Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang ** Die jüdischen Fremdenlegionäre Was ein Heimkehrer erzählt | Nach siebenundzwanzigjähriger abenteuerlicher Wanderung Kehrte der jüdische Photograph Eugen Schwarz in seine Heimatstadt Budapest, die er als siebzehnjähriger Bursche, mlit einem photographischen Apparat ausgestattet und einigen Kupfermünzen in der Tasche, im Jahre 1002 verlassen hatte, zurück. Er war stets von Abenteurerlust erfüllt und träumte vop grobem Glück in der weiten Welt, die er zu durchstreiche» entschlossen war. Die ersten fünf Jahre, die er auf der Walze durch Deutschland, Belgien, Holland und Frankreich verbrachte, schienen nichts von dem erträumten Glück anzudeuten. Aber Schwarz dachte sich — wie er jetzt einem jüdischen Journalisten erzählt —, daß ja auch seine jüdischen Zeitgenossen das Wandern gewöhnt waren und auch noch/seien, und wunderte lustig weiter. Schwarz schaltet hier ip^ftine Erzählung eine feine psycho logische Beobachtung em. Als er seine Heimat verlieh, beherrschte er bloß die magyarische Sprache. Solange er keine andere Sprache kannte, wurde er auf seiner Wanderschaft wie ein exotischer Fremder mit Mitleid und Barmherzigkeit be handelt, mit Spenden bedacht und konnte da und dort auch Arbeit bekommen. Kaum war er jedoch in der Lage, sich, wenn auch nur mühselig, in deutscher und französischer Sprache zu verständigen, wich allerorten die Barmherzigkeit, überall wurde ihm die Tür gewiesen und Schwarz hatte schwere Zeiten durchzumachen. So kam er verhungert, aber immer noch nicht seelisch zusammengebrochen, nach Marseille. Hier lieh er sich als Heizbursche auf ein zur Abfahrt be reites Schiff anwerben. Nach wenigen Tagen landete er in 'Sran, und hier trat der abenteuerlustige Junge in die Fremdenlegion ein. Fünfzehn Jahre lang diente Eugen Schwarz als Fremdenlegionär in den französischen Kolonien -in Afrika, machte schwere Kämpfe mit den Beduinenstämmen der Wüste mit, durchquerte wiederholt die Sahara, bis er im Jahre 1922 leinen Abschied erhielt und mit dem Abschied auch die Zusichc ung einer lebenslänglichen Pension von der französischen Republik, die heute etwa 120 Schilling im Monat beträgt. In der Fremdenlegion — erzählt Schwarz — traf ich eine grohe Zahl jüdischer Kombattanten. Tah es Juden seien, erkannte ich erst an den hohen Feiertagen, denn in der Legion wird eigentlich nicht einmal nach dem wahren Namen der Legionäre genau geforscht, man weih es ganz genau, dah viele, die aus nicht ganz lauteren Motiven ihren Eltern und Verwandten durchgegangen sind, in der Legion unter falschem Namen dienen. Ebensowenig wird nach der Konfession des Legionärs gefragt, und ich muh bekennen, dah, obgleich damals die Wogen des Dreyfus Prozesses sich in Frankreich noch nicht ganz geglättet hatten, in der Legion aus den erwähnten Gründen-vom Antisemitismus kaum etwas zu spüren war. Das Kommando legte jedoch Wert darauf, dah die Legionäre an dtzn Feiertagen ihrer Religion Gottesdienste veranstalteten, und so war es auch an den hohen jüdischen Feiertagen den jüdischen Legionären, die für diese Tage dienstfrei waren, gestattet, einen Gottesdienst zu veranstalten. Ueber das Leben der afrikanischen Juden erzählt Eugen Schwarz: , .1 ' ■ — In Nordafrika fand ich anse.hnlichc jüdische Niederlassungen und sogar einzelne Städte, -in denen, die Juden die Mehrheit der Einwohner bilden. So fand ich zum Beispiel in der in der Nähe der Wüste gelegenen Stadt Sfdi bel Abbes fünf jüdische- Gotteshäuser, mehr als niohammedamsche und christliche. Die afrikanischen Juden verkünden stolz, dah sie die direkten Abkömmlinge der israelitischen Stämme seien und weisen mit uralten Dokumenten lintj überlieferten Daten nach/ dah ihre Vorfahren im Altertum aus dem Heiligen Lande hierher abgewandert seien. Sicher ist, dah ihre Lebensweisewer des biblischen Judentums.viel Nähersteht als unsere Lebensweise, was ich hauptsächlich dem j Umstände zuschreibey^öchte, dah Klima und die Naturverhältnisse in vieler Beziehung an Palästina erinnern. So fand ich/dah diese Juden am Sukkoth fest die Sukkah, die Laubhütte, zwischen mächtige Stämme lebender Palmen spannen und während des ganzen achttägigen, Sukkothfestes in der Laubhütte nicht nur ihre Mahlzeit einnehmen, sondern in wörtlicher Befolgung des biblischen Gebotes in der Sukkah wohnen. ' Allerdings kostet es in der afrikani- Schlicht I Versicherungen ab! I Die Lebensversicherung des > RjF. ist eine soziale Fürsorge^ > Darum hinein in die Lebensversicherung I