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Der Schild · 1929-03-01 · 9 (1.3.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
9 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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unser allergnädigster General ist zur Zelt an einer — lim. hm. — Alkoholkrankheit er . . . krankt. Hm. hm. ja. kommt doch vor. Ja, also da kann es ein Unglück geben, wenn — hm — Seine Majestät, der oberste Herr — hm — den Wunsch äußern sollte, den allergnädigsten Kommandeur am Krankenlager besuchen zu wollen — hm. Die — hm— Krankheit ist ihm. das heißt idem General ein wenig aufs Gehirn geschlagen — versteht Du — aufs Gehirn, — da redet doch der Mensch nicht klug — verliehst Du — da könnte doch — hm — der allerhöchste Herrscher Anstoß nehmen, wenn unser allergnädigster General und Kommandeur — hm — nicht gescheit reden wird — verstehst Du, —- da muß uns also geholfen werden. Du, Treitel, siehst dem General sehr ähnlich, als einziger im Regiment. Und da unsere allerhöchste Majestät den General schon sehr lange nicht gesehen hat. und er. der General, jetzt einen Bart trägt wie Du — einen schwarzen, — so wirst Du — hm — heute General werden . . .!' Sagt der Offizier zu mir. Ihr wißt, ich habe stets einen Mund gehabt, der reden konnte. — aber dabei verlor ich die Sprache. Sagt der Offizier weiter: .Du. Treitel. ziehst die Uniform des Generals an und tust bei der Parade nicht den Mund auf, antwortest nur mit Nicken und stehst stramm; denn Tu hast ein Geschwür im Hals und kannst nicht reden. Eine schlimme Cache hast Du — vielleicht einen Krebs, — werden wir der Majestät sagen . . .!' Sagt so der Offizier. Ihr wißt: vor Menschen habe ich mich nie gefürchtet; aber es war mir doch ein wenig bange ums Herz; eine Majestät ist doch kein Mensch — das heißt, nicht ein Mensch wie andere Menschen. Aber Befehl ist Befehl, und. so kam die Parade. Ich will sie Euch kurz schildern: Vas Judentum in der In Breslau findet gegenwärtig eine recht instruktive, kulturhistorisch wie künstlerisch wertvolle Ausstellung „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens" statt, die ein geschlossenes Bild Uber achthundert Jahre lüdifchen Lebens im Osten Deutschlands gibt und über den Rahmen der Provinz hinaus Bedeutung hat und Beachtung verdient. Sie hat den unmittelbaren Zweck, dem im letzten Frühjahr gegründeten Verein „Jüdisches Museum in Breslau" allgemeineres Interesse zuzuführen, um in ihm allmählich aus Privat- und Gemeinschaftsbesitz eine möglichst vollständige Sammlung jüdischen Kulturgutes im Osten Deutschlands zusammenzufassen. Professor Dr. Hintze hat die Ausstellung, die Geschichte und Leben des Judentums von 1050—1850 umfaßt, aufgebaut, in ihr olle erreichbaren Dokumente zur Geschichte der Juden, Handschriften, Inkunabeln, Drucke und eine sehr vollständige und wertvolle Sammlung von Kultgeräten in ausgewählten Exemplaren zustande gebracht. Die Juden in Breslau, deren erste geschlossene Siedlung in der Mitte des 12. Jahrhunderts nachzuweisen ist, wurden, wie bekannt, gegen Ende des 15. bis auf einzelne aus der Hauptstadt vertrieben. Zwei kleine Provinzftädte, Zülz in Oberschlesien und Glogau in Niederschlesien, waren dann Hauptsammelpunkte jüdischen wirtschaftlichen und geistigen Lebens. Die Synagogen und alten jüdischen Häuser dieser beiden Städte liefern darum auch einen nicht unbeträchtlichen Teil des wichtigen Materials. Bis zur preußischen Zeit durchlebten die schlesischen Juden ein recht wechselvolles Schicksal. Noch Maria Theresia erließ betihrem Regierungsantritt einen Ausweisungsbefehl gegen die Breslauer Juden, dessen Ausführung dann allerdings durch das Einrücken Friedrichs des Großen verhindert wurde. Die jüdische Tradition findet sich also mehr in den kleinen Landstädten, und so erklärt eS sich auch, daß nicht in Breslau, sondern in dem benachbarten Oels beispielsweise die erste jüdische Druckerei in Deutschland entstand. Dort wurde 1530 der Pentateuch als das erste hebräische Buch auf deutschem Boden, wenn man von einigen Prager Drucken absieht, hergestellt. Die den Drucken vorhergehenden Handschristenbände zeigen zum Teil sehr hochstehende Illustrationen im Stile byzantinischer Miniaturen. Unter den Kultgegenständen fallen vor allem silberne Geräte aus dem 17.. 