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Der Schild · 1929-01-18 · 3 (18.1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
3 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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m m m wird. Ihre Stellungnahme wird van ausschlaggebender Bedeulung sein, da sie als völkisch politische Teilorgantsation deutscher Studpiten ihre Existenzberechtigung eigentlich doch nur von dem jeweiligen Stand der „Iudenfrage" herleiten kann. Sucht man nun in Part» den bedrängten jüdischen Minderheiten an den Hochschulen Südosteuropas zu helfen, so wird naturgemäß dafür dort, der Maßstab de» jeweilig staatsrechtlich bestehenden Minderheitenproblems anzulegrn fein. In Deutschland hat aber der völkische organisierte Hochschulantisemitismu« dank der hier staatsrecht.ich verankerten Gleichberechtigung sich andere Angriffsflächen aussuchen müssen, die in keinem Deut von der ..Ideenwelt" national-sozialistischer „Politik" abweichen. MaN wird also sehr wohl verstehen können, wenn die D. St. nicht nach Paris geht, da sie nicht gut stch an einer Konferenz gegen eine Bewegung beteiligen kann, von der sie ihre geistige Nahrung bezieht. Möglicherweise können wir aber doch ihren Borstand in Paris finden^ dann ist jedoch dieses Berhalten aus keinen anderen als taktischen Gründen zu verstehen. (Lin ruhiges, durch keine politischen Exzesse gestörtes Hochschulleben ist der Wunsch aller human denkender Menschen in allen Ländern der Erde. Die Universität als Universitas litterarum ist ein Begriff wissenschaftlichen Strebens, der durch keine abträglichen Verhetzungen getrübt werden soll. Konfession, Nasse. Staatsangehörigkeit find kein „Entreebillett" zu wissenschaftlicher Leistung, sondern Arbeit und Streben im Dienste der Hochschule. Deshalb begrüßen wir deutschen Juden die Pariser Konferenz gegen den Hochschulantisemitismus mit dem Wunsche, daß sie den Bedrückten Hilfe bringen möge, aber auch, daß sie eine Scheidung herbeiführe zwischen Helfern und Hetzern. Die jüdischen Studenten der Welt haben sich gegen ihre Feinde behauptet, sie werden aber auch ihre falschen Freunde erkennen müssen. , ffWWWMWWWWWWW bar im Aufstieg begriffenen Lende (tfe periodischen, kleinen Revolutionen werden hier nicht allzu ernst genommen) gibt es nunmehr Platz für freies religiöse» Leben und alle Bekenntnisse , venietzen gleiche Rechte. Die» bedeutet auch den «ndgültigen Steg de» Marranentum». Ter tragische Kampf der unglücklichen Märtyrer war nicht vergeben,. Jetzt leuchtet wieder Freiheit über ihren winkltchen Gassen, und sie brauchen nicht mehr den Tod zu fürchten, wenn sie stch zum Gebetoder zur Feier ihrer Feste sammeln. Jetzt erwachen sie überall, in den nördlichen Provinzen, in Lissabon, auf den Balearen und Azoren, wie aus einem langen Schlaf und reichen einander die Hände. Ihre Anzahl dürfte Zehntausend überstei- -gen, nach anderen Angaben soll e» sich um eine weit bedeuten- ' bete Anzahl handeln; jedoch Karins diesegegenwärtig rricht genauer bestimmt iverden. Die zahlreichste« Gruppen befinden sich in Belmonte, dem eigentlichen Ausgangspunkt der Bewegung. dem marranischen Jerusalem, ferner in Covilhao. Castello Branco, Idanha, Penamaco. Braganza und Monsanto. Der geistige Mittelpunkt des Marranentums ist jedoch augenblicklich die alte Weinstadt Oporto, die Geburtsstadt