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Der Schild · 1929-03-22 · 12 (22.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
12 (22.3.1929)
Date
1929-03-22
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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worden sind und den Bölkerbundsrat zu beschäftigen halten. Die Staaten, die vor allem die feierlich Unterzeichneten Zusage» gebrochen haben, sind: Polen, Rumänien, Ungarn, Litauen und Griechenland. Gegen Polen liefen schon bald nach dem Inkrafttreten des Aertrages Beschwerden in Genf ein. Es sind immer Dieselben Verstöße, die Polen wie den meisten anderen Staaten, zur Last gelegt wurden: Berletzungen der Bestimmungen üher das Staatsbürgerrecht, über die Zulassung zu den Universitäten, über die Unterstützung der jüdischen Schulen. Polen erließ am 20. Januar 1926 rin Gesetz über den Erwerb des Staatsbürgerrechts, das diesen Erwerb an gewisse Bedingungen knüpfte, deren Erfüllung vielen Juden unmöglich nmr Verlangt wurde der Nachweis des sogenannten „Heimaltechtes", das erst durch mehrjährigen Wohnsitz an demselben Ort! erlangt werden kann. Biele Tausende von Juden wurden so mst einem Federstrich staatenlos. Damit wurde nicht nur ihre Stellung als Staatsbürger höchst prekär, sondern es wurde ihnen auch die letzte Zuflucht, die Auswanderung geraubt. Dfnn die „Nansenpässe" wurden von den meisten Ländern, hie als Aus wanherungsziele in Frage kommen, nur visiert, falls die Rück Wanderung möglich war. Bei Staatenlosen war sie jedoch aus geschlossen. Erst nach wiederholten Beschwerden ist Genf und langwierigen Seymdebatten wurden die Beschrüstkungen im Jahre 1926 aufgehoben. Aber auch heute gibt es noch 15 00t> Juden, die das polnische Bürgerrecht nicht erworben haben und daher staatenlos sind. Das neue Regime hat überhaupt dei- Iuden fast mehr Nachteile, als Vorteile gebrächt. End 1919 erging ein polnisches Gesetz über die Sonntagsruhe, dos mit dem alten, unter russischer Herrschaft geltenden Recht bei jüdischen Geschäftsleute brach, am Sonntag ihre Läden offen zu halten. Einen numerus clausus gibt es in Polen offiziell zwar nicht, aber die Universitäten haben weitgehende Autono mie und können selbständig über die Zulassung züm Studium entscheiden. Daß dieses Recht vornehmlich gegen die jüdische Jugend, ausgeübt wird, bedarf bei dem in Polen herrschenden Kurs wohl kaum -einer Erwähnung. (Schluß folgt!, Briefe an de« ..Schild" Li« verleumden . . . An die Redaktion des „Schild" Berlin V 1">- Als ich die „Schild"-Rummer vom 15. 2. durchblätterte und an den Brief an den „Schild" kam, sielen mir zunächst dse Worte ..Fähnrich Rosenbaum" und „Fuß.-Art. 9" auf. j Der Borfals betrifft nicht einen Unteroffizier Levy, ^sondern mich. Die langen Jahre haben zu der Namensverwechsung geführt. . Es wird interessieren, zu erfahren, daß ich noch lange Jahre in enger Fühlung mit dem s. zt. Fähnrich Rosenbaum gestanden Hab, der vielleicht durch den damaligen Borfall und dir Unannehmlichkeiten, die dieser bei den verschiedensten Vorgesetzten Stellen mit sich-gebracht hat. in seiner Beförderung behindert worden ist. Seine Beförderung zum Leutnant erfolgte erst gegen Kriegsende gu gleicher Zeit mit der meinigen zum Vize Feldwebel.! Julius Iacoby, 1. Vorsitzender der Ortsgruppe Köln, RjF. Das Gesallenengedenkbuch. An die Redaktion des „Schild" Berlin!V 15 Tie im „Schild" fortlaufend erscheinenden Listen sich ihrem Ende, und es beginnt nunmehr die mühsame der Prüfung und Sichtung des daraufhin eingegangener rials und der endgültigen Zusammenstellung des Buches Es ist oielleicht zweckmäßig, die Erfahrungen, die worden sind, nochmals kurz zusammenzustellen. gemacht Der Landesverband Südmestdeutfchland hat sofort noch dem Reichsadreßbuch eine genaue Zusammenstellung sämtlicher in seinem Bezirk liegenden Orte gemacht. Er hat durch Befragung der Behörden oder der Nächstliegenden Ortsgrupp, n, also bei jedem Ort geprüft, ob dort Juden wohnen bzw. nb aus diesem Ort Juden gefallen sind. Es hat sich dabei heraus gestellt, daß die Listen im allgemeinen stimmen, und daß verhältnismäßig nur wenig Berichtigungen notwendig waren. Hingegen hat sich gezeigt, daß bei einer Reihe