition veröffentlicht worden. Tie wichtigsten Ergebnisse lieferten die Grabungen in den alten, in der Nähe des unteren Euphrat gelegenen Ruinenstätten von U r und Kisch. Der Leiter der Deutschen Zentralasien-Expedition. Dr. Emil Trink ler, teilt hierüber mit, daß man im Verlauf der Gra düngen durch das genaue Studium der geologischen Lagerung der verschiedenen alten Kulturschichten auch den Nachweis er bringen konnte, daß große Ueberflutungen das Schicksal der alten Kulturen grundlegend beeinflußt haben müssen. In einem zirka 56 Meter mächtigen Schichtprofil sind zwei Tonlagen aufgefunden worden, die mit Tonscherben und Fisch resten durchsetzt sind. Die Ablagerung dieser Schichten fällt in die Zeit um 4060 und 3260 o. Ehr. Zwischen diesen Tonschichten liegen jene Ablagerungen, die die wichtigsten und bedeutendsten Funde der sumerischen Kulturepoche enthalten. Professor Langdon, der Leiter der Expedition, glaubt, daß wir in der jüngeren Tonschicht Ablagerungen vor uns haben, die der Sintflut der Genesis und der großen Flut der sumerischen und babylonischen Legenden zuzuschreiben sind. Schon seit längerer Zeit ist man davon überzeugt, daß die in alten Ueberliefe rungen enthaltenen Berichte über große Naturereignisse keine Phantasiegebilde sind, sondern, daß diese Naturereignisse wirklich stattgefunden haben. Geradeso, wie man durch geologische Untersuchungen mit ziemlicher Sicherheit hat Nachweisen können, daß Katastrophen, wie sie über den Untergang von Sodom und Gomorrha überliefert sind, sich tatsächlich am Südrande des Toten Meeres abgespielt haben, so können wir auch heute nicht mehr an der seinerzeit wirklich hereingebrochenen Katastrophe der Sintflut zweifeln. ,