Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 51 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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204 chcr er die Grundlage für sein ganzes, späteres Lieben. , für das streben nach allseitiger Bildung und gemein- ] nütziger Thätigkeit gelegt hatte. — Wir übergehen die l Jahre 1806 bis 1815, in welchen er vorzugsweise ‘ als Hauslehrer an einigen Orten Süddeutschlands wirkte, und »«^welchen Jahren innerer Sammlung er in stiller, unausgesetzter Thätigkeit seine Bildung zu vollenden suchte, um dann die Vlüthen seines Geistes zu entfalten, und finden ihn im Jahre 1815 wieder in seiner Vaterstadt Lauchheim, damit beschäftigt, sich einen eigenen Hausstand zu gründen. Von jetzt an nun beginnt seine unermüdliche öffentliche Thätigkeit im Jnteresie seiner Glaubensgenossen und es bedurfte hiezu karttn der Ver- ' antassung, daß er, obgleich der jüngste Familienvater, alsbald (im Jahre 1816) zum Vorsteher der israelitischen Gemeinde zu Lauchheim gewählt worden war. — Vor Allem richtete Heß sein Augenmerk auf die Verbesierung des damals in ganz Württemberg (wie auch sonst fast in ganz Deutschlandvollständig darniederliegenden israelitischen Schulunterrichts, denn er erkannte, daß die Heranbildung der Jugend eine eben so heilige, als dankbare Ausgabe sei, daß die Schule die Pflanzstätte einer besieren Zeit werden muffe. Er wandte sich deßhalb im Jahre 1817 mit einer ausführlichen Denkschrift unmittelbar an König Wilhelni von Württemberg, der kurz zuvor den Thron bestiegen hatte und der durch seine wohlwollenden und raschen Organisationen Hoffnung gab, daß es blos einer Anregung bei ihm bedürfe,' um auch dem » jüdischen Schulwesen sein Augenmerk zu widmen. In dieser Denkschrift, der dann im Jahre 1818 ein zweites größeres, zugleich die Organisation des jüdischen Armenwescns, wie überhaupt die jüdischen Verhältniffe berühren- * des Memorandum folgte, stellte Heß zunächst die Mängel des jüdischen Schulwesens in Württemberg dar, wo es damals mit wenigen Ausnahmen fast gar keine israelitischen Lehrer mit deutscher Bildung gab und schon aus diesen» Grunde von einer Schule, die auch üur das Nothdürftige geböten hätte, keine Rede war und wachte sodann Vorschläge zur Verbesserung; vor Allem »der beantragte er die Einsetzung einer Centralftelle für das israelitische Schulwesen, an welcher es damals noch gänzlich fehlte. — Heß hatte die Genugthuung, daß auf diesem seine erste Denkschrift vom Jahr 1817 alsbald unterm 18. November 1817 der König „eine Commission für das israelitische Kirchen- Schulurd Sriftungswesen" vorerst im Princip ernannte, die aber allerdings erst viel später praktisch in s Leben trat. — Und daß auch seine zweite Denkschrift vom Jahr 1818 nicht unbeachtet gelassen, wurde, das wurde dadurch bewiesen, dafi,man von da an sich in den Ministerien mit , einem Gesetzentwurf für die Regelung der Verhältniffe , der Israeliten Württembergs beschäftigte. Als Heß von 1 Letztem Kenntniß erhielt, wandte er sich sofort (im Jahre ' 1&T9) mit einer neuen Petition an den König, in wel- I cher er die Bitte stellte, vor Einbringung des Gesetzj entwurfs bei den Kammern über denselbesi auch Israeliten j gutachtlich zu vernehmen, was um so nöthiger erschien. | als in jenem Entwurf auch Bestimmungen über die äußere Organisation der israelitischen Schule und Kirche in Württemberg Platz finden sollten. Dem entsprechend wurden im Jahr 1821 Einige jüdische Notabeln aus dem ganzen Lande, darunter auch Heß von der Regierung eingeladen, im Verein mit Commiffaren der Regierung und der Stände den inzwischen dem ständische»» Ausschuß mitgelbeilten Entwurf m Stuttgart zu berathen. In Folge der Einsendungen von Heß aber, der von israelit. Seite mit dem Hauptreferat betraut worden war und der zu diesem Zweck ein sehr umfassendes Memorandum der gemischten Compt.ission unterbreitete, wurde bald nach Beginn der Berathung jener Gesetzentwurf wieder zurückgezogen und nach welligen Wochen durch einen andern, vielfach modificirten ersetzt, der dann in! der Commission durckberathen wurde. Natürlich war der Einfluß der jüdischen Notabeln blos bezüglich der innern organisatorisches Fragen des Judemhums thcilweise ei>» maßgebender, dagegen bezüAich der Bestimmungen des Ent-, Wurfs über die politischen und bürgerlichen Rechte der Israeliten ein äußerst lxschränkter, da ste in dieser Beziehung offiziell nicht I einmal zu einer gutachtlichen Aeußenmg berufen tragen. Heß begnügte sich deßhalb nicht mit jener offizielles Thätigkeit, vielmehr bearbeitete er noch im Jahre lfcjn eine neue, dich Mal an die Ständeversammluug gerichtete Denkschrift, die er auch im ' Druck verausgab ifnt worin er in wirtlich meisterhafter Weise an der Hchtd der geschichtlichen Entwicklung des J»rdenthums nachwisss, wie ungerecht es sei, die Fehler der Juden, die keineswegs wcggeläugnct werden sollten, ausschließlich dieses selbst aufzubürden und nicht vielmehr ihren Verfolgern: »vie ungerecht es sei. von den Juden allein zu verlangen, daß Fehler und Sstten, die durch eine Jahrhunderte lang aufgezwung ..e geschichtliche Mißbildung erzeugt worden seien, mit Einem Male abgelegt werden »nüßten, und wie endlich aus der ar»dern Seite die unläugbaren Vorzüge der J»»den verkannt würden. (Schluß folgt.) Anekdote. „Morgen können Sie mich nicht sprechen." sagte e»»i.Judc zu einem christlichen Bekanntdn. — „Warum nicht'?" fragte diefir. — „Es ist Zerstörung Jerusalems." — „Ei so, da wünsche ich vergnügte Zerstörung," sagte er höflich, und entfernte sich. Allgemeine Zeitung de« Judevlbum«. No 50. 18>i6. Inhalt: veilende Ä rtikel: Ucder Conflikle zwilchen religiösen und staalSbllrgedlichen Pflichten II.. — Di« jüdische Bevölkerung in Preußen nach der Volkszählung vom 3. Dezcnider 1861. — Die Petitionen. — Literarischer Wochenbericht. Zeilung«u achrichren: Deutschland: Berlin, Honig«, berg. Orsterreichischek Kaiserstaat: Lemberg, Agram. Eraukreich: Pari«. Italien: Pisa. Holland: Rotterdam. anew-ark: tzrcdrricia. Notizen. 2E3* Za beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Thaler, viesreljahrlich '/* Thaler. Beramwortlicher Reoacieur Dt. H. Potzrocr tJan Gärtler'« V»»d«ndt.lRg i« Uripüa. — Druck von <8. 2 re sirrz in Leipzig.