Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 2 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gen Männer jüdischen Glaubens sind die Wciffengeiahrten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir haben auch unter ihnen Beispiele des wahren Hcldcn- _mutcs und der rühmlichsten Berachtung der Kriegsgefahren aufjuweisen, sow e die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, Li Aufopferung jeder Art den Christen sich angeschlosien . . ." Und als im englischen Parlament übcr die Emanzipation der Inden verhandelt wurde, sagte nach dem Berichte der „Times", August 1833, der Herzog von Wellington ialgendes: Man hat gesagt, daß in der Schlacht bei Waterloe nicht weniger als 15 jüdiuhe Offiziere dienten; auch ich habe viele verdienstvolle und ausgezeichnete Offiziere —-dieses Glaubens kennengeiernt." S^Bir hoffen, daß wenn, vielleicht noch in diesem Jahre, unsere Arbeit erledigt jst^ das Gedcnkbuch nicht nur unseren teuren Gefallenen ein ewiges Denkmal sein wird, sondern daß cs auch für alle Zeiten dieser gifhigen antisemitischen Schuldlüge gegen uns deutsche Qjubert, der gefährlichsten Feindin unserer Ehre und Rechte,! den Kbps zertritt. Lö. I Die Siedlung marschiert In der heutigen Ausgabe des „Schild" beschliehen wir die in Nr. 50 begonnenen Verösfent- , lichungen der Referate auf der Kundgebung im ehemaligen Herrenhaus. Referat des Herrn Tqck bei der Kundgebung des RjF. im Herrenhaus am 24. November 192t>. Meine Damen und Herren, ich hatte schon vor einigen Monaten die Ehre in demselben Saal und vor einer ähnlichen 'Versammlung über die Bestrebungen, jüdische Menschen in Deutschland anzusicdeln, zu sprechen, und ich muh manches aus den danialigen Ausführungen wiederholen. Tie Tätigkeit der -iedlung setzt das Vorhandensein qualifizierter Siedlungsan warter und genügend siedlungssähiger Böden voraus. Es ist nötig, zu beweisen, dah auch die Juden und speziell die Juden in-Deutschland diese notwendige Eignung für die Landwirtschaft und für gärtnerische Siedlung besitzen. Schon die Geschichte sagt uns, dah unser Volk iin alten ' Pakistina ein Ackerbau und Viehzucht treibendes Volk war, und ii’ir wissen, daß diese seine Eignung niemals verloren gegangen ist. In allen Ländern haben immer wieder die Juden diesen Beruf in jeder Form praktisch ausgeführt. Wir wissen, dah in Polen, im früheren Oesterreich. in Ruhland und anderwärts nicht nur einzelne als Besitzer. Angestellte und Arbeiter in der Landwirtschaft und im Gartenbau gewirkt haben, sondern, dah auch geschlossene Siedlungen von Juden tatsächlich existieren konnten. Wir wissen weiter, dah seit einigen Jahrzehnten ei>e großzügige Besiedlung durch Juden in Argentinien, in Palästina und in den letzten Jahren auch in Ruhland vor genommen worden und überall dort tri guter Entwicklung ist. Aber auch in Deutschland haben viele Juden nach Sprengung der Getthomaucrn sich und ihre Familien durch Betätigung in der Landwirtschaft ernährt und erhalten. - In den letzten Jahrzehnten sind durch die wirtschaftlichen Zustände in Deutschland viele jüdische Bauern, Weidehofbesitzer und Weingärtner, vor allem ihre Söhne in die Städte abgcivan dert. weil sie hier viel leichter und besser vorwärts kommen konnten. In neuester Zeit wiederum hat eine große Anzahl junger Menschen sich auf Grund der modernen Jugendbewegung, zum Teil auch aus zionistischen Gründen der Landwirtschaft und dem Gartenbau zugewer.det. und wir haben heute tatsächlich in Deutschland eine große Anzahl Juden. <sie sich in der Agrar Wirtschaft-bewähren, und dort, wo sie Stellung bekommen, auch das leisten, was man von ihnen verlangt. Schwierig ist nur für unsere Jugend in Deutschland zu einer dauernden Stellung zu kommen und vor a :em auch, eine selbständige Existenz im landwirtschaftlichen Berufe zu linden. Tie Voraussetzung hierfür, besonders für Siedlungsanwärter ist gering, zumal die Möglichkeiten in der Landwirt schast und Gärtnerei, zu einem eigenen Betriebe, und somit zu einxr dauernden Arbeitsstätte zu gelangen, aus finanziellen Grüitden sehr schwierige sind. Iw',wischen habetz sich aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht die Verhältnisse in Deutschland geändert Es ist heute nicht so, daß die Stadt unbedingt für den tüchtigen