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Der Schild · 1929-01-18 · 3 (18.1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
3 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Weil rin Borwurf, der vielleicht einmal mit Berechtigung gegen einen uden erhoben wird, unberechtigterweise erweitert und auf alle uden ausgedehnt wird, nannte der Verfasser das Stück, trotzdem nur eine einzige jüdische Perlon darin vorkommt, „Die Juden" und nicht „Der Jude". Als Jugendarbeit technisch vvn der' Meisterschaft der späteren, geirifteren Werke noch weit entfernt, ist der Einakter inhaltlich hochinteressant. Übrigens wurde er hinsichtlich des schurkischen Dieners Martin $rumm mir Namen, der als Ankläger auf eine falsche Fährte leitend, und die Enidekkung seies eigenen Verbreche,.s vergüten will, von Heinrich von Kleist in seinem „Zerbrochenen Krug" und Gerhardt Hanptmmn in seineni .Bteverpt lz" nach »rahmt. Die Entlarvung des Heuchlers — wer denkt dabei nicht an Mollis.es „Hyphocrit"? - bildet den einen Hauptbestandteil der Komik des Stücke , der andere dreht sich speziell um die Religion des Fremdn. Er hat einem Edelmann bei einem räuberischen Überfall auf einen Postwagen das Leben gerettet. Der Gerettete will ihm deshalb a,,s Dankba»kelt die Hand seiner Tochter geben, und diese ist sogar lo vorurteilslos, dah sie den ihr voraeschlag-nen Gatten noch hriraien will, nachdem er sich als Jude entpuppt hat. Kemer hat bis dahin seine Abstammung geahnt, da er einen durchaus unchristlichen Eindruck macht. Alle, bis auf das allzu verlobt geschilde'tc Edelfräulein, haben sich vielmehr nhunugslos in Schmähungen gegen die Juden ergangen Sie reden wie der Bünde von der Farbe. Aus der Blütenlese der Beschimpfungen greifen wir nur folgende heraus, die ganz und gar den Eindiuck machen, als seien sie dem Arsenal und Katechismus der modernen Anr.semiten entnommen Sie mögen als Streiflichter dienen. Martin Krumm: „Ich glaube bestimmt, dah es Juden . gewesen sind. Sie mögen das gottlose Gesindel nicht so kennen, so viele ihrer sind, keinen ausgenommen, sind es Betrüger, Diebe und Strahenräuber. Darum ist es auch ein Volk, das der liebe Gott verflucht hat. Ich dürfte nicht König fein; ich liehe keinen einzigen von ihnen am Leben. Ach, Gott behüte alle rechtschaffenen Christen vor diesen Leuten! Denn sie der liebe Gott nicht so hahte, weswegen wären dann noch vor kurzem bei dem Unglück in Breslau bald noch einmal so viel als Christen geblieben?" (Nota bene handelt» es sich um die Explosion iine» Pulverturms im jüdischen Mertel, — Wall- und Karlstrohe.) „Un^er .Herr Pfarrer erinnerte daran sehr n>ei»lich in feiner letzten Predigt." (Also gab es pffenbar schon damals Hetzpfaffen a la Hofprediger Stöcker unseligen Andenkens und Pfarrer Münchmeyer, die von der Kanzel anstatt das Evange lium der Nächstenliebe, Judenhaß predigten.) „Es ist als ob sic zugehört hätten, dah sie sich gleich deswegen an unserem gute» Herrn haben rächen wollen! Ach! Mein lieber Herr, wenn Sie Glück und Segen i» der Welt haben wollen, hüte» Sie sich vor dem Juden ärger als vor der Pest!" DerReisende: „Wollte Gott, dah dies nur die Sprache des Pöbels wäre!" . . Martin Krumm: „Mein Herr, kum Exempel: Ich bin einmal auf der Messe gewesen: ja, wenn.ich an die Messe denke, inöchte ich gleich die verdammten Juden alle auf einmal vergiften. Dem einen haben sie das Schnupftuch, dem andern die Uhr, dem dritten die Tose wegstibitzt." stm die angebliche Ge schwindigkeit der Juden beim Diebstahl zu demonstrieren, stiehlt i er dem Fremden mit Blitzesgeschwindigkeit eine kostbare Tose.! die nachher ihm zum Verräter wird. Da er sie einem Kammer! Mädchen, um dessen Gunst zu erlangen,^ schenkt, kommt man durch eine Verkettung eigentümlicher Umstände auch auf die Spur seines anderen Verbrechens^ Denk bei einer Visitation findet man in seinem Mantelsack zwei falsche Bärte, mit denen er und sein Komplize, Michel Stich, sich dermummt hatten, um beim Ueberfall nicht erkannt zu werdest: zugleich wollten sie wie Juden aussehen. Vorläufig allerdings bleibt sein kühner . Handgriff unentdeckt. Nachdem er sich entfernt hat. sagt dxx Reisende zu sich (technisch ist diese Art von Monologen veraltet, aber der Inhalt trifft vielfach noch heute zu): „Vielleicht ist dieser Kerl so dumm er ist oder sich stellt, ein boshafterer^ Schelm. ajs nur je einer unter den Juden gewesen ist. Wenn^pn Jude betrügt, so hat ihn unter 10 mal vielleicht 9 mal der ßfcrift da —> zu genötigt. Ich weih nickt ob sich viele Christen rühmen kön nen. mit einem Juden aufrichtig verfahren zu sein. Und dann wundern sie sich, wenn er g'eickes mit gleichem verailt. Sollen Treu und Glauben herrschen, so Müllen! beide Teile gleichviel dazu beitragen. Wie aber, wenn es bei.!den einen Reliaions > punkt und beinahe ein verdienstliches Werk wäre, die andere» zu verfolgen?" Zur Illustration, dah nicht bloh der Pöbel, wie der Fremde gehofft hatte, eine so judenfeindliche Sprache führt und Gesinnung hegt, läht der Dichter alsbald den sonst, ganz sympathisch geschilderten Baron seinem Retter gegenüber in dieselbe Posaune stohen. Auch er ist fest davon überzeugt dah die verjagten Räuber Juden waren, um so mehr, als Nein Ortsschulze (der übrigens am Komplott teilnahm), ihn darin bestärkt. Aber auch fönst hegt er Vorurteile gegen die Juden.! Weil ihn einmal, wie er ausführlich erzählt, ein Jude in einer Wechfelangelegen heit betrogen hat, sind alle Juden Verbrecher. Immer die alte Geschichte! „Ein Volk, das auf den Gewinn so erpicht ist. fragt nie danach, ob es ihn mit Recht oder Unrecht, mit List oder Gemeinheit erhält, es scheint auch zur- Betrügerei bemacht zu sein.

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