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Mitteilungen des Daniel-Bundes · 1920-01-01 · 1 (1.1920) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen des Daniel-Bundes
Volume
1 (1920)
Issue
1 (1.1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 5 (sequence 8)
Language
German
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bfiken. "tiü _cfnietaen G>hrtenpidit«u. Br bh- «AfMltaleh-in dar Hauptsache mltdtat ttmtugotetttan Gartenanteil, verkauft Samen. PtHtaxrhem’iDler. lJmonndea. bewacht' die Gärten, hilft mcfe gegen Bezahlung einzelnen Pächtern aas, kümmert eich aber sehr wenig um das Gedeihen der. ganeen Kolonie, um die rechtzeitige tad rationelle Verwertung der flberschflsslgen Produkte mancher Garten Pächter u. dergi. Mancher Kolonist muß einen Teil der ausgereiften Geinase und'Salate verschenken, an das Vieh verfüttern oder, nach einigem Lagern, in verdorbenem Zustande in die Misttonne werfen. Die Gärtner in den Kolonien besitzen höchst selten ausreichende theoretische Vorbildung in der Gartenkunst, in Obstbaumzucht u. dergi. Sie sind meist einseitig in der Praxis ausgebildete Fachleute, die nicht!h der Lage sind, den Pächtern wissenschaftliche Unterweisung in der Pflanaferikitnde zu erteilen und bei ihnen besonderes Interesse für den Qartenbau zu wecken. Unseres Wissens besteht noch bisher keine Klelngärten- KOlOnie, Wo die Pächter an Hand der praktischen gärtnerischen Arbeiten auch die wissenschaftliche und technisch-gärtnerische Grundlage des Gartenbaues von berufenen Fachleuten erlernen/ kQimten. Für das Instandhalten eines normalen Kleingartens reicht der Sonntag allein nicht aus. Ist der Kleingärtner verhindert, zu gewissen Zeiten auch an den Werktagen seinen Garten zu pflegen, so. wird dieser mehr oder minder verwahrlost, und der Pächter sieht sich schließlich veranlaßt, den Garten weiter zu verpachten. Die Aufdeckung dieser und anderer Mängel der bisherigen Kleingärten Wirtschaft zeigt uns zugleich den Weg, den wir bei der Errichtung jüdischer Kleingärten einzuschlagen haben. Jüdische .Gartenkolonlen können so vorbildlich für das moderne städtische Kleingartenwesen überhaupt werden. Die städtische Heimgärtenbewegung ist noch jüngsten Datums und muß eine lange Entwicklung durchmachen, um sich einerseits von den veralteten rückständigen Formen der Landwirtschaft, andererseits von dem bisherigen Dilettantismus des Unternehmens za befreien. Die Kleingärten-Kolonle der Zukunft muß sich zu einer städtischen Lehrfarm für erwerbstätige Leute ugd zugleich zu einer Mustergärtne rel gestalten, wo die Gartenpächter, neben den sonstigen Wohltaten der Gartenarbeit, das richtige Verständnis für die neuzeitige Gartenkultur und zugleich das Gefühl, nützliche produktive Arbeit geleistet zu haben, bekommen. Die städtischen Kleingärten der Zukunft sollen die Vorstufe der kommenden Landwirtschaft bilden, von der der englische Dichter und Sozialist Bemard Shaw bei Gelegenheit einer Großstadt-Diskussion gesagt hat: »Ich glaube, die Landwirtschaft in unserem Volke wird nie zu einer Blüte kommen, solang sie hi den Händen der landwirtschaftlichen Klasse varbleibt.' Ich glaube, unterem Land wird Oedeiben kommen von den Menschen, die ln den Städten gewesen sind und nun wieder zum Lande zurückkehren. Ich glaube, die Landwirtschaft der Zukunft wird nie das Werk beschränkter Landwirte eetn. die schlecht bezahlte Landarbeiter aus- Sie wird des Weit intelligenter Männer männische Ausoutaiig4»* flfflteitachen Uk temehmens Hand in Hund MKM, <L h. <fie mußt*» gültige Organisation des-nukuab des landwirtschaftlichen Inventars usw., des Absatzes der nrv zeugten Produkte, und der günstigen und recht-, zeitigen Verwertung aller gärtnerischen Erteag-, nisse. Der fortschrittliche Gärtner der Zukunft * muß zugleich Fabrikant und Kaufmann seht. Ar diese beiden Erwerbszweige sind die JudeS erfahrungsgemäß sehr leistungsfähig, daher sind sie auch berufen, in der zukünftigen Entwicklung des Gartenwesens eine hervorragende Rolle zu spielen. Selbstverständlich dürfen dabei auch die ethisch-sozialen Momente, die Ansschaitintg selbstsüchtiger Ausbeutung und die Heranziehung unbemittelter arbeitslustiger Juden für die gärtnerische Betätigung nicht außer Acht gelassen werden. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, müssen die jüdischen Kleingärten-Kolonien von vornherein so ausgebaut werden, daß sie manchen Pächtern neben dem rein sportlichen, familiären und wissenschaftlichen Nutzen des Unternehmens auch die Entwicklungsmöglichkeiten für eine spätere intensivere Beschäftigung mit dem Gartenbau bieten. Mit anderen Worten, die Jüdische Kieingärten-Siedelung soll eine Art Sonntagsschule für Gartenbau, aber zugleich auch eine rationell betriebene Mustergärtnerei darstellen. Als Vorbild für eine solche jüdische Lehrfarm für Kleingartenbau können uns einerseits die Israelitische Gartenbanschule in Ahlem bei Hannover, anderseits der staatliche Mustergarten in München, Holzapfelskreuth, dienen. Ist die Ahlemer Schule ein Vorbild für eine mit neuzeitlichen technischen Mitteln ausgestattete gärtnerische Lehranstalt, die jedoch staatlicher oder privater Unterstützung nicht entbehren kann, so zeigt uns der staatliche Mustergarten in Holzapfelskreuth, wie man mit bescheidenen Mitteln ohne fremde Hilfe eine kleine Lehrfarm für Gartenbau errichten und betreiben' kann. Würde eine Gesellschaft von etwa lOty Teilnehmern eine solche Farm durch einen tierrichten lassen. Uer den Garten bewirtschaften und den Teilnehmern das Gemüse liefern soll; würde man ferner den Garten in Parzellen elnteilen, ohne diese voneinander abzuzäunen, und den Teilnehmern je nach ihrer verfügbaren Zelt die Mitarbeit an ihrer Parzelle unter Leitung des Gärtners ermöglichen, so könnte eine Kleingärten- Koionie geschaffen werden, die den Pächtern außer der nützlichen Beschäftigung mit dem Gartenbau noch eine gute Verzinsung ihrer Kapitalanlage gewähren würde. Für diejenigen, die ihre Gartenparzelle ganz selbständig bewirtschaften wollen, könnte ein besonderes Terrain im Garten abgezäunt werden. Junge Leute, die sich Kam dem Gartenbau, widmen wollen, körnten sich als Praktikanten. Im Garten hetäVgen :und dabei dem Gärtner manche Dienste leisten. Voraussetzung für den Erfolg des Unternehmens ist allerdings die Anstellung eines tüchtigen' bi Theorie und Praxis ausgebildeten jüdischen Gärtners, der unter den ehemaligen ZögHngen dar Ahlemer Gartenbauschule nicht schwer zu Baden wäre. ■ 1 vv-'j

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