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Der jüdische Arbeitsmarkt · 1920-10-01 · Nr. 4 = Oktober 1920 · p. Seite 15

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Journal
Der jüdische Arbeitsmarkt
Volume
1 (1920)
Issue
Nr. 4 = Oktober 1920
Date
1920-10-01
Page
Seite 15 (sequence 4)
Language
German
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3«»«» Wir »erbt» s»lche 9e«He» «»ch »«ftO- «Grßer«. ß» biefer M«»iU v» tteiftm,»lpe>dle» i« 2^e» I, v«,qchi«»». Auf «>srr Rmr^chretben vom 7. d». erhielten wir M «DUfiihrüchr» Schreiben von Herr» E. Waldstein. Hr«il»u, der u. a. darauf hinweist., dost eint Adwandeestchg der bemitieltbn jüdischen Kiasstn au» den Stadtbenese« in naher Zeit nicht zu erhoffen fei, daß hin- GIG« di» minderbemittelten jungen Leute, in nicht ge- Mg« Unzahl der Bodenkultur zugesührt werden könn tm, wenn ir von jüdischen Organisationen durch Bewährung von Freiplatzen in Lehrfarmen und dergleichen unbitstüHt » würden und wenn dafür gesorgt würde, daß ft» noch Vollendung der Lehrzeit in ihrem Fach Untertmmnen finden und nicht der Versuchung erliegen, Need«, oder LiMändl« zu werden. Somit kommt Herr Dachstein »um Schluß, daß eine, wenn auch nicht gar starke Überführung der Juden aus, Land die Erstehung ein« ebenso rrnstbeserlten Organisation, al» da» Vorhandensein nicht geringer Mittel zur Voraussetzung Hot. Wir möchten unsererseits auf die obigen lehrreichen Ausführungen des Gartenarchitekten Migge Hinweisen und unser« Meinung zum Ausdruck bringen, daß die Juden ebenso wie die nichtjüdische Bevölkerung zunächst nicht aus dem platten Lande, sondern im Bereich der Stadt« fiedeln müssen. Dies kann erfahrungsgemäß a»ch ohne wesentlich« Unterstützung seiten« unserer begüterten Blaubrnsgenosfen, ja selbst ohne Mitwirkung leistungsfähiger Organisationen, sondern vornehmlich durch dir Initiative einzelner der Sache ergebener Perlonen geschehen. Ein Beweis für die Möglichkeit der Durchführung dieser Bestrebungen ist bereits in Berlin, Breslau und München erbracht worden. Während es in den ersten zwei Städten gelungen ist, für sich abneschloffen» jüdische Kleingärtenkolonien zu schossen mehr Iüd. Arbrltsmarkt Nr. 1), Hat in München ein Dutzend jüdischer FamUien — zumeist üstestjuden, keine Zionisten — und zwei neutrale jüdische Iugendverelne st» zwei nichtjüdischen Heimgärtenkohonien zusammenhintzende Gartenparzellen gepachtet, die sie mit Erfolge bemlrtschasten. Der Daniel-Bund, von dem die Anregung für die Schaffung dieser jüdischen Heimgärten ausgegangen ist, hat von seinen Mitteln nur die Propaaandokosten dieses Unternehmens bestritten, alles übrige haben dir Teilnehmer selbst besorgt. Bei der Gründung von Lehrsormen sollte vor allem dafür gesorgt werden, daß sie mehr aus einer gesunden geschäftlichen Grundlage, als auf reiner Philanthropie ouf-ebaut werden. Eine rationell betriebene Garten- Wirtschaft könnte einige fähige und willige Lehrlinge beschäftigen, die kein Lehrgeld zu zahlen hätten, die sich sogar durch ihre Arbeit ihr Brot oder ein wenig Taschengeld »«dienen würden. Die Theorie spielt bei der Bodenkultur rin« untergeordnete Rolle und kann nach erwordener Praxi» später igimer noch nachgeholt werden. Da» Bestreben aller mittleren und höheren, techirischen oder kunstgewerblichen