des unglücklichen Uriel da Costa. Dort bildeten die Marionen vor wenigen Jahren die erste offizielle Iudengemeinde^ deren Begründer und Borsteher Kapitän Barros Basto.ist.r) Sport-Schüd o Das Land zwischen Orient und Okzident Au» dem soeben erschienenen Buch Marcus Ehrenpreis: „Das Land zwischen Orient und Okzident", spanische Reise eines Juden, mit einem Brief an den Verfasser von Alfons Paquet, erschienen im Heine Bund. Jüdische Buchgemeinde, bringen wir folgende interessante Episode: Gegen Ende des 18. .Jahrhunderts beginnt es für die schwergeprü>ten Marranen heüer zu iverden. Marquis de Pombal, einer der größten Staatsmänner Portugals, hatte in den Jahren 1768—1774 eine Reihe von Reformen durchgeführt, welche der Macht des Santo Offico faktisch ein Ende setzten, ein halbes Jahrhundert vor der gesetzlichen Aushebung der Inquisition. Er hatte die bürgerliche Gleichstellung der Neuchristen durchgeführt. Er hatte vor allem — und dies war das Entscheidende — das sogenannte „Certificado de limpeza de sangre" (Zeugnis über die Reinheit des Blutes) abgefchafft, womit alle diejenigen, welche einen öffentlichen oder Staatsdienst suchten, ihre reine christliche Abstammung Nachweisen mußten. Diese Beweise der Blutreinheit waren ja auch an und für sich gegenstandslos: Seit drei Jahrhunderten hatten Christen und Juden sowohl in Spanien als in Portugal miteinander ihr Blut vermischt, und es hat in diesen Ländern nicht viele Familien gegeben, — und es dürfte ihrer auch jetzt nicht viele geben —, die von marranifchem Einschlag ganz frei wären. Pombal selbst soll marranisches Blut in seinen Adern gehabt haben, worüber eine lustige Anekdote berichtet wird. König Josef H. hatte bestimmt, daß die Nachkommen der Marranen durch das Tragen von grünen Hüten vor den alten Christen öffentlich kenntlich gemacht werden sollten. Pombal ließ daraus drei solcher grünen Hüte an den König schicken. Als ihn der König fragte, für wen sie bestimmt seien, antwortete der Marquis zögernd: „Der eine ist für mich." — „Und der andere?" — „Für den Kardinal." — „Für wen ist dann der dritte?" fragte der König ungeduldig. „Der dritte — ja, der dritte ist für Eure Majestät." Mit Pombals Reformen beginnt das neue Portugal. Die Inquisition wurde im Jahre 1821 formell aufgehoben, nachdem das letzte Autodafö 1781 abaehalten wurde. Doch zur wirklichen Religionsfreiheit war der Weg noch weit. Schwer lastete die Hand der Staatskirche auf dem Lande, und unausgesetzt war in Portugal bloß ein Glaubensbekenntnis zugelassen — die „apostolische, katholische und römische Religion". Erst die Revolution von 1g08 machte der Uebermacht der Kirche in Portugal ein Ende. Die privilegierte, allmächtige Staatskirche wurde aufgehoben, und nunmehr macht dieses klassische Land der Inquisition einen recht unkonfessionellen Eindruck Ich konnte zu meiner großen Verwunderung am ersten Pfingsttage durchaus nichts von Pfingsten im Strätzenbilde Lissabons merken. Das Leben ging feinen gewöhnlichen Gang. Man darf jedoch diele leicht erklärliche Reaktion gegen eine allzu langwierige kirchliche Gewaltherrschaft nicht überschätzen. Im freien und offen- > Bericht. Svortc/u^S **- i) 2~‘ ampfveranftaltunq ... ----- -er «orabtetlung de» - J a t tc o 4 i> a e. B.. Leipzigs waren Kräulein Annt V l u me ns elb und einige Kämpfer der Jiu-Jitsu-Gruvp« RtK. Berlin nach