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Der Schild · 1929-01-18 · 3 (18.1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
3 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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i'öjlid), frei, verschwiegen, unternehmend sind Eigenschaften, die es schätzbar machen würden, wenn es sie nicht allzusehr zu unserem Unglück verwendete. Oh. es sind die allerboshaftesten, niederträchtigsten Leute! — Und ist es nicht wahr, ihre Gesichtsbildung hat gleich etwas, was uns gegen sie einnimmt? Das Tückische, das Gewissenlose, das Eigennützige, Betrug und Meineid kann man aus ihren Augen lesen.- . Aus Grund dieser physiognomischen Offenbarung ersucht der Fremde, über seine eigene Phsiognomie zu urteilen. Der Baron meint er habe noch nie eine so aufrichtige, gefällige und großmütige Phsiognomie gefunden, als die feinige. Schon will der Reifende, indem er vorausschickt, er sei kein Freund von solchen allgemeinen Urteilen über eine ganze Gemeinschaft die Aufklärung über seine Abstammung geben, als die Unterha'tung durch eine Dazwischenkunft des Edelfräuleins unterbrochen wird. Nach der schon ol»n angedeuteten Demaskierung und Entwirrung des Knotens, lehnt der Fremde neben der Hand des Edessräuleins jede materie"e Belohnung ab, da ihm der Gott feiner Väter genug zum Leben gegeben habe. Sein Diener Christoph jedoch, der üch schon vorher immer wie er jetzt gesteht gewundert hat daß sein Herr rie Schweinefleisch ellen wollte, jetzt aber nicht länger bei einem Juden dienstbar sein will, findet, daß in ihm die ganze Christenheit beleidiat sei. „Sie hätten mir dienen sollen, so wäre es nach der Bibel neckt gewesen - Er bleibt tno-dem da ikm der Fremde -um Abschied die wiedererlangte kostbare Dose schenkt. ..Ein Christ-, sagt er freimütig, .bätte mir einen Rio penstok und keine Dose geneben - Freilich kommt er dadurch bei der Zo>e in Berdackt selbst ein Jude sein, doch sind wir beruhigt darüber, daß er sich bei Lisette, mit der er zum Schluß vergnügt abzieht, von diesem schmählichen verpacht reinige» wird. .! Tie charakteristische Aeuherung des Edelmanns schließlich, dem Juden gegenüber: „LH. wie achtenswert wären alle Juden, wenn sie Ihnen glichen!- hat die Mehrzahl unserer Leser auch schon einmal in dieser oder jener Form gehört, wenn man sich einem Salonantisemiten, der aus der wenig judenfreundlichen Gesinnung in seinem Herzen keine Mördergrube gemacht hat, plötzlich selbst als Juden vorstellt. Ter Einakter „Die Juden-, „eine vortreffliche Ehrenrettung eines verachteten Volkes", wie er noch 1775 in der .Chronologie des deutschen Theaters" genannt wird bereitet dem Stoffe nach den „Nathan". der, Inspiration nach, die späteren .Rettungen". dem ernsten Lustspiel nach, die „Minna von Barnhelm" oor. Ein Jude von tugendhafter Gesinnung war für jene Zeit ein Paradoxon. Ter Reisende Lessinqs ist, abgesehen von den Juden in Desserts „Schwedischer Gräfin", der der „bewiesen hat, daß es auch unter dem Volke gute Her.-en gibt, das es am wenigsten zu haben scheint", der erste Edeldenkende, sicherlich aber der erste gute und zugleich gebildete Jude in der deutschen Literatur. Für uns Juden hat somit das kleine Lustspiel, so sekr auch - hinsichtlich seiner ästhetischen Bewertung die Literarhistoriker (Wilhelm Scherer. Erich Schmidt Koch, und Voiat und andere) auseinandergehen, einen unoergänolichen Wert. Wir setzen hier den Apostel der Humanität auf dem Wege der ihn gradlinig noch einem Mensckenalter als Schöpfer des „Nathan" zu seinem Standardwerk führt. „Ex ungue leonem!" , Oscar Sincerus. Der getaufte Jude als Iudenhetzer Dienstentlassung des Breslauer Landgerlchtsrats Gellin. Vor dem groben Tis-insinarsennt des Kammergerichts. 2er sich aus vierzehn Richtern -ufainckenfetzt fand unter dem Vorsitz des Kammergerichtsprösidenten. Dr T i g g e s die Be- /ufungsverhandlung in dem Disziplinarverfahren gegen den Breslauer Londgericktsrat Gellin statt. Ge"in war weaen eines öffentlichen Skandals den er in einem Bres'a"er Weinlokal herbeigestikrt batte vor dem Tis'ivlwargericht der ersten .Instanz zur Bersestung in ein anderes Richteramt und zu einer Geldbuke von 300 Mark nerurteilf worden. Sowohl,er wie die Staatsanwaltschaft hatten geaen dieses Urteil Berufung eingelegt. In der seligen Verhandlung wurde aus den Akten noch einmal der Tatbestand voraetraaen. Am 23 Sentember 1927 gegen >*'.11 Uhr abends kam