und strebsamen jüdischen- Menschen ein gesichertes Vormärtskommen gewährleistet. Zum Teil durch die Genossenschaftsbildung in den Provinzen, in der Hauptsache aber durch die Bewegung zum Warenhaus, .tum Konzern und zur Trustbildung werden die jenigen Existenzen aufgerieben, die bisher im Zwischenhandel und im Kleingewerbe einen gesicherten Erwerb hatten. Auch die akademischen undanderen freien Berufe bieten der jüdischen Jugend nicht mehr die Aussichten wie früher. Unter diesen veränderten Bedingungen erscheint die Selbständigkcit ans der Schosse als Bauer oder Gärtner bestimmt 10. als ein Vorteil. Wenn man auf der Scholle tüchtig jst und aus dieser Existenzmöglichkeiten vorfindet, können auch >die Juden heute aus dem platten Lande besser vorwärts kommen als in der'Stadt. Meine Damen und Herren, diese letzte Feststellung darf mich vor allen Dingen nicht davon abhalten. Ihnen zu sagen, daß ich mir absolut darüber im Klaren bin, wie schwer die deutsche Landwirtschaft es eigentlich zur Zeit hpt, und dah es an sich fast unlogisch erscheint, auf der einen Echte,den Gedqnken jüdijcher Siedlungen zu propagieren unlss^auf der anderen Seite sejtzuslellen, dah die deutsche Landwirtschaft unter den zur Zeit gegebenen schwierigen Bedingungen kaum zu existieren vermag. Aber untersuchen wir einen Moment diese Bedingungen, um zu sehen ob sie derart sind, dah sie tatsächlich gegest die erste Behauptung sprechen: Ter Jude kann heute in der Landwirtschaft bestehen. Als e r st e s ist zu unterstellen, dah nach Beendiqung der Inflation vor allem der Großgrundbesitz keine Möglichkeit hatte, sich so schnell umzustellen. wie die Industrie, der Handel und das Gewerbe es getan haben.' das heiht sich der gegebenen Art des Verdienstes und der Zinshöhe anzupassen. Langfristige Anleihen, die vorwiegend für die Landwirtschaft in Frage kommen. waren nicht zu erzielen. Wechfelkredite sind zwar gewährt worden, sind aber für die Landwirtschaft untragbar.! Und dadurch, wurde aus in der Inflation einqetretener Entschuldung des Großgrundbesitzes plötzlich eine starke Verschuldung. Ein zweites Moment ist darin zu finden, daß^ie Landivirtschaft den technischen Fortschritt nicht in dem Maße und besonders in dem Tempo einführen kann, wie das in der Industrie möglich ist. Der Faktor Natur svielt hier zu sehr mit. als das der Landwirt die Möglichkeit hätte, seinen Betrieb einfach und plöt-lich und rigoros umzustellen. Es dauert lim besten Fall 1 bis 2 Jahre, und dann erst kommt die technische Aenderung nur langsam im Ertrag zur Geltung. J Als drittes kommt hinzu, dah im allgemeinen die Industrie und der Handel die Möglichkeit haben zuerst fbre Ausgaben zst kalkulieren und dann einen Preis für die Sparen einzufet-eu. Hierbei sind alle Unternehmer in der Ind'istrie und im Handel eines Sinnes und eine Konkurrenz in dieser Richtung gibt es nicht. In der Industrie kommt es darauf an. den technischen Apparat in einer bestimmten Zeit so umzugestalten, daß er durch bessere Technik und günstigste Organisation leistungsfähiger wird, und hierbei ist es möglich, durch einen gröberen Umsatz bei geringeren Preisen zu einem höheren Reinertrag zu kommen. In der Landwirtschaft ist es anders. Die Preisbildung richtet sich nach dem Ertrag des noch unter den ungünstigsten Bedingungen wirtschaftenden Landwirtes. Solange dieser noch bei einem ziemlich primitiven Leben existieren kann, beeiniluht er die Preisbildung für landwirtschaftliche Produkte. Also hier entscheidet nicht der Umsatz, sondern der Ertrag nach Fläche in Anpassung an die Lage, die Bodenqualität, das Klima und die Intensitätsstufe. Die Steigerung der Erträge auf der Flächeneinheit ist aber natürlich begrenzt Kind kann weder durch Technik noch durch Organisation willkürlich wie bei der Industrie gesteigert werden. r- Wenn wir weiter berücksichtigen, daß die Ernteergebnisse der letzten Jahre durch die schlechten Witterungsverhältnisse in Deutschland sehr gering waren, so ergeben sich eine Menge objektiver Momente, die die Unrentabilität besonders der Großbetriebe erklären. AUHer diesen Schwierigkeiten bedingen aber auch s u b j e.k * tive Momente die schwierige Lage des Großgrundbesitze». Schon vor dem Kriege hat das im Großgrundbesitz investierte Fortsetzung aus. Seit« 18