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Der Schild · 1929-04-19 · 16 (19.4.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
16 (19.4.1929)
Date
1929-04-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Die Gemeinschaft des Blutes ist ein Mysterium, sie wandelt dunkle Bahnen und führt zu keinem menschlichen Ideal. Die Gemeinschaft der Weltanschauung, des ethischen und geistigen Strebens, führt zur Höhe. Rur wenn eine Menschengruppe erwacht zu einer hohen Lebensaufgabe» zur Erkenntnis des Sinnes und Zieles allen Strebens und Wirkens, steht sie groß da. Rur da beginnt ihre Rolle in der Menschheitsgeschichte. Alle Versuche der prähistorischen Zeit sind ein Stimmen der Instrumente, das Konzert beginnt mit der einheitlichen Idee. ' Aber die einzelnen Instrumente jgeöen keine Harmonie, erst der Dirigent, der alles vereinigt, der a^llen seinen Willen aufdrängt, weil er allein die Größe der Einheit kennt, macht das Orchester zuiü gewaltigen Ausdruck einer in sich geschlosienen Harmonie. Und im Volksleben ist es nicht anders. Erst der Führer ist es, der die Kräfte des Volkes zu einem großen Werke vereinigt. Und der Beginn des jüdischen Volkes zeigt uns. wie kaum 1 ein anderes Kapitel der Geschichte, die Rolle des wahren Führers. Wir sehen beim Auszuge aus Aegypten eine dumpfe, stumpfe Masse vor uns, versklavt und entseelt. Längst ist in ihr alles Ideale abgestorben, die Sehnsucht nach Freiheit von ihr gewichen. Rur Arbeitserleichterung, besseres Essen ist das höchste Streben. Längst vergessen ist, daß man in Freiheit und zur Freiheit geboren ist. Man ist innerlich und äußerlich geknechtet, der äußere Druck hat auch die Seele verdunkelt. Rur M o s e. der Freigeborene, am Fürstenhof erzogene, ist der einzige, wahrhaft freie Mensch. Er, der die ganze Kultur seiner Zeit in, sich ausgenommen und ihre Schwächen erkannt hat, lebt für eine große Idee. Daher ist er der berufene Führer, der auserwählt? Wegweiser. Er zeigt in der Geschichte das einzig dastehende leuchtende Bild, wie man aus Sklaven ein Gottesoolk, d. h. ein Volk, das zur Höhe strebt, macht. > Wie muß der wahre Volksführer sein? Er muß das Volk und seine Seele gründlich kennen, er muß seine wahre Natur erkennen, auf dem Boden der Gegenwart stehen und mit dem Blick in die Zukunft hineinragcn. Und er muß von einer unendlichen Liebe zum Volke beseelt sein. Der wahre Führer ist die Seele des Volkes, er trügt in sich die Freuden, und Leiden-, die Höhen und Tiefes des Volkes. Er überwacht die Bahn der Entwicklung, reinigt sie von allen Hindernissen. Bewegungen, Revolutionen werden vom Volke gemacht. den tZweck daraus bildet erst der Führer. ’ - Der Führer geht dem Volke voran — in Raum und Zeit. Er kennt den Weg. er erfaßt die Zukunft mit seiner Sehnsucht. Er kennt nicht nur die Einzelheiten, sondern das Ganze, die, Idee. Klugheit, gepaart mit Güte. Strenge, in der die wahre Liebe ruht,, gewaltiger Wille, der vor keiner Schwierigkeit zurückschreckt. Ausdauer. Erkenntnis und Ausnützung der, Möglichkeiten, — das sind die Eigenschaften, die den Führer machen. Diese Kraft kann nur der hohe Idealismus, die selbstlose Persönlichkeit ausströmen. Daher sind die wahren Führer so selten. Welch schwere Aufgabe hatte Mose vor sich! Ein ganzes Volk nach einem fremder? Lande führen! Roch mehr: zu fremden Idealeg führen? Rur eine Gottesidec kann den Mut zu dieser gigantischen Aufgabe verleihen. Voll innerer.und äußerer Hindernisse ist der Weg, fern das Ziel. Gat oft mochte Mose verzweifeln. Er hat vor sich Sklavenseelen, schwachgläubig, ohne Schwung und Hoffnung. Sie wollten sich gar nicht befreien lassen, weil sie die Freiheit nicht einmal in der Idee kannten. Und auch nach der so wunderbaren Erlösung ahnen sie ihre Aufgabe kaum, sie verfallen bei jeder drohenden Ge fahr immer wieder in ihre Stumpfheit zurück. Tie „Fleischgerichte und die Zwiebeln" Aegyptens sind ihnen lieber als die Freiheit in der Natur Gastes. Mose allein ragt durch seine Größe hervor, in seiner Seele lebt die große Aufgabe, zu der er berufen-ist. Er erzielst sich eine kleine Schar von Führern, die fdiner Idee dienen und langsam erzieht er die junge Generation, die in Freiheit geboren ist und die Sklavenketten nicht kennt, zu Menschen, die seine Größe ahnen, wenn sie sie auch nicht ganz verstehen. Er gibt die alte Generation ganz auf und seht y all seine Hoffnung auf die Jugend, die ewige Trägerin aller Ideale. Ihr zeigt er hie"Wunder Gottes in der freien Natur, sie lehrt er den Sinn des Lebens, den Zweck alles menschlichen Wirkens. Und stufenweise, mit nie versagender Liebe, führt er sie zur Höhe. Er selbst aber endet, wie alle Heldenaröße. tragisch. Weil, die Distanz zwischen Genie und Wirklichkeit die tiefste Tragik des Lebens bildet. Er sieht das Land der Zunkunft nur

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