Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 2 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich sehe Euch hinter Euren Brüdern stehen, wenn diese den Legen über das altehrwürdige, seit' Jahrtausenden geheiligte Buch — unsere geliebte Thora — sprechen. Segnend streckt Ihr Eur«^ Schatteyhände aus und ruft uns zu: Ihr Lebendige — Gesunde — Schassende — vergeht nicht Eure gefallenen Brüder, »di« mit Euch Schulter an Schulter kämpften — bleibt einig und stark im Kamps für Euer Judentum — setzt Euer Leben ein für /einen edleren Streit, damit in ferner Zukunft Eure Kinder vor solch grausigem Geschehen bewahrt bleiben — schaffet den Frie den — dauernder) Frieden!--- Schlußwort. Man hört steute manchmal: der RjF. ist jetzt überlebt —'überflüssig — ein Kriegerverein wie alle anderen — er hat in unseren Tagen keine Existenzberechtigung mehr. — Ich . aber sage: Und wenn sein alleiniger Zweck nur der wäre, alljährlich unserer Gefallenen zu gedenken, ihr Andenken zu wahren und zu heiligen — schon dieser Umstand allein genügte, uns zusammenzuhaltern und zu vereinigen. Deshalb ihr Lauen: Bleibt im RjF! Stärkt unsere Reihen — helft mit bei unserer Arbeit - das seid Ihr unseren Gefallenen schuldig. . Lehrer Kahn, Heilbronn. Abwehrsragen. An die Redaktion des .Schild' l Berlin W 15. Tie Siedlstngsangelegenheit des RjF. ist nun endlich unter Doch »nd Jach. Auf sicher vorgezeichnetem Wege und in regelmäßiger Bearbeitung nicht nur der RjF. Ortsoereine, sondern c»uch Ser jüdischen Behörden, der jüdischen Vereine und Einrichluisgen ist es unserem Bundesvorstand gelungen, einen maßgebenden Grundstein in der Geschichte der Beruisumbildung der Juden! in Deutschland zu schassen — Wir alle wissen leider, daß in! letzter 3^ der Trang nach der Stadt bei den. Juden nicht kleiner, sondern größer geworden ist. Bei der Verhetzung der Landbevölkerung, wie sie z. Zt. von den Nationalsozialisten mit allen Mitteln betrieben wird, kann ich mir recht gut vor stellen. daß sich der jüdische Bauer — wenn auch nur überaus ungern — von seiner ererbten Scholle und von dem Ort, da seine Borsahren begraben liegen,, trennt und in die Stadt zieht, da er sich dort Unter der Menge der Glaubensgenossen sicherer und nicht so verlassen wie auf dem. Lande, fühlt. — Wenn es dein neuen jüdischen Liedlungsverein, woran ich nicht zweifle, aber gelingt, eine größere Zahl jüdischer Bauebn in einem Orte zusammen,zufaslen und dadurch auch gleichzeitig zu erreichen, daß diesen jüdischen Bauern die Erfüllung ihrer religiösen Pilichten möglich wird, dann können wir unserem Siedlungs ivcsen nur die beste Zukunft voräussagen. Bei der im allgemeinen aus dem Lande noch erhaltenen größeren Religiosität wird eben schon aus diesem Gesichtspunkt Rücksicht auf größere Siedlungen und nickt nur aus Einzelwirtschaft zu nehmen sein. Wir kennen Das Bild aus allen Teilen Deutschlands. Selten nur wird in einem ganz katholischen Dorf ein einziger evangelischer Bauer lange wohnen und umgekehrt. Bedauerlich ist es ja. daß dies so ist. aber erst die hoffentlich recht bald einsetzcnde „weitestgehende Gemütsbildung" wird erreichen, daß jeder nach seiner Fasson selig werden kann, und daß man seinen lieben Nächsten nicht mehr — sogar im Hotel — darnach beurteilt. ob er an einen einzigen oder an einen dreieinigen Gott glaubt, sondern darnach, ob er ein ehrlicher und anständiger Mensch und guter Nachbar ist'oder nicht. Mit dieser Siedlungsfrage wird aber auch sofort wieder das alte und leider doch immer wieder neue Thema „Abwehrarbeit" akut. Ties um so mehr, als die Bundesleitung nach einstweiliger Erledigung der Siedlungsarbeit Zeit haben wird und muß, um ihr ganzes Augenmerk der skruppellofen nationalsozialistischen Verhetzung zuzuwenden. Auch der Erfolg der jüdischen Bauerntätigkeit wird davon abhängen, ob es gelingt die Zurückdrängung des nationalsozialistischen Flegeltones vom,^ Lande zu erreichen und unseren Glaubensgenossen ein menschenwürdiges. freies Leben auf dem angestammten, deutschen . Boden zu gewährleisten. Es gibt gar keinen Zweifel, daß die f nationalsozialistische Verleumdungs und Lügenmethode großen/ Erfolg gehabt hat. Aber ehrlich,gesagt. Kameraden, haben miy alle uns genügend dagegen gelKyrt und gestemmt? Hvbetimir sämtliche Gelegenheiten ausgenützt, um diese Lügen zu widerlegen? Zu viele von uns ivaren Optimisten und haben den Glauben gehabt, der'—heute noch — weit verbreitet ist und auf den man immer und immer