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Der Schild · 1929-02-15 · 8 (15.2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
8 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Das Jubiläum des Reichsbundes ..Vivo» voco!“ zahlreicher befreundeter Verbände, vor allem aus Jugend- und Sportkreisen, unter der Leit» ng des Gründers und Bundesvorsitzenden Kam. Tr. Leo Löwe i ft e t n im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses stattfand. -'Unter der, Gästen, die zu dem Geburtstagsfeste des Reichsbundes als Gratulanten erschienen waren, seien an erster Stelle genannt: Generalleutnant B u ch - holtz und Major Heidrich, für den Chef der Heeresleitung, Kapitän zur See Kerkhchhn, für den Chef der Marineleitung, Major Richter, als Vertreter der Wehrmachtabteilung, der Kommandpnt von Berlin Generalmajor Freiherr von Schlein i tz. der Vizepolizeipräsident Tr. Bernhard Weih und Polizeioberst H e l l r i e g e l vom Kommando der Schutzpolizei. Den Preußischen Landesverband der Jüdischen Gemeinden und die amtlichen jüdischen Behörden vertrat Kammergerichtsrat Wolfs. Weihevoll leitete die Berliner Trio-Vereinigung — Professoren Heinrich Grünfeld, Mayer-Mahr und Alfred Wittenberg — mit dem ergreifenden Vortrag einer Beethovenschen Komposition die Feierlichkeit ein. Bon der Präsidententribüne herab, die mit schwarz-rot goldenem Fahnentuch und dem Wappen des Reichsbundes geschmückt war, begrüßte der Bundesvorsitzende die Versammlung. In bewegten Worten gedachte er aller im Weltkrieg gesaiienen Kameraden, während sich die Versammlung zur Ehrung der Toten unter den Klängen des Liedes „Ich halt' einen Kameraden" von den Plätzen erhob. „Vivos voco!“ Ich rufe die Lebenden! Das Fest unseres zehnjährigen Bestehens hätte ein Tag der Vollendung sein können, wenn unsere Aufgaben erschöpft wären. Aber unser Bund ist nicht überflüssig geworden, seit jenem Februartage des Jahres 1919, da vierzig unserer Kameraden den Reichsbund gegründet haben. Vertausendfacht hat sich seitdem die Zahl seiner Mitglieder: und zu den alten Zielen, die teilweise erreicht wurden, sind neue Ziele getreten. Wir haben den Kampf gegen eine ron Interestenten verbreitete Lüge geführt: dah die Juden im Kriege ihre Pflicht nicht erfüllt, dah sie an der Front versagt hätten. Roch im Jahre 1918 durste ein antisemitischer Abgeordneter im Reichstag unter allgemeiner Heiterkeit fragen: Haben Sie schon einmal einen jüdischen Flieger gesehn? Wir haben unsere Ehre, die Ehre unserer toten Kameraden vor Beschimpfung bewahrt. Wir haben unser Fliegerbuch veröffentlicht: und noch in diesem Jahre soll unser Gedenkbuch erscheinen, das der Erinnerung an die 12 000 gefallenen jüdischen Soldaten der deutschen Armee gewidmet ist und auf Grund sorgfältiger Statistik den Nachweis für die Vaterlandsliebe und Pflichterfüllung unserer Gemeinschaft erbringt. Damit leistet der RjF. ein bedeutsames Werk für die deutschen Juden, für ihre gesellschaftliche Gleichberechtigung. Das deutsche Judentum hat es nicht mehr nötig —. das ist der Erfolg unserer Abwehr des Antisemitismus — sich mit den Verunglimpiungen judenfeindlicher Rassetheoretiker auseinanderzusetzen. Es darf sich energisch verbitten, dah nach seinem moralischen Wert oder Unwert überhaupt noch gefragt werde. Mit meinem Ehrenwort verpfände ich mich dafür, daß ich noch keinen Juden angetroffen habe, der. wie es das gefälschte Pamphlet der „Weisen von Zion" behauptet, nach jüdischer Weltherrschaft strebt. Phantasterei ist es, eine Raste hoher als die andere zu werten: und verkehrt würde der Staat handeln, wenn er eine Raste begünstigte und die andere benachteiligte. Er soll vielmehr, den Forderungen der ernsthaften Rastenwistenschast und Eugenik entsprechend, die gesunde ^Entwicklung aller seiner Ltamme und Rasten weitestgehend pflegen und die Vielfältigkeit ihrer Begabungen als wichtigste Quelle seiner Kraft nützen. Daher ist auch für die Entwicklung des Staates das Erbgut, das der jüdisch« Stamm aus seiner Vergangenheit mitgebracht hat, eine wertvolle Kraft. Erst kürzlich hat ein so unverdächtiger Zeuge wie der Tomprediger von Kirchbach anläßlich des letzten deutschen Adelstages in Dresden den nationalen Freiheit»- und Opfersinn des antiken Judentums in Zeiten schwerster Bedrängnis gefeiert und als Beispiel dem deutschen Volke hingestellt. Im Mittelalter