von kleinen Plätzen, in welcl en nur ganz wenig jüdische Familien wohnten, und von welcher Orten nur 1—2 Kameraden gefallen sind, diese von der Statist k nicht erfaßt waren und demzufolge in der Liste fehlten. Wichtig erscheint mir jedoch, daß gerade auch diese Kameraden erfass werden. Ich halte es deshalb für richtig, daß nach Erscheine r unserer sämtlichen Listen in den größeren Städten Deutschlands noch einmal komplette Listen ausgelegt werden. Ob dieses auf den Büros der einzelnen Ortsgruppen, oder vielleicht noch zweckmäßigerweis« auf den Büros der jeweiligen Gemeinde zu geschehen hätte, ist eine Frage, die noch zu klären wäre. Gleichzeitig müßte ein Aufruf erscheinen, der in sämtlichen irdischen Zeitungen Deutschlands zu veröffentlichen wäre, und in lern die jüdischen Mitbürger aufgefordert würden, diese Listen einzusehen, und evtl. Berichtigungen und Ergänzungen sofort zu Protokoll zu geben. \ Ich bin überzeugt, es wird dann noch mancher Kamera! festgestellt werden, der in unseren Listen nicht enthalten ist. Viel nähern Arbeit Mateleicht ist es zweckmäßig, daß sich die Kameraden der einzelne» Landesverbände (Bayern und Württemberg, die ja komplette Listen haben, kommen nicht mehr in Frage) zu dieser meiner Anregung einmal ebenfalls im „Schild" äußern. Es liegt mir daran, nicht nur das besondere Interesse an dieser Frage zu wecken, sondern auch dafür Sorge zu tragen, die einzelnen Kameraden zur Mitarbeit am „Schild" heranzu ziehen. Kam. Arthur Beckhard, Frankfurt am Main. Georg Hermann über „Juden als Autoren in der modernen deutschen Literatur". Im Großen Saale des „Frankfurter Hofes" sprach Georg H e r in a n n. der bekannte Verfasser von ,,'Iettchen Gebert" und anderer volkstümlich gewordener RonMne, über das Thema „Juden als Autoren in der modernen deutschen Literatur". Seine Gedankengänge waren folgende: Erst die antisemitische Welle hat die Frage laut werden lassen: Wie groß ist eigentlich der Anteil, den die Juden an kulturellen Dingen aller Art haben'-!' Schon in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts sind die Juden am Rhein urkundlich beglaubigt, in Regensburg gar waren sie bereits vor Christi Geburt. Wenige nur waren Kaufleute, die Mehrzahl wurde Handwerker, Acker und Weinbauer. Die im Mittelalter nach dem Osten abgewan derten bzw. vertriebenen Juden sind auf ihrer Entwicklungs stufe stehen geblieben. Die jiddische Literatur trägt Mittelalter lichen Charakter. Sie ist eine Insel. Es gibt keine russischen oder polnischen Schriftsteller jüdischer Abstammung. Im Gegen satz dazu haben die Westjuden die große deutsche Entwicklung bis zur modernen Zeit mitgemacht, sie sind mit ihr verschmolzen. Das jüngere Deutschland bringt Namen erfolgreicher jüdischer Autoren, die mit an der Spitze stehen: Börne und Heine. Immer noch sind sie vereinzelt. Bis zu Paul Heyse und Bert hold Auerbach kommt kaum einer hinzu. Dann aber schieben sie sich mehr und mehr nach vorn, sie kommen unter die Führen den. Der Jude reagiert auf vieles Erschaute stärker, weil er die Dinge mit südlichen Nerven sieht, weil er al» geborener Impressionist alles .empfindsamer, regsamer, nuancierter auf faßt. Was bedeutender Name Prag ohne die Literatur feiner jüdischen Schriftsteller Mar Brod, Werfel, Kafka. Eingehend würdigte Hermann dann Wassermann, Sternheim. Hoffmannsthal. Elfe Lasker Schüler. Alfred Neumann, Döblsn. Harden, Kerr. Polgar, Feuchtwanger und andere. Der Vortragende schloß mit dem Hinweis: „Wenn deutsche Juden so viel für das Bewußtsein des Deutschtums tun, haben sie alles Recht, als Deutsche geachtet zu werden." Richter Gibbs in New Aork 48jährig »erstorben. Im Alter von 48 Jahren verstarb in New Aork der Richter am Obersten Gericht Louis de Witt Gibbs. Er war am 16. Okto Ker 1886 in Lodz. Polen, geboren und kam im Alter von 4 Jak ren mit seinen Eltern nach Amerika. 1913 wurde et zum Mit glied des Repräsentantenhauses des Staates New Park gewählt. 1914 zum Kreisrichter von Bronx New Aork, 1924 zum Richter am Obersten Gericht des Staates New Pork ernannt. Er war führendes Mitglied des Unabhängigen Ordens Bnei Brith und des Ordens Brith Abraham.

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