Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 5 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe an den „Schild- An die Redaktion des .Schild" Berlin W 15. Ich sende Ihnen anbei, zur gefl. Kenntnisnahme, einen Artikel für den Schild! Ich mochte bemerken, daß beifolgendes der reinen Wahrheit entspricht. Strauh und Goldschmidt, zwei Soldaten, als Sanitäter. Strauh ein frankfurter oder Darmstädter, Goldschmidt aus Hamburg. Tie Adressen der beiden sind mir, unbekannt. Hoffentlich sind beide Kameraden Mitglieder des hijF. Z. B.: Es war an der Somme am 1. Juli 1916 in der II. Komp, des Inf. Reg. 87. Wir rückten von, Peronne aus in Stellung, wo wir das Inf. Reg. 60 ablösten. Morgens gegen 7 Uhr bezogen wir durch Laufgräben die 3. Linie, die beiden vorderen Linien waren vom feinde besetzt. Ter feind legte kurz vor 8 Uhr Artilleriefeuer auf unseren Graben, welcher, da es 3. Linie war. nur notdürftig mit Unterständen versehen war. Tiefes feuer. welches zum Trommelfeuer wurde. wurde immer stärker und. gegen Abend landete jeder Schuh in . unserer Linie, ivo es viele Tote und Verletzte gab. Kein Mensch, ob Offizier oder Soldat, wagte sich zu rühren, da man jeden Augenblick damit rechnen konnte, daß die nächste Granate für dich bestimmt ist. Nur hörte man Hilferufe, dort lag ein Toter, hier gab es Verwundete, wen sah man laufen? Tie Sanitäter Strauß und Goldfchmidt. Sanitäter links, Sanitäter rechts, sonst hörte man nichts als Kanonendonner. Tiefe beiden besonders Tapferen waren immer zusammen, verbanden notdürftig und gaben Anweisung was mit den Verletzten zu -machen war. sorgten für Wegbringung und das Wunder war: Es passierte diesen Helden nichts. Der Feind griff uns abends an und wir muhten unsere zertrümmerte Stellung wegen Uebermacht aufaeben. Strauh und Goldschmidt, die beiden Tapferen, wurden u. a. befördert und ausgezeichnet. Wir drei jüdische Kameraden blieben längere Zeit noch zusammen und kamen in Ruheste'lung. In dieser brauchten wir einmal anläßlich eineshöheren jüdischen Feiertages keinen Dienst zu machen. Wir saßen gemüt'ich zusammen, eine Granate schlug in unserer Nähe ein und verletzte Goldschmidt stark. Hier leistete Strauh die erste Hille, indem er verband und für den Abtransport zum Lazarett sorgte, von wo aus er in die Heimat kam.; Strauh blieb mit mir noch längere Zeit zusammen, bis ich im September 1916 ebenfalls rerwundet wurde und von meinem treuen Kameraden Strauh die erste Hilfe bekam. Da ich mich für das Wohl dieser beiden Helden besonders interessierte, erfuhr ich. als ich aus meiner 33monatlichen Gefangenschaft. worin ich im April 1917 geriet, dah beide glücklich aus dem Kriege heimgekehrt sind. Hoffentlich sind sie heute noch wohlauf. Mit kam. Gruß Arthur Leon, Köln. Saarstrahe 1. tiM i* , VeTör«ni»! «I«I« I» n» tHi wS An die Redaktion des „Schild" Berlin W 15. Am 17. September 1928 hat der Oberpostschaffner Karl Rennecke, hier, Witzlebenstr. 37, Gartenhaus 4 Treppen, im Park am Lietzenfee öffentlich die böswillige Verleumdung aus gesprochen: Tie Juden betrügen und beschwindeln die Christen, und das ist ihnen im Talmud vorgeschrieben. Da diese Der leumdung gegen die ganze jüdische Religionsgemeinschaft gerichtet, war, habe ich Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Am 5. d. M. war Termin beim Landgericht III. Karl Rennecke ist wegen üsfentlicher Beleidi 3.0 Mark Geld st rase, evtl. 3 Tage Gesang, urteilt. Ter Staatsanwalt hatte 50 Mark beantrag dem ist mir Publikationsbefugnis zugesprochen auf tzung zu i s, v e r - 1. Auher e Kosten! sein Mit kameradschaftlichem Gruh Leopold Gerechter, Ehrenkamerad des Bezirks Charlottenburg, O.-G. Berlin. &. C.-Tag in Königsberg Eine machtvolle Kundgebung für den Gedanken fchen Ostmark war die Feilversammlung, die der ff ici.t jüdischer Verbindungen, der seinen 26. K. C.