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Der Schild · 1929-01-25 · 4 (25.1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Hubertusstrahe löö; Alfred Konsmeier, Neuwied (Gefallen 1018); Merkling, Gelsenkirchen, Steelcr Str. 13. Fch erzähle nach einem in meinem Besitz befindlichen Briefe des Ernst Cahn an mich. Da hatte jemand von hinten mit der Spitze seines Regenschirmes einen unverkennbaren Annäherungsversuch " bei mir gemacht. Ich bin nun aber durchaus kein Freund spitziger Liebenswürdigkeiten, die sich mit meinem Hinteren Gesichte beschäftigen und wollte gerade recht unsanft auf den Angreifer losfahren, doch als ich mich wandte, stand ich einem vergnügt lachenden umfangreichen Covercoat gegenüber, den nian unmöglich anknurren konnte. „Tag Ernst!" Dia. nun sollte mich doch gleich der Kuckuck holen, ivenn ich diesen Herrn irgendwoher kannte. Aber . . . „Ernst" . . . heiße ich ja allerdings. „Gewiß ein Irrtum." lächle ich verbindlich zurück. „Nööö, bitte! ... So — ja, ich bin wohl ein wenig starker geworden seit 1916 . . . tjaaa, ein klein wenig stärker! Du gestattest doch, daß ich mich Dir vorstelle: Merkling, Fritz Merkling aus Gelsenkirchen! Na, dämmcrt's nun bald, Ernst Cahn?" „Dunnerlittchen . . . wahrhaftig. Merkling! — Na, Dich hätte ich nun bestimmt nicht wiedererkannt!" „Tjawoll," lacht der blonde Dicke, „tjawoll. man hat Fett angesetzt! Na, und nun weiht Du doch gewift auch, wohin Du mich einsortiert hast in Deiner eingestaubten Erinnerungs- Kartothek?" „Und ob: Freiburg. Gebirgsartillerie, 1916 ... cs ist erst 12 Jahre her. —" „Aber Du hast Dich wirklich recht wenig verändert in all' den Jahren!" Wir standen auf einem Bahnsteige des Krekelder Bahnhofes. „Es ist schade," sagte ich. „daß ich um sieben Uhr dreizehn fahren muh, nach Lippstadt. Weiht Du, man hat eben seinen vorgeschriebenen Dienst zu absolvieren, ob man nun Soldat, oder Beamter, oder, wie ich: Kaufmann. Angestellter. Reisender ist. Und es ist auch ganz gut so. Ich fahre jetzt mit dem I'-Zuge . . . aber vielleicht hast Du dieselbe Strecke . . .?" „Dieselbe Strecke habe ich ja nun gerade nicht. Ich wollte eigentlich mit dem Eilzuge nach Gelsenkirchen. Doch es freut mich so, doch wieder einmal einen alten Kameraden zu treffen... na, da werde ich mir eben eine Zuschlagkarte lösen und bis Essen mit Dir fahren!" Und so fuhren wir mitsammen und erzählten und tauschten Erlebnisse aus. Merkling hatte nach seiner Rückkehr aus dem Kriege das elterliche Geschäft übernommen, ein gutgehendes Manufakturwarengeschäft. Und seinem ganzen Aeuhcren, seinem jovial lächelnden gutmütige» Gesicht war-anzusehen.'das; es ihnd i» der Tat nicht schlecht ging. ■ ' . 1 - „Na, sieh einmal, alter Junge", meinte er. indem ersich nachdenklich durch die blonde Mähne fuhr, „ich bin doch eigent lich kein Antisemit . . . nein, Du brauchst nicht gleich aufzu springe», ich habe bislang »och keinen Juden röh oder gekocht verspeist, — ich glaube überhaupt, der größte Tcil -üer antisemi tischen Heerscharen setzt sich aus Neidhammeln und Konkurren ten zusammen, und ich bin ja selber auch der Ansicht, dah so vieles, viel zu vieles den Juden ungerechtfertigt nachgesagl ivird, aber -- nicht ivahr, das;stbst Du doch selbst zu: Ihr Juden habt Euch daina.ls. im Kriege, nach Mög l i ch k e i t gedrückt!-. . . Na ja. übelnehmen kann mans ja keinem Menschen schließlich . , . Selbsterhaltungstrieb und so ireiter ..." „Dia nu? Nu» erlaube doch mal einen Augenblick!" „Tu sollst Dich doch nicht so ereifern, ich meine ja nur so!" „Weiht Du. ivir halten ja nur drei Juden in unserer Ab leilung ..." „Sehr richtig! Also zunächst einmal i ch . .■ .“ „Natürlich, das ist es ja —-- ohne Dich etwa kränken zu ivollen . . . Tu . . . ivurdest rechtzeitig drei Tage vor dem Ausrücken krank und liehest Dich operieren. I», September rückten ivir aus . . . und mein Ernst Cahn lag wohlbehalten in der Heia! Stimmts. alter Schwede? lind nachher . . , wardst Tu nicht mehr gcsehn ..." „Oha. ward ich nicht mehr gesehn! Aber ein ganz kleiner Irrtum, ein ganz kleiner, ist doch dabei- Dir unterlgufcn: Richtig ist allerdings, dah ich nicht zusammen mit D i r aus rückte, aber das ist auch alles. - Nicht etiva drei Tage vor dem Ausrücken der Batterie, sondern schon im August, sofort nach dem Austreten eines äußerst schmerzhaften Lcistcnbruches. wurde ich operiert. Nicht etwa, um mich drücken zu könne», sondern ircil der operative Eingriff unumgängliche Notwendigkiut ivurde. Und während Du im September ausrücktest. ioafi ch bereits im Oktober — tjaa, dank eben dieser Operation, hahahaha! . . . auf dem Bormarsch iii Rumänien!" Die Einladungen ' z» den Berliner Veranstaltungen--anläßlich des 10jährigen Bestehens desRjl'. gelangen als ..wichtige Drucksachezum Versarid; wir bitten die Landesverbände, u. Ortsgruppen alles genau zu beachten und 1 schnellslens zu beantworten

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