hat unser Stamm für seine Ideale in zahllosen Verfolgungen Blutopfer gebracht. Einen Stamm von solchen Traditionen kann Deutschland gebrauchen. Unsere .Tatbereitschast und Liebe für Vaterland, Staat und Volk fasten 'wir in den alten biblischen Imperativ, in den makkabäischen Kampfruf zusammen: Seid stark und tapfer! Sport mb Siedlung In einer Rede von plastischer Kraft und volkstümlicher Frische gab der frühere langjährige Vorsitzende des Bayerischen Landesverbandes des Reichsbundes, Kam. Dr. Landenbere r - Nürnberg, der der Versammlung die Grütze der Bayeri hen Israe.itischen Gemeinden übervrachte, einen Ueberblick über die Leistungen des Reichsbundes auf dem Gebiete der körperlichen Ertüchtigung durch Turnen und Sport und auf dem Gebiete des Siedlüngswesens und der landwirtschaftlichen Arbeit. „Als kurz nach dem Kriege eine Pogromstimmung in Deutschland um sich griff", so führte er aus, „haben wir alten Frontsoldaten uns gesagt: Bis hierher und nicht weiter! Wir haben begonnen, unsere Körper und die Körper unserer Jugend zu stählen, um gegebenenfalls mit der Waffe in der Hand dem Pöbel der Strahe entgegenzutreten. Es war Notwehr. zum Schutz der bedrohten Glaubensgenossen, wie es uns der 'Freispruch eines Berliner Gerichtes bestätigte, vor dem der Reichsbund angeklagt war, bewaf,nete Haufen gebildet zu haben. Im Grunde ist es sogar ein Verdienst unserer Gegner, uns auf diese Weise gezwungen zu haben, unsere gute soldatische Erziehung des Körpers zu pflegen und sie an unseren Nachwuchs weiterzugeben. So haben wir in allen Gemeinden, wo es notwendig war, unsere Cportgruppen gebildet und weithin wirkende Anregungen zur Ausbreitung jüdischer Turn- und Sportpflege ge- - geben. Wir haben im Boxsport gutes geleistet: unsere Berliner Jiu-Jitsu Mannschaft hat die tüchtige Im-Jitsu-Gruppe der Leipziger Polizei zweimal geschlagen. Und wie sich viele unserer Kameraden im Felde als Flieger bewährt haben, so haben wir nach dem Kriege unter der aufopferungsvollen Führung des Kam. Ledermann eine Segelslugabteilung ins Leben gerufen. Die zweite Leistung des RjF., die jüdische Landsiedlung, ist auch durch ein Fronterlebnis, das in vielen unserer Soldaten während des Stellungskrieges ausgelöst wurde, angeregt worden: die Liebe zur Scholle und das Interesse für landwirtschaft.iche Arbeit hat den Menschen der Stadt mit Sehnsucht nach der Natur, mit dem Wunsch nach gesunder Arbeit am Boden erfüllt. Nur durch äußeren Zwang haben sich die Juden, die im Altertum Bauern und Viehzüchter waren, im Mittelalter mit Geldwirtschaft und Handel beschäftigt. Indem wir uns jetzt der Landwirtschaft zuwendeb, erobern wir uns ein Recht zurück, das uns geraubt wurde. Wir jüdischen Frontsoldaten haben das Recht erworben, die deutsche Erde, für die wir unser Blut ^Hingaben, zu bearbeiten. Gesundheitliche und wirtschaftliche Notwendigkeiten, die den jüdischen Mittelstand mit Untergang bedrohen, treiben uns zur Vorbereitung einer solchen gesellschaftlichen Umschichtung an. Mit dieser Siedlungstätigkeit bewegen wir uns auf modernstem Gebiet und zugleich im Geiste uralt jüdischer Tradition. Zum Heile des deutschen Judentums und des deutschen Vaterlandes erstreben wir eine jüdische Nenaistance. __ An die Worte des Vorsitzenden anknüpfend sprach Kammergerichtsrat Wolfs in warmen Worten dem RjF. die Anerkennung des Preuhischen Landesverbandes det Jüdischen Gemeinden für die Ehrung der gefallenen jüdischen Soldaten, für die Abwehr der antisemitischen Angriffe und für die sportliche und landwirtschaftliche Aufbauarbeit aus. Mit einem Schlußwort des Vorsitzenden und dem Gesang des Deutschland-Liedes schloß die festliche Veranstaltung. Die Feier am Souutag Am Sonntag vormittag fand in der Neuen Synagoge in der Oranienburger Strohe ein Festgottesdienst statt, an dem die Führer und zahlreiche Mitglieder des Reichsbundes mir ihren Frauen teilnahmen. Eine Abordnung der Berliner Ortsgruppen und die Chargierten jüdischer Studentenverbindungen zogen mit ihren Fahnen unter feierlichem Orgelklang in das Heiligtum ein und nahmen in der Nähe des Al mencor Aufstellung. Weihevoller Chorgesang, von dem verstärkten Synagogenchor unter der Stabführung des Dirigenten Belitzer ausgeführt. Familien» Anzeigen stärken den Gemeinschaftssinn. Daher gehSrea sie in den „Schild"! SS

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