18. und 19. Jahrhundert auf, die bezeichnenderweise noch damals und zwar vor allem im 18. einen recht starken östlicy-syrischen Einschlag zeigen. Ihre äußeren Formen sind in den Jahrtausenden gleichbletbend kultisch bedingt; Einflüsse des Zeitstils zeigen sich aber doch im Ornament trotz des starken Traditionsgefühls. So sind barocke Ziselierungen und Ausschmückungen recht verbreitet. Ueberraschend ist es. daß trotz des im allgemeinen lehr niedrigen Lebensstandards der Juden in Ostdeutschland eine besonders kostbare Ausstattung der Gerätschaften — sowohl für die Synagogen wie für die Häuser — offenbar unter großen Opfern erstrebt und erreicht wurde. Standen da unzähllge Soldaten in Paradeuniform. Zehn oder zwanzig Offiziere an der Spitze. Ich stand als General ein wenig vor. Die Offiziere wußten, wer ich war, aber die Soldaten merkten es nicht. Meine Uniform mit den Orden hatte sie blind gemacht. Kommt Zar Nikolai mit seinem Stab direkt auf mich zu. Springt schnell ein Offizier vor und meldet mein Krebsleiden und bittet, mein Schweigen zu entschuldigen. Woraus der Zar mir die Hand drückt und sagt: .Herr General, möge Ihnen Gott eine baldige Genesung senden, bamit Sie mir und dem russischen Bolke noch lange dienen können.' Dann ging der Zar rechts, ich. etwas dahinter, links das Anhängsel von Adjudanten und Offizieren. Plötzlich bleibt der Zar stehen und sagt: .Herr General — mein Kompliment: meine Soldaten sehen gut aus . . .!' , Sagte ich nichts,, sondern hielt die Hand am Kopf., so, wie es mir jener Offizier gelernt hatte. Dgs Gehen dauerte eine Stunde. Beim letzten-Soldat bleibt der Zar stehen, reichte mir nochmals die Hand und sagte: .Herr General, schonen Sie sich! Das Vaterland braucht Sie . . Und fuhr fort tm Wagen mit seinen, Begleitern. Mir fiel ein Stein vom Herzen.. Dann machte ich, laut der Anweisung des Offiziers eine Bewegung mit der Hand, woraus die Soldaten auseinander gingen. Liebe Eltern und Geschwister! Zum Schluß bleibt mir noch Euch mitzuteilen, daß man mir zum Dank dafür, weil ich die Ehren des Regiments gerettet habe, einen Orden geschenkt hat. den ich aber nicht trage, weil ein Kreuz darauf ist . . ." So lautet der Brief Reb Treitels, meines Onkels, des gewesenen Generals Seiner Majestät, des obersten Herrschers Rußlands, des allergnädigsten ° und heiligen Zaren Nikolai de» Ersten ... Geschichte Schlesiens Die Ausstellung wird unterstützt durch einen umfangreichen, von Professor Tr. Hintze verfaßten Kataloge der gleichzeitig eine wertvolle Dokumentensammlung darstellt. Im ganzen scheint die Veranstaltung ein hoffnungsvoller Anfang für eine der historischen und kulturellen Bedeutung des ostdeutschen Judentums entsprechende ständige Sammlung zu sein, für die der Verein „Jüdisches Museum Breslau" die Unterstützung aller Kreise der jüdischen Bcvölkening erbittet. M. D. Ein Denkmal für die gefallenen jüdischen Soldaten Frankreichs. Der Verband jüdischer Frontsoldaten Frankreichs hielt im Saale des „Petit Journal" eine Tagung ab, in der die Errichtung eines Denkmals auf einem öffentlichen Platze zum Ge dächtnis der an den verschiedAien Fronten gefallenen jüdischen Soldaten Frankreichs beschlossen wurde. Die Versammlung wurde von dem früheren Midister Demonsier geleitet. Vertreter des Kriegsministeriums. der Admiralität, zahlreiche Senatoren und der Präsident der Union der Kriegsfreiwilligen wohnten der Kundgebung bei. Die Per treter des Heeres und der Marine hielten Ansprachen und rühmten die Tapferkeit der jüdischen Soldaten zu Land, zu Wasser und in der Lust. . - Antisemitische« SchildbÜrgerstückchen in Polen. -Wie die Bromberger Deutsche Rundschau mel det, hinterließ eine im Jahr 1921 in Pennsylvanien verstorbene Frau Lena Cohen ihrer Heimatstadt Bromberg ihr gesamtes den Wert von 100 000 Dollar übersteigendes Vermögen nebst ihrer Gemäldegalerie mit der Bestimmung, daß die Zinsen armen alten Juden der Stadt zugute kommen sollten. Das Testament kam etwa im Jahr 1022 nach Bromberg. Der Magistrat beschäftigte sich damals in geheimer Sitzung mit der Frage und iehnte, offenbar aus antisemitischen Gründen,^die Annahme der Erbschaft mit der unwahren Begründung ab. daß es in Bromberg keine armen alten Juden gebe. Die Stichhaltigkeit dieser Behauptung kann schon, durch das Bestehen eines jüdischen Altersheims in Bromberg widerlegt werden. Auf Betreiben intereDerter Kreise wurde nun in allerjüngster Zeit das Angebot dieser Erbschaft dem Magistrat der Stadt Bromberg nochmals vorgelegt. Wie die Deutsche Rundschau erfährt, beabsichtigt die polnische Mehrheit de» Gemeinderats, die Annahme der Erbschaft abermals auszuschlagen. Die Deutsche Rundschau hofft, daß die Stadtverordnetenversammlung noch in letzter Stunde die Wiederholung dieses Schildbürgerstreich« verhindert, da sich au» der Angelegenheit ein internationaler Skandal entwickeln könne.

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