wieder trifft: „Eine solche Bewegung wird von jedem anständigen Menschen abgelehnt. ' Kein ernsthafter Mensch beschäftigt sich mit den Zeitungsergüssen dieser Journaille: wenn aber doch, dann nur. um bei dieser Unsinnlektüre ein paar vergnügte Stunden für billiges Geld zu haben." Ich halte diese Auffassung für gefährlich, für einschläfernd und diesen Leichtsinn für — sträflich. Die Zeit ist vorbei, da man das Zusammenbrechen dieser Bewegung mit dem Kalender in der Hand bestimmen wollte. Erst recht aber vorbei, wenn wir. so wie es bisher teilweise geschehen ist. Bogelstrauß Politik betreiben, weil sie eben angenehmer und bequemer iß als das Erkennen der wirklichen Situation. Zu allen Zeile; hat die Jugend, namentlich die männliche, irgendeinen Auswe für ihren Betätigungsdrang gesucht. In meiner Schulzeit habe wir auf den Wällen von Magdeburg „Indianer uijd Trapper oder „Deutsche und Franzosen" gespielt. Dann gab es die Wa, dervogelidee, die die Jugend beseelte, die Pfadfinderbewegung die Iugendwehr und jetzt haben die Nationalsozialisten es ver standen der Jugend die Parole „Deutsche gegen Juden" unter zu/chieben. Eie markieren einfach die Juden als den inneren Feind und feuern die unaufgeklärten Iungens mlt den Erzäh lungen der tollsten Räubergeschichten zum Kampfej gegen um an. Auch alte — Menschen mit Denkfaulheit begabt! und Kauf leute. die in gutgehenden jüdischen Geschäften eine Konkurrenz sehen und glauben, mit Hilfe der Nationalsozialistismen Bewe gung diese los zu werden, verstärken die Front ver Juden 10 jähriges Bestehen des RjF. am S. Februar 1929 Aus Anlaß des 19jährigen Bestehen» de» RjF. werben in Berlin folgend« Veranstaltungen stattfinden: Sonnabend. 9. Februar 1929, abends 8 Uhr. pünktlich, Kundgebung im ehemaligen Herrenhaus. sElntritt nur gegen Karte.) Sonntag. 19. Feb/uar 1929, vormittags 19 Uhr. pünktlich. Gedenkgottesdienst in der Reuen Synagoge Oranienburger Str. Rach dem Gottesdienst kameradschaftliche» Zusammensein mit spertlichen Vorführungen in den Germania-, Prachtsälen. Berlin R, Chausseestratze 119. Sonntag, 19. Februar 1929, abends 8 Uhr,! pünktlich, gesellschaftliche Veranstaltung im Brüdervereinshfu». Besondere Einladungen werden noch ergehen; jeder ohne Rücksicht hierauf bitten wir alle Kameraden, diese Bekanntmachung bereits als Einladung zu betrachten und den Beranstaltungen in Berlin zahlreich beizuwohnen. Die Landesverbände und Ortsgruppen werdrn gebeten, aus Anlaß des 19jährigen Bestehens unseres Bundes ebenfalls entsprechend« Kundgebungen oder Versammlungen oder gesellschaftliche Veranstaltungen zu treffen «Nd da» Erforderlich« im Einverständnis zwischen Landesverbänden und Ortsgruppen zu veranlaflen. Unser 19jährige» Bestehen muß in würdiger ukd schöner Form begangen werden und zur inneren Festigung unsere» Bundes sowie zu seinem weiteren guten Bestehen in jeder Hinsicht, auch nach außen hin. wirkungsvoll und würdig zur Geltung gebracht werden. Wir verweisen im übrigen auf das Januar-Rundschreiben. feinde. Ist da nicht gerade der Reichsbund jüdischer Front soldaten die Organisation, von der der Weckruf zur Wahrheit und zum endlichen Erwachen aus der Lethargie an die christliche und jüdische Gesamtheit ergehen muh? Sonntag fün Sonntag müssen die RjF.-Kameraden zunächst in die jüdischen Gemeinden ziehen, besonders aufs Land und müssen ihren Warnruf ertönen lassen. Ter letzte Jude im letzten Dorf muß Kampfgenosse werden! Der Zusammenschluß mit allen jüdischen Organisationen, speziell für die Abwehrfrage dürste leicht hergestellt werden können. Es ist höchste Zeit, daß der RjF. das Abwehrproblem wieder energisch in dir Hand nimmt und in den Vordergrund schiebt. Nicht lange Diskussionen sind notwendig, sondern schnelle, markante Aussprachen in den einzelnen Landesverbänden «nd Ortsgruppen und dann raschester Beginn der wirklichen, aktiven Arbeit. Wie die jüdischen Frontsoldaten mit Begeisterung hinausgezogen sind, als es galt für'» Vaterland einzutreten, so müssen sich jetzt alle, auch die bisher nur Beitragzjahlenden, aktiv melden und ihre Kraft im Abwehrkamps zur Verfügung stellen. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß der Bkndesvorstand mit der bei ihm gewohnten Tatkraft schleunigst da» Problem erfaßt und Richtlinien für unsere Tätigkeit auisarbeitet. Unser Bundesvorsitzender wird als Feldofftzier den richtigen Ton schon finden und dann Kameraden: Durch Kampf zum Sieg! Kam. Kurt Wolfs, Wiesbaden. 14