bier etngeladen worden. Unsere Berliner Kameraden hlnlerlieneu einen geradezu glänzenden Eindruck und wurden von den »ablreichen Zuschauern stürmisch aefetert. Obgleich bi« Leipziger Polizei ihre besten Jiu-Jitsu-Kimrfer als Gegner stellte, konnten die Polizisten keinen Kampf gewinnen. Die wirklich guten Leistungen und der zähe SiegcSwille unjerer Berliner -• Kameraden brachten folgende Ergebnisse in b.n einzelnen Kämpfen, welche von Herr» Hütter (A.S.G.. «ln.» als Ringrichter mit viel Umsicht geleitet wurde«. JmLeschtaewtcht: Otto. Polizei-Sv.-B. Leipzig (tlSPfd» wurde bereits nach 1 Min. SS Sek. von Kam. Reumann «RtK., Verlini durch Armbebcl besiegt. Kam. Frieüländer (:HiS. Bin.. ISOi Cfft.l. welcher trotz seiner SS Iabre mit dem tungen Leipziger Polizetmetsler Wirker (133 Pfd ) einen prächtigen Samos im leichten Mittelgewicht lieserte. konnte -nur ein Unentschieden -erzielen. Dagegen siegte im schweren Mittelgewicht Kam Steinba»bt (Ri».. Bln„ 1S8 PId » gegen Retbmann. Polt,et-Sv.-B. Letv-— Sifl (142 Pfd ) schon nach 1 Min 4« Sek. darch «ürgegrifs. Den herrlichen Pokal, welchen die Leipziger Ortsgruppe des R1S gestiftet batte, konnten die siearekchen RiK.-K«m>'ser mit nach Be« n nel-men. Die praktische Anwendung der Jiu-Jttsu-Grisfe zur---- Selbftverteidignng zeigten unter grobem Beisall Fräulein Anni Blumenfelü mit Herrn Bodo Kresiel. dem bewährten Trainer der Jiu-JItsu-Gruvve RIF. Berlin. Die Veranstaltung, ivclchc den beiden Sportarten der natürlichen Selbstverteidigung gewidmet war, bracht« im 2. Teile de? gut »usammengestelltrn Programm» interessante Bo-kämpfe. Di« Leipziger Bar-Kochba-Borer wustten durch ibre Technik und Angriffssreudigkett zu »fallen. Der langiäkrig« Gau- und Stadtmeisier Arischer (Bar-Kochba» konnte seinen cv. Kamps siegreich gestalten und erhielt de» Silberbccher unserer Bundesleitung. Diese Beranftaltung, zu welcher prominente Bertreter von Bebörden und Organisationen etngeladen waren, bat wiederum bewiesen. wie unschät-bar ante Leistungen jüdischer Sportler im Abwebrkamvse sind. Rach de» Kämpfen vereinte e'n gemtitli-t-e» Beisammensein alle beteiligten Sportler, die Kameraden vom Bar- > Kochba und die RiF -Kameraden der OrtSaruvv« Leipzig in echt kameradschaftlicher Herzlichkeit. — Unseren Berliner Jiu-Jitsu- Komeraden auch an dieser Stelle nochmal» unseren Dank und unsere Anerkennung für ibre prächtigen Leistungen mit der st« unserer Ortsgruppe und der tübiichen Sache überpauvt einen guten Dienst erwiesen babrn. Sport,ruvp« i» 8H9.. OrtSgruov« Berlin. Hallentraining, Turnen. Gumnaftik: Jeden Montag. Dienstag und Donnerstag für Damen. Mädchen. Männer. Jugend. Schüler in allen Stadtteilen. — Handdalltraining i) Arthur Carlos de Barros Basto wurde am 18. Dezember 1887 in Amarante,, Departement Oporto, geboren. Als portugiesischer Infanteriehauptmann kommandierte er während des Krieges eine Kompagnie in Frankreich und Belgien und wurde in Anerkennung seiner Verdienste wiederholt ausgezeichnet. Er hat außerdem die Scoutbewegung in Portugal begründet und '■) die Organisation der Poyscouts geschaffen Dank seiner Bemühungen wurde an der Universität Oporto ein Lehrstuhl für die hebräische Sprache und Literatur errichtet. Rach dem Kriege wurde er zum Direktor des Militärgefängntsses in Oporto ernannt. * 21

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