Anstalten geht in der Neuzeit dahin, vornehmlich solche Schüler aufzunehmen, , dt« bereit» einig« Jahre praktischer Arbeit in den brtreffenden Fächern hintrrsich haben. Der Wirkungskreis kücher Lehrsarmen, wie Markenhof u. dgl., wo die Schüler einige hundert Mark monatlich für. ihren Unterhalt u»d sür den Unterricht zahlen muffen, ist äußerst de- " äntt. Solche Lehrsarme, wenn sie nicht al» Ergänr 'eine voranaegangene gründliche landwtrtschaststÄ mcht so sehr dazu angetan, der der Juden wesentlich Vorschub zu drüber sktze Nr. Id. Bl. in der An- 1!-» Mr»«t «üt^ckn ) Vermittlung Drana unser« Jugend zur produktive« nwarti. bestätigen, dnft »er « Betätigung g». onnb luld deß durch zum Ausdruck kmmntzand ffender Stellen oft die schwersten Hst»- der Produkttvtenmg der Jude« entgrnsteurn, üb«wunden w«d«v können. ' -'- '.k. ' Lir find in der Loge, au» der jüngsten Praxi» ha Stellenvermittlung de» Dastirl - Bunde» Fälle anzusühren, wo jüdische Eltern, die sich dem Etrwea ihr« Kinder zu landwirtschaftlicher Betmigung mst all« Entschiedenheit entgegensetzten, schließlich doch nachgaben, »l» man den Kindern gute Stellen nachwir» und sich herzlich sreuten, wenn jene in gesund« Lust sich Bodenkultur beschäftigten. Auch sür die äußerst schrote» rige Frage der rituellen Verpflegung orthodoxer Mischer Jugend auf dem Lande hat der Daniel-Bund rin« befriedigende Lösung gesunden, indem er für diese Jugend Stellen bei streng vegetarisch lebenden nichtjüdischen Gutsbesitzern verschafft. Die allerschwierigfte Frage ist die der Sabbatruhe in der Landwirtschaft, die sich leid« selten durchführe« läßt, da es ja sehr wenig» jüdisch« Prioatgüter überhgupt gibt und soft gor keine, wo am Sabboth nicht gearbeitet wird. Wir glauben, daß man einige ideell gesinnte, sudensreundliche Gutsbesitzer ausfindig machen könnte, die in besonderen Fällen solch« Juden in ihre Wirtschaft aulnrhmen und auf ihre religiösen Gefühle Rücksicht nehmen würden. Die orthodoxe Iudenheit hätte am meisten Intereffe daran, jüdisch« Güter und Lehrsarme zu schassen, wo die jüdische Jugend die Feiertage nach Maßgabe der jüdischen Gesetze halten könnte. N. CH. Die Gründung de» jüdischen Lehrgute, Müilhei» I» Raden wird, wie uns Herr Hauptlehrer Seligmann mitteilt, aus verschiedenen Gründen, u. a. auch aus Mangel an geeigneten Lehrkräften aus da» nächste Jahr, bezw. aus 1SÄ verschoben. Der Sohn des Houptlehrers, der Landwirtschastslehrer Sigmund Seligmann, ist inzwischen als Inspektor im jüdischen Lehrgui Markenhos bei Freibürg angesicllt worden. Israelitisch« Präparanden- und Rürgerschnl, .Taimob- Tora" tn Vnraprrppach. Ein Blick auf die Illustrationen des Jahresberichtes der Anstalt für das Jahr 1V1Ü belehrt uns, daß di« Lehrkräfte in weiser Befolgung des Grundsatzes unserer Talmudlehrer »Tvv Tor» im Ilorsek den Schülern nicht nur geistige sondern auch körperliche Ausbildung und Vorbildung für event. gärtnerische 'Und handwerkliche Beruse angedeihen läßt. Auch die Bilder, die dir Wohnstätte der Schüler (Schlafzimmer) dorstellen, zeugen von der Fürsorge der Anstalt sür äußerste Reinlichkeit der Zöglinge. Ms vsrukLcdickfuna ks rtsnctz»r>>910irntn li LL«,<«.5SS «o (*«82.353 Personen) tvo A» nci (1,530.73? Person«^ «o tn Oer-'

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