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Der Schild · 1929-03-15 · 11 (15.3.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Das Hakenkreuz beim VolkStrauerlag -i—fr- Rach der Feier im Reichstag (während der Parade). - Deutsch-jüdischer Bolkstrauertag in New York. In Anlehnung an den deutschen Bolkstrauertag oeranstal tete das German Iewish Center in New Jork, im Rahmen seiner üblichen Freitag-Abend-Andacht, eine Gedächtnisfeier sür die im Kriege Gefallenen, an der sich der Deutsch-Israelitische Landwehrverein vollzählig beteiligte. Der kantorale Teil wurde von Kantor Ernst Sichel ausgeübt. Präsident Henry Sisdner vom Landwehrverein, legte in seiner Rede ein Treubekenntnis zur deutschen Heimat ab. Er gedachte der gefallenen Kameraden, denen auch hier in Amerika ein ehrendes Andenken gewahrt bleibt. Mit einem Appell den deutschen Geist und den heiligen Väterglauben hoch zu Halten, schloß seine Rede. Die eigentliche Gedächtnispredigt hielt der Gememderabbiner Mar Malina, mit dem Text „Liebe den Fremden, wie Dich selbst". Das höchste jüdische Ideal, ist die Menschenliebe, die den Frieden zur selbstverständlichen Folge haben muh. Dieses Ziel zur Vollendung zu bringen ist die Ausgabe eines jeden Juden. Deshalb ist und mutz^ jeder Jude prinzipiell Kriegsgegner sein. Dennoch als das Vaterland in Gefahr war, stellten die Juden sich Schulter an Schulter neben die anderen Söhne des Volkes, um mit ihrem Leben die Ehre des Vaterlandes zu verteidigen. 12 000 von ihnen blieben auf dem Schlachtfeld«. In andachtsvoller Ehrfurcht werden sie in unserer Einnerung weiter leben. Aber auch anklagend erheben wir unsere Stimme, in ihrem Ramen gegen diejenigen, die gegen un» kämpfen, und in dem Kamps« nicht einmal vor der Schandung jüdischer Grär der zurückschrecken. Wir deutsche Juden des Auslandes stehen zu unseren Brüdern in der Heimat ohne Unterschied de« Glauben», die gegen dies« Sulturschand« Front machen, di« da« Ansehen de» Deutschtum» in Amerika ln gefährlichster Werse untergrabt. — Ein sür diese Andacht von Rabbi Malina verfahter El Mole Rachmim schloh die würdevolle Feier. I .Antisemitisches Allerlei. Vordringen de» Antisemitismus in Wiesbaden. Bor einiger Zeit brachte die in Wiesbaden erscheinende Zeitschrift „Die Menschheit" die Nachricht, dah in den Kreisen der Wiesbadener Stadtbehörden Neigungen zum Antisemitismus bestünden. So hatte die Stadtbehörde den antisemitischen Nationalsozialisten einen Saal reservieren lassen, gleichzeitig der Wiesbadener Gesellschaft „Friede durch Recht" den Saal verweigert. Der Wiesbadener Stadtrat Osterheld scheut« sich nicht, al» Protektor der antisemitischen Bewegung auszutreten. Der „Eclaireur de Nice“ griff die Sache auf und schrieb: „Die Stabt Wiesbaden will eine Weltkurstadt sein, glaubt sie. ihr internationales Rennommee fördern zu können, indem sie solche Beweise anti. semitischer Gesinnung, gibt?" Kürzsich fand wieder in einem städtischen Lokal' eine antisemitische Versammlung statt. Unter stürmischem Beifall proklamierte der Vorsitzende: „Wiesbaden soll judenrein werden". Das „Wochenende", eine Wiesbadener Wochenschrift, rechnet den Wiesbadenern vor. ivas die Verwirklichung einer solchen Forderung bedeuten würde: Herabsinken der Weltkurstadt aus eine Bedeutung, wie sie das judenreine Bad Borkum hat. Holländische Blätter warnen bereits vor Wiesbaden im Hin blick auf den dort zu beobachtenden Antisemitismus. Die „Menschheit" richtet nochmals ein Mahnwort an die behördlichen Kreise, ihren eigenen Antisemitismus zu dämpfen, der der Wiesbadener Kur einen mindestens ähnlichen Schaden zufügt wie die fremde Besatzung. _ Hakenkreuzler, di« Iudenblut sehen wollen, bleiben straffrei. Vor dem Hirschberger Landgericht wurde der 21jährige Buchhalter Seidel und 1>er 27jährige Lahmer aus Bolkenhoin, die wegen Aufreizung zum Klassenhatz angeklagt waren, freigesprochen. Den Angeklagten war zur Last gelegt, anlätzlich eines nationalsozialistischen Umzuges, der am 24. Juni 1028 in Bolkenhain stattfand, öffentlich zu Gewalttätigkeiten, vor allem gegen jüdische Mitbürger, aufgereizt zu haben, und zwar besonders durch den Gesang eines Liedes mit dem Kehrreim: „Erst wenn die Juden bluten, wird Deutschland wieder frei." Die Angaben mehrerer Belastungszeugen liehen Zweifels frei erkennen, datz ein Lied mit diesem Kehrreim wiederholt gesungen worden »st. Der Oberstaatsanwalt hielt deshalb den Tatbestand im Sinne der Anklage für erwiesen. Er beantragte je einen Monat Gefängnis. Es erfolgte trotzdem Freispruch „mangels ausreichender Beweise". Wer sind di« Friedhossschänder? In der „Weit am Montag" schreibt der bekannte demokratische Politiker H. v. Gerlach: - „Dr. Goebbels möchte in seinem nationalsozialistischen Organ es so hinstellen, als wenn die unzähligen Schändungen israelitischer Friedhöfe gar nicht von Antisemiten herrühren, sondern „irgendwelchen bestochenen Strolchen oder gar von Juden selbst". Er erklärt, dah er mich für einen „dreisten^ Lügner" erkläre» werde, wenn ich nicht Namen und Datum „ernstzunehmender Antisemiten" als Täter angeben könnte, j Ich greife folgende drei Fälle heraus: 1. Erfurt, 13. März 1020. Zertrümmerung von 05 Grabdenkmälern. Täter: Robert Bartholome, Walter Laudin. Je 2V& Jahre Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust. Kurt Seidenstücker 1% Jahre Gefängnis. Alle drei Mitglieder des Wikingbundes. 2. Collies. 4. April 1028. Zerstörung mehrerer Grabdenk mäler. Täter der 21jährige Willi Fritz, Mitglied de» Stahl- 93

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