Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 12 (22.3.1929)
- Date
- 1929-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die antisemitische ASS. Erich W. Abraham schreibt in der „Wellbühne": Die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG.) ist von zwei Iudew Emil Rathenau und Felix Deutsch, gegründet und zu Weltbedeutung gebracht worden. Die Tradition der Gründer wurde nach dem Tode Emil Rathenaus von seinem Sohn Walther Rathenau in Gemeinschaft mit Felix Deutsch und Paul Mamroth weiter fortgeführt, Hurch den Tod von Walther Rathenau und Felix Deutsch und durch das Ausscheiden Mamroths aus dem Direktorium ist die AEG. ihre alten Führer und anscheinend gleichzeitig auch ihre alte, in der Personalpolitik sehr liberale Tradition losgeworden. In der Elektro Industrie ist man heute bereits der Ansicht, dah sich das Fehlen einer einheitlichen Führung sowie das Durcheinander Regieren verfchie dener mit dem Unternehmen nicht eng verwachsener. Persönlichkeiten recht ungünstig auf die Entwicklung der Gesellschaft bemerkbar macht. |» Was den neuen Herrschern der AEG. an kaufmännischer Genialität fehlt, das versuchen sie durch forsche Beamten- und Personalpolitik zu ersetzen. Zunächst ist man daran gegangen, die noch in leitenden Positionen besindlichen Beamten jüdischer Konfession oder Rasse kaltzustellen. Vor ungefähr einem Jahre setzte sich die Direktion aus folgenden Herren zusammen: Felix Deutsch. Paul Mamroth, Philipp Pforr, Heinrich Peierls. James Birnholz, August Elses, August Pfeffer, Doktor Roos, Heinrich Hirschberg, Anton Weber und Waldemar Petersen. Rach dem Tode von Deutsch und dem Ausscheiden Mamroths befanden sich noch neun Personen im Borstand, davon waren drei Juden, nämlich Peierls, Birnholz und Hirschberg. Aus Beranlastung des Aussichtsrats, in dem eine Reihe ausgesprochen antisemiti scher und nationalistischer Persönlichkeiten vertreten ist, wurde mit der Nachfolge des verstorbenen Generaldirektors Deutsch ein Direktorium aus vier Köpfen gebildet, dem die Herren Ge heimrat Bücher, der von der I. G. Farben-Industrie in die AEG. übersiedelte, seiner Elfes, Pfeffer und Petersen angehüren. Jetzt begann ein grotzes Aufräumen in der AEG. Der bisherige Chef der Verwaltungs Oberleitung, Hirschberg, wurde in seinen Kom petenzen derartig beschränkt, dah er innerhalb des Konzerns nur noch als „Frühstücksdirektot" bezeichnet wird. Nummer zwei: Direktor Birnholz, bisher Chef der Vertriebsabteilungen, ist zum „Sekretär" des General Direktoriums ernannt worden, der Geschäfte einfädeln und vorbereiten kann: steht man vor dem Abschlutz, so muh er hübsch zurücktreten und die offizielle Beendigung dex Sache einem „Vorgesetzten" Direktoriuip über lassen. Mit dem Juden Nummer drei. Peierls, der ähnliche Funktionen ausgeübt hat. wurde gleichartig verfahren; von einer aktiven Tätigkeit dieses Herrn hört man innerhalb des AEG -Konzerns überhaupt nichts mehr. Der Leiter der Ueber see-Abteilung, Direktor Adler, und der Sohn des verstorbenen Generaldirektors Felix Deutsch. Doktor Georg Deutsch. sind ebenfalls auf solche Posten gestellt und in ihren Kompetenzen so eingeengt morden, daß ihre Konkurrenz für das autokratisch regierende Direktorium nicht mehr befürchtet zu werden braucht, und daß man sie bei einer sich bietenden günstigen Gelegenheit bequem ausschifsen kann. Datz diese sämtlichen Herren nicht schon an die Luft gesetzt worden sind, liegt wohl in der Hauptsache daran, datz noch langfristige Anstellungsverträge laufen. In dieser Kaltstellung der jüdischen leitenden Beamten liegt Methode. Am Kopf wird angefangen, um von hier aus den ganzen Betrieb nach konfessionellen oder deutlicher gesagt, politischen Gesichtspunkten umzukrempeln. Die politische Richtung des Direktoriums ist natürlich sehr wohl bekannt, und schon die Rücksicht aus diese Herren gebietet eine gleichartige Persqnalpolitik. Ein System, das durch den Personalchef des Hauses, Herrn Sommerlatte, höchst rigoros durchgeführt wird. Die Einstellung von Personal wird nicht mehr, wie früher, nach rein kaufmännischen Prinzipien ohne Beachtung der politischen oder konfessionellen, Ueberzeugung vorgenommen. Damit aber nicht genug: Die noch in den Betrieben vorhandenen jüdischen kleinern und kleinen Angestellten werden ganz rücksichtslos, einer nach dem andern, hinausgedrängt. Sollte jemand den Wunsch haben, Namen von entlassenen jüdischen Angestellten, für deren Verabschiedung nach der eignen Angabe der Personalverwaltung kein besonderer Grund vorlag. kennen zu lernen, so kann jederzeit mit Beweisen gedient werden. An dieser Stelle würde e» zu weit führen, Namen aufzuführen, da sonst eine Sondernummer herausgegeben werden mühte. Wohin die kaufmännische Entwicklung der AEG. führen wird, kann nach knapp einjähriger Dauer des Tiretztoriums noch nicht übersehen werden. Immerhin ist schon jetzt festzustellen, dah die feinfühlige Börse auf die kausmännische Genialität des Direktoriums so reagiert hat. dah sie die Aktie der AEG. trotz einer mehrmonatlichen Hauste in Elektrowerten nur wenig höher bewertet als früher. Zu Anfang des Jahres 1928 stellte sich der Kurs der AEG.