Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 5 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sin jüdischer Landwirt') 8 .Fayi rgang « Mein Vater, der auf seinem Landgut Woydahl das Landleben Kennen und lieben gelernt hatte und der Landwirtschaft jederzeit Interesse entgegenbrachte — er war ständiges Mitglied des Landwirtschaftlichen Kreisvereins — konnte seine Sehnsucht in späteren Jahren nicht überwinden und erwarb ein kleines Landgut von 300 Morgen, das er von einem Inspektor bewirtschaften ließ, auf dem er aber regelmäßig sein Weekend verbrachte. Er legte aus praktischen Gründen einen Teil seines Vermögens im Acker an, denn er, der so viele industrielle Krisen erlebt hatte, sagte immer: „Wenn alles schief gehen sollte, mit dem, was mir die Erde hergibt, werde ich mit meiner Familie" nie Hunger leiden können." — Das kleine Anwesen lag etwa zwei Meilen von Inowrazlaw entfernt, in einer deutschen Siedlung, die sich längs der gewaltigen königlichen Forsten, die sich von Thorn bis Bromberg erstreckten, hinzog. Es waren dies sogenannte „Hauländereien", die schwäbischen Ansiedlern von Friedrich dem Drohen gegen einen jährlichen geringen Zins ohne Kaufgeld als Eigentum verliehen morden waren. Diese deutschen Bauern hatten inmitten der ihre Wirtschaften umschließenden polnischen Landgüter und Dörfer ihre Eigenart: Sprache. Sitten, Kleidung und Gebräuche vollkommen bewahrt. — Wenn man, von Inowrazlaw kommend, nach einstündig^r Wagenfahrt eine Hügelkette passiert hatte, bot sich dem Auge ein ungewohntes Bild; man glaubte in einem fremden Lande zu sein. Man sah eine unendliche, von unabsehbaren Wäldern auf einer Seite begrenzte Niederung, über welche, im Gegensatz zu den polnischen Dörfern, in denen die Gehöfte nebeneinander an der Dorfstrahe standen, hier die einzelnen Gehöfte zerstreut waren. Wohnhaus, Scheune und Stallgebäude, meist mit einem kleinen Blumen- und Obstgarten, lagen in der Mitte des Ackergeländes. Ein Besuch zum Nachbar beanspruchte schon einen tüchtigen Spaziergang. Im Winter, wenn Aecker und Wege verschneit waren, bekam man seine Nachbarsleute kaum zu sehen. Im Frühjahr erst schüttelten sich die Freunde nach langer, langer Pause wieder die Hände. — Die Leute waren dort wenig begütert, denn der Boden war nicht fruchtbar. Die oben erwähnte Hügelkette war die Scheidegrenze zwischen dem fruchtbaren kujawischen Ackerlande und einer ursprünglichen Sandwüste. In uralten Zeiten reicht« die Weichsel bis an die Hügelkette, und die Dörfer standen auf altem Stromgrunde. Diesem dürftigen Sandboden rangen die Hauländer in müh¬ •) Aus „Ostdeutsches Judentum" von Heinrich Kurtzig. ' Stolp 1927. . ' seliger Arbeit nur anspruchslose Früchte, wie Lupinen, Roggen, Hafer u. dgl. ab, und da sie in ihren Anschauungen sehr konservativ waren, hatten sie von den Errungenschaften der modernen Landwirtschaft bei sich nichts eingeführt. Wie es der Vater gemacht hatte, machte es der Sohn, und der Vater hatte an dem, was der Großvater gemacht hatte, nichts geändert. Hier bot sich für meinen Vater wiederum Pionierarbeit. Er wußte, daß jener Landwirt recht hatte, der in einer Sitzung eines landwirtschaftlichen Vereins seinen Vortrag mit folgenden Wor^ ten schloß: „Meine Herren, alles was wir hier reden und beraten und was unser Ziel ist. ist doch nur das eine: Mist, Mist, Mist." — Die Hauländer hielten bei ihren geringen Futterernten nur wenig Viehbestand, und wo wenig Vieh ist, ist auch wenig Dünger. Es war ein circulus vitiosus: Da die Leute wenig Vieh hielten, hatten sie wenig Dünger: da sie wenig Dünger hatten, hatten sie wenig Futter und da sie wenig Futter hatten, konnten sie wenig Pieh halten. Um aber an einer Stelle den Hebel anzusetzen, wurden sie durch ihren Konservatismus und auch durch Mangel an Kapi- > tal gehindert. Mit lächelndem Staunen sahen die Bauern, daß mein Vater große Viehherden seiner Wirtschaft einstellte und diese mit industriellen Kraftfutterstoffen wie Oelkuchen. Kleie usw. füttern lieh. Es fand^eine erhöhte natürliche Düngerproduktion statt, deren Wirkung sich schon bei der nächsten Ernte zeigte. Mein Vater hatte auch das Herz, die aufsprießenden Getreidepflanzen noch mit künstlichen Düngemitteln, wie Kali, Chile-Salpeter usw. zu bestreuen. Alles das war den Hauländern unbekannt, oder sie wagten wenigstens diese Neuerungen nicht. Aber erstaunt waren sie, zu sehen, was man auch auf Sandböden bei intensiver Bearbeitung ernten konnte. 3«m 18 jährigen Bestehen des R. j. F. bitten wir die Kameraden, zum 9. und 10. Februar zahlreich nach Berlin zu koinmcn. . ( Beachtet und beantwortet die Einladungen! , Für Aundgebung u. Festgslterdienst dunkler Ansug erbeten Werbet mit der Schild-Sondernummer und beachtet das Rundschreiben vorn 22. Januar.