Gellin in das oo'lbesel-te Lokal der tzrögerschen Weinstuben in Breslau. se"te sich dort an einen Tisch, an dem bereits mehrere Herren fasten und begann. gegen das „Berliner Tageblat", zu schimpfen. Er saate ungefähr: Das ..Berliner Tageblatt" ist ein ganz gemeines Iudenb>att, es dürfe gar nickt geduldet werden. Alle Juden sind Betrüger. Ter am Neben tisch sitzende demokratische Abgeordnete Hermann trat an Gellin heran und forderte ihn auf. ihm in den Vorraum zum Austausch der Personalien zu folgen. Gelljn der ein getaufter Jude ist. rief dem nichtüdischen Abgeordneten Hermann zu: ..Sie sind wokl auch ein solcher "Jude!". Tie über dieses Verbal ten empörten Wirtssta"saäste riefen: ..Das will ein deutscher Richter sein! Sie sollten sich schämen!" Als Abo Hermann sarauf hinwies daß der vreustiscke Iustizminister mit Gessins Verhalten zweifellos nicht einverstanden sei erklärte Gellin: „Ich lege gar keinen Wert auf den preußischen Iustizminister!" Der Vertreter der Anklage. Staatsanwalt Rhode lBerlinj hob bernor, dast. odaesesten von dem Ernste und der Schwere des Falles, festaestellt werden mllstte daß stier, ein Mann, der selbst aus jüdischem Hause stamme einen Christen dadurch zu beschimnfen gtzsvcht stabe daß er ihn einen Fuden nannte. Er müsse über de» Antrag des Anklaaenertreters der ersten Instanz hinausgehen jtnb beantrage die Amt»entlallunq a>>s-usprechen. N a chk u r z e r Beratung erkannte der Senat Schlichet Versicherungen ab! Die Lebensversicherung des RjF. ist eine soziale Fürsorge. Darum hinein m die Lebensversicherung des RjF! gegen den Angeklagten. Landgerichtsrat Ge»in. auf Dienstentlassung unter Zubilligung von drei Vierteln seiner ae festlichen Pensionsansprücke In der Begründung des Urteils führte Kammergericktsvräsident Tinges aus. daß in beiden Fällen schwere Dienstvergehen des Anoeklagten Vorlagen. ■ Wohin er auch immer verfemt werden würde, es besteht die Gefahr daß er sich wieder in ähnlicher Weife vergebe und es könne deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens sowie a-ich anderen. Bürgern nicht zugemutet werden, vor einem solchen Richter zu erscheinen. Die Son'erenz von DiervMe Gerade in diesen Tagen tritt in Paris eine Konferenz ini Schloß Bierville zusammen, die. einberusen von der Internationalen Studentenstilse dem Antisemitismus auf den Hochschulen entaegentreten will. Tie in letzter Zeit so häufigen Ausbrüche antisemitischer Strömungen an den Hochschulen, haben besonders unter der Auswirkung des numerus clausus in Ungarn, Rumänien und Polen gerade in den lebten Wochen eisi Aus inaß angenommen, das eine grundlegende zentrale Bekämpfung dieser Ex.-elle wilden Hochsckulgeistes erfordert. Frisch i» unserer Erinnerung sind noch die judenfeindlicken Ausschre>tu--gen der Studenten gegen ihre jüdischen Kommilitonen in Rumänien und Ungarn, wo die jüdischen Studenten in Selbstwestr istt Leben verteidigen mi'ßten um die geoenwärtige Gekastr von sich abzuhalten. Gerade aber die orundsä^liche Behandlung auf der St"dentenkon>erenz in Paris die von den Vertretern der studentischen Fürsoroeorqanisationen fast al'er Länder der Welt besucht werden soll, ist von größter Bedeutung für die gesamte K»lt->rwelt I»den und Bj^ti-den werden in aemeinsn-ner Beratung die Motive des Hnchfchiilantisemitismus in objektiver Weile vorurteilslos zu e-anitte'n suchen. und nach eini"en Referaten wird vor a"em die Erörter-inq eiuiaer konkreter Vor sch'äne von Bedeutung sein, in welcher Weise die Internationale Studentenhilie hellend einoreifen kann. > sssor allem aber der Geist des sich gegenseitig Zusarnmenfindens. um den unwürdiaen Zuständen zu beaegnen ist das erfreuliche Seichen der Variler Zufammevkuuft Bekanntlich ist in De-'tfchland nach der Auklöfuua der staatlich anerßhnvten Studentenschaften im November 1927 — nur noch in Panern und Württemberg bestehen sie — das gesamte studentisch^ Fürsaraen-esen dank seiner paritätischen und durchaus toleranten Einstellung al^ eigene Organisation mit dem »ist in Dresden erbosten geblieben, und oetre»nt pon dem völkischen llnterellenklünael „Deutsche Studentenschaft" eine allen deutschen, hill«- bedürftioen Studenten zugängliche Wirtschaftsorganisation. Besonders intereCant wird uns da» Verhalten der ..D. St" m der Pariser Konferenz sein. Cie bat ver'auten lassen daß sie Nch durch ihren Vorsitzenden wahrscheinlich vertreten fassen

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