-Aktie niedrigst auf 150 Prvzent, während er sich am Iahresschluh auf etwa 195 Prozent belief. In der gleichen Zeit sind aber Schuckert-Aktien von 165 auf 270 Prozent, Siemens u. Halske-Aktien von 260 aus. ungefähr 430 Prozent und Bergmann-Aktien von.168 aus etwa 250 Prozent gestiegen. Eine bester« Antwort auf ihr Wirken können die Direktoren der AEG. wirklich nicht erhalten. Vereinigung der jüdischen Musrumsvereine Tagung zu Breslau. Ter Verein Jüdisches Museum zu Breslau hatte im Anschluh an seine so viel beachtete Ausstellung „Dqs Judentum in der Geschichte Schlesiens", über , die im „Schild" berichtet wurde, Ver treter der jüdischen Museumsvereine Deutschlands, Polens. Oesterreichs und der Tschechoslowakei sowie des Gesamtarchivs der deutschen Juden und der jüdischen Gemeinde in Berlin eingeladen zwecks Zufammenschluh zu einer losen Vereinigung aus dem Gebiete jüdischen Sammelwesens. Dieser Einladung ivaren Delegierte aus Kassel. Mainz, Berlin. Wien, Prag. Warschau, München, Frankfurt am Main gefolgt. Die Taggng begann mit einer Führung durch die Ausstellung. und die so sachverständigen Teilnehmer waren einstimmig der Meinung, dah eine derartige wohldurchdachte Ausstellung noch niemals zu sehen war. und dah der „Verein Iüdi sches Museum zu Breslau" mit der Veranstaltung dieser Ausstellung einen ganz neuen Weg beschriften hat. Nach der Führung fand ein Vortrag von Tr. Hallo, Kassel, über „Jüdische Handwerker und jüdische Künstler" statt, der im besondere» darauf hinwies, dah das Kunstgewerbe und die Kunst der Juden in vergangenen Jahrhunderten immer im engsten Anschluh zur Kunst ihrer eigenen Zeit gearbeitet hatte. - Tie eigentliche Arbeitstagung fand dann am Nachmittage in den Räumen des Gemeindehauses statt, die als wesentlichsten Punkt der Tagesordnung eben die Frage der Errichtung einer losen Vereinigung der jüdischen Museen und ähnlicher Sammlungen auswies. Man'war sich im Prinzip über die Notwen digkeit einig, und nach eingehender Aussprache über die Frage, wie weit nian in der Einbeziehung der Archive und Bibliotheken gehen sollte, kam man zu dem Ergebnis, eine „A r b e i t s g e - mcin[d)a|i für' Sammlungen jüdischer Kunst und Altertümer" zu bilden. In ihr soll Breslau zunächst auf ein Jahr de» Vorort bilden- und in der Geschäftsführung durch die Herren Pros. Tr. Bronner. Wien. Dr. Hallo, Kastei. Tr. Karl Schwarz, Berlin, unterstützt werden. Der Ausschuh wird sich nun zunächst mit der Frage der Abgrenzung des Sam melgebietes für Bibliotheken und' Sammlungen, ferner mit der Frage, ob die Sammlungen kulturhistorisch ethnographisch oder kunsthistorischer Art sein sollen, zu befassen habe». Schliehlich wird auch die Frage zu prüfen sein, inwieweit die'einzelnen Museumsvereine, die sich ja in erfreulicher Anzahl immer wxt^ ter bilden, ihr Sammelgebiet auch landschaftlich abgrenzen müssen. Ferner wurde beschlossen, di.e jüdische-Presse regelmkhig mit Nachrichten über die Tätigkeit der neuen Interestengemeinschaft zu unterrichten: gröhere wissenschaftliche Arbeiten jedoch sollen eventuell dem Notizblatt der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler überwiesen werden, an besten weiteren Ausbau man denkt. Tie nächste Tagung soll 1930 in Berlin, die übernächste 1931 voraussichtlich in Mainz stattsinden. Prof. Meier Balaban, Warschau, gab dann noch die mit sehr groher Zustimmung aufgenommene- Anregung, die Städte jüdischen Diese Karte ist eigenhändig auszufüllen und in einen Briefkasten desjenigen Postbezirkes zu werfen, in dem der Besteller wohnt 1 Bestellschein Ich bestelle hiermit für das zweite Quartal 1929 die wöchentlich erscheinende Zeitschrift „Der Schild“, Verlag Reidisbund jüdischer Frontsoldaten E. V., Berlin W 15, Kurfürstendamm 200. Der Bezugspreis von 1,95 Mk. vierteljährlich zuzgl. Bestellgeld ist bei mir zu erheben. Wohnort und Strafe Name r>*ut!Uh und genauettena auaaufOlten Sitte wenden 101