-Tag berg abhielt, unter Teilnahme der Spitzen sämtlicher in dem dortigen Messe-Hauptrestaurant einberusen K» der deut rtell Con in Königs Behörden hctte. Die Ostmarken-Ansprache hielt Universit iitsprofessor Dr. Theodor Cohn-Königsberg. Redner führte aus, dah alle Versammelten dem Gefühl der Liebe und Sorge für die deutsche Ostmark Ausdruck verleihen wollten. Der K. C.-Tag hat zum er>tenmal in dieser Zeit der deutschen Not sein Banner in der Ostmark aufgepjlanzt. Ta c scheint es als selbstverständliche Pflicht, öffentlich auf diesem grfährdeten Boden das Treuebekenntnis zum deutschen Vaterlande abzu legen. Als zweiter Hauptredner sprach der Vorsitzende des ge sckäftsführenden Ausschusses des - K. C. D r. Holländer- Berlin, Direktor des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Er ging zunächst auf die Geschichte des K. C. ein und schilderte die Verhältnisse vor dem Krieige. Schon damals habe der K. C. die Achtung und die Gleichheit vor den Juden aus dem Grunde verlangt, weil nicht bestritten werden könne, dah das Judentum im tiefsten eine sittliche Gemeinschaft sei. Bo« gegnerischer Seite sei den Juden vorgeworsen worden, dah sie durch ihre Abstammung und ihre Religion minderwertig seien. Tie junge jüdische Generation habe es schwerer als die alte, weil ihr die Verachtung von auhen her in erhöhtem Mähe entgegengebracht wird. Deutschland müsse es lerneil, Rassen und Klassengegensätze zu beseitigen und allen wertvollen Bür gern die sittliche Anerkennung zuteil werden lassen.! Namens sämtlicher Behörden sprach Regierungspräsident Dr. v. B a h r f e l d t. Die Worte, die der Hauptredner über die deutsche Ostmark ausgesprochen habe, ^seien von echt vaterländischem Geist getragen gewesen. Tie K. C.-er aus dem Reich mögen daran denken und allen deutschen Brüdern mitteilen, dah in Ostpreußen eine Bevölkerung von 2 Millionen abge schnürt vom übrigen Vaterlande lebt, die feit 700 Jahren mit deutscher Geschichte und deutscher Kultur verknüpft!ist. Die Kundgebung des K- C. werde ein Markstein in der Geschichte des Bekennertums zum deutschen Osten sein. Für den Rektor und Senat der Albertus Universität sprach Professor Dr. E i s e n l o h r. Er bat die Kommilitonen des K.C., die Universität in Königsberg dadurch zu unterstützen, dah niöglichst viel Studenten aus dem Reich nach Königsberg kommen. Namens des Rektors der Handelshochschule sprach Professor Dr. Schack. Neben den Worten der tiefen Verbundenheit mit dem deutschen Heimatboden habe man leider auch Worte gehört, die yuf den Parteihader und die Zerrissenheit im akademischen Leben Hinweisen. Es scheine, als ob die Zerrissenheit im akademischen Leben ein Spiegelbild des deutschen Volkslebens sei. Das deutsche Volk könne aber nut" gedeihen, wenn diese Zerrissenheit beseitigt werde. Geheimer Medizinalrat Professor Dr. f a l k e n h^e i m llberbrachte Glückwünsche und Grüße der KönigÄierger Synagogengemeinde, der es eine grohe Freude gewesen sei. einen besonderen Festgottesdienst für den K. C.-Tag zu veranstalten. Das Judentum habe hohe Ideale tn sich, deren sich niemand zu schämen brauche. Der Gedanke von Deutsch tum und Judentum sei kein- Gegensatz, sondern geeinte Zwienatur. Für den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach der Landesverbandsvorsitzende S a n i t ä t s - rat Dr. Pollnow. Unterstützt das Handwerk Der Verein selbständige^ Handwerker jüdischen Glaubens e. V., Berlin hat in seiner Organisation alle Berufe vereinigt und ist jederzeit in der Lage, lelitungsfHhlge Handwerksmeister nach zuweisen ‘ Geschäftsstelle) Louis Wolff — Berlin NO 18 — Große Frankfurter Straße 80-81. Fernsprecher! Amt KSnigstadt